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Spende für zukünftige Schulbibliothek im Brandenburgischen

Der Schulförderverein der Grundschule Paulinenaue will eine Schulbibliothek einrichten. Dafür bekommt er eine kleine Förderung durch die regionale Mittelbrandenburgische Sparkasse.

Die Gemeindebibliothek war 2015 geschlossen worden.

Paulinenaue liegt im schönen Havelland, unweit von Ribbeck auf Ribbeck, wo Fontanes Birnbaum steht.

Nachtrag: Passt irgendwie dazu: Schüler des Potsdamer Leibnizgymnasiums spenden 7.000€ für eine Schulbibliothek in Afrika.

Landesschulamt Brandenburg wieder aufgelöst

Bis 2013 gab es sechs Schulämter in Brandenburg. Dann wurde ein Landesschulamt (LSA) geschaffen. Das hatte vier regionale Außenstellen. Die Reform brachte auch 24 zusätzliche Planstellen.

Den ersten Geburtstag hat die neue Behörde nicht lange überlebt. Jetzt gibt es kein Landesschulamt mehr. Die vier Außenstellen des LSA werden (wieder) selbstständig. Die Reform soll zu kürzeren Dienstwegen führen. Die neu geschaffenen Planstellen bleiben erhalten.

Für Verärgerung beim Minister hatte gesorgt, dass das LSA das Ministerium nicht rechtzeitig über den enormen Unterrichtsausfall im Land informiert hatte.

Auch in Hessen wurde inzwischen die Verwaltungsbene Landesschulamt wieder abgeschafft und die 15 Schulämter sind wieder selbstständige Institutionen. Eine FDP-Kultusministerin hatte die Reform organisiert und einen Parteifreund als Leiter vorgesehen.

Als zentrale Behörde erhalten blieb die im Zuge der Reform neu geschaffene „Lehrkräfteakademie“, die für Lehrerfortbildung und Qualitätsentwicklung zuständig ist.

Auch in Hessen ist davon auszugehen, dass die neu geschaffenen und besetzten A-15-/A-16-Planstellen erhalten bleiben.

Nachwort zum Brandenburger Landes-Schüler-BaföG

Fünf Millionen jährlich gibt die Brandenburger Landesregierung dafür aus, dass Abiturienten aus einkommensschwachen Familien sich mit einem monatlichen staatlichen Taschengeld ein Buch (oder eine Kinokarte) kaufen. Bei der Linkspartei und den Grünen blitzte ich ab. Ich hatte dann an die CDU-Abgeordneten Ingo Senftleben und Dr. Saskia Ludwig geschrieben, dass ich diese jährlichen fünf Millionen bei den Schulbibliotheken besser aufgehoben sähe.

Geantwortet haben mir beide nie. Jetzt ahne ich, warum.

Kurz vor Weihnachten starb überraschend der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Klaus Ness. Bei der Totenfeier wurden von allen Seiten bewegende und sicher wahrhaftige Reden über einen großen Strategen, einen ehrlichen und wahrheitsliebenden Politiker gehalten. Nur ganz versteckt klang an, dass er, wie es Ministerpräsident Woidke vorsichtig formulierte, seine Warmherzigkeit nicht offen mit sich herumtrug. Wenn ich mir das übersetze, fällt mir Herbert Wehner ein: Nicht gerade geliebt, aber respektiert, gar gefürchtet.

Das Landes-Schüler-BaföG war eine Lieblingsidee von Klaus Ness gewesen. Dagegen ging nichts.

In Brandenburg jetzt doch Gemeinschaftsschulen

Anfänglich wollte die SPD von der Idee des Koalitionspartners Die Linke. nichts wissen: Keine Gemeinschaftsschulen hieß es zuerst. Jetzt ist auch die SPD für das linke Schulkonzept. Das sieht in seiner vollendeten Form vor: Eine Schule für die Klassen 1-10, kein Sitzenbleiben, keine Ziffernnoten, keine äußere Differenzierung.

Von besonderen Eliteschulen („Spezialschulen“ für Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und Sport), auf die in der DDR leistungsstarke Schüler geschickt wurden, ist dabei nicht die Rede.

Dass die SPD in Brandenburg umgefallen ist, liegt vielleicht daran, dass in dünn besiedelten Gebieten außerhalb des Berliner Umlandes ein vielfältiges, mehrgliedriges Schulsystem schlecht zu organisieren ist. Wahrscheinlich läuft es auf das hinaus, was Hessen seit 40 Jahren praktiziert: Unter dem Titel „(Kooperative) Gesamtschule“ existieren die Schulformen Hauptschule, Realschule, Gymnasium mehr oder weniger weiter. Der gymnasiale Anteil beträgt 40 bis 70%, die Hauptschule befindet sich im einstelligen Bereich. Von Gemeinschaftsschulen hört man aber, dass der Anteil der Gymnasialschüler zum einstelligen Bereich tendiert.

In Baden-Württemberg schnitt eine Vorzeige-Gemeinschaftsschule in einer wissenschaftlichen Evaluation katastrophal ab. Die Daten blieben unter Verschluss.

Die Privatschulen in Brandenburg werden sich freuen. Vorsorglich hat die rot-rote Landesregierung schon die staatlichen Zuschüsse für sie gekürzt.

Das Ärgerlichste bei allen Schulreformen, besonders den Strukturänderungen, ist m. E., dass die Lehrer nicht „mitgenommen“ werden. Oder hat man je davon gehört, dass Lehrer in Binnendifferenzierung geschult wurden, gelernt hätten, ohne Ziffernnoten auszukommen, gelernt hätten, individuelle Förderpläne zu schreiben usw.?

Jeder Autowerkstattmitarbeiter wird besser darin geschult, wie er mit einem neuen Motor, einem veränderten Getriebe oder einem Katalysator umzugehen hat. Die Kultusministerien haben sich selten darüber den Kopf zerbrochen, wie man Lehrern eine Reform beibringt; außer mit mehr Konferenzen,  mehr Formularen, mehr Vergleichsarbeiten. Es ist ja nicht alles schlecht an einer Gemeinschaftsschule, aber man kann sie nicht verordnen.

Im Nachwende-Volksmund hat die DDR-Einheitsschule, das Vorbild für die Gemeinschaftsschule, einen guten Ruf. Es gibt aber auch diese Meinung: Das beste am DDR-Schulsystem waren die Spezialschulen. Deren Schüler haben die zum Abitur führende EOS locker geschafft und hatten auch einen erheblichen Anteil an Spitzenpositionen in Wissenschaft und Technik. Warum sagt wohl Lothar de Maizière, letzter und demokratisch gewählter DDR-Ministerpräsident, 1990 in seiner Regierungserklärung: „Ein kastastrophales Erbe übernehmen wir von der SED-Herrschaft auch im Bildungswesen“.

Der (westdeutsche) Streit um zwei oder drei Jahre gymnasiale Oberstufe – „Die im Osten schaffen es in zwei Jahren“ – geht von falschen Prämissen aus. Die Vorstellung eines gestuften Schulsystems trägt nicht. Man kann nicht einfach auf die Sekundarstufe I die Sekundarstufe II draufsetzen. Die Vorbereitung auf das Abitur beginnt viel früher. (Für manche Eltern schon im ersten Schuljahr.)
Was wenig bekannt ist: Schüler der vorgeblichen Einheitsschule wurden bis 1984 schon nach Klasse 8 im Hinblick auf die EOS gestreamt, d. h. getrennt unterrichtet, und sogar der EOS zugeordnet, der Schule mit der besseren Ausstattung und besonders guten Lehrern.

Um die Abwägung, wie lange gemeinsames Lernen gesellschaftspolitisch nötig sei und ab wann differenzierte Bildungsgänge besser seien, bleibt auch uns nicht erspart.

Die derzeitige Entwicklung, bei der zwei Drittel der Schüler das Abitur anstreben und dieses durch Wegfall von Prüfungsteilen und durch Kompetenz- statt Wissensorientierung einfacher wird, ist nicht das Ei des Kolumbus.

Beim Schreiben dieses Postings habe ich meinen Text „Vom Guten der DDR-Schule“ wiedergelesen. Wer ihn lesen will.

Wieder Superlehrer/-innen in Brandenburg gekürt

Schon einmal stand etwas über diesen Preis im Basedow1764. Damals war eigentlich auch schon alles gesagt. Statt struktureller Verbesserungen, statt besserer Bezahlung oder Anrechnung zusätzlicher Aufgaben auf die Arbeitszeit gibt es jetzt eine Art Orden. Dass der Preis mit der Übergabe eines Geldbetrages verbunden wäre, davon stand nichts in den Zeitungen.

Ich greife das Thema aus diesen beiden Gründen wieder auf:

  • Ausgerechnet ein früherer Superlehrer gehört zu den Organisatoren des Widerstandes gegen die Berlin-Brandenburger Lehrplanreform, die besonders das Fach Geschichte trifft. Da hat er die Auszeichnung zu Recht verdient.
  • Das wesentliche Kriterium für die Auswahl der Superlehrer/-innen sind Zusatzaufgaben. Die Qualität des Unterrichts und das fachliche Können spielen verständlicherweise keine so große Rolle. Sie sind nun einmal schwer objektivierbar. Es geht um die Übernahme zusätzlicher Aufgaben. Natürlich sollte nicht Negatives über den Unterricht des Kandidaten/der Kandidatin bekannt sein. Bei den ausgezeichneten Lehrer/-innen erwähnen die Zeitungen als Merkmale u. a. die Organisation des Frankreichaustauschs, die Klassenfahrt nach Sibirien, das Führen des Schultagebuchs. Einmal in den vergangenen Jahren war wohl auch der Aufbau einer Schulbibliothek Anlass für eine Kandidatur als Preisträger. Da Auswahl und Nominierung auf der untersten Stufe der Schulkonferenz obliegt, könnten die Freunde in der AGSBB überlegen, ob sie Schulen und Elternvertreter einen Hinweis auf engagierte Lehrer/-innen in der Schulbibliothek geben. (Wenn man das Spiel mitspielen will.)

Berlin und Brandenburg suchen Schulleiter

Vor vier Jahren waren in Hessen ca. 1.000 Schulleitungsstellen unbesetzt. Es ist seit Jahren üblich, dass der Schulleiter oder der Stellvertreter monate- oder jahrelang die Schule allein leitet. Auch mir ging das so. Besonders in Grundschulen ist es schwer, Bewerberinnen oder (gar) Bewerber zu finden. Die Differenz zwischen dem Lehrergehalt und dem Grundschulrektorgehalt liefert keinen Anreiz für eine Bewerbung. Es ist schon vorgekommen, dass auf zuvor abgelehnte Bewerber zugegangen werden muss, weil es nach einer Neuausschreibung keine weiteren Bewerbungen mehr gab.

Im letzten Jahr las ich, dass in Brandenburg 100 Schulleitungsstellen unbesetzt waren. (Nicht gemeint ist eine vorübergehende Vakanz im Rahmen einer Neubesetzung; obwohl, auch da fällt auf, dass eine Ausschreibung manchmal erst Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgt, obwohl die Schulaufsicht wusste, ab wann die Stelle unbesetzt war. Das ist immerhin etwas besser geworden, vor allem bei großen Schulen. Unvorstellbar, dass ein Nachfolger einige Zeit vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers an die Schule kommt.) Damals stand in der Zeitung, dass man in Berlin an ca. 30 der ca. 800 Schulen eine Verwaltungsleiterstelle schaffen wolle, um Schulleiter zu entlasten.

Jetzt lese ich, dass in Berlin über 100 Stellen unbesetzt wären.

Nicht einfacher wird die Stellenbesetzung, wenn zukünftig gemäß geplantem Bundesgleichstellungsgesetz im Grundschulbereich für eine angemessene Männerquote gesorgt werden muss.

Seit Jahren wird von Politiker/-innen gefordert, versprochen, beabsichtigt, die Schulqualität zu steigern. Was kommt, sind kompetenzorientierte Lehrpläne, mehr Computer und vor allem neue Studien über die Mängel des Schulsystems. Die neueste kommt aus Düsseldorf von der Heinrich-Heine-Universität. In ihr wird, zum zigsten mal bei diesem Thema, die fehlende Willkommenskultur gegenüber Migrantenkindern, die fehlende Unterstützung durch die Lehrkräfte und (neu!) durch die Mitschüler und deren Eltern beklagt.

Dass sich immer weniger Lehrer/-innen finden, die Belastungen in den Leitungsstellen auf sich zu nehmen, scheint für Bildungspolitik und Bildungsforschung kein Thema zu sein.

Nicht vergessen habe ich, wie ein englischer Schulleiter staunte, als wir ihm erzählten, dass Schulleiter in Deutschland auch unterrichten müssen. Er war 50 Stunden in der Woche damit beschäftigt, die Schule zu leiten. Die Schulaufsicht wies meine Sekretärin an, mich aus dem Unterricht ans Telefon zu holen. (Geschichten aus dem Schulleiterdasein finden sich im E-Book des Kollegen Harald Togal.)

Alles nur ein Missverständnis

Sternsinger sammeln am Jahresanfang traditionell für wohltätige Zwecke. Sie treten z.B. beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten, des sozialdemokratischen  brandenburgischen und des sozialistischen thüringischen Ministerpräsidenten an. Die Kinder und Jugendlichen kommen in morgenländischer Verkleidung, ein Hinweis auf die Heiligen Drei Könige; sie singen, sammeln Geld und segnen das Haus.

Der Personalrat des brandenburgischen Bildungsministeriums verbat sich letztes Jahr von der damaligen Ministerin die Hereinnahme religiöser Darbietungen in dienstliche Veranstaltungen. Bekenntnisfreie Mitarbeiter/-innen des Hauses seien an ihn herangetreten. Sie legten Wert auf eine Unterscheidung von dienstlichen und religiösen Veranstaltungen.

Der Nachfolger der im Hause unbeliebten Ministerin unternahm daher nichts, auch der Bund der katholischen Jugend, der die Sternsingeraktion trägt, bat den Minister nicht mehr um einen Termin. Schon stand in den Zeitungen, dass der neue Minister aus der rot-roten Koalition dem Verlangen des Personalrats Folge leiste.

Jetzt heißt es, dass alles nur ein Missverständnis sei. Vor der Tür des Ministeriums übergab der Minister dann die in seinem Haus gesammelten Geldspenden.