Archiv der Kategorie: Internet

Shirley Turkle, Alone Together. Why We Expect More from Technology and Less from Each Other

Beim Blättern im Blog bleibe ich am Beitrag „Ist Medienkompetenz Blödsinn?“ hängen, geschrieben vor vier Jahren. Es ging um die Thesen von Prof. Dr. Manfred Spitzer und die Art des Umgangs mit ihm und seinem Buch in einer ZDF-Sendung. Ich hatte u. a. geschrieben:

„Das, was das ZDF für eine Diskussionssendung hält, müsste Gegenstand von Filmanalyse im Unterricht sein. Ich muss kein Neurowissenschaftler sein, um zu erkennen, dass die Zuschauer durch solche Sendungen verblöden.“

Mir fällt jetzt auf, dass ich damals Prof. Shirley Turkle genannt hatte, aber ihr 2011 erschienenes Buch im Blog nie erwähnt habe. Erwähnt wurde sie von mir nur in diesem Satz:

„Anstatt sich mit den Thesen von Spitzer, Turkle, Sturm, Wolf, Lanier, Carr u. a. sachlich auseinanderzusetzen, zelebrieren die „Netzaktivisten“ in den Kommentarspalten ihre Shitstorms („Bist wohl Spitzers Sohn“, „sarrazinös“). Spitzer muss sie arg getroffen haben.“

An anderer Stelle verlinkte ich aber zu einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit ihr, in dem sie sehr verkürzt ihre Thesen darlegt.

Daher jetzt der Hinweis auf das Buch, das m. E. auch nach fünf Jahren nicht an Aktualität eingebüßt hat; eher im Gegenteil. (Auch wenn sie Second Life erwähnt, das heute völlig vergessen ist.)

Sie legt dar, dass die digitalen sozialen Medien eine Gemeinschaft suggerieren, aber keine wirkliche Freundschaft schaffen.

Leider ist es nicht ins Deutsche übersetzt worden.

 

 

Hat Spitzer vielleicht doch recht?

Die „Netzgemeinde“ war in Aufruhr: Manfred Spitzer fasste 2012 seine medienkritischen Thesen in „Digitale Demenz“ noch einmal zusammen und  behauptete, das Internet und die neuen Medien machten nicht geselliger, klüger und kreativer, eher träfe das Gegenteil zu.

Vor vier Jahren zitierte ich in einem Posting die vergleichsweise zurückhaltende Kritik des Medienexperten Martin Lindner, der ihm vorwarf, keine Ahnung zu haben. Sogleich machten sich auch Internet-Aktivist/-innen daran, Spitzer Fehler und Ungenauigkeiten nachzuweisen. (Ich erinnere mich, dass ich die Belege nicht allzu überzeugend fand. Leider habe ich sie nicht notiert, aber sie sind im Internet sicher zu finden.)

Für Prof. Spitzer ist das Gehirn ein lernender Organismus. Wenn es nicht gefordert wird, verkümmert sein Potential. Er belegt das am Beispiel des drohenden Verlusts des Orientierungssinnes durch den Gebrauch von Navigationssystemen. Spitzer beruft sich auf neurologische Untersuchungen bei Londoner Taxifahrern. Sie müssen die Karte Londons im Kopf haben. Der Ort des Orientierungssinnes im Hippocampus war bei ihnen deutlich größer als bei normalen Menschen.

Jetzt erscheint ein Artikel in der Fachzeitschrift nature, in dem der Experte für Navigationssysteme, Roger McKinlay, dieselben Befürchtungen äußert („Technology: Use or lose our navigation skills“, nature, Nr. 7596, 30.03.2016). McKinlay war Entwickler eines der ersten Navigationssysteme.

McKinlays Hauptthese ist allerdings eine andere. Er hält die GPS-gestützten Navigationssysteme für den Straßenverkehr für ungenau und störanfällig. Insbesondere, wenn sich Hunderte völlig von Navigationssystemen abhängige selbstfahrende Autos auf der Straße begegnen würden, brauche man verbesserte Systeme, u. a. ein ergänzendes terrestrisches Navigationssystem und Standards für die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen.

Er nennt die heute schon immensen Kosten für die Satelliten-Navigationsinfrastruktur, Allein die USA haben für ihr GPS-System 10 Mrd Dollar ausgegeben und der Unterhalt koste eine Milliarde jährlich. Auch wenn der Ingenieur McKinlay das alles für machbar hält, erlaubt er sich die Bemerkung, dass es billiger wäre, die Fahrzeuge von Chauffeuren lenken zu lassen. Und den Schulen empfiehlt er, das Kartenlesen zu üben.

(via FAZ)

Siehe auch: „Musik und Gehirn“   und „Ist Medienkompetenz Blödsinn?“

Nachtrag: Im Wirtschaftsmagazin brandeins 11/2016, 145ff, „Das Ziel ist der Weg“, werden Forschungen aus aus den 70er Jahren, 2005 und 2013 erwähnt, in denen herausgefunden wurde, dass es Gehirnzellen im Hippocampus gebe, die durch geografische Einflüsse stimuliert würden. Es gebe neuronale Aktivitäten, die auf Rauminformationen reagierten und eine Karte des Raumes abspeicherten. Der Mensch besäße also eine Art Navigationssystem. Durch Benutzung digitaler Navigationssysteme verkümmere dies aber.

Gerne hätte ich in unseren Informationsmedien darüber mehr erfahren. Stattdessen gab es einmal mehr eine Talkshow, in der Sascha Lobo u. a. in bewährter Konstellation Spitzer zum Sarrazin machten.

Lernatelier: Zukunft oder Vergangenheit?

Die Internetrecherche der Schüler/-innen soll stets auf der Webseite der Schulbibliothek beginnen, der Recherche-Plattform der Schulbibliothek des Johann-Schöner-Gymnasiums in Karlstadt am Main:

lernatelier

Die Idee ist inzwischen preisgekrönt: Die Schulbibliothek wurde Deutschlands „Bibliothek des Jahres“,  erreichte beim Wettbewerb einer Würzburger Bank einen dritten Platz und findet in Südtiroler Schulbibliotheken laut der Würzburger Main-Post großen Anklang.

Die Arbeit in dieser Schulbibliothek ist, soweit man dies im Internet verfolgen kann, beeindruckend.

Bei der Fokussierung auf die Rechercheeinstiegsseite habe ich Einwände. Möglicherweise sind sie unberechtigt, da ich nicht weiß, wie man damit arbeitet. Hier ist meine Einschätzung von Rechercheportalen in Schulbibliotheken:

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Norwegen führend bei Digitalisierung von Schulen

In Norwegen gibt es u.a. mehrere Plattformen, durch die schulisches Lernen unterstützt wird. In der unten stehenden Infographik von statista.de ist das die rechte Spalte. itslearning hat auch in Deutschland Fuß gefasst.

Die linke Spalte soll belegen, wie unabhängig sozialer Aufstieg vom Sozialstatus der Eltern ist. Auch da schneidet Norwegen hervorragend ab.

Infografik: Wie Schulen von der Digitalisierung profitieren: Erkenntnisse aus Norwegen | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wissensplattform „Erde und Umwelt“

Gestern war ich bei einer Auftakt-Veranstaltung für die Restaurierung eines wissenschaftshistorisch bedeutsamen Bauwerks auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Der Telegrafenberg beherbergt seit 120 Jahren eine einzigartige Ansammlung wissenschaftlicher Institute. Heute sind das u. a. das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das GeoForschungsZentrum, das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Historisch bedeutsam in diesem Wissenschaftspark sind

der Einsteinturm

der Große Refraktor und

der Helmert-Turm (Foto), ein astronomisch-geodätischer Beobachtungsturm. Der soll in den nächsten Jahren restauriert werden.

 

Foto: Wikimedia Commons

 

Bei dieser Gelegenheit stieß ich auf ein interessantes Wissenschaftsportal, die Wissensplattform „Erde und Umwelt“.

www.eskp.de

Dort werden die geophysikalischen Hintergründe zu Tektonik, Klima und Klimawandel gegeben. Erörtert werden auch Maßnahmen zum Katastrophenschutz und zur Frühwarnung von Naturkatastrophen. Man kann nach Karten, Infographiken und Artikeln suchen. Dokumentiert werden aktuelle Wissenschaftsergebnisse.

Die Plattform ist für die gesamte Öffentlichkeit, nicht nur für Schulen konzipiert.