Das Programm des 22. Hessischen Schulbibliothekstages

In zehn Wochen ist es wieder so weit.: Der 22. Hessische Schulbibliothekstag findet in Bad Vilbel bei Frankfurt/M statt. Mit 39 Veranstaltungen ist er wieder der größte deutschsprachige Schulbibliothekskongress.

Das HSBT-Programm

Online-Anmeldung über www.schulbibliotheken.de

Wählen Sie einen Vormittags- und einen Nachmittagsworkshop.

Der Teilnahmebeitrag (incl. Mittagessen) beträgt 40 € p. P. – für Mitglieder 30 € (bei mehreren Personen einer Schule nur für eine Person) und für Lehrer/-innen im Vorbereitungsdienst 35 €.

 

Ich finde, dass Günther Brée ein beeindruckendes Angebot zusammengestellt hat.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Staatssekretär!

“Hessen vorn!” lautete in den Jahren sozialdemokratischer Führung der Slogan. Woran ich mich noch lebhaft erinnere, sind die Dorfgemeinschaftshäuser in jeder Landgemeinde. Dort gab es einen Saal für Familienfeiern und ein Tiefkühlfach für jede Familie. Nun wird die Tradition fortgesetzt: Der Staatssekretär im Kultusministerium teilt der LAG Schulbibliotheken mit, dass, neben einer “umfassenden finanziellen Unterstützung” (?) sein Haus das Schulbibliothekswesen mit einer Webseite auf der Homepage des Ministeriums unterstützen wird.

Wie sagte Jens Hoebbel, der vom hessischen Schulbibliothekswesen nie viel hielt, unverdrossen: “Schulbibliotheken im Aufwind”. Jetzt auch in Hessen. Eine solche Webseite hat noch nicht einmal Bayern.

Nach meiner unmaßgeblichen Zählung gibt es damit in Deutschland ca. ein Dutzend Hilfeseiten für Schulbibliotheken, auf denen man Links u.a. nützliche Sachen findet. Die Hälfte davon sind allein Seiten bibliotheksfachlicher Verbände.

(Nachtrag:) Da es den Regierungen zunehmend schwerer fällt, zu gestalten und Strukturen zu schaffen oder zu verändern, stürzen sie sich auf “Oberflächeneffekte”: Sie ehren Ehrenamtliche, rufen zum Engagement auf, würdigen Lehrer/-innen des Jahres, veranstalten Tagungen und Konferenzen, starten kurzlebige Projekte. Man ahnt die kreativen Kommunikations- und Medienberater/-innen, die solche Ideen, die nicht viel kosten und nicht stellenwirksam sind, ausbrüten.

Man muss sogar dankbar sein, dass es kein Modellprojekt “Einrichtung einer Schulbibliothek” von Stiftung Lesen, ekz, dbv und Kultusministerium gibt, bei dem die meist ehrenamtlichen Betreiber/-innen von ca 1.500 hessischen Schulbibliotheken mit offenem Mund zuschauen dürften.

Ein Satz im Schreiben des Staatssekretärs irritiert: Er schreibt von einer umfassenden finanziellen Unterstützung der hessischen Schulbibliotheken. Was meint er mit umfassend? Das Haus stellt drei Lehrkräfte mit zusammen etwas mehr als einer Lehrerstelle frei. Es hat in einem Medienzentrum die Betreuung der 1.800 LITTERA-Anwender (Schulbibliothekskatalog und/oder Lehrmittelverwaltung) übernommen. Es bezuschusst den zweijährlichen Hessischen Schulbibliothekstag, den gelegentlichen Druck einer Broschüre und hat jetzt, nach zwanzig Jahren, wieder einmal einen kleinen Modellversuch zum Unterricht in der Schulbibliothek genehmigt. (Gelder übrigens, die man jeweils ein Jahr zuvor beantragt und dann, nach Zuteilung, binnen 5 Wochen ausgeben muss. Das Wissenschaftsministerium gibt 200.000 € (Stand 2012) an Stadtbibliotheken, die mit Schulen zusammenarbeiten. Dann gibt es noch Lottomittel für Schulbibliotheken.

Es wäre sinnvoll, eine Schulbibliothekskommission beim Hessischen Kultusminister einzusetzen, besetzt unter anderem mit der Referatsleiterin, jemandem aus einer Schulbibliothek und einer Schulleitung, also Schulpraktiker/-innen, einer Verbindungsperson zum Wissenschaftsministerium und evtl jemandem aus einer städtischen SBA. Die könnte das, was es im Geschäftsbereich des HKM und in der restlichen Landesregierung an Schulbibliotheksaktivitäten gibt, koordinieren. Bisher überlässt das Ministerium das Thema einem dbv-dominierten “Forum”.

Man könnte sogar der Webseite etwas Gutes abgewinnen, wenn es denn mehr würde als die 13. schulbibliothekarische Linksammlung.

Das Ministerium weiß übrigens nicht, dass in den Tiefen des Hessischen Bildungsservers eine – inzwischen leere – Webseite “Hessischer Informationsdienst Schulbibliotheken” ruht. In den ersten Jahren ab 1998 stand dafür ein Lehrer mit der Anrechnung eines Wochenarbeitstages zur Verfügung. Später wurde es ehrenamtlich auf http://www.schulbibliotheken.de fortgeführt.

 

 

 

NB.: Ich danke denen, die den Artikel “geliked” haben. Dass ich ihn weitergeschrieben habe, schadet hoffentlich dem Urteil nicht.

Empirische Bildungsforschung und Fluglärm

Kein überzeugendes Ergebnis empirischer Bildungsforschung sieht der Blog Zettels Raum in einer Studie, die herausgefunden haben will, dass Fluglärm deutsche Schüler beim Lernen behindert, diejenigen mit Migrationshintergrund aber nicht. In meiner Familie gibt es die Vermutung, dass die deutschen Familien sehr viel mehr über den Fluglärm reden und dadurch die Kinder beeinflussen.

Woran man erkennen kann, wie es um das hessische Schulbibliothekswesen bestellt ist

Die folgenden Erfahrungen passen in das Bild, das das hessische Schulbibliothekswesen bietet.

Vor 18 Jahren folgte ein hessischer Kultusminister noch der Einladung der LAG Schulbibliotheken zum Besuch des Hessischen Schulbibliothekstages. Vor zehn Jahren gewann der LAG-Vorstand eine hessische Kultusministerin noch für das Grußwort zu einer Broschüre, zudem beantwortete sie die Anfrage zu einem Gespräch positiv. Vor fünf Jahren waren wir froh, dass eine nachfolgende, in ihrem Amt überforderte Ministerin nur einen Referenten schickte. Der erwähnte in seinem Grußwort die Kooperation seines Hauses mit dem dbv lobend, worüber zahlreiche Zuhörer/-innen, die tagein, tagaus dafür sorgen, dass es in ihrer Schule ein Informations- und Lesezentrum gibt, hör- und sichtbar irritiert waren. Die nachfolgende Ministerin ließ uns nach längerem Warten und wiederholter Anfrage schließlich einen Termin freitags um 16.30 Uhr anbieten. Ein – was nicht unüblich ist – vorformuliertes Grußwort für eine Broschüre zu unterschreiben, gelang ihr innerhalb von sechs Wochen nicht. Der neueste Kultusminister teilte uns mit, er habe schon so viele Termine und verwies uns an seinen Staatssekretär. Kurz darauf folgt er der Bitte eines Parteifreundes, Landrat und dbv-Landesvorsitzender, zu einem Gespräch.

Was sagt uns das?

Das Land will sich nicht auch noch um Schulbibliotheken kümmern. Die Schulträger dürfen machen, was sie wollen, Schulbibliotheken schaffen oder nicht. Die öffentlichen Büchereien, denen einige Angebote abhanden kommen (Videoausleihe, Musik-DVD-Ausleihe) oder gar nicht erst zukommen werden (z. B. eine zukunftsfähige E-Book-Ausleihe). erweitern dafür ihre Bildungspartnerschaft mit Schulen (Literaturversorgung, Medien- und Informationskompetenzenvermittlung). Sie machen sich Hoffnung auf Geld aus dem Bildungsetat. Das Land kommt bisher billig davon, es leiht zwanzig Lehrerstunden an die Fachstelle für öBen in der Bibliothek der FH Rhein-Main aus und spendiert den öffentlichen Bibliotheken jedes Jahr ein paar 100.000 € für Kooperationsprojekte mit Schulen. Bürgermeister bewahren ihre Stadtbücherei vor der Schließung, in dem sie sie als Kombibibliothek in eine Schule verlagern. Da sparen sie bei Bau- und Bauunterhaltungskosten Geld. Sogar das “Schulbibliothekswesen” profitiert: Seit 25 Jahren steigt die Zahl der Kombi- oder öffentlichen Schulbibliotheken jährlich (ungefähr) um eine. Die Zusammenarbeit von öffentlichen Bibliotheken und Schulen ist für alle Beteiligten günstiger als die einseitige Bevorzugung von Schulbibliotheken.

Siehe auch hier!