Nachbetrachtung zum 22. Hessischen Schulbibliothekstag

An dem riesigen Gebäudekomplex am Rande eines Bad Vilbeler Industriegebietes fuhren wir erst einmal vorbei. Wer ein Berufsleben lang Schulen aufgesucht hat, meint, ein Schulgebäude noch im Schlaf zu erkennen. Dass der Bau nicht die Hauptverwaltung eines Konzerns, einer Großbank oder einer Gewerkschaft, sondern die “Europäische Schule RheinMain” war, merkten wir erst, als wir schon vorbeigefahren waren und im nächsten Kreisel umkehrten. Beeindruckend war dann nicht nur dass Äußere, sondern auch das Innere: Glas, helles Holz, Aluminium, großzügige Dimensionen.

Ich will hier keinen Kongressbericht schreiben, sondern nur Randbemerkungen machen. Wer nicht da war, hat wieder einmal viel verpasst. Hans Günther Brée und die gastgebende Schule, allen voran die Bibliothekarin Renate Kirmse, haben hervorragende Arbeit geleistet. Die Referent/-innen wurden von Assistent/-innen – Schülern und Eltern – begleitet. Das war gut so, denn dass der Raum 2.19 nicht neben 2.18 liegt, erschloss sich mir nicht sogleich.

Das Interesse an Informationskompetenz ist wohl auch in Hessens Schulbibliotheken gewachsen. Die Referentin Dr. Nathalie Mertes hatte vor- und nachmittags volles Haus. Die bewährte Mischung in den Angeboten hatte LAG-Vorsitzender Hans Günther Brée beibehalten: Organisation, KJL und Leseförderung, Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken, Praxisberichte und IKT. Neu war das Thema Datenschutz in der Schulbibliothek. Reiner Laasch vom Vorstand hat dazu eine LAG-Broschüre verfasst, deren Startauflage von 2.500 Exemplaren an die hessischen Schulen verteilt werden soll. Die 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Broschüre schon in ihrer Tagungsmappe.

Die LAG kooperierte mit dem hessischen dbv-Forum-Schulbibliotheken: Die anwesenden Forum-Bibliothekare und zwei abgeordneten Forum-Lehrer (Ich zählte sechs Personen) konnten ihre zahlreichen Flyer und Broschüren am Stand der LAG auslegen, wo sie von zwei ehrenamtlichen LAGlern tagsüber betreut und am Schluss auch weggepackt wurden.

Den guten Verbindungen des Schulleiters der Europäischen Schule war es zu verdanken, dass der Kultusminister, Prof. Dr. Lorz, gekommen war. Er sprach ein sehr freundliches Grußwort und bedankte sich bei der LAG für deren jahrzehntelanges Engagement. LAG-Vorsitzender Brée gab in seiner Key-Note einen Überblick über die Leistungen der LAG aus fast 30 Jahren. Schön, dass der Minister das hören konnte.

Die Presse (Fotograf und Journalistin) interessierte sich nach meiner Beobachtung ausschließlich für den Minister.

Eine große Enttäuschung kann ich nicht verbergen: die beiden Schulbibliotheken – Primary und Secondary. Die beiden Räume wurden dominiert von den Bücherregalen. Die passen zum sachlich-kühlen Gewerbegebiet-Baustil des Hauses. Wo gab es Leseecken, Gruppenarbeitsplätze, Platz für ein Klassenplenum, Computerarbeitsplätze? In jeder hessischen Gesamtschule wären wir enttäuscht gewesen. Unverständlich, dass eine Privatschule, bei der Geld augenscheinlich keine Rolle spielt und die dem angelsächsischen Schulmodell nahesteht, kein modernes School Library Media Center besitzt.

Ich traf viele Kolleg/-innen wieder, die ebenfalls seit Jahrzehnten in ihren Schulen unermüdlich für gute Schulbibliotheken sorgen und die jetzt dabei sind, die Bibliothek an Jüngere zu übergeben.

Updates: Der Artikel in der Regionalzeitung “Frankfurter Neue Presse” ist, wie zu erwarten war, nicht der Rede wert. Der Journalist schreibt über Bibliotheken und Bibliothekspädagogik, seine Überschrift: “Buchwissen, das der Moderne trotzt”. Auf welcher Veranstaltung war der? Und warum hat er nicht dem Veranstalter gesprochen? Ganz anders berichtet die “Wetterauer Zeitung”.

Eine Teilnehmerin, die von außerhalb Hessens gekommen war,  schrieb: “Ich bin  begeistert vom Hess. Schulbibliothekstag nach Hause gekommen. Leider musste ich etwas früher gehen, denn ich musste ja noch nach … zurück. Das war eine hervorragend organisierte und durchgeführte Veranstaltung. Die vielen freundlichen Helfer, die gute Planung und Bereitstellung aller Medien und Materialien, das umfangreiche und interessante Programm, das habe ich so noch nicht erlebt.”

Die neue LAG-Datenschutzbroschüre und die “key note” des Vorsitzenden stehen auf der LAG-Homepage schulbibliotheken.de.

Berichte aus Schulbibliotheken (2)

Die Bibliothekarin der Stadtteilbibliothek in der Weibelfeldschule in Dreieich, Linda Hein, schickt diese Berichte:

Lesehelden 2.0 (ab Schuljahr 2014/15)

In Dreieich gibt es ein neues Bündnis für Bildung: der Förderverein Weibelfeldschule e.V. hat sich die Bücherei und das AV-Studio sowie das JUZ Dreieich als Bündnispartner gesucht und gemeinsam starten wir im Herbst unsere neue Aktion Leseheld stehend mit HintergrundLESEHELDEN 2.0. Das Projekt wird ein Teil der AV-Studio AG sein und ist außerschulisch. Dabei werden die Teilnehmer(innen) eine kleine Geschichte mit Hilfe von Tablets als Fotostory umsetzen. Dazu wird ein Storyboard erstellt, mit dessen Hilfe die Kinder dann die Bilder machen. Gegebenenfalls werden die Fotos mit Sprechblasen ergänzt. Bei der Durchführung unterstützen uns die beiden Ehrenamtlichen Theo van Dieken und Albert Schobbe. Beide wurden zusammen mit Linda Hein, der Bibliothekarin der Weibelfeldschule, im September von der Stiftung Digitale Chancen geschult, um so den Kids eine gute Hilfe bei der Umsetzung ihrer Ideen sein zu können. Die sechs Tablets sowie die weitere technische Ausstattung und kleine Erinnerungsstücke für die Teilnehmer(innen) finanziert der Deutsche Bibliotheksverband im Rahmen des bundesweit geförderten Projekts KULTUR MACHT STARK.

Poetry Slam 

Angelina trägt in lässiger Haltung ihr Hass-Gedicht über die Bäume vor, und Alessia hat einen herzzerreißenden Liebesbrief an die Liebe geschrieben. Poetry Slammer Lars Ruppel hatte den Weibelfeldschülern als Hilfestellung einige Begriffe vorgegeben, damit sie selbst ein Gedicht schreiben.
„Es muss sich nicht reimen – lasst Eure Worte und Gedanken fließen“, munterte er die Achtklässler in der Stadtteilbücherei auf. Innerhalb von 20 Minuten hatten die Jungs und Mädchen Erstaunliches aufs Papier gebracht. Ein bisschen schüchtern waren die Hauptschüler dann, als sie ihre ersten Versuche in der öffentlichen Runde präsentieren sollten.
Aber auch da wusste sich Ruppel, der rund 300 Poetry-Slam-Auftritte und -Workshops an Schulen im Jahr hält, zu helfen. „Bitte, Du bekommst auch einen Kaugummi, oder zwei, wenn Du möchtest“, handelte er kleine Belohnungen aus. Die Schüler bestanden dann gar nicht auf den Kaugummi, die Belohnung durch das Lob mit Applaus und Abklatschen des erfahrenen Gedichteschreibers war so viel mehr wert. Lars Ruppel beeindruckte die Teenager auch mit lässigem Rap über Goethe, coolen Songtexten von der Band Blumentopf und mit einigen Texten seiner Slam Poetry Kollegen.
Ganze drei Stunden lang arbeiteten die achten Klassen an den Gedichten und immer wieder mit neuen Vorgaben. Zum Jubiläum der Bücherei an der Weibelfeldschule hatte die Leiterin vom Förderverein der Schule und von der Dreieichstiftung Geld für dieses Projekt bekommen. „Wir haben bewusst die Hauptschüler für diese Aktion ausgesucht. Wir wollen sie für die Bücherei begeistern, und ich hoffe, ich sehe den einen oder anderen jetzt öfter hier“, sagte Linda Hein.

Lesebazillus

DSC_0028Dafür liest derzeit jedes Kind des Jahrgangs 5 ein selbst gewähltes Buch und untersucht, ob sich ein Lesebazillus darin versteckt – was natürlich nur bei den spannendsten, abenteuerlichsten und lustigsten oder romantischsten Büchern der Fall ist! Jede Klasse prämiert dann die besten Bücher und wird deren Inhalte kreativ umsetzen. Die Kunstwerke werden in der Bücherei ausgestellt werden. Zum Schulfest werden die Objekte ebenfalls zu sehen sein.

Was es noch in Dreieich gibt.

JuLiD, Jugendliteratur Dreieich, ist eine Jugendjury, die sich monatlich trifft, um aktuelle Jugendbücher zu besprechen

Teilnahme an der hessenweiten Sommerleseaktion Buchdurst!

u.a.

Kontakt: Linda Hein
Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich – Weibelfeldschule
Am Trauben 17
63303 Dreieich
Tel.: 06103-961850

Frau Hein ist Referentin auf dem 22. Hessischen Schulbibliothekstag am 21.3. in Bad Vilbel

An alle: Bitte keine Berichte mehr einsenden!

Rettung für Eschenburg-Eibelshausen

Die Bibliothek der Holderberg-Gesamtschule existierte viele Jahre, weil sich die Schulgemeinde engagierte. Sogar zwei Betreuerinnen konnten bezahlt werden. Dann sah es so aus, dass dieses Finanzierungsmodell nicht länger durchgehalten werden könnte. (Der Landkreis gibt 900 €.) Jetzt ist in der Zeitung zu lesen, dass der Förderverein jährlich 8.000 € geben will. Die zurzeit geschlossene Schulbibliothek kann also bald wieder geöffnet werden.

Dass die Finanzierung von Schulbibliotheken durch Eltern, Lehrer, Fördervereine und Sponsoren stattfindet, gilt anscheinend als völlig normal. Derartige Bericht stehen ja jede Woche in Zeitungen. Noch nie habe ich aber bei diesen Gelegenheiten gelesen, dass das eine kommunale bzw. staatliche Aufgabe sein sollte.

 

Berichte aus Schulbibliotheken (1)

Der Vorschlag, Berichte aus hessischen Schulbibliotheken an die Landesarbeitsgemeinschaft zu schicken, hat inzwischen eine erfreuliche Resonanz gefunden. Ein Dutzend Einsendungen sind eingegangen. Wir werden sie nach und nach veröffentlichen und uns mit Büchergutscheinen bedanken. Eröffnen soll die Schule am Sportpark, Integrierte Gesamtschule des Odenwaldkreises in Erbach. sportparkAus dem Jahr 2014: Welttag des Buches, Projekt “Gesunde Schule” und  Vorlesewettbewerb Es freut mich, dass die Schulbibliothek weiterhin zu den aktiven in Hessen zählt. Sie war schon beim Wettbewerb um die Schulbibliothek des Jahres 2009 dabei. Hier geht es zur umfangreichen Schulbibliotheksseite auf der Schul-Homepage.

Bitte vorerst keine Berichte mehr einsenden!

Bitte keine Berichte aus Schulbibliotheken mehr einsenden!

Nachdem für Berichte aus Schulbibliotheken Büchergutscheine ausgelobt wurden, klappte es mit den Einsendungen. Aus dreizehn Schulbibliotheken wird berichtet. Die Büchergutscheine werden heute verschickt. Nach und nach werde ich die Berichte im Blog veröffentlichen. (NICHT auf der Homepage!)

Auffällig, dass es noch Schulen/Schulbibliotheken gibt, in denen keine E-Mail-Adresse genutzt werden kann und schon gar nicht ein Scanner. Ich bitte um Verständnis, wenn ich eingesandte Zeitungsartikel nicht verwende, ich möchte mich nicht um Nachdruckrechte bei Zeitungsverlagen bemühen müssen.

Bauch, Beine, Po in der Politik

(c) Det Kempke/GALA

Auf diesem Plakat konnte ich feststellen, dass unsere ehemalige hessische Kultusministerin Nicola Beer eine ganz ansehnliche Person ist. (Die Miss in der Mitte) Näher in Augenschein nehmen konnten wir sie als Ministerin in Wiesbaden leider nicht. Sie hatte nämlich nie Zeit für die hessischen Schulbibliotheks-Asterixe. Als wir unsere Ansprüche herunterschraubten – keinen Besuchstermin, keine Bitte um Teilnahme an einer LAG-Preisverleihung für hessische Schulbibliotheken -, sondern nur noch die Unterschrift unter ein, wie üblich vorformuliertes, Grußwort für eine Broschüre, wurden wir beschieden, dass die Vorlaufzeit zu kurz gewesen wäre. (Es hatte sich um mehrere Wochen Distanz zwischen dem Ersuchen um eine Unterschrift und der Absage unsererseits gehandelt.)

Das Programm des 22. Hessischen Schulbibliothekstages

In zehn Wochen ist es wieder so weit.: Der 22. Hessische Schulbibliothekstag findet in Bad Vilbel bei Frankfurt/M statt. Mit 39 Veranstaltungen ist er wieder der größte deutschsprachige Schulbibliothekskongress.

Das HSBT-Programm

Online-Anmeldung über www.schulbibliotheken.de

Wählen Sie einen Vormittags- und einen Nachmittagsworkshop.

Der Teilnahmebeitrag (incl. Mittagessen) beträgt 40 € p. P. – für Mitglieder 30 € (bei mehreren Personen einer Schule nur für eine Person) und für Lehrer/-innen im Vorbereitungsdienst 35 €.

 

Ich finde, dass Günther Brée ein beeindruckendes Angebot zusammengestellt hat.