Archiv der Kategorie: Informationskompetenz

Digitale Medien erleichtern das Lernen!

Eine herrliche Abituraufgabe könnte das werden, was in mehreren Presseportalen in diesen Tagen erschien: “60 Prozent der Menschen in Deutschland finden: “Digitale Medien erleichtern Kindern das Lernen. Das ergab eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Deutschen Bank für den Wettbewerb “Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen”. Belegt wird das im weiteren Verlauf noch mit einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums: Selbst jüngere Kinder seien schon im Internet unterwegs. Fast ein Drittel aller Sechsjährigen surfe im Internet usw. (Quelle)

Ich selbst wurde sogleich Opfer meiner ungenügenden Informationskompetenz und meines oberflächlichen überfliegenden Lesens. glaubte ich doch gelesen zu haben, dass es eine neue Studie gäbe, die endlich belegen würde, dass digitale Medien das Lernen erleichterten. Dabei wurde von den Sozialwissenschaftlern VON TNS Infratest nur eine Umfrage durchgeführt und die Meinung derer erfragt, die sie am Telefon erreichen konnten.

Was käme heraus, wenn man Abiturienten zusammenfassen ließe, was in der oa. Studie herausgefunden wurde?

a) Digitale Medien erleichtern das Lernen

b) 60% der von einem Meinungsforschungsinstitut Befragten glauben, dass digitale Medien das Lernen erleichtern würden.

Ich vermute, dass Antwort a) nicht chancenlos wäre.

Videoclips von Associated Press auf Youtube

Die größte und älteste Nachrichtenagentur, Associated Press (AP), stellt ihre Videos auf Youtube. Die meisten Beiträge haben eine Länge von 1-2 Minuten, einige wenige auch bis zu 10 Minuten.

Einige historische Ereignisse sind in dieser Liste zu sehen, z. B. das Fußballspiel Deutschland-England 1938, der Absturz der Hindenburg, das Massaker, das die chinesische Regierung auf dem Tienanmen-Platz verübte.

(via NeverEndingSearch)

Das Narrativ und die Angst vor Ungleichheit

Als das Wort “Narrativ” auftauchte und die gelehrten Texte überschwemmte, war ich darum bemüht zu verstehen, was gemeint war. In meinem Bildungsgang existierte das Wort noch nicht. Zu allem Unglück zog es dann auch noch in die Geschichtslehrpläne ein. Erst allmählich erschloss sich mir der kulturrevolutionäre Gehalt. Es geht um nichts weniger, als Aufklärung und Rationalismus auf den Müllhaufen zu kippen. Es geht nicht länger darum, nach besseren Argumenten zu suchen, nach neuen Dokumenten, nach kritischem Hinterfragen lieb gewonnener Gewissheiten.

Im hessischen Geschichtsunterricht wurde Geschichtswissen durch “narrative Kompetenz” ersetzt. Das ist die “Fähigkeit, vorliegende Geschichte(n) zu verstehen, auf sinnvolle Art und Weise eigene zu bilden und diese auch selbst erzählen zu können.”

Es ist mir rätselhaft, wie das in standardisierten Tests abgefragt und bewertet werden kann. Gibt es so etwas gute und schlechte Narrative? Das dürfte eigentlich nicht sein. Alle wären doch gleich gültig. Geht es nur noch darum, wie gut jemand sein Narrativ präsentieren kann? Unklar ist mir auch die Rolle des Lehrers. Wenn alle individuellen Geschichtserzählungen der Schüler gleich viel Wert sind, was ist seine Aufgabe?

Warum das Narrativ seinen Siegeszug in den Feuilletons und Geistes- und Sozialwissenschaften antreten konnte, verstehe ich dank eines Interviews in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) jetzt besser. Wiebke Becker hat die Soziologin Irmhild Saake befragt. (Es gibt also noch richtige Soziologen. Ich hatte den Eindruck, es gäbe nur noch Feministen, Genderisten und Armutsforscher.)

Frau Saake stellt bei ihren Studenten eine große Aversion gegen Ungleichheit jeder Art fest. Die Forderung nach Gleichheit beherrsche inzwischen auch die wissenschaftliche Diskussion. Das bessere Argument zähle nicht mehr, auch der unsinnigsten Behauptung widerfahre Gerechtigkeit. Das Bedürfnis nach Harmonie und Gleichheit sei wichtiger als wissenschaftliche Erkenntnis. Das erkläre auch die Suche nach immer neuen Minderheiten, die noch nicht gerecht behandelt würden.

Da verstand ich die Glaubenskriege in den (a)sozialen Medien. Es geht nicht darum zu klären, wer MH 17 abgeschossen hat oder ob die Besetzung der Krim eine Annexion war oder nicht. Es geht um Gleichheit. Wenn Putin so viele Vorwürfe gemacht werden, verstößt das gegen das Gleichheitsprinzip und löst Mitleid aus. Genauso in der Griechenlandkrise: Ob Griechenland nun Reformen durchführt, Reformen rückgängig macht oder gar keine Reformen will, ist gleichgültig. Da kommen Tweets von US-Ökonomen, die sich nicht zum ersten Mal irren (Lob Venezuelas!) gerade recht und los geht es mit der grotesken Behauptung eines deutschen Staatsstreichs gegen Athen.

  • “Unterschied, was ist das?”, FAS v. 19.7.15, p 8

Dazu passt die Kampagne einer Mutter, die die Bundesjugendspiele abschaffen will (20.000 Unterschriften- heutiger Stand – hat sie schon.) Sie wären eine Demütigung für die schwächeren Schüler. Der Wettkampfcharakter wäre nicht mehr zeitgemäß.

Merkel und LeFloid: Wie die Alten sungen…

Frau Merkel bei dem Youtuber LeFloid. War das nun das Medienereignis, das die TV-Talkshows alt aussehen lässt? Wenig Zeit, nichts wird vertieft, nichts nachgefragt. Der Interviewer als Vorleser von Fragen seiner Anhänger, nicht als Gesprächspartner. Woher kennen wir das nur? Erinnerung an die Rolle von Repräsentanten in der Piratenpartei: Imperatives Mandat. Und dann noch LeFloids vorgelesene Plattitüde vom brandenburgischen Studenten an der Münchner Uni. Es durfte vor Jahren schon in der Münchner Abendschau gesendet werden: In welchem Bundesland Studenten bayerischer Universitäten Abitur gemacht haben, ist während des Studiums und beim Examen nicht mehr erkennbar.

Lateinkenntnisse und Griechenlands Reformunfähigkeit

Schon die Römer fluchten darüber, dass sie die Griechen in ihr Imperium aufgenommen hatten. Vor zweitausend Jahren wurde die Redewendung “solvere ad calendas graecas” erfunden: Gezahlt wird am griechischen Zahltag – also nie. Darauf macht Leserbriefschreiber Helmut Schöne in der FAZ v. 16.7.15 aufmerksam:

Die römischen Patrizier, die ihre Geschäfte in den Provinzen Macedonia und Asia betrieben, beklagten sich, dass die Griechen keine Pacht und keine Steuern zahlten. Selbst die Verschickung von Geiseln nach Rom  brachte nichts.

Die Calendae bezeichneten in Rom den ersten Tag des Monats. Er galt als Zahltag. Im Griechischen gab es keine Entsprechung. Calendae graecae gab es nicht.

Selbst wenn man unterstellt, dass die Römer “neoliberale” Ausbeuter gewesen sein mögen, cum grano salis wird wohl etwas dran gewesen sein. Oder hat Europa jetzt die Rolle des Imperiums übernommen, das Schuld am Elend der Griechen hat? So will es das Narrativ von Syriza und Linkspartei.

Siehe auch hier!

Ist der Klimawandel ein Mann?

An einem Text mit dieser Überschrift wird in bayrischen Schulen Informationsentnahme aus Texten geübt. (Was ich hier Informationsentnahme aus Texten nenne, übte man früher im Deutschunterricht der Mittelstufe. Heute ist das Teil der Vermittlung von Informationskompetenz und fällt laut Hessischem Bibliotheksgesetz in die Zuständigkeit öffentlicher Bibliotheken.)

Es ist niemandem verwehrt, hieran die Textsorte “Satire” einzuführen (Das wohl besser nicht!) zu untersuchen. Aber angesichts des gesellschaftlichen Zustandes, in dem wir uns befinden, würde ich davon abraten. Mit Genderistinnen ist nicht zu spaßen. Da ist man schnell homophob. Nachher stellt sich gar heraus, dass der Text von einer Genderwissenschaftlerin stammt und man(n) bekommt vom Schulamt eine Abmahnung oder die Frauenbeauftragte fordert eine Strafversetzung.

  • Was dazu zu sagen ist, steht im Wissenschaftsblog Science Files.
  • Wie gendersensibler Umweltschutz aussehen wird, kann man bei Science Files auch schon einmal vorab lesen.
  • Dass es wirklich um Informationskompetenz geht und nicht um Satire, zeigen die Arbeitsaufgaben.