Frontalunterrricht ist noch nicht am Ende

Eine Studie von zwei Bildungsökonomen macht die Runde und wird kontrovers diskutiert:

Is traditional teaching really all that bad? A within-student between-subject approach

von Guido Schwerdt und Amelie C. Wuppermann.

Beide sind in München, im Umfeld von Ökonom Hans Werner Sinn forschende Deutsche. Der Text liegt anscheinend nur in Englisch vor. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ist hoch zufrieden. Andernorts nimmt die Auseinandersetzung beinahe die Dimension an, die Sarrazins Buch bewirkt hat.

Ich bin hin und her gerissen. Die Studie ist eine Sekundäranalyse von TIMMS-Befunden, bezieht sich auf Lehreraussagen zu ihrem mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht. Dabei kam heraus, dass schon 10% mehr darbietender Unterricht zu besseren Schülerleistungen in TIMMS führten.

Andererseits war ich noch nie gegen rezeptiven, darbietenden Unterricht, vulgo Frontalunterricht. Meine Referendare mussten immer auch Übungen nach David Ausubel („Psychologie des Unterrichts“) und den Grells („Unterrichtsrezepte“:12. Auflage 2010!) machen.

Den Schülern einen Sachverhalt in einem strukturierten fünfminütigen Lehrervortrag darzustellen und anschließend eine Aufgabe für eine einübende, vertiefende oder weiterführende Arbeitsphase zu stellen, war schwieriger, als Fotokopien auszuteilen und 38 von 45 Minuten Gruppenarbeit anzusetzen. Man sollte das genau genommen nicht Frontalunterricht nennen. Die verbreitete Vorstellung, Unterricht wäre eine 45-minütige Vorlesung ist ebenfalls unzutreffend. Das ist darbietender Unterricht nicht.

Es ist wie bei fast allem: Einseitigkeiten vermeiden. Nicht alles geht frontal, nicht alles fliegt einem im offenen, entdeckenden Unterricht zu.

  • Ein Eintrag aus einem anderen Blog: Wie Schüler rezeptiven Unterricht sehen.
  • Nachtrag Februar 2016: Die Berliner Shriftstellerin Katja Oskamp schildert in der Schweizer Weltwoche 5/2016 das Leiden ihrer Tochter in der Schule:  … Meine Tochter wünscht sich inzwischen nichts sehnlichedr. Vorn steht jemand, der etwas weiß, was sie nicht weiß. Das bringt er ihr dann bei. Aber Frontalunterricht gilt bei Pädagogen als Teufelszeug….
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2 Gedanken zu „Frontalunterrricht ist noch nicht am Ende

  1. Pingback: Die Wiederentdecklung des Lehrervortrags | Basedow1764's Weblog

  2. Pingback: Lesetipp: Gegen die durchdigitalisierte Schule | Basedow1764's Weblog

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