Archiv der Kategorie: Informationskompetenz

Yahoo: Und tschüs!

Yahoo versuchte 1994, das gerade entstandene World Wide Web zu katalogisieren. Es entstand ein Verzeichnis mit Ober- und Unterbegriffen. Für uns trat das “klassische” Problem auf: Wo ordnen wir die LAG-Schulbibliotheken in Hessen ein? Unter Schule oder unter Bibliothek?

Die an Yahoo gemeldeten Seiten wurden händisch geprüft und nach einigen Wochen stand man in der Liste der einem Schlagwort zugeordneten Links.

Es war absehbar, dass sich das exponentiell wachsende WWW nicht katalogisieren lässt. Mehrere Zeitungen berichten in der vergangenen Woche vom Kardinalfehler Yahoos: Als 1998 zwei Doktoranden anklopften und ihre neu entwickelte Suchmaschine anboten, winkten die Yahoo-Manager ab. Die beiden Studenten suchten sich ihre Geldgeber woanders und gründeten Google, das heute Alphabet heißt und die wertvollste Firma der Welt ist.

Oxfam-Statistiken

Die Fachleute von OXFAM haben gerechnet. Heraus kam ein Leckerbissen für Churchill-Fans. Der hatte einmal gesagt, er traue nur der Statistik, die er selbst gefälscht habe.

OXFAM will errechnet haben, dass die 62 Reichsten der Reichen so viel besitzen wie die Hälfte der Erdbevölkerung. Für die “Sofortisten” der Medien ein gefundenes Fressen. Das steht sofort im Blatt, gar als Aufmacher auf der Titelseite, wie bei den PNN, dem Potsdamer Ableger des Tagesspiegels, dem selbst ernannten Leitmedium der Berliner Führungskräfte. Bloß keine Recherche, kein Nachprüfen, man weiß, der Kapitalismus ist an allem schuld.

Zwei Tage später lese ich auf S. 15 in der FAZ, wie die ominöse Zahl entstanden ist: (Hier ein ähnlicher Bericht in der Süddeutschen Zeitung)

Ausgangspunkt ist ein Kreditreport einer Schweizer Bank, mit dem belegt werden soll, dass es eine funktionierende Kreditwirtschaft gibt. Berechnet wurde das sogenannte Nettovermögen, also alle Darlehen und Kredite werden vom Vermögen abgezogen. Studenten, die sich ihr Studium mit einem Kredit finanzieren, oder Häuslebauer ihr Haus, geraten so in die OXFAM-Armutsstatistik, obwohl sie nicht am Hungertuch nagen. Einer der ärmsten Menschen ist nach dieser Armutsberechnungsart der betrügerische Börsenmakler Jerome Kerviel, der sechs Mrd. Dollar  Schadensersatz an seine Bank leisten soll.

Kein Wunder, dass im Ranking der armen Länder nach Indien gleich die USA kommen. Wegen der verschuldeten Hausbesitzer und der vielen Studienkredite von Studenten. Erst danach folgen Bangladesch und Pakistan.

Auch für schulische Informationskompetenzvermittler/-innen ist die OXFAM-Pressemitteilung eine Herausforderung. Wer die üblichen Kriterien – Impressum vorhanden, ordentliche Rechtschreibung, regelmäßige Updates der Seite und ähnlich Formales – anwendet, kommt nicht weit. (Siehe dieses Posting!)

Es gibt ungute Vermögenskonzentrationen und irrwitzige Gehälter. Aber brächte es nachhaltig Verbesserungen, wenn man das Vermögen von Bill Gates oder Hasso Plattner an die Armen in den USA oder Bangladesch verteilte? (Dazu ist in diesem Posting alles gesagt.)

Nebenbei: Was ist mit der reichen Elite in linken Ländern wie Nicaragua, Venezuela, Bolivien oder Vietnam? (Dazu ist in diesem Posting etwas gesagt.)

Auch in der DDR betrug das Vermögen der Reichsten das Sechsfache des Vermögens der ärmsten Schicht (nach Vortrag Prof. Klaus Schroeder in Potsdam am 7.4.2008)

Zuletzt: In den vergangenen 20 Jahren wurde die Armut der ärmsten Bewohner der Erde halbiert. Aber wen interessieren gute Nachrichten?

Vielleicht wird man in Zukunft von OXFOAM- statt von OXFAM-Statistiken sprechen.

 

 

Wie erkennt man Lügenpresse?

Eine kleine Hilfestellung von einem Journalisten:

krautreporter

Zugegeben, meine Überschrift zu diesem Posting ist ein wenig reißerisch. Die zehn Punkte sind durchaus alltagstauglich, auch für den Unterricht, für die Zeitungsanalyse.
“Lügenpresse” ist ein polemischer Begriff, mit dem die SED westliche Medien unglaubwürdig machen wollte und in diesen Zeiten wird den Medien aus dem rechten politischen Spektrum der Vorwurf gemacht, sie würden Nachrichten verschweigen, zurückhalten oder verharmlosen, die eine kritische Sicht auf Muslime und Migranten hervorrufen könnten.

Wie das Bundesarbeitsministerium Unterrichtsmaterialien manipuliert

Die Stiftung MitVerantwortung wird von Bundesministerien finanziert und bringt Unterrichtsmaterialien in Umlauf, die für richtige Gesinnung sorgen sollen.

„Die soziale Verantwortung von Unternehmen beschränkt sich darauf, Profite zu erwirtschaften – diese Position bezog der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den 1970er Jahren. Doch seitdem hat die Gegenposition immer mehr Anhänger gewonnen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Denn erstens fördert sie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was der Produktqualität zugute kommt. Zweitens fragen … Verbraucher zunehmend Waren nach, die nachhaltig hergestellt wurden. Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch … Konsumenten führen.“

Das hat Friedman wirklich gesagt:

“In a free economy … there is one and only one social responsibility of business – to use its resources and to engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game, which is to say, engages in open and free competition without deception or fraud”.

Wie Frau Nahles´Ministeriale manipulieren, zeigt ausführlicher Michael Klein im Blog Science Files.

Revisited: Die Welt ist besser, als man glaubt

Vor vier Jahren stieß ich auf die Arbeiten von Prof. Hans Gösta Rösling. Er visualisiert Statistiken, mit denen er nachweist, dass es in den letzten 200 Jahren große Fortschritte für die Menschheit gab.

Da wir in unseren Medien ständig über neue Studien informiert werden, die das Gegenteil melden, ist es zum Jahresanfang 2016 tröstlich, daran zu erinnern, dass es auch andere Studien gibt.

Hans Gösta Rosling, schwedischer Medizinprofessor und Gründer der Gapminder-Stiftung, zeigt, dass es der Mehrheit der Menschen immer besser geht. Indikatoren sind für ihn Alphabetisierung, Impfung, Lebenserwartung und Bruttosozialprodukt.

Auf der Webseite der Stiftung sind zahlreiche Downloadangebote für Lehrer (in Englisch). Ein Beispiel ist

200 Countries, 200 Years, 4 Minutes

(mit deutschen Untertiteln; Google macht´s möglich).

  • Eine Handreichung dazu.
  • Hier kann man die Daten-Visualisierung nach eigenen Vorgaben konfigurieren.
  • Ähnlich das Thema “Bevölkerungswachstum“, erklärt mit Ikea-Kisten oder als multimediale Vorlesung
  • Wer lieber Texte liest: The Atlantic findet, dass 2015 ein gutes Jahr für die Menschheit war.

Informationskompetenz gefragt: Hamas dominiert den UN-Menschenrechtsrat

Infortmationskompetenzdidaktiker/-innen predigen gerne ihre naiven Regeln, wie man im Internet gute von schlechter Information unterscheidet. Ich bin skeptisch, ob das im Unterricht funktioniert. Es funktioniert ja auch im richtigen Leben nicht.

Dass Evaluation von Information und Informationsquellen nicht so einfach ist, dafür gibt Basedow1764 immer wieder einmal ein Beispiel. Manchmal ist es beängstigend zu sehen, wie manipuliert wird. Gerade der Nahostkonflikt liefert unablässig Beispiele (Siehe auch hier).

So hat ein Pamphlet des antisemitischen französischen (Das gibt es!) Juden Stéphane Hessel, “Empört Euch!”, das millionenfach gelesen wurde, Israel fälschlich auf Grund eines UN-Berichts (Goldstone-Report) eines Kriegsverbrechens in Gaza beschuldigt. Goldstone hat später erkennen müssen, das nicht Israel, sondern Hamas das Verbrechen beging. Hessel hat das nicht gehindert, in einer zweiten Auflage wieder von Israels Kriegsverbrechen zu reden.

Jetzt kommt eine Gruppe pensionierter, ehemals hochrangiger Militärs sowie Verteidigungs- und Sicherheitsexperten aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Australien, Indien und Kolumbien, die High Level Military Group (HLMG), in ihrem 80-seitigen Bericht über den Gazakrieg im Sommer 2014 zu dem Ergebnis, dass der UN-Menschenrechtsrat Opferzahlen von der Hamas kritiklos übernommen hat.

“Bei ihren Untersuchungen stieß die HLMG auf zahlreiche Ungereimtheiten und Widersprüche, beispielsweise auf Mehrfachzählungen von Opfern, falsche Altersangaben, die Zählung von Kombattanten als Zivilisten, die Abwälzung der Verantwortlichkeit für irrtümlich durch Hamas-Raketen getötete Palästinenser auf Israel und die Erhöhung der Opferzahl durch das Mitzählen von Verstorbenen, deren Tod nicht im Zusammenhang mit Kriegshandlungen stand.

Derartige Fehler wurden auch schon in früheren Kriegen, zu denen Israel gezwungen war, öffentlich und führten zu nachträglichen Korrekturen – die jedoch stets ungleich weniger Aufmerksamkeit erfuhren als die ursprünglichen, falschen Zahlen.

So Axel Feuerherdt auf der “Achse des Guten”, einem israelfreundlichen Blog.

Lesetipp:

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