Archiv der Kategorie: Hessen

Neue Bibliothek in einer Frankfurter Förderschule

Schulbibliotheken in Beruflichen Schulen und in Förderschulen gilt meine besondere Aufmerksamkeit. In diesen beiden Schulformen halte ich sie für besonders wichtig. Daher freue ich mich über diese Nachricht:

In einer Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung wurde eine kleine Schulbibliothek eröffnet. Für die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle in Frankfurt am Main ist es die 99. unterstützte Schulbibliothek.

(Für die Richtigkeit der Rechtschreibung und aller inhaltlichen Angaben des Zeitungstextes übernehme ich aber keine Garantie.)

Mediothek der Johann-Textor-Schule in Haiger: 30plus

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die Mediothek der Johann-Textor-Schule in Haiger. Sie ist eine der Vorzeige-Schulbibliotheken Hessens.

Gründer und viele Jahre Leiter der Mediothek ist der Vorsitzende der LAG Schulbibliotheken in Hessen, Hans Günther Brée.

Neue Lesetipps vom Lese-Team der Hofheimer Gesamtschule Am Rosenberg

Auf 16 Seiten haben die Schülerinnen und Schüler wieder Lesetipps gegeben und der LAG Schulbibliotheken zur Verfügung gestellt.

Lesen auf dem Schulhof

Ein Bericht der Regionalzeitung Höchster Kreisblatt über die Hofheimer „Literaturpäpste“

 

 

 

Die falschen Prämissen führen nicht weiter

Der Bibliothekswissenschaftler Dr. Karsten Schuldt ist ein engagierter Streiter für Schulbibliotheken. Obwohl es nicht sein wissenschaftlicher Schwerpunkt ist, liefert er wertvolle Beiträge zum Thema. Gerne provoziert er dabei  die Bibliothekars-Community mit seinen Thesen. Uns hessische Barfuß-Schulbibliothare erfreuen seine unorthodoxen Ansichten, sagen wir doch seit Jahren und sogar Jahrzehnten dasselbe, wenngleich nicht so gründlich recherchiert, belegt und mit Literatur untermauert, wie er das als Wissenschaftler tut. (Basedow1764 hat dazu Beiträge geschrieben.)

So stellt er die These von Bibliothekaren auf den Prüfstand, dass Länder mit guten Schulbibliothekssystemen bei PISA am besten abschneiden würden. Er bewertete in mühevoller Kleinarbeit die Schulbibliothekssysteme von Staaten und stellte dem die nationalen PISA-Werte gegenüber. Da sah die Bibliothekarsthese alt aus. Wir sahen das genauso: Die hoch gelobte Wiesbadener Helene-Lange-Schule hatte Spitzenwerte bei PISA (internationales Ranking!). Die frühere Schulleiterin Enja Riegel wollte keine Schulbibliothek. Die Schüler sollten sich draußen im wirklichen Leben zurechtfinden, also auch in der Stadtbibliothek. Die Bundesländer Thüringen, Sachsen und sogar Brandenburg stiegen zuletzt im PISA-Ranking auf. Dass sie in Sachen Schulbibliothek etwas getan hätten, ist nicht festzustellen. (Zu Finnland, wo massenhaft Schulbibliotheken vermutet werden, hat Basedow1764 schon im Blog geschrieben.)

Karsten Schuldt sieht in schulbibliothekarischen Großprojekten wenig Nutzen. Er belegt das am Beispiel Weinheims in Hessen (Das ist so lange her, dass das kaum jemand noch weiß) und am Beispiel Hamburgs. Beide Schulbibliotheksprojekte endeten sang- und klanglos (Hamburgs Modellversuch mit wissenschaftlicher Begleitung von zehn nagelneuen Schulbibliotheken wurde vorzeitig von einer neuen Landesregierung abgebrochen. Eine nachhaltige Auswirkung auf das vorhandene Schulbibliothekswesen hatten die mit viel Geld geschaffenen neuen großen Schulbibliotheken nicht. Die wurden vor den Projekten, während der Projekte und dann wieder danach vernachlässigt. Weiterlesen

Noch ein Institut?

Sybille Volkholz, kurzzeitig einmal grüne Berliner Bildungssenatorin, fordert heute im Tagespiegel ein neues Bundesinstitut, das das von der KMK geforderte Bildungsmonitoring umsetzen solle. Es gäbe seit 15 Jahren Schulleistungsmessung (PISA, VERA, LAU, IGLU, TIMMS, PEARLS, Bundesländervergleiche usw.), aber die Unmenge an gesammelten Daten würden von Bildungspolitik, Bildungsverwaltung und den Schulen nicht genutzt. Daher sei eine neues Institut nötig.

Nun haben die Länder und der Bund in den letzten Jahren Institute für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen eingerichtet. In Hessen bekam dieses IQ u. a. 60 (wenn ich mich nicht irre, aber viel weniger waren es nicht) A 15-Stellen für die Durchführung der Schulinspektion.

Nun haben die Schulleistungsmessungen auch ohne neues Institut Spuren hinterlassen: Die PISA-Ergebnisse werden bei jedem neuen Test besser, die Abiturnoten werden immer besser, die Zahl der Abiturienten steigt, es gibt immer mehr Ganztagsschulen, die Hauptschule wird abgeschafft, Kitas werden als Bildungseinrichtung verstanden. In Hessen gab es in jedem Schulamtsbezirk eine Arbeitsgruppe zur Verbesserung des Lesenlernens, für schwache Schüler müssen individuelle Förderpläne geschrieben werden. Alle Schulen mussten sich in mehrjähriger Sitzungsarbeit Programme geben, in denen sie ihre Ziele und Vorhaben beschreiben, Schulinspektoren evaluieren sie und berichten den Kollegien – gerne in der Woche der Zeugniskonferenzen -, wo die Defizite liegen.

Wozu also jetzt noch ein Institut?

Frau Volkholz weiß, dass die empirischen Bildungsforscher sagen, dass sie messen, und nur das. Sie können nicht sagen, was zu ihren Ergebnissen führt. Warum also neue B- und A-Planstellen für Erziehungswissenschaftler, Bildungspolitiker und Aufstiegswillige in den bestehenden Instituten? Wenn PISA Leistungsunterschiede, schon gar zwischen Schulsystemen, nicht erklären kann, welche Empfehlungen will eine zukünftige Direktorin eines neuen Bundesinstuts herauslesen?

Fast alle Beteiligten sind sich einig, dass die Lehrerausbildung das Zentrum der Reformen sein muss. Pläne dafür gibt es seit einem halben Jahrhundert. Highlights aus dieser Zeit: „Lehrer werden einseitig auf Schule hin ausgebildet“ hieß es einmal. Sie müssten qualifiziert werden, auch andere Berufe auszuüben. Das war die Zeit der Lehrerschwemme. Dann gab es Zeiten, wo man jeden nahm, auch wenn das Examen im zweiten Anlauf mit Ach und Krach bestanden worden war. Jetzt müssen die Studenten Module sammeln, statt ein paar Jahre kontinuierlich Fächer, Fachdidaktiken und Erziehungswissenschaften zu studieren.

Man kann Lehrer exzellent bezahlen, wie in Finnland, und sich daher die besten aussuchen oder man verschafft ihnen ein hohes Sozialprestige, wie in Japan. Oder man watscht sie ab, wie das deutsche Politiker gern tun.

In Hessen gibt es Pläne, die jährlich 7 Millionen kostende Schulinspektion abzuschaffen. Schulen sollen sich gegenseitig evaluieren. (Das gesparte Geld für Schulbibliotheken verwenden?) Schulleitungen, sofern sie nicht selbst das Problem sind, wissen, was läuft und was nicht. Kontakt zur Nachbarschule haben sie auch.)

Einer meiner früheren Schulräte kannte das Schulwesen Schottlands; es bestand eine Partnerschaft zwischen den Schulbezirken. Er erzählte, was ein Schulleiter in Schottland kann: vorübergehend Betreuung für Einsteiger finden, einen Lehrer freistellen für die Organisation des IT-Bereichs, Lehrkräfte, die auch beim zweiten Inspektionsbesuch durchfielen, entlassen. Er erzählte auch, dass man das alles im heimischen Ministerium wüsste. Man schrieb viel ab, teils wortwörtlich, ließ aber die nötigen Stellenpläne und Haushaltsansätze weg.

Das neue Institut wird kommen, die Desiderata im Schulwesen werden bleiben.