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Eine hilflose Generation Facebook?

Die FAZ hat den Informationsethiker Rafael Capurro über Erziehung zur Freiheit im Zeitalter der digitalen Kontrolle befragt.

Er sieht Gefahren darin, dass immer mehr digitale Programme das Lehren übernehmen. “Was für Menschen werden das sein, die zehn und mehr Jahre mit solchen Programmen getrimmt werden?” fragt er.

Capurro schlägt vor, die Programmierer solcher Lernmedien in den Unterricht zu holen, wo sie erklären sollten, was sie mit den anfallenden Daten machen.

Er plädiert dafür, die ethischen Fragen im Umgang mit Big Data, Facebook und Co auf jeden Fall auch in der Schle zu stellen. Die Gesellschaft müsse ethische Regeln für das Internet entwickeln.

Lesetipp: Gegen die durchdigitalisierte Schule

ulbrichtcoverWenn ich davon höre, dass jemand Lehrervorträge gut findet, freue ich mich. Ich stehe also nicht allein mit der Ansicht, dass Lehrervortrag und Frontalunterricht keineswegs pädagogische Altlasten sind. Im Blog habe ich mehrfach darüber geschrieben, dass guter Frontalunterricht eine höchst effektive Lehrkunst ist, die leider immer weniger gelehrt, geschweige denn praktiziert wird.

Der Lehrer Arne Ulbricht lobt die Methode Lehrervortrag in seinem in diesen Tagen erscheinenden Buch Schule ohne Lehrer. Zurück in die Zukunft“, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, 173 S., 14,99 €.

Er nennt es ein „fiktionales Sachbuch“. In höchst vergnüglich zu lesenden, aber keineswegs übertriebenen Szenarien schildert er den täglichen Wahnsinn einer Schule, in dem der Blick auf das Smartphone für die Schüler wichtiger geworden ist als der auf die Tafel oder zum Lehrer. Sogar in der Pause würde keiner mehr herumlaufen oder mit jemandem reden, jeder würde auf sein Smartphone starren.

Nicht nur Schüler verlieren sich im Internet, die ganze Schule werde „durchdigitalisiert“: Tägliche Rundmails der Schulleitung im elektronischen Postfach, das notwendige Kalibrieren des Whiteboardstifts, weil die Schrift ansonsten nicht dort steht, wohin man sie haben will. (Sofern nicht jemand den Stift versehentlich eingesteckt hat.)

Noch schlimmer als die Widrigkeiten der Technik ist die mit der Digitalisierung der Schule einhergehende Veränderung schulischen Lernens: Unübersehbare Methodenvielfalt und selbst organisiertes Lernen seien die Fetische. Der Lehrer verschwindet, er wird zum Lernbegleiter. Salman Khans Lehrvideos suggerierten, dass jeder sich überall und jederzeit alles selbst beibringen könne. Ulbricht widerlegt nebenbei die gern angeführte Begründung, man müsse Schülern die Computerpraxis beibringen, die Erwachsene am Arbeitsplatz oder in ihren Seminaren brauchten. Das gehe am Arbeitsplatz meist ganz schnell vonstatten. (Erinnert sei an den Tweet der Abiturientin Naina über das, was Schule alles beibringen solle.) Vor allem aber gäbe es den Unterschied zwischen dem, was zur Bildung Heranwachsender nötig sei und was ein Erwachsener am Arbeitsplatz benötige oder warum er eine Präsentation erstelle.

Die Pointe des digitalen „Irrgartens“, in dem sich Lehrer und Schüler befänden, sei aber, dass der öde, wenig kunstfertige Frontalunterricht des vorgestrigen Lehrers ersetzt worden sei durch Serien von Powerpoint-Referaten, die man sich im Internet zusammengeklickt oder beim Klassenkameraden auf einen Stick gezogen hätte. Sie hinterlassen weder beim Vortragenden noch bei den Zuhörern, wenn die das überhaupt tun, Spuren im Gehirn.

Nicht entgehen lassen sollte man sich die Zukunftsvision des durchdigitalisierten Bildungssystems im Kapitel IV: „Katie, 15, selbstständige Lernerin“.

Es ist gut, dass ein Schulpraktiker warnende Worte ausspricht. Man ist es gewohnt, in den Medien von der digitalen Rückständigkeit der Lehrer und der Schule zu lesen. Computernerds behaupten bei jeder neuen App, diese revolutioniere den Unterricht. Erziehungs- und Medienwissenschaftler erforschen gerne die technologische und methodische Rückständigkeit des Lehrpersonals und der Curricula.

Ulbricht ist durchaus nicht gegen Computer und Internet. Er macht Vorschläge für einen sinnvollen  Gebrauch in der Schule. Mir kommt dabei auch die Schulbibliothek in den Sinn: Als Ort des maßvollen, produktiven Mediengebrauchs, aber auch als handyfreies Lesezentrum.

Ich hätte mir etwas mehr Straffung gewünscht. Manches, auch das berechtigte Lob des Lehrervortrags, ist redundant. Die Botschaft aber ist klar. Zu wünschen wäre, dass möglichst viele Journalisten, Schulräte, Bildungspolitiker, Eltern, Bildungsforscher und Medienwissenschaftler das Buch lesen.

 

 

Veränderte Kindheit führt zu Streichungen im Kinderlexikon

In der neuen Auflage eines Lexikons für Acht- bis Zwölfjährige aus dem Verlag Oxford University Press wurden u. a. diese Wörter eliminiert: Eichel, Butterblume, Rosskastanie, Brombeere, Kobold und Kaiser. Neu aufgenommen wurden dagegen Chatroom, Blog und Internet. Mehrere Autoren, darunter Margret Atwood und Michael Morpurgo, haben protestiert und beklagen vor allem die Entfremdung der Kinder von der Natur, die sich jetzt auch im Lexikon widerspiegele.

(FAZ v. 14.1.15, p 9)

Hilfeseiten für Schulbibliotheken

Aus aktuellem Anlass (Siehe den vorhergehenden Text!) habe ich versucht, die Webseiten zusammenzustellen, auf denen Schulbibliotheksmenschen Rat und Hilfe erfahren. (Nicht erfasst sind Seiten, die nicht viel mehr als Linksammlungen und Schuladressen auflisten.)

Die LAG Schulbibliotheken hatte 1998 einen Hessischen Informationsdienst für Schulbibliotheken (HIDS) auf dem hessischen Bildungsserver gestartet. Noch älter ist die Homepage der

LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V., auf der Serviceangebote, u. a. zu KJL, versammelt sind (1997)

AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg (AGSBB) mit einem Forum für Austausch von Rat und Tat

– Die Schulbibliotheksseite auf dem Berlin-Brandenburger Bildungsserver

Das digitale Schulbibliothekslexikon

Schulbibliotheksblog “Basedow1764″

 

Die bibliotheksfachlichen Seiten:

LAG Schulbibliotheken Nordrhein-Westfalen e. V.

informationskompetenz.de

schulmediothek.de

Hochschule der Medien (HdM) – Medienpädagogik und Leseförderung

Bibliotheksportal: Bibliothek und Schule

bibliothek-und-schule.info (Baden-Württemberg)

www.lesen-in-deutschland.de  (auf Leseförderung in der Familie, öffentlichen Bibliotheken und Kooperationsprojekten ausgerichtet)

– Rubrik Bibliothek auf goethe.de  (Zwar keine Seite für Schulbibliotheken, aber eine der besten Seiten zu aktuellen bibliotheksfachlichen Themen, die auch für Schulbibliotheken interessant sind. Zu Schulbibliotheken werden gelegentlich Bibliothekar/-innen interviewt.)

Nicht zu vergessen die hilfreichen Seiten in Österreich und der Schweiz:

– Weblog für Mittel- und Berufsfachschulbibliotheken www.digithek.ch  (lfd. Nr. 14)

 

(Die Aufzählung kann fortgesetzt werden; für Hinweise bin ich dankbar. Es sollten allerdings Seiten mit “Mehrwert” sein und nicht nur Linklisten oder “Visitenkarten”)

 

Welches Dienstleistungsangebot  sollte ein Schulbibliotheks-Portal enthalten?

In den Anfangsjahren des WWW waren Kataloge en vogue, die das Internet enzyklopädisch ordnen sollten. Das wurde bald aufgegeben, da die Sichtung wegen des exponentiellen Wachstums des Webs kaum zu bewältigen war und auch die Suchmaschinen immer schneller und umfassender wurden. Dennoch hielte ich es für sinnvoll, wenn nicht jede Schulbibliothek Links sammeln oder einen Katalog anlegen muss, sondern eine zentrale Stelle diese Aufgabe übernimmt und gute, verlässliche Arbeit leistet.

Auch wäre es ökonomischer, wenn eine zentrale Stelle im Land für alle Schulen Angebote machen könnte und nicht jeder Schulträger, falls er es überhaupt will und kan,n nur für seine Schulen Angebote macht.

 

Das LAG-Pflichtenheft für eine Schulbibliotheks-Plattform:

(Es stammt alles aus dem Pflichtenheft für den HIDS von 1998 – s. o. – außer dem hessenOPAC. )

Bücherkisten-Ausleihe (Transportkostenproblem)

Zugang  zu Experten, einem Forum oder FAQs

Bestandsempfehlungen

Zugriff auf Datenbanken

Download-Angebote für Software und Dokumente (Digitale Schultasche!)

Börse für Unterrichtsvorschläge “Unterricht in und mit der Schulbibliothek”

Einrichtung einer virtuellen Schulbibliothek mit digitalen Medien zu den Schulfächern

Zugang zu digitalen Weiterbildungskursen

Evtl. (erweiterter) Zugang nur nach Registrierung

Erfassung der digitalen Adressen hessischer Schulbibliotheken

Link zum hessenOPAC oder dessen Einbettung

 

 

 

 

 

 

Ärztegruppe warnt vor zu viel W-LAN-Strahlung im Klassenzimmer

Wie schnell es von “himmelhoch jauchzend” zu “verdammt in alle Ewigkeit” kommen kann, erlebt gerade der Hamburger Schulsenator mit einem 1:1-Schulprojekt. Alle Klassenräume einer Pilotschule sollten W-LAN erhalten, alle Schüler Laptops oder Tablets.  Der Hamburger Bildungsaktivist Dr. Walter Scheuerl, Rechtsanwalt aus Blankenese, der schon einmal eine Hamburger Schulreform gestoppt hatte (sechsjährige Grundschule), schlägt Alarm. So fehle die gesetzlich erforderliche Zustimmung der Eltern für diesen Schulversuch. Zudem äußert er gesundheitliche Bedenken wegen der Strahlung der Router und der digitalen Geräte. Auch der mangelnde Datenschutz wird ins Feld geführt.

In Baden-Württemberg ist eine Ärztegruppe gegen W-LAN in Schulen aktiv geworden. Ihr Offener Brief an die Landesregierung hier.