Archiv der Kategorie: Internet

Internet = DDR? Jonathan Franzens neues Buch

Felicitas von Lovenberg interviewt Jonathan Franzen aus Anlass des Erscheinens der Übersetzung seines neuesten Buches “Unschuld” (im Original: Purity) und Sandra Kegel bespricht das Buch in der FAZ von heute.

Franzen bringe darin die untergegangene DDR in Zusammenhang mit dem Internet: Die SED sperrte ihre Untertanen einst ein und spionierte sie aus. Das neue Medium habe einen totalitären Zugriff auf persönliche Daten.

Den Protagonisten Andreas Wolf(!) zitiert sie: Wie das Politbüro so sei auch das Internet Feind der Elite und Freund der Massen und gebe den Konsumenten, was sie haben wollen. Auch im Interview mit Frau von Lovenberg äußert sich Franzen über die neue Technik: Der SED-Dissident Wolf sei ein Narziss. Das müsse man sein, um als Dissident leben zu können. Der Narzissmus führe ihn geradewegs zum Internet, dem Projekt, das für Narzissten wie geschaffen sei.

Aber, so betont Sandra Kegel, sei das Buch kein trockener Thesenroman. Letztlich geht es nicht ums Internet, sondern um Menschen, die ihre Widersprüche, ihre Eigenheiten, ihre Geheimnisse haben.

Von Franzens “Korrekturen” war ich enttäuscht, auf jeden Fall nicht so enthusiastisch wie die Kritik. “Unschuld” werde ich wohl in die Hand nehmen.

Nachtrag: Julia Encke in der Sonntags-FAZ mag Franzen eigentlich auch nicht, findet die Gleichsetzung von Internet und DDR völlig verfehlt und aufgesetzt, hält Franzen aber für einen phantastischen Erzähler.

Werbung in E-Books?

Kaum verwunderlich, dass daran gedacht wird, in E-books Werbung zu schalten. Verwunderlich ist höchstens, dass das erst jetzt geschieht. Wer erinnert sich noch an die Werbeseiten in den Rowohlt-Aktuell-Bändchen? Werbung in Büchern gab es schon viel früher. Da Amazon seine E-Book-Kunden total erfasst, wird es bald maßgeschneiderte Werbung geben?

Weil ich einmal für jemanden ein veganes Kochbuch bestellte, offeriert mir Amazon bei jedem Besuch der Webseite ein halbes Dutzend veganer Produkte und Kochbücher. Ich will Veganer nicht diskriminieren, aber solange es noch geht, möchte ich mich gesund und nicht einseitig ernähren. Ähnlich verfährt Google, da suchte ich einmal und nie wieder etwas und wurde wochenlang von Anbietern dieses und ähnlicher Produkte verfolgt. Ich glaube es waren Segeltuchschuhe und die Angebote umfassten Segelurlaub, Bootszubehör und zünftige Bekleidung.

Vielleicht kann man einen Premiumpreis für werbefreie E-Books einführen.

Digitale Medien erleichtern das Lernen!

Eine herrliche Abituraufgabe könnte das werden, was in mehreren Presseportalen in diesen Tagen erschien: “60 Prozent der Menschen in Deutschland finden: “Digitale Medien erleichtern Kindern das Lernen. Das ergab eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Deutschen Bank für den Wettbewerb “Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen”. Belegt wird das im weiteren Verlauf noch mit einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums: Selbst jüngere Kinder seien schon im Internet unterwegs. Fast ein Drittel aller Sechsjährigen surfe im Internet usw. (Quelle)

Ich selbst wurde sogleich Opfer meiner ungenügenden Informationskompetenz und meines oberflächlichen überfliegenden Lesens. glaubte ich doch gelesen zu haben, dass es eine neue Studie gäbe, die endlich belegen würde, dass digitale Medien das Lernen erleichterten. Dabei wurde von den Sozialwissenschaftlern VON TNS Infratest nur eine Umfrage durchgeführt und die Meinung derer erfragt, die sie am Telefon erreichen konnten.

Was käme heraus, wenn man Abiturienten zusammenfassen ließe, was in der oa. Studie herausgefunden wurde?

a) Digitale Medien erleichtern das Lernen

b) 60% der von einem Meinungsforschungsinstitut Befragten glauben, dass digitale Medien das Lernen erleichtern würden.

Ich vermute, dass Antwort a) nicht chancenlos wäre.

Videoclips von Associated Press auf Youtube

Die größte und älteste Nachrichtenagentur, Associated Press (AP), stellt ihre Videos auf Youtube. Die meisten Beiträge haben eine Länge von 1-2 Minuten, einige wenige auch bis zu 10 Minuten.

Einige historische Ereignisse sind in dieser Liste zu sehen, z. B. das Fußballspiel Deutschland-England 1938, der Absturz der Hindenburg, das Massaker, das die chinesische Regierung auf dem Tienanmen-Platz verübte.

(via NeverEndingSearch)

Clixoom: Alternative zu Opas Fernsehen?

Das starre Sendeschema der TV-Sender hat keine Zukunft. Davon bin auch ich überzeugt. Wenn man sich sein eigenes Abendprogramm zusammenstellen könnte, das wäre doch großartig. Nicht mehr durchzappen müssen, um bei der dritten Wiederholung eines Tatorts hängenzubleiben, weil alle anderen 29 Kanäle nichts besseres boten.

Zwar steuere ich hin und wieder die Mediatheken der Sender mit ihren vorübergehend dort eingestellten Sendungen an oder auch Youtube, aber ganz auf Opas Fernsehen zu verzichten, dazu kann ich mich noch nicht durchringen. Die euphemistisch Demokratieabgabe genannte Rundfunksteuer muss ich so oder so zahlen.

Manchmal, vor allem wenn ich mal wieder euphorische Interviews oder Artikel zum Fernsehen der Zukunft gelesen habe, schaue ich dann, ob ich etwas versäumt habe, wenn z. B. Tausende Teenager Youtube-Channels abonniert haben, in denen ihnen Politik oder Naturwissenschaft und Technik erklärt werden.

Jetzt war ich gerade bei Clixoom.

Ok, wenn dadurch bei jungen Leuten das Interesse an Naturwissenschaft und Technik geweckt wird. Es wäre auch verwunderlich, wenn Teenager dieselben Sendungern liebten, die die Großeltern favorisieren. Ich sehnte mich dabei nach den Wissenschaftssendungen von ARD oder 3sat zurück.

Die Themenwahl erinnerte mich an die Zeitschrift PM (Gibt es die eigentlich noch?), manchmal auch an eine Apotheken-Rundschau für junge Leute. Drei Sendungen á 5 Minuten mit einem Schnellsprecher habe ich ausgehalten: durchgängig Nahaufnahme, die Mundbewegungen erinnerten mich an Loriot-Figuren, gleichbleibende Tonlage und ab und zu ein Sekundenblick auf ein Foto oder ein Filmchen. Am Schluss die Werbung für Amazons Audible-Hörbücher.

Hoffentlich bleiben uns die Wissenschaftsssendungen in Opas TV erhalten oder die jungen Youtube-Unternehmer/-innen entwickeln sich weiter, trotz berauschender Klickzahlen.