Mehr digitale Bildung in die Schulen. Ein neuer Pakt

Digitale Bildung in Schulen will die Bundesregierung fördern. Wie man das so macht: Es soll ein “Pakt für digitale Bildung” geschlossen werden, der alle Player versammelt: Bund, Länder, IKT-Firmen usw., wahrscheinlich auch noch Gewerkschaften und dbv.

Geplant sind die finanzielle Förderung der Computerausstattung und Breitbandanschlüsse, für Schüler auch zu Hause(?). Das Urheberrecht soll “bildungsfreundlich” gestaltet werden. Digitale Bildung soll Facher übergreifend vermittelt werden.

So sehr es mich freut, dass endlich auch wieder über Informatikunterricht gesprochen wird, mir fehlt der rechte Glaube.

Mehr als ein Smartboard pro Klassenzimmer kann es nicht geben. Vielleicht kriegen jetzt die ca. 18.000 deutschen Schulbibliotheken auch welche. Ein neues Schulfach soll es nicht geben. Wie fast alles in den letzten Jahrzehnten wird es auf einen unveränderten Stundenplan und die vorhandenen Fächer draufgepackt. Wie schon zuvor Gesundheitserziehung, Sexualerziehung, Verkehrserziehung, Medienerziehung, Informationskompetenz, Methodenkompetenz, (Friedenserziehung gab es, glaube ich, auch schon einmal in Hessen als Querschnittaufgabe). Allein sexuelle Vielfalt zu unterrichten erfordert sehr viel mehr Zeit, wenn man allen biologischen und sozialen Geschlechterformen gerecht werden will.

Was für ein Glück, dass in Hessen Medien- und Informationskompetenz laut HesBiblG an die öffentlichen Bibliothekaren ausgelagert ist.

Wie der Informatikunterricht untergebracht werden soll, kann ich mir noch nicht recht vorstellen.

Da ja die Digitalisierung den Unterricht revolutionieren soll (MOOC, flipped lessons, BYOD), bringen es sich die Schüler womöglich selbst bei.

Nach der letzten Bildungsoffensive des Bundes – Bildungsmanager/-innen für die Kommunen – bin ich halt noch skeptischer, als ich schon war.

Da es natürlich nicht mehr Personal geben wird, wird auch bei den Lehrern draufgepackt werden: Der IT-Lehrer, der ja schon den Datenschutz aufs Auge gedrückt bekam (Sollte eigentlich gerade nicht sein), wird jetzt wohl auch Pakt-Beauftragter werden und soll die Beschlüsse der neuen Gremien an die lieben Kollegen weitergeben bzw. für die Umsetzung sorgen.

Was ich sicher weiß: Das Catering für Take-Off-Veranstaltung des Paktes wird ausgezeichnet sein.

Aber im Ernst: Auch wenn ich nicht glaube, dass die Digitalisierung die Schule entscheidend verbessern wird, sollte man den Mut haben die bisherige Organisationsform auf den Prüfstand zu stellen. Muss es Bestandsschutz für Fächer geben? Muss man sich vielleicht trennen von vielen lieb gewordenen und für unverzichtbar gehaltenen Inhalten? Sollte man sich auf Kernkompetenzen beschränken (lesen, schreiben, rechnen, Führerschein machen und Mietverträge verstehen) wie das die Twitterin und Abiturientin nanablabla einst forderte.

Meine Kinder hatten schon keinen richtigen Literaturunterricht mehr und nie etwas von Goethe gelesen, vielleicht mal ein Gedicht. Der Stundenplan der Mittelstufe ist ein Schweizer Käse: In einem Jahr eine Stunde Geschichte, im nächsten Jahr keine, dann plötzlich zwei. Politikunterricht? Der darf oft gar nicht einmal so genannt werden. Musik und Kunst sind Randfächer. Die Schulen fangen das auf mit speziellen Musikklassen, mit Schulorchestern, mit eigenen Theateraufführungen. Das erinnert mich an die sich ausbreitende Bibliothekskultur: Schließung in den Stadtteilen, dafür eine Zentrale nach dem Entwurf von Koop Himmelblau oder Zaha Hadid.

Sollte man nicht kleinere Brötchen backen und nicht alle Bildung in der Schule vermitteln müssen und schon gar nicht alle gesellschaftlichen Probleme thematisieren?

Ärger über Organisationsänderungen in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gilt als größte öffentliche Bibliothek in Deutschland. Sie ist auf zwei Gebäude verteilt, was auf die Teilung Berlins bis 1989 zurückgeht. Ein repräsentativer Neubau auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld, für den schon Entwürfe vorlagen, ist nicht mehr möglich, da ein Bürgerentscheid die Randbebauung mit Wohnungen und der ZLB untersagte.

Jetzt erlebt die ZLB den nächsten Schock. Ein Gutachten renommierter Bibliothekswissenschaftler enthält brisante Vorschläge. 100 der 300 ZLB-Mitarbeiter sind mit der Einarbeitung der jährlich 70.000 Medien beschäftigt: lektorieren, bestellen, katalogisieren.

An deutschen öffentlichen Bibliotheken sind ca. 70% der bibliotheksfachlichen Tätigkeiten an externe Dienstleister ausgelagert, an der ZLB sind es 5%. Daher schlagen die Gutachter vor, bei der ekz eine Standing Order zu abonnieren und somit Katalogdaten einfach zu übernehmen und das Lektorats-, Bestell- und Katalogisierungspersonal drastisch zu verkleinern.

So könne man mehr Mitarbeiter für die Begegnung mit den Nutzern, etwa für digitale Angebote und längere Öffnungszeiten, gewinnen.

Der Ärger über die geplante Reform ist beim ZLB-Personal, aber auch bei Bibliotheksfreunden groß. Man habe ein besonderes Profil und nicht umsonst eine sehr hohe Besucher- und Ausleihfrequenz. Das wäre mit einem ekz-Angebot von der Stange nicht zu leisten.

Die bibliotheksaffinen Berliner Wutbürger/-innen kommen mit der Nazikeule: Sie fühlen sich an die Bücherverbrennung 1933 erinnert.

Als bibliotheksaffiner Mensch hatte ich schon den Stift gezückt, um die allfällige Petition zu unterschreiben, da las ich das mit dem Faschismus.

Die genannten Zahlen sprechen Bände. Es hat mich schon erstaunt, dass Bibliotheken heute 70% ihrer Arbeit auslagern, die ZLB aber 95% selbst erledigt und dafür ein Drittel der Mitarbeiter einsetzt.

Ganz unbekannt ist mir das Problem nicht. In den hessischen Barfuß-Schulbibliotheken wurde und wird vielfach noch die allermeiste Zeit damit verbracht, Bücher auszusuchen, einzuarbeiten: foliieren, Signaturschild und Fristzettel kleben, Karteikärtchen schreiben oder die Buchdaten in den Computer eingeben, über Schlagwörter und die richtige Signaturgruppe nachdenken. Seit es LITTERA und Fremddatenübernahme gibt, sind bibliotheksorganisatorische Tätigkeiten zusammengeschrumpft.

Verständnis habe ich für die Kritik an der Standing Order der ekz. Wir hatten Probleme mit den Vorschlägen des ekz-Lektorats “Empfohlen für Schulbibliotheken”. Die Empfehlung entsteht, so habe ich mir sagen lassen, ohne “Autopsie”, d. h. der ekz-Lektor liest das Buch nicht, sondern empfiehlt aufgrund der Verlagsangaben, z. B. Altersstufe, Waschzettel, Titel und Untertitel. Oft haben wir Barfuß-Schulbibliothekare festgestellt, dass KJL, die von der ekz empfohlen bzw. für die Standing Order KJL ausgewählt wurde, bei uns Ladenhüter wurde oder – im Sachbuchbereich – zu schwierig für Kinder und Jugendliche war.

Aber es sollen ja weiterhin jährlich 6.000 Medien vom hauseigenen Lektorat ausgewählt werden dürfen.

(Nach Lektüre eines Berichts in der PNN)

Das Layout dieses Blogs

Der Wechsel zum gegenwärtigen “Theme” wie WordPress die Layouts nennt, war falsch. Mir wurde das von Anfang von wohlmeinenden Lesern gesagt, in diesen Tagen erneut. Meine eigenen Zweifel sind im Laufe der Zeit gewachsen. Ich sehe auch die problematischen technischen Details: vor allem die knallige Großschrift dort, wo ich eigentlich Anmerkungen und Links in Kleinschrift schreiben wollte, was aber nicht möglich ist.

Ich werde mich in nächster Zeit nach einem anderen Theme umschauen.

Nachbetrachtung zum 22. Hessischen Schulbibliothekstag

An dem riesigen Gebäudekomplex am Rande eines Bad Vilbeler Industriegebietes fuhren wir erst einmal vorbei. Wer ein Berufsleben lang Schulen aufgesucht hat, meint, ein Schulgebäude noch im Schlaf zu erkennen. Dass der Bau nicht die Hauptverwaltung eines Konzerns, einer Großbank oder einer Gewerkschaft, sondern die “Europäische Schule RheinMain” war, merkten wir erst, als wir schon vorbeigefahren waren und im nächsten Kreisel umkehrten. Beeindruckend war dann nicht nur dass Äußere, sondern auch das Innere: Glas, helles Holz, Aluminium, großzügige Dimensionen.

Ich will hier keinen Kongressbericht schreiben, sondern nur Randbemerkungen machen. Wer nicht da war, hat wieder einmal viel verpasst. Hans Günther Brée und die gastgebende Schule, allen voran die Bibliothekarin Renate Kirmse, haben hervorragende Arbeit geleistet. Die Referent/-innen wurden von Assistent/-innen – Schülern und Eltern – begleitet. Das war gut so, denn dass der Raum 2.19 nicht neben 2.18 liegt, erschloss sich mir nicht sogleich.

Das Interesse an Informationskompetenz ist wohl auch in Hessens Schulbibliotheken gewachsen. Die Referentin Dr. Nathalie Mertes hatte vor- und nachmittags volles Haus. Die bewährte Mischung in den Angeboten hatte LAG-Vorsitzender Hans Günther Brée beibehalten: Organisation, KJL und Leseförderung, Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken, Praxisberichte und IKT. Neu war das Thema Datenschutz in der Schulbibliothek. Reiner Laasch vom Vorstand hat dazu eine LAG-Broschüre verfasst, deren Startauflage von 2.500 Exemplaren an die hessischen Schulen verteilt werden soll. Die 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Broschüre schon in ihrer Tagungsmappe.

Die LAG kooperierte mit dem hessischen dbv-Forum-Schulbibliotheken: Die anwesenden Forum-Bibliothekare und zwei abgeordneten Forum-Lehrer (Ich zählte sechs Personen) konnten ihre zahlreichen Flyer und Broschüren am Stand der LAG auslegen, wo sie von zwei ehrenamtlichen LAGlern tagsüber betreut und am Schluss auch weggepackt wurden.

Den guten Verbindungen des Schulleiters der Europäischen Schule war es zu verdanken, dass der Kultusminister, Prof. Dr. Lorz, gekommen war. Er sprach ein sehr freundliches Grußwort und bedankte sich bei der LAG für deren jahrzehntelanges Engagement. LAG-Vorsitzender Brée gab in seiner Key-Note einen Überblick über die Leistungen der LAG aus fast 30 Jahren. Schön, dass der Minister das hören konnte.

Die Presse (Fotograf und Journalistin) interessierte sich nach meiner Beobachtung ausschließlich für den Minister.

Eine große Enttäuschung kann ich nicht verbergen: die beiden Schulbibliotheken – Primary und Secondary. Die beiden Räume wurden dominiert von den Bücherregalen. Die passen zum sachlich-kühlen Gewerbegebiet-Baustil des Hauses. Wo gab es Leseecken, Gruppenarbeitsplätze, Platz für ein Klassenplenum, Computerarbeitsplätze? In jeder hessischen Gesamtschule wären wir enttäuscht gewesen. Unverständlich, dass eine Privatschule, bei der Geld augenscheinlich keine Rolle spielt und die dem angelsächsischen Schulmodell nahesteht, kein modernes School Library Media Center besitzt.

Ich traf viele Kolleg/-innen wieder, die ebenfalls seit Jahrzehnten in ihren Schulen unermüdlich für gute Schulbibliotheken sorgen und die jetzt dabei sind, die Bibliothek an Jüngere zu übergeben.

Updates: Der Artikel in der Regionalzeitung “Frankfurter Neue Presse” ist, wie zu erwarten war, nicht der Rede wert. Der Journalist schreibt über Bibliotheken und Bibliothekspädagogik, seine Überschrift: “Buchwissen, das der Moderne trotzt”. Auf welcher Veranstaltung war der? Und warum hat er nicht dem Veranstalter gesprochen? Ganz anders berichtet die “Wetterauer Zeitung”.

Eine Teilnehmerin, die von außerhalb Hessens gekommen war,  schrieb: “Ich bin  begeistert vom Hess. Schulbibliothekstag nach Hause gekommen. Leider musste ich etwas früher gehen, denn ich musste ja noch nach … zurück. Das war eine hervorragend organisierte und durchgeführte Veranstaltung. Die vielen freundlichen Helfer, die gute Planung und Bereitstellung aller Medien und Materialien, das umfangreiche und interessante Programm, das habe ich so noch nicht erlebt.”

Die neue LAG-Datenschutzbroschüre und die “key note” des Vorsitzenden stehen auf der LAG-Homepage schulbibliotheken.de.

Berichte aus Schulbibliotheken (2)

Die Bibliothekarin der Stadtteilbibliothek in der Weibelfeldschule in Dreieich, Linda Hein, schickt diese Berichte:

Lesehelden 2.0 (ab Schuljahr 2014/15)

In Dreieich gibt es ein neues Bündnis für Bildung: der Förderverein Weibelfeldschule e.V. hat sich die Bücherei und das AV-Studio sowie das JUZ Dreieich als Bündnispartner gesucht und gemeinsam starten wir im Herbst unsere neue Aktion Leseheld stehend mit HintergrundLESEHELDEN 2.0. Das Projekt wird ein Teil der AV-Studio AG sein und ist außerschulisch. Dabei werden die Teilnehmer(innen) eine kleine Geschichte mit Hilfe von Tablets als Fotostory umsetzen. Dazu wird ein Storyboard erstellt, mit dessen Hilfe die Kinder dann die Bilder machen. Gegebenenfalls werden die Fotos mit Sprechblasen ergänzt. Bei der Durchführung unterstützen uns die beiden Ehrenamtlichen Theo van Dieken und Albert Schobbe. Beide wurden zusammen mit Linda Hein, der Bibliothekarin der Weibelfeldschule, im September von der Stiftung Digitale Chancen geschult, um so den Kids eine gute Hilfe bei der Umsetzung ihrer Ideen sein zu können. Die sechs Tablets sowie die weitere technische Ausstattung und kleine Erinnerungsstücke für die Teilnehmer(innen) finanziert der Deutsche Bibliotheksverband im Rahmen des bundesweit geförderten Projekts KULTUR MACHT STARK.

Poetry Slam 

Angelina trägt in lässiger Haltung ihr Hass-Gedicht über die Bäume vor, und Alessia hat einen herzzerreißenden Liebesbrief an die Liebe geschrieben. Poetry Slammer Lars Ruppel hatte den Weibelfeldschülern als Hilfestellung einige Begriffe vorgegeben, damit sie selbst ein Gedicht schreiben.
„Es muss sich nicht reimen – lasst Eure Worte und Gedanken fließen“, munterte er die Achtklässler in der Stadtteilbücherei auf. Innerhalb von 20 Minuten hatten die Jungs und Mädchen Erstaunliches aufs Papier gebracht. Ein bisschen schüchtern waren die Hauptschüler dann, als sie ihre ersten Versuche in der öffentlichen Runde präsentieren sollten.
Aber auch da wusste sich Ruppel, der rund 300 Poetry-Slam-Auftritte und -Workshops an Schulen im Jahr hält, zu helfen. „Bitte, Du bekommst auch einen Kaugummi, oder zwei, wenn Du möchtest“, handelte er kleine Belohnungen aus. Die Schüler bestanden dann gar nicht auf den Kaugummi, die Belohnung durch das Lob mit Applaus und Abklatschen des erfahrenen Gedichteschreibers war so viel mehr wert. Lars Ruppel beeindruckte die Teenager auch mit lässigem Rap über Goethe, coolen Songtexten von der Band Blumentopf und mit einigen Texten seiner Slam Poetry Kollegen.
Ganze drei Stunden lang arbeiteten die achten Klassen an den Gedichten und immer wieder mit neuen Vorgaben. Zum Jubiläum der Bücherei an der Weibelfeldschule hatte die Leiterin vom Förderverein der Schule und von der Dreieichstiftung Geld für dieses Projekt bekommen. „Wir haben bewusst die Hauptschüler für diese Aktion ausgesucht. Wir wollen sie für die Bücherei begeistern, und ich hoffe, ich sehe den einen oder anderen jetzt öfter hier“, sagte Linda Hein.

Lesebazillus

DSC_0028Dafür liest derzeit jedes Kind des Jahrgangs 5 ein selbst gewähltes Buch und untersucht, ob sich ein Lesebazillus darin versteckt – was natürlich nur bei den spannendsten, abenteuerlichsten und lustigsten oder romantischsten Büchern der Fall ist! Jede Klasse prämiert dann die besten Bücher und wird deren Inhalte kreativ umsetzen. Die Kunstwerke werden in der Bücherei ausgestellt werden. Zum Schulfest werden die Objekte ebenfalls zu sehen sein.

Was es noch in Dreieich gibt.

JuLiD, Jugendliteratur Dreieich, ist eine Jugendjury, die sich monatlich trifft, um aktuelle Jugendbücher zu besprechen

Teilnahme an der hessenweiten Sommerleseaktion Buchdurst!

u.a.

Kontakt: Linda Hein
Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich – Weibelfeldschule
Am Trauben 17
63303 Dreieich
Tel.: 06103-961850

Frau Hein ist Referentin auf dem 22. Hessischen Schulbibliothekstag am 21.3. in Bad Vilbel

An alle: Bitte keine Berichte mehr einsenden!

Rettung für Eschenburg-Eibelshausen

Die Bibliothek der Holderberg-Gesamtschule existierte viele Jahre, weil sich die Schulgemeinde engagierte. Sogar zwei Betreuerinnen konnten bezahlt werden. Dann sah es so aus, dass dieses Finanzierungsmodell nicht länger durchgehalten werden könnte. (Der Landkreis gibt 900 €.) Jetzt ist in der Zeitung zu lesen, dass der Förderverein jährlich 8.000 € geben will. Die zurzeit geschlossene Schulbibliothek kann also bald wieder geöffnet werden.

Dass die Finanzierung von Schulbibliotheken durch Eltern, Lehrer, Fördervereine und Sponsoren stattfindet, gilt anscheinend als völlig normal. Derartige Bericht stehen ja jede Woche in Zeitungen. Noch nie habe ich aber bei diesen Gelegenheiten gelesen, dass das eine kommunale bzw. staatliche Aufgabe sein sollte.

 

Schulbibliotheks-Studie von Room to Read

Die großartige Initiative Room-to-Read, über die Basedow1764 schon berichtet hat, ließ die Wirkung ihrer Schulbibliotheken in Laos, Nepal, Indien, Sri Lanka, Sambia und Südafrika untersuchen. Gefragt wurde, ob die Room-to-Read-Büchereien die Lust aufs Lesen vergrößert haben. Die Antwort: Ja, sehr deutlich. Während vor der Eröffnung nur 29% der Schüler/-innen gerne lasen, taten das zwei Jahre nach Einführung einer Schulbücherei 51%. Man hätte sich gewundert, wenn es anders ausgegangen wäre. Allerdings gab es auch schon einmal ein wissenschaftlich begleitetes Leseförderprojekt in rheinland-pfälzischen Schulen, bei dem hinterher gemessen wurde, dass die Leselust gesunken war.

Die Untersuchung kann sicher nicht 1:1 übernommen werden. Nichtsdestoweniger wünsche ich mir, dass Deutschland Einsatzgebiet der Room-to-Read-Aktivisten würde. Auf jeden Fall käme man so schneller zu einer Schulbibliothek als durch Resolutionen, Empfehlungen und Erklärungen in jeder Dekade.

Ein Ergebnis der Studie ist übrigens, dass man in den 2.400 untersuchten Schulen die Erfahrung gemacht hat, daß es bessere Ergebnisse gab, wenn jemand aus dem Kollegium für die Bibliotheksarbeit qualifiziert wurde, als wenn jemand von außerhalb dafür ausgebildet wurde. (“that training staff within the schools to manage the library instead of training external library managers proved to be far more impactful”.)