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Über Basedow1764

Die älteste Forderung nach Schulbibliotheken ist bei dem Schulreformer Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) zu finden. Daher der Name dieses Weblogs.

IASL 2015 Maastricht

“The School Library Rocks” lautete der Slogan der diesjährigen Welt-Schulbibliothekskonferenz, ausgerichtet von Lourense Das und ihrem Team.

BannerIASLIm globalen Maßstab betrachtet liegt Maastricht fast um die Ecke, näher jedenfalls als Moskau (2014), Katar (2012) oder Tokio (2016). daher habe ich mir die viertägige Konferenz ein weiteres Mal geleistet, so wie schon Malmö (2000) und Lissabon (2006) für mich “um die Ecke lagen”. Wenn man in einem unterentwickelten Schulbibliotheksland lebt, ist es eigentlich unabdingbar, sich darüber zu informieren, wie es in fortgeschrittenen Schulbibliotheksländern zugeht. Man hört und sieht die Präsentationen der Teacher-Librarians aus Kanada, Portugal, USA, Australien oder den Niederlanden.

Es geht um – natürlich – Informationskompetenzvermittlung, um E-Books in der Schulbibliothek, um Lesen und Leseförderung, um Kollaboration zwischen Fachlehrer und Teacher-Librarian (Den Unterschied zur Kooperation habe ich im Buch “Die Schulbibliothek im Zentrum” erklärt.). Auch aktuelle Forschungsergebnisse zur Wirkung von Schulbibliotheken werden vorgetragen. Die “großen Namen” sind anwesend: Dianne Oberg, Lyn Hay, Carol Kuhlthau und Ross Todd.

Mich wundert es jedes Mal, dass es nahezu keine deutschen Teilnehmer gibt. Noch nicht einmal diejenigen, die für sich in Anspruch nehmen, das “Schulbibliothekswesen” in Deutschland zu verkörpern, machen sich auf, um von deutschen “schulbibliothekarischen Exzellenzen” (wie es eine dbv-Vorsitzende einmal formulierte) zu künden oder über den Tellerrand hinauszuschauen. So ist es auch kein Wunder, dass Deutschland auf der Weltkarte des Schulbibliothekswesens nicht existiert.

Diesmal waren es drei Hessen, die in Maastricht dabei waren: Bettina Twrsnick, Leiterin der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar und stv. Vorsitzende im Bundesverband Leseförderung. Hans Günther Brée, der LAG-Vorsitzende, und ich gaben einen Überblick über die Highlights von 25 Jahren LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V.: “The LAG – A Story of Success?” (Die englische Version demnächst hier).

Vereinfacht gesagt, ist die jährliche IASL-Konferenz eine Fortbildungsveranstaltung für Schulbibliothekare. Die beiden wichtigsten Wörter waren Visibility und Leadership. Fast überall in der Welt gehören Schulbibliothekare zu einer Spezies, die in den Schulen nicht immer offene Türen findet und von den Schulverwaltungen gerne eingespart würde. Daher raten die Referent/-innen dazu, sichtbarer zu werden, im Lehrerzimmer, im Klassenzimmer, in der Schulgemeinde. Sie sollen Experten für IT und Medien werden, für Informationsrecherche und Leseanimation. Sie sollen proaktiv handeln, sich unentbehrlich machen. Die Schulbibliotheksforschung versucht zu beschreiben, dass und wodurch genau sie ihr Geld wert sind.

Man lernt sich kennen, tauscht sich aus und vernetzt sich. Das Wichtigste ist wohl der Motivationsschub, der von solchen Tagungen ausgeht. Dr. Ross Todd gelang dies in seiner abschließenden Key-Note brilliant. Er resümierte die Tagung, nannte einige Highlights und visualisierte mit Fotos und Karikaturen das Tagungsmotto “The school library rocks”. Das Wörterbuch erlaubt, “Rock” nicht nur als Felsen, sondern auch als Diamant zu übersetzen. “Rocken” muss man nicht übersetzen. Zum Youtube-Clip von Bill Haleys “Rock around the clock” tanzten begeisterte Bibliothekarinnen zwischen den Sitzreihen. Werden sie den Schwung mitnehmen und aus ihren Schulbibliotheken Centers of Creativity zu machen, wie es Todd vorschlug?

In meiner Erinnerung war die Stadt Maastricht früher sehr viel weniger schön. Vor über 30 Jahren war ich zuletzt dort. Die Altstadt ist schmuck restauriert, 400 Straßencafés warten auf Flaneure. Besonders sehenswert:

Die Buchhandlung in der ehemaligen Kirche:

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Foto: Hans Günther Brée

Zehn Minuten außerhalb hatten wir ein herrliches Hotel im Grünen gefunden. Und hier der Original-US-Schulbus für die Stadtrundfahrt:

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Kooperation auf Amerikanisch

“MyLibraryNYC” nennt sich ein Projekt von New Yorker Schulbehörde und den öffentlichen Bibliotheken der Stadt mit Schulen.

Dass es anders zugeht als bei den Verträgen zur Zusammenarbeit von öffentlichen Bibliotheken und Schulen, zu denen die deutschen Kultusministerien Schulen auffordern, zeigt schon die erste Bedingung: Zusammenarbeit nur mit Schulen, die eine Bibliothek und einen männlichen oder weiblichen Bibliothekar haben.

Auf diesem Niveau geht es weiter;: Über eine App können Lehrer Bücherkisten bestellen, Klassensätze oder Handapparate. Die werden gebracht!

Schüler und Lehrer haben Vorzugs-Ausleihbedingungen. Die Stadtbibliothek schickt Mitarbeiter zu Buchvorstellungen in die Schule. Für die Schulbibliothekare gibt es Fortbildung.

Teilnehmende Schulen müssen auf eigene Kosten die Follett-Destiny-Software installieren.

Zu Beginn hatte die Citibank das Projekt mit 5 Millionen $ finanziert, jetzt will es die Stadtverwaltung wenigstens nlibraryoch einmal verlängern.

(Nach School Library Journal)

Ist der Klimawandel ein Mann?

An einem Text mit dieser Überschrift wird in bayrischen Schulen Informationsentnahme aus Texten geübt. (Was ich hier Informationsentnahme aus Texten nenne, übte man früher im Deutschunterricht der Mittelstufe. Heute ist das Teil der Vermittlung von Informationskompetenz und fällt laut Hessischem Bibliotheksgesetz in die Zuständigkeit öffentlicher Bibliotheken.)

Es ist niemandem verwehrt, hieran die Textsorte “Satire” einzuführen (Das wohl besser nicht!) zu untersuchen. Aber angesichts des gesellschaftlichen Zustandes, in dem wir uns befinden, würde ich davon abraten. Mit Genderistinnen ist nicht zu spaßen. Da ist man schnell homophob. Nachher stellt sich gar heraus, dass der Text von einer Genderwissenschaftlerin stammt und man(n) bekommt vom Schulamt eine Abmahnung oder die Frauenbeauftragte fordert eine Strafversetzung.

  • Was dazu zu sagen ist, steht im Wissenschaftsblog Science Files.
  • Wie gendersensibler Umweltschutz aussehen wird, kann man bei Science Files auch schon einmal vorab lesen.
  • Dass es wirklich um Informationskompetenz geht und nicht um Satire, zeigen die Arbeitsaufgaben.

Punktabzug wegen genderunsensibler Sprache unzulässig

Dem Genderismus wurden schon einige Territorien überlassen:

Die amtlichen Rechtschreibregeln wurden ausgehebelt. So gibt es an der Uni in Potsdam nur noch Professorin als Dienstbezeichnung und Punktabzug bei wissenschaftlichen Arbeiten, wenn man das Wort “man” verwendet. Wir alle haben es uns angewöhnt solche Sätze zu schreiben: “Die Schülerinnen und Schüler beschweren sich bei ihren Lehrerinnen und Lehrer über die Schulleiterinnen und Schulleiter, weil diese der Vertreterin und dem Vertreter des Vereins für sexuelle Vielfalt in Schulen nicht erlaubten, ihren und seinen Workshop duchzuführen.”

Sexualunterricht in Schulen wird gegendert. Die angebliche Dominanz heterosexueller, weißer Ehepaare und entsprechende Familienbilder wird durch sexuelle Vielfalt ersetzt. Nicht nur in Baden-Württemberg sind entsprechende Lehrpläne in Arbeit.

Die Naturwissenschaften werden gerade gegendert. Die Soziologie, wie ich sie als Beifach während des Studiums noch kennengelernt habe (Parsons, Goffman, Albert, Skinner, Popper), gibt es schon länger nicht mehr. Das Fach ist nahezu restlos genderisiert.

Jetzt hat ein Student der Technischen Universität Berlin dagegen geklagt, dass er einen Punktabzug erhielte, wenn er nicht gendersensibel schreiben würde. Zuvor hatte seine Tutorin ihm vorgemacht, das wäre eine verbindliche Vorschrift.