Eine hilflose Generation Facebook?

Die FAZ hat den Informationsethiker Rafael Capurro über Erziehung zur Freiheit im Zeitalter der digitalen Kontrolle befragt.

Er sieht Gefahren darin, dass immer mehr digitale Programme das Lehren übernehmen. “Was für Menschen werden das sein, die zehn und mehr Jahre mit solchen Programmen getrimmt werden?” fragt er.

Capurro schlägt vor, die Programmierer solcher Lernmedien in den Unterricht zu holen, wo sie erklären sollten, was sie mit den anfallenden Daten machen.

Er plädiert dafür, die ethischen Fragen im Umgang mit Big Data, Facebook und Co auf jeden Fall auch in der Schle zu stellen. Die Gesellschaft müsse ethische Regeln für das Internet entwickeln.

schulmediathek.tv

Der Verlag Bergmoser und Höller macht dem Staatsinstitut FWU Konkurrenz. Der Verlag bietet Arbeitsblätter, Lernhilfen und Fachzeitschriften für Schule, Seniorenarbeit und kirchliche Einrichtungen an. Jetzt gibt es auch eine Plattform mit bisher 1.400 Filmen an (FWU: 4.000). Vorherrschend sind Clips von z. B. drei-, fünf- oder zwanzigminütiger Dauer. Es sind fast ausschließlich angelsächsische Produktionen, die eine deutsche Tonspur erhalten und mit Unterrichtsmaterialien ergänzt werden. Lizenznehmer können die Filme downloaden und mit entsprechender Software für den Unterricht bearbeiten, z. B. einen Schülerbegleittext aufsprechen lassen oder aus dem Begleittext einen Lückentext für ein Arbeitsblatt machen.

Man müsste sich eingehender mit dem Angebot und einem Vergleich zum FWU befassen. Das FWU verkauft Lizenzen hauptsächlich an die Kreismedienzentren und weniger an einzelne Lehrkräfte und Schulen. Was mich neugierig machte, ist der vom Verlag als Markenzeichen geschützte Name schulmediathek.tv.

Er erinnert daran, dass sich nicht nur öffentliche Bibliotheken, sondern auch Schulbibliotheken einiges einfallen lassen müssen, um ihre Daseinsberechtigung zu beweisen. Vor allem Bildungspolitiker/-innen verweisen gerne darauf, dass Internetplattformen doch längst die physischen Bibliotheken ersetzen können. (Im Buch “Die Schulbibliothek im Zentrum” liefern Hans Günther Brée, Markus Fritz und ich Argumente dagegen.)

Was kostet Open Access?

Uwe Jochum, der Leiter der Bibliothek der Universität Konstanz, hat schon vor einigen Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass Open Access, die Aufbewahrung und der kostenlose Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten durch Veröffentlichung auf universitären oder staatlichen Servern, nicht nur nicht kostengünstiger als die Veröffentlichung und Aufbewahrung in Papierform ist, sondern teurer.

Er hat dazu 2009 eine Broschüre geschrieben und 2012 einen Vortrag gehalten.

Inzwischen mehren sich die Stimmen, dass man die wahren Kosten von Open Access und der digitalen Langzeitarchivierung von wissenschaftlichen Publikationen unterschätzt habe.

Dr. Jochum ist bekannt dafür, dass er gelegentlich vom bibliothekarischen Mainstream abweicht und sich kritisch mit Neuen Medien und Internet auseinandersetzt. Das trägt ihm manchen Shitstorm in den sog. sozialen Medien ein. Ein hübsches Beispiel ist ein Herr Spielkamp, der sich in seinem Blog polemisch und rüde zu Jochum äußert und dann, als Jochum antwortet, ihm vorwirft, nicht sachlich zu antworten.

Das große Interesse und die Intensität der Auseinandersetzung um Open Access bei wissenschaftlichen Bibliothekaren sind verständlich. Alle mit der Publikation wissenschaftlicher Texte zusammenhängenden technischen, organisatorischen und redaktionellen Aufgaben werden möglicherweise auf die Universitätsbibliotheken zukommen. Ob Open Access dann in der einen Wissenschaftsdisziplin mehr kostet oder weniger als ineiner anderen, in einer großen Universität billiger ist als in einer kleinen, ist dann nicht die wichtigste Frage. Bezahlt wird aus den universitären Forschungsetats, d. h. vom Steuerzahler.

Lambert Heller zum Nutzen von Open Access

Sachlich und differenziert auch Uwe Müller, Open Access und die Kosten.

Nachtrag: Lesetipp

Michael Hagner: Zur Sache des Buches. Wallstein, Göttingen 2015. 280 S., Fr. 25.90.

Konzentration statt Multitasking

Es ist nicht so, dass ich den Spiegel als besonders wichtige Lektüre betrachte. Mir steckt zu viel Meinungsjournalismus darin. Aber manchmal hat er auch recht. Das Titelthema der Ausgabe 11/2015 heißt “Konzentration”. Ich hätte es mir schon früher gewünscht. 

Wie kommt es zu dem Hype, dass Multitasking etwas Tolles sei? Wenn man sich auf eine Sache konzentriert, kommt mehr dabei heraus. Wer dem gesunden Menschenverstand nicht traut, sollte wenigstens diesen Artikel lesen.

Facebook: Das Dilemma des Staatsrundfunks

Es beschäftigt mich schon länger: In der rbb-Abendschau kommt häufig der Hinweis: Sie finden uns auf Facebook. Oder: Frau XY hat uns dieses Foto auf unsere FB-Seite geschickt. Oder: Weetzie hat unsere Sendung auf FB kommentiert.

Es ist verständlich, dass das öffentliche TV da sein will, wo es die Zuschauermassen zu finden glaubt, in den sog. sozialen Medien. (Ich weiß: “Staatsrundfunk” ist nicht ganz korrekt, auch wenn alle Staatsbürger und übrigens auch Flüchtlinge, sobald sie im Heim oder in der eigenen Wohnung sind, die Rundfunksteuer zahlen müssen. Von wegen Willkommenskultur!)

Da mögen die Zeitungen voll davon sein, wie FB mit Datenschutz umgeht, den Nutzern Entscheidungsbefugnisse nimmt, Milliarden an Nutzerdaten verdient und ungeniert auf alle Computerdaten des FB-Besuchers zugreift.

In den Kultusministerien brütet man darüber, wie man in den Schulen mit FB umgehen kann oder verbietet es gleich ganz.

Verbraucherschützer kritisieren die FB-Nutzungsbedingungen. sie verstießen gegen deutsches Recht.

Im Internet gibt es Ratgeber, wie man seinen FB-Account löscht. (Was nicht vollständig gelingt, weil der gekündigte Account bestehen bleibt.

Aber im rbb wird man ständig aufgefordert, auf Facebook zu gehen.

So, als ob es das Normalste der Welt wäre, dass ein Quasi-Monopolist für den anderen Quasi-Monopolisten Schleichwerbung betreibt.

Da jetzt, so ist zu hören, auch die Bundesregierung eine FB-Account hat, kann man es Lehrern wohl nicht untersagen.

Die Lüge der digitalen Bildung

So heißt das Buch von Gerald Lembke und Ingo Leipner, das Anfang März erscheinen wird.

Es mehrt sich inzwischen die Zahl der Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass Tablets und andere digitale Geräte keineswegs generell dem nichtdigitalen Lernen überlegen sind. Die Autoren empfehlen, was so neu ja nicht ist, dass Computer erst ab der Mittelstufe eingesetzt werden.

Ein Interview mit Prof. Lembke

 

By the way: Ich habe einmal die Titel von Untersuchungen überflogen, die in der Fachzeitschrift “Computers in Human Behaviour” veröffentlicht werden. (Ein Teil ist nicht kostenpflichtig zugänglich.) Die Themen, deren Häufigkeit mir auffiel: gender, gender, gender, Angst vorm Computer, Computersucht, Einsamkeit und Computer.

Was das Lernen angeht, so erbrachte eine Metaanalyse ein kleine, aber signifikante Überlegenheit des digitalen Lernens. Interessant: In publizierten Studien zur Lerneffizienz gibt es die Überlegenheit des digitalen Lernens, in nicht-veröffentlichten Studien war das nicht der Fall. Das scheint an methodischen Problemen gelegen zu haben. Es ist sicher nicht einfach, Ergebnisse aus unterschiedlich zusammengesetzten Klassen, die von verschiedenen Lehrern unterrichtet wurden, zu vergleichen.

 

Samsung bildet

Je früher Tablets eingesetzt werden, desto höher ist die Qualität der Bildung. So könnte man die Philosophie der Initiative “Digitale Bildung neu denken” zusammenfassen. Geschäftsführer ist der in Hessen nicht unbekannte Rolf Miller, der auch schon in Sachen Digitalisierung für das Kultusministerium tätig war. Finanziert wird die Aktion von Samsung Electronics.

Samsung stellt ausgewählten Schulen leihweise die Ausstattung für digitalen Unterricht zur Verfügung: Tablets Galaxy Note 10.1 2014 Edition für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, Tastaturen zur einfachen Textarbeit und weitere Software. Das Besondere an diesem Tablet ist, dass mithilfe des integrierten Stifts auch handschriftliche Notizen, Skizzen oder Zeichnungen angefertigt und anschließend digitalisiert werden können. Die Lehrkräfte, die im Rahmen des Projektes den Unterricht mit digitalen Medien halten, werden in Workshops darauf vorbereitet.

Schulen, die mit ihren Beiträgen bei den Wettbewerben der Initiative gewinnen, erhalten Samsung-Tablets oder Samsung-Warengutscheine.