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Ausstattung, Innenarchitektur, Möbel

Grundschulbibliothek in Bad Soden feiert Geburtstag

Vor einem Jahr stellte ich das Medienzentrum der Ottfried-Preußler-Grundschule in Bad Soden am Taunus vor. Jetzt feiert man dort den ersten Geburtstag.

BadSoden

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Nicht nur in der Schule selbst wird die Bibliothek gut genutzt. Andere Schulen lassen sich durch das erfolgreiche Beispiel anregen. Bei einem solchen Besuch entstanden Fotos, die mir Schulleiterin Martina Muth-Pehlke mit der Erlaubnis, sie zu veröffentlichen, zuschickt.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem beeindruckenden Medienzentrum!

Ausstattungsideen für moderne Schulbibliotheken

Einige hundert Fotos hat die unglaublich kreative und innovative Schulbibliothekarin Buffy Hamilton in der Discovery High School in Gwinnett County, Georgia/USA, gemacht.

Die Schule arbeitet vor allem produktorientiert in vier Fachbereichen: Naturwissenschaft und Mathematik, Kunst, Gesundheit, Wirtschaft. Sie hat ein neues Gebäude bezogen, in dem sich auch Learning Commons, eine moderne Schulbibliothek befindet.

Die Fotos geben viele Anregungen: interessante Sitzmöbel, Raumdetails, Technologie.

Ein Tisch zum Beschreiben (Einrichtungstipp 28)

Wenn die Schulbibliothek das bessere Klassenzimmer sein soll, braucht sie eine kommunikationsfördernde Ausstattung.

Früher holte man sich eine fahrbare Kreidetafel, die in einem Abstellraum stand. Der Kreidestaub setzt sich aber in der Kleidung fest, liegt auf den Büchern und hängt in der Luft. (Lehrer können Berufskleidung nicht bei der Steuer absetzen, es sei denn sie unterrichten Sport oder Naturwissenschaften.) Nicht jede Schulbibliothek hat einen Wasseranschluss, daher steht ein Eimerchen da, für den Schwamm.

Besser ist man dran, wenn ein Whiteboard an der Wand befestigt ist (Gibt´s auch fahrbar; vielleicht steht noch eins irgendwo herum. (Nicht gemeint: das interaktive Whiteboard!)

Oft reicht eine Flip Chart, um etwas zeigen, um Stichworte zu notieren. (Die Flip Chart war eine kleine Revolution in der Schule; sie wurde dann gern für Gesamtkonferenzen ausgeliehen. Für die Gruppenarbeit bekam jede Gruppe ein Flip Chart -Blatt zum Sammeln von Fragen  oder Stichworten und Notieren von Ergebnissen.

Zwei Meter Packpapier waren auch gut geeignet.

Eine  praktische Idee sind Whiteboardtische*, die man beschriften und abwischen kann:

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Photos: Buffy Hamilton, The Unquiet Librarian

Für Gruppenarbeit und Stationen finde ich das praktisch. Gebraucht werden die Aufzeichnungen ja nicht für die Ewigkeit, sondern nur für bestimmte Arbeitsphasen. Zur Not kann man sie fotografieren. Man stolpert nicht über Flip Charts und braucht kein Tesa oder Wäscheklammern für Papierbögen.

Man sieht, was die anderen Gruppen, je nach Arbeitsauftrag an Ideen, Fragen, Meinungen, Informationen gesammelt haben, welche Skizzen oder Mindmaps entstanden sind. Man kann sich in der Gruppe besser verständigen, wenn alle etwas vor Augen haben. Es geht nichts verloren.

Nebenbei: Das alles kann nur umständlich ins Digitale verlagert werden, etwa in Wikis, in E-Mail-Austausch, in Powerpointfolien oder digitale Mindmaps. Es ist das, was Unterricht ausmacht: die direkte Kommunikation, face-to-face, wie es auf Neudeutsch heißt. Dass das endgültige Arbeitsergebnis digital präsentiert wird, ist damit nicht ausgeschlossen.

Wer groß denkt, kann auch gleich an die Wand gehen:

Zuletzt: Ich denke auch an die Killerphrasen. „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“. Wer Schultoilettenwände und Klassenzimmermöbel kennt, wird fürchten, dass das dann auch der Schulbibliothek droht. Klassen, die ernsthaft im Medienzentrum arbeiten, dürften m. E.keine Gefahr darstellen. Aber nicht allen Lehrern gelingt es, diese Situation herzustellen.

Ein weiterer Einwand könnte sein, dass man mit Whitboards schlechte Erfahrungen gemacht hat. Über einen längeren Zeitraum bekäme man sie nicht mehr richtig sauber. Wie oft aber liegt das daran, dass – auch von Lehrer/-innen – Filzstifte benutzt wurden und/oder Haushaltsschwämmchen zur Reinigung oder gar aggressive Reinigungsmittel.

Die Whiteboardtische, die Buffy Hamilton nutzt, sind eine Augenweide. Ich finde, dass schon sie allein  Kreativität besser fördern als langweilige rechteckige oder spitzwinklige Trapeztische. (Die im Link gezeigten haben keine abwaschbare Oberfläche!)

Irgendwann bin ich wohl beim Nummerieren der Einrichtungstipps durcheinander gekommen. Die Nr. 28 müsste aber jetzt korrekt sein.

IT aus dem Mittelalter?

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) hat Forsa repräsentativ nach der IT-Ausstattung in den Schulen fragen lassen.

Drei Viertel der Lehrer hätten Zugang zu einem Schulcomputer. Das ist wörtlich zu verstehen, meist handelt es sich um ein Exemplar im Lehrerzimmer oder im Sekretariat. Dennoch nutzen 90% aller Lehrkräfte Internet und EDV für ihre Unterrichtsvorbereitung. 1 Prozent gibt an, dass es in der Schule Klassensätze von Tablets oder Smartphones gäbe, zitiert die FAZ dpa. Der Verband fordert mehr Geld für die digitale Ausstattung.

Da werden bei mir Erinnerungen an die gute, alte Zeit wach: Die Zugangskosten für das Internet in der Schulbibliothek bezahlte in den 90ern der Schulförderverein, bevor der Landkreis auf dem Weg einer Einzelfallentscheidung vorläufig und bis auf Widerruf die Kosten übernahm. Mein erstes virtuelles Klassenzimmer richtete ich auf einer dänischen Plattform ein. In Deutschland gab es nichts Vergleichbares. In Dänemark sah ich auch, dass alle Schüler und alle Lehrkräfte von ihren Schulträgern eine E-Mail-Adresse bekommen hatten. Zu der Zeit legten sich deutsche Schulen privat Internetadressen und E-Mail-Accounts zu. Einer meiner Landräte machte sich über die Lehrer, diese digitalen Analphabeten, lustig. Unter lautem Beifall der Presse empfahl er, dass die Schüler den Lehrern EDV und Internet beibringen sollten. Zu der Zeit brachte ich meinen Laptop mit, weil den Schulleitern kein Computer zustand. In einem freien Zimmer im Verwaltungsbereich (Die Stelle des pädagogischen Leiters wurde nicht mehr besetzt.) stellte ich einen Rechner für das Kollegium auf, auf dem Zeugnisse ausgedruckt werden konnten.

Als dann in Deutschland doch noch das Computerzeitalter über die Schulen hereinbrach, richtete der Landkreis eine EDV-Abteilung ein. Die jungen Leute dort wollten mir Internet und EDV erklären, sie glaubten den Tiraden des Landrats. Immerhin mussten wir in den Schulen uns nicht mehr auf eigene Kosten an gewerbliche EDV-Firmen wenden. Der Schulträger wollte sogar wissen, welche Software für welche Fächer wir haben wollten. Als das der Verwaltung über den Kopf wuchs (Stichwort Lizenzen!), hieß es, es dürfe nur installiert werden, wofür die Schule Lizenzen hatte. Welche Schule konnte sich schon Lizenzen für eine Software auf vierzig Rechnern leisten?

Selbst installieren durften wir nicht. Der Techniker der Computerfirma, die die Geräte geliefert hatte, würde einmal im Jahr zum installieren kommen. (Über diese famose Firma hatte ich vor fünf Jahren im Blog geschrieben.) Auch als es dann mit der Verkabelung der Schule losging, war die Zeit der Pannen und Überraschungen längst nicht zu Ende. Kaum hatten wir einen teuren DIN-4-Laserdrucker in der Verwaltung, stellte das Ministerium auf A-3-Zeugnisse um und die Schulverwaltung wollte uns jetzt keinen A-3-Drucker mehr kaufen. Das meiste habe ich glücklicherweise schon vergessen.

Dass es für Schulbibliotheken in ganz Hessen eine Software-Landeslizenz gibt, ist nicht der Normalfall. Eigentlich ist jeder kommunale  Schulträger allein verantwortlich. Eine Konsequenz dieser LAG-Initiative war, dass unsere Schulbibliothek Jahre vor z. B. der Stadtbibliothek Frankfurt/M einen OPAC hatte. 90% aller Schulen haben heute die (LITTERA-)Software für die Schulbibliothek und/oder die Lehrmittelverwaltung. Anstatt diese Lösung als vorbildlich zu betrachten und zu unterstützen, legen kommunale Bibliothekar/-innen im Rahmen von Kooperationsverträgen Bibliothek und Schule beteiligten Schulen nahe, doch auf LITTERA zu verzichten und auf OCLC/bibliotheca umzusteigen.

Wegen dieser Zuständigkeitsverteilung zwischen Land und Kommunen ist es auch nicht möglich, landesweite IT-Dienste anzubieten. So gibt es einen Schulträger, die eine „Serverfarm“ mit Datenbanken anlegt, auf die Schulen zugreifen dürfen, anstatt dass es einen landesweiten Bildungsserver gibt. Wie schön wäre es, eine schulische E-Book-Nutzung nach dem Modell der US-amerikanischen Firma Brain Hive allen Schülern eines Bundeslandes anzubieten.

Verträgt es sich eigentlich mit dem Gebot des Grundgesetzes, gleiche Lebensbedingungen für alle Bundesbürger zu schaffen, wenn es der einzelnen Kommune überlassen bleibt, ob es in ihren Schulen eine Schulbibliothek gibt?