Archiv der Kategorie: Informationskompetenz

Informationen in leichter Sprache

Die Zeitung “Das Parlament” versucht in einer regelmäßigen Beilage, Politik in einfacher Sprache zu erklären. Manchmal ist das sehr vereinfacht.

Aus der Beilag Nr. 8 zu Parlament 13/2015: “Was bedeutet Kompetenz? Ein anderes Wort dafür ist Fach-Wissen.”

Franz Weinert wird sich im Grab umdrehen.

Noch ein Tipp: Das Programm der Linkspartei in einfacher Sprache.

Pressekampagne gegen Lehrerin wegen Horst-Wessel-Lied

Bemerkenswert, aber nicht unerwartet ist die Reaktion der Hauptstadtpresse auf die Anzeige des Antifa-Aktivisten von der Linkspartei.

Stern, Spiegel, Bild, Berliner Kurier blasen sensationslüstern ins Antifa-Horn. Da wurde ernsthaft diskutiert, ob die Schüler nur mitgesummt oder laut gesungen hätten, ob sie dazu gezwungen wurden, ob sie mit dem Thema einverstanden waren. Mit den Füßen mitgestampft hätten nur einige, ohne Aufforderung, oder vielleicht doch mit? Der arme Schulleiter muss die Schüler befragen. Die taz gibt der Genossin Fraktionsvorsitzenden der Köpenicker Sozialisten Raum für ergänzende Angriffe, Harry Nutt von der BZ sieht ein Experiment außer Kontrolle geraten und vergleicht es mit der “Welle”. Wer das Stück kennt, sieht sofort, dass es dabei um eine ganz andere, aber auch keinesfalls verdammenswerte Absicht ging. Was tut man nicht alles für die völlig unzutreffende Schlagzeile “Experiment außer Kontrolle”. Der sonst respektable Martin Schuller im Tagesspiegel sieht gar eine verhängnisvolle deutsche Traditionslinie von den 30ern bis in die Gegenwart. Die “Qualitätsjournalisten” von der Bild sind betroffen, dass das an einem Gymnasium passierte, das nach einer jüdischen Wissenschaftlerin benannt ist. Fehlt nur noch eine Brennpunktsendung und eine Talkshow bei Anne Will mit der Musiklehrerin am Katzentisch.

Eigentlich müssten eine solche anscheinend gut durchdachte Stunde täglich an allen Schulen stattfinden. Sie findet sicher auch vielfach statt, ohne dass sensationsgeile Journalist/-innen hysterisch reagieren.

Lesenswert ist einzig der Beitrag von News4Teachers

Siehe auch:

Informationskompetenz: TTIP

Der EU wurde vorgeworfen, die TTIP-Verhandlungen, das Freihandelsabkommen mit den USA, wären intransparent, da die Verhandlungspapiere geheim wären. Freihandelsgegner von attac, blockupy und campact warnen vor niedrigeren Umwelt- und Verbraucherschutznormen und der Abtretung der Legislative an US-Konzerne, vor der endgültigen Dominanz der US-Unterhaltungsindistrie. Man erinnert sich: das berühmte Chlorhuhn. Dabei tötet Chlor Keime zuverlässig. US-Amerikaner wundern sich darüber, dass Salat in Deutschland gechlort wird, bevor er abgepackt wird und daran niemand Anstoß nimmt. Lebensmittelskandale sind in USA sehr viel geringer als hierzulande.

1,7 Millionen Bürger/-innen haben die Petition “STOP TTIP” gegen das geplante Freihandelsabkommen bisher unterschrieben. Die ebenfalls in der linken Kritik stehenden übernationalen Gerichte, die Konzerne gegen ihren Interessen widersprechende nachträgliche Änderungen in einer nationalen Gesetzgebung anrufen könnten, sind eine deutsche Erfindung und werden von der deutschen Wirtschaft geschätzt, weil sie damit Rechtssicherheit gegenüber Staaten hat, in denen man der Rechtsprechung nicht über den Weg traut. Russland unterwirft sich beispielsweise dieser Rechtsprechung.

Nun hat die EU seit Januar 2015 ihre Verhandlungsdokumente im Internet veröffentlicht. Wer jetzt glaubt, die EU-Server würden unter der Last der Aufrufe zusammenbrechen, wird enttäuscht. Die deutschsprachige Seite mit den EU-Vorschlägen zum Kulturbereich wurde in drei Monaten ganze 50mal aufgerufen! Tier- und Pflanzenschutz (Chlorhuhn!) wurde 5.000mal aufgerufen. Auch das beschämend wenig bei 1,7 Millionen Menschen, die TTIP stoppen wollen, aber sich beklagen, dass sie nicht wissen, was in den Dokumenten steht. Die englischsprachige EU-Übersichtsseite über TTIP hat 100.00 Klicks, die deutschsprachige 5.000.

Leider sind die USA dazu noch nicht bereit und auch die bisher ausgehandelten Passagen bleiben unveröffentlicht. Andererseits ist zu fragen, was diese Echtzeit-Publizität für einen Nutzen haben soll. Macht es Sinn, wenn die Öffentlichkeit die Streichung, Ergänzung, Umformulierung jedes Halbsatzes live mitverfolgt? Wenn das Freihandelsabkommen vorliegt, so dachte ich bisher, muss es von den europäischen Körperschaften verabschiedet, verändert oder abgelehnt werden. Da habe ich anscheinend antiquierte Vorstellungen von einem Gesetzgebungsprozess.

Wie sagte die sportliche Femenaktivistin Josefine Witt, nachdem sie auf Herrn Draghis Tisch gepsprungen war: “Die EZB schottet sich ab, sie will nicht mit den Demonstranten reden, die nach Frankfurt gekommen sind.”

Soll wieder einmal die Welt am deutschen Wesen genesen? In den anderen EU-Staaten wird das TTIP überwiegend positiv gesehen. Sind die alle doof und nur die antikapitalistischen und antiamerikanischen Deutschen haben den Durchblick?

(nach Berichten in mehreren Pressemedien)

Update 27.4.15: Eine bemerkenswerte Rechnung macht der Unternehmensberater Hermann Simon in der heutigen FAZ (p 16) auf: Wenn man den Wert deutscher Exporte in andere Länder auf die Einwohner umrechne, liege die Schweiz vorn: 7.770 $ pro Einwohner. Danach folgten Frankreich, Polen und die Niederlande. In den USA sind es 378 Dollar! Ähnlich sehe es aus, wenn man den Anteil der deutschen Importe am Bruttosozialprodukt der Länder betrachte, Er liegt bei den europäischen Nachbarländern bei ca. 10% Anteil am BSP, in den USA sind es 0,7 %. Auch in China ist der Anteil höher.

Daraus könne man ersehen, dass das Freihandelsabkommen ein erhebliches Exportwachstum bringen könnte. Bisher sei der Eintritt in den amerikanischen Markt vielen Firmen zu teuer, z. B. wegen der Kosten durch notwendige zusätzliche Genehmigungen. (Es gäbe aber auch andere Hürden, die das deutsche Management allein zu verantworten hätte.) Aber das ist wohl eine einseitige Sicht. Der Vorwurf steht ja auch im Raum: TTIP würde den Firmeninhabern nützen, aber nicht dem Volk.

Die Tagesschau und die Sozialwissenschaft

Ich möchte nicht mit den linken und rechten Verschwörungstheoretikern in einen Topf geworfen werden, die davon reden, die Medien würden vom Kapital, von der NATO, von Israel bezahlt werden und uns daher einseitig, vor allem gegen Putin, beeinflussen.

Aus einem ganz anderen Grund habe ich ein Problem – vor allem mit der Tagesschau. Das ist der unkritische Umgang mit sozialwissenschaftlichen Untersuchungen. Da wird regelmäßig berichtet, was Pressestellen von Ministerien, OECD, Verbänden und Konzernen lancieren. Ohne das Attribut “angeblich”, das in anderen Nachrichten so gerne verwandt wird.

Jetzt freue ich mich, dass Science Files mit der gewohnten Gründlichkeit der Sache nachgegangen ist und belegt, was ich – gefühlt – schon lange – behaupte: Die ARD vermittelt “den Eindruck, Studien und wissenschaftliche Ergebnisse würden von Stiftungen, von Parteien, von Gewerkschaften, von Unternehmensberatern, Bundesministerien, internationalen Organisationen und, nicht zu vergessen, von IKEA erstellt.”

Die LAG-Datenschutzbroschüre

datenschutzbro

Datenschutz, Datensicherheit und Datensicherung in der Schulbibliothek sind die Themen der 13. LAG-Broschüre. Sie wurde vom Vorstandsmitglied Reiner Laasch verfasst.

Sie wurde auf dem 22. Hessischen Schulbibliothekstag in Bad Vilbel den Teilnehmern übergeben.

Auf schulbibliotheken.de, der Homepage der LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V., kann sie – für Mitglieder kostenlos – bestellt oder downgeloaded werden.

Eine hilflose Generation Facebook?

Die FAZ hat den Informationsethiker Rafael Capurro über Erziehung zur Freiheit im Zeitalter der digitalen Kontrolle befragt.

Er sieht Gefahren darin, dass immer mehr digitale Programme das Lehren übernehmen. “Was für Menschen werden das sein, die zehn und mehr Jahre mit solchen Programmen getrimmt werden?” fragt er.

Capurro schlägt vor, die Programmierer solcher Lernmedien in den Unterricht zu holen, wo sie erklären sollten, was sie mit den anfallenden Daten machen.

Er plädiert dafür, die ethischen Fragen im Umgang mit Big Data, Facebook und Co auf jeden Fall auch in der Schle zu stellen. Die Gesellschaft müsse ethische Regeln für das Internet entwickeln.