Aus meinem Archiv (4)

1983 fand in Bad Segeberg die jährliche Konferenz des Welt-Schulbibliotheksverbandes IASL statt. Das wäre allein schon der Erwähnung wert: Der große internationale Schulbibliothekskongress tagt in Deutschland!

2006 schreibt der damalige oberste Schulbibliotheksexperte des dbv, Dr. Ronald Schneider seinen Reisebericht von der IASL-Tagung in Lissabon, Überschrift: “Der Deutsche Bibliotheksverband betritt erstmals internationales Schulbibliotheksparkett”. Lassen wir es so stehen und kehren nach Bad Segeberg zurück:

Damals nahm eine Bibliothekswissenschaftlerin aus Island teil, Sigrún Klara Hannesdóttir. Sie schreibt u. a. über ihre anschließende Rundreise durch deutsche Schulbibliotheken: “Bedauerlich ist die Tatsache, dass es von einzelnen Behörden abhängt, ob Schulbibliotheken eingerichtet und unterhalten werden. Da keine Gesetzgebung Schulbibliotheken unterstützt, verfügt nur eine Minderheit der Schulen über eine Bibliothek… Deutsche Schulen messen mit ihrer gegenwärtigen Methodik den Schulbibliotheken in der Primar- und Sekundarstufe I keine große Bedeutung bei.

Aus meinem Archiv (3)

Antrag, Grundsatzpapier und Kommentar zur Schulmediothek, vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Literatur und Medien in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für den GEW-Kongress 1974 in Mainz.

Ob der dort angenommen wurde, weiß ich nicht mehr. Das ist aber auch egal.

(aus: Informationen Literatur und Medien - Jugendschriften-Warte, Heft 3/74)

Die Novellierung des hessischen Bibliotheksgesetzes steht an

Vor vier Jahren wurde auch in Hessen ein Bibliotheksgesetz verabschiedet. Auch in Hessen erkannten die Interessenvertreter/-innen des Bibliothekswesens bald, dass Papier geduldig ist. Jetzt steht eine Novellierung an. Ein neuer Anlauf, um an staatliche Geldtöpfe heranzukommen? Vielleicht klappt es jetzt?

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Black Box Unterricht

Das ZDF hat ein, nach Aussage hauseigener PR-Expert/-innen, noch nie dagewesenes Experiment durchgeführt: Sechs Monate waren Kameras in zwei Gymnasialklassen installiert und sollten Unterrichtswirklichkeit einfangen. Es kommentiert der Philosoph Richard David Precht. Seit er ein Buch über Schule geschrieben hat, gilt er als Experte.

“Was bringt das?” fragt Michael Hanfeld in der FAZ v. 23.9. “Es bringt, um es kurz zu machen: nix.”

Dem ist nichts hinzufügen.

Hanfeld empfiehlt den Film von Anja Reschke “Lehrer am Limit” (NDR 2013).

50 Jahre nach Picht: Bilanz der Bildungsreform

Der emeritierte Politikwissenschaftler und frühere bayrische Kultusminister Hans Maier hat in einem ganzseitigen Artikel in der FAZ (15.9.2014, p. 6) die 50 Jahre Schulentwicklung seit Georg Pichts Ausrufung des Bildungsnotstandes im Jahre 1964 bilanziert.

Da ist vor allem die quantitative Dimension: Nach 150 Jahren niedriger Abiturientenquote (ca. 4 %) sei die deutsche Bildungselite auf 30 – 40 % eines Jahrgangs angewachsen. Zu danken sei das nicht zuletzt der Schaffung weiterführender Schulen außerhalb der Städte, auf dem Land. Es wurden mehr Schulen gebaut, Es wurden Schulgeld- und Lernmittelfreiheit sowie Fahrtkostenerstattung für den Schulweg eingeführt.

Mein Gott, das habe ich alles noch erlebt: Das Schulgeld wurde gerade abgeschafft, der lange Schulweg vom Dorf in die Stadt. Die Monatskarte zahlten die Eltern, nicht das Schulverwaltungsamt, ebenso die Schulbücher.

Die autoritäre Schulverfassung und auch obrigkeitsstaatliche Elemente des Unterrichts, das Katheder, die Körperstrafen, die Abwehr von Diskussion und Schülerfragen, die starren Stoffkanons seien abgeschafft worden.

Mit dem Stahllineal wurde auf die Finger gehauen. Mein Grundschulrektor hatte einen Spezialgriff: Zwischen Zeige- und Mittelfinger klemmte er eine Wange ein und zog den Delinquenten so zum Lehrerpult, wo das Lineal lag.
Die SMV – Die Schüler-Mit-Verwaltung – wurde gerade eingeführt. Als Student habe ich dann an einem Entwurf für ein Schulgesetz mitgearbeitet.  Aus der Anstaltsordnung sollte eine demokratische Schulverfassung werden.

Die Verbreiterung der “Bildungselite” hatte nicht zuletzt demokratiestabilisierende Auswirkungen. Zur Bildung gehörte auch die politische Bildung (Mayer hat zur Geschichte des politischen Unterrichts ein wichtiges Buch geschrieben; GS) Zu politischen und Verwaltungsämtern hatte nicht länger nur die frühere schmale Bildungselite Zugang.

Neben den Gewinnen der Bildungsreform sieht Maier aber auch Probleme. Die gewaltige Steigerung der Abiturientenzahl hatte “Nebenfolgen” für  die Universitäten. Anders als in anderen Ländern studiert in Deutschland die große Mehrheit der Abiturienten. So wurde der Numerus Clausus eingeführt und die Lehre, die Bologna-Reform eingeschlossen, verschult. Vernachlässigt wurde das berufliche Schulwesen, es ging bei Picht, auch später bei Dahrendorf, ausschließlich um Gymnasien, Abiturienten und Studenten.

Maier bedauert, dass grundlegende Probleme der Steuerung des Bildungswesens heute nicht mehr diskutiert werden. Vor allem aber beklagt er, dass sich die Sicht auf die Schule verändert hätte. Sie sei rigoros in den Dienst des Lebens, der Zukunft gestellt worden und habe ihr pädagogisches Eigenrecht verloren. Statt um die Muße (schola!) gehe es um die Nützlichkeit. Jedes Fach müsse diese nachweisen: “Was bringt´s?” Der Satz “Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben” klinge nur vordergründig gut. Über der Ausrichtung auf die Zukunft seien die Gegenwart der Schüler, der soziale Umgang, das zwecklose Lernen, der einmalige pädagogische Moment verloren gegangen.

Die heutige Schule müsse als Gegenpol zu Bild und Ton, zu den Medien, das Sprechen, Denken, Begreifen und Unterscheiden in den Mittelpunkt stellen.

22. Hessischer Schulbibliothekstag 2015 in der Europäischen Schule Bad Vilbel

Der 22. Hessische Schulbibliothekstag der LAG Schulbibliotheken in Hessen wird am 21. 3. 2015 in der Europäischen Schule in Bad Vilbel bei Frankfurt/M stattfinden.

Die Europäischen Schulen sind als Schulen für die Kinder der Mitarbeiter/-innen in EU-Einrichtungen entstanden. Sie führen vom Kindergarten bis zum Abitur und haben einen exzellenten Ruf. Ihr Modell der Sprachenfolge ist sehr ambitioniert. Das Europäische Abitur wird in ganz Europa und in den USA anerkannt. Namen von Ex-Schülern gefällig? Ursula von der Leyen, Florian Henckel von Donnersmarck, Boris Johnson, OB von London, Thomas Rabe, Vorstandschef der Bertelsmann AG. 25.000 Kinder werden in 14 Schulen unterrichtet.

Tom Zijlstra, den Direktor der Bad Vilbeler Schule habe ich bei einer Besichtigung der Europäischen Schule in Frankfurt am Main kennen gelernt, die ich für den Arbeitskreis “Schule-Wirtschaft” organisiert hatte. Damals war er dort Schulleiter.

Wegen der gewachsenen Zahl der EU-Mitgliedsländer und der daraus folgenden Zunahme der EU-Mitarbeiter platzen die Schulen aus allen Nähten. Die Aufnahme von Schülern von außerhalb findet nicht mehr statt. Inzwischen gibt es zehn private EU-Schulen, die sich selbst finanzieren müssen. Sie unterrichten nach demselben Modell, verlangen aber höheres, nach Einkommen gestaffeltes Schulgeld. Die Schule in Bad Vilbel ist eine solche Neugründung. Sie unterliegt zwar den strengen EU-Richtlinien, hat aber mehr Freiheiten, kann sich z. B. die Lehrer selbst aussuchen.

Ich habe mehrfach, im Buch, in Vorträgen und im Blog auf die Bedeutung des Raumes für Lernerfolg und Lernmotivation hingewiesen. Daher freut es mich besonders, wenn ich diesen Satz von Tom Zijlstra lese: “Eine solche Schule kann nur ein Erfolg werden, wenn das Gebäude phantastisch wird. Wir wollen die Schüler nicht verwöhnen, aber wir wollen ihnen Respekt zollen.” (nach FAZ v. 13.9.14, p. C 1)

Muss ich noch erwähnen, dass sowohl Frankfurt als auch Bad Vilbel hervorragende Schulbibliotheken haben und mit Renate Kirmse eine engagierte Schulbibliothekarin, die von Frankfurt nach Bad Vilbel wechselte?

 

OECD findet wieder Haare in der Suppe

Die seit 40 Jahren andauernde Kritik der OECD-Bildungsexpert/-innen am deutschen Bildungssystem ist neuerdings unter lobenden Worten versteckt. Jetzt hat man entdeckt, dass anderswo mehr Aufstieg über Bildung stattfindet als in Deutschland. In USA studieren 83% eines Jahrgangs, in Deutschland unterdurchschnittlich ca. 40%. Auch wenn die OECD nach jahrelanger Nichtbeachtung inzwischen die duale Berufsausbildung akzeptiert, heißt ihre Losung: Studium, Studium, Studium!

Wenn in einem Land Krankenpfleger und Zahntechnikerinnen für ihren Beruf studieren müssen, zählt das in der Statistik als Aufstieg durch Bildung. Aber eben nicht in Deutschland, wo diese Berufsausbildung (noch) nicht an einer Hochschule stattfindet.