Archiv der Kategorie: Brandenburg

Brandenburger Lehrer: viele Krankschreibungen zu Schulbeginn

Der Brandenburger Bildungsminister tritt sogar vor die Kamera: Die Krankmeldungen der Lehrer hätten sich mit dem Ende der Sommerferien in manchem Schulamtsbezirk verdreifacht.

Ein wunderbares Thema für Lehrerbashing. Die Landesregierung stellt schon seit längerem Millionen für Vertretungslehrer zur Verfügung, weil der Unterrichtsausfall im Lande hoch ist. Natürlich bietet sich an, bei dieser Gelegenheit über Lehrer zu lästern. Gerade hat Brandenburg doch die Pflichtstundenzahl um eine reduziert.

Schade, dass dies nicht in rbb-aktuell erörtert wurde: die Belastungen im Lehrerberuf sind hoch. Davon muss man keinen Arbeitsmediziner überzeugen. Es gibt auch Allgemeinärzte, die – darum wissend – bei Lehrern großzügig krankschreiben. (Natürlich findet sich auch das schwarze Schaf, dessen Telefonnummer in Lehrerkreisen kursiert, bei dem ein Telefonanruf für vier Wochen Krankschreibung ausreicht.) Arbeitmedizinische Untersuchungen und Erfassung der wirklichen Lehrerarbeitszeit gibt es schon lange nicht mehr, weil sie für den Arbeitgeber Staat peinlich sind und Verbesserungen Geld kosten würden, das man viel lieber in die Bildung steckt

Es gibt eine tarifrechtliche Besonderheit, die man durch Gesundschreiben in den Schulferien unterlaufen kann. Je nach Tarifvertrag erhalten angestellte Lehrer teilweise auch in den Ferien Gehalt. Alljährlich müssen sich aber tausende angestellte Lehrer mit befristeten Verträgen in den Ferien arbeitslos melden. (Führend übrigens das grün-rot regierte Baden-Württemberg.) Halbjahresverträge enden in der Regel mit Sommerferienbeginn, so dass dann Hartz IV angesagt ist.

Das Thema eignet sich wenig für Populismus von Medien und Politikern.

Ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, dass zu meiner Zeit der Schulbeginn von einem Ansteigen der Krankmeldungen überschattet war. Die Probleme lagen woanders: Zu Beginn des Schuljahres waren zwei, drei, vier, fünf Lehrerstellen unbesetzt. Bis zu den Herbstferien musste der gesamte Stundenplan mehrmals neu geschrieben werden, weil dann doch jemand kam oder überraschend nicht kam oder bis zu den Herbstferien ein Vertretungslehrer gefunden wurde oder die zuständige Schulrätin noch in Urlaub war und eine Abordnung nicht unterschrieb. (Das wäre auch einmal zu thematisieren: Dass es Schulaufsichtsbeamt/-innen gibt, die in der “Hochkampfzeit” der Planung des neuen Schuljahres ihren Jahresurlaub antreten.)

Überraschende Krankmeldungen, manchmal am ersten Schultag(!) gab es nur in sehr wenigen Einzelfällen. Das kann ich auch für die Kollegen in den benachbarten Schulen sagen. Es gab aber auch dies: Mein (verbeamteter) Personalratsvorsitzender erzählte mir einmal grinsend in ungewohnter Offenheit, dass sein Arzt ihn zu Beginn der Herbstferien gesund geschrieben habe und ihn am Ende der Ferien wieder krankschreiben werde.

Wer sich für Geschichten aus dem Schulleiteralltag interessiert (Endlich einmal nichts aus dem Schüler- oder Lehreralltag!) sollte sich das E-Book meines Kollegen Harald Togal “Warum tust Du Dir das an?” zu Gemüte führen. Er übertreibt? Nein! Dutzenden Kolleg/-innen ging es nicht viel anders.

Schulbibliotheken und die Bundesergänzungssonderbedarfszuweisungen

In meiner Suche nach – unrealistischen – Finanzierungsquellen für das Schulbibliothekswesen habe ich etwas Neues gefunden. Ein wenig verschlägt der Fund mir die Sprache. Auf der Internetseite des Bundesfinanzministerium steht unter dem Stichwort “Länderfinanzausgleich” auch dies:

“Ferner erhalten kleine, leistungsschwache Länder Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen wegen überdurchschnittlich hoher Kosten politischer Führung in Höhe von insgesamt ca. 517 Mio. € jährlich. Kleinere Länder haben je Einwohner höhere Kosten politischer Führung als größere Länder, weil die Fixkosten der politischen Führung in kleineren Ländern auf eine geringere Anzahl von Einwohnern umgelegt werden müssen.” (Quelle, p 5f)

Nochmal: Der Bund zahlt jedes Jahr eine halbe Milliarde an kleinere Bundesländer, die sich sonst ihre Landesregierungen nicht leisten könnten.

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AGSBB bewirbt sich um ING-Diba-Spende

Die AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg (AGSBB)  bewirbt sich um eine Spende im Wettbewerb DiBaDu und Dein Verein 2015 der Bank ING-Diba – 1.000 € für 1.000 Vereine.

Wer die AG unterstützen will, muss einen Abstimm-Code anfordern und kann ihr dann bis zu drei Stimmen geben.

Hier geht es zur Abstimmung

Außerdem: Zurzeit läuft auch die Ausschreibung für den “Deutschen Lesepreis”. Für Schulbibliotheksmenschen hängt die Latte hoch: Es gibt einen “Wissenschaftspreis” (Thema Lesen im Kontext der Mediengesellschaft), einen Preis für “herausragendes individuelles Engagement” in der Leseförderung und einen Preis “für herausragendes kommunales Engagement”. Mit letzterem sollen Institutionen, Unternehmen, Vereine und kommunale Träger ausgezeichnet werden, die sich in außergewöhnlicher Art und Weise für die Leseförderung vor Ort verdient gemacht haben. Besondere Berücksichtigung gilt dabei der institutionsübergreifenden und aufeinander aufbauenden Kooperation.

Wieder Superlehrer/-innen in Brandenburg gekürt

Schon einmal stand etwas über diesen Preis im Basedow1764. Damals war eigentlich auch schon alles gesagt. Statt struktureller Verbesserungen, statt besserer Bezahlung oder Anrechnung zusätzlicher Aufgaben auf die Arbeitszeit gibt es jetzt eine Art Orden. Dass der Preis mit der Übergabe eines Geldbetrages verbunden wäre, davon stand nichts in den Zeitungen.

Ich greife das Thema aus diesen beiden Gründen wieder auf:

  • Ausgerechnet ein früherer Superlehrer gehört zu den Organisatoren des Widerstandes gegen die Berlin-Brandenburger Lehrplanreform, die besonders das Fach Geschichte trifft. Da hat er die Auszeichnung zu Recht verdient.
  • Das wesentliche Kriterium für die Auswahl der Superlehrer/-innen sind Zusatzaufgaben. Die Qualität des Unterrichts und das fachliche Können spielen verständlicherweise keine so große Rolle. Sie sind nun einmal schwer objektivierbar. Es geht um die Übernahme zusätzlicher Aufgaben. Natürlich sollte nicht Negatives über den Unterricht des Kandidaten/der Kandidatin bekannt sein. Bei den ausgezeichneten Lehrer/-innen erwähnen die Zeitungen als Merkmale u. a. die Organisation des Frankreichaustauschs, die Klassenfahrt nach Sibirien, das Führen des Schultagebuchs. Einmal in den vergangenen Jahren war wohl auch der Aufbau einer Schulbibliothek Anlass für eine Kandidatur als Preisträger. Da Auswahl und Nominierung auf der untersten Stufe der Schulkonferenz obliegt, könnten die Freunde in der AGSBB überlegen, ob sie Schulen und Elternvertreter einen Hinweis auf engagierte Lehrer/-innen in der Schulbibliothek geben. (Wenn man das Spiel mitspielen will.)

Nicht nur Lehrern fehlt Informationskompetenz

Wenn ich Beiträge zu Informationskompetenz schreibe und mich darin kritisch mit der Informationskompetenz von Journalist/-innen auseinandersetze oder damit, dass es ein sehr ambitioniertes Vorhaben ist, Informationskompetenzcurricula von vom Kindergarten bis zum Abitur zu implementieren, befallen mich bisweilen immer noch Zweifel, ob ich das Thema überhaupt richtig verstehe. sind es doch Bibliothekare, die den Begriff besetzt haben und darauf bestehen Lehrer und Schüler in diese Methode einzuführen. Daher lese ich gelegentlich bei Informationskompetenzfachleuten nach, was die darunter verstehen. Hier ein Fundstück aus dem Blog “Informationskompetenz@ulg wien”

“Informationskompetenz umfasst die Kompetenzen, um Informationsbedarf zu erkennen und zu finden und Informationen in kulturellen und sozialen Kontexten zu bewerten, anzuwenden und zu erstellen. (Zitat aus einer Alexandrina-Proklamation) Diesen Satz verstehe ich folgendermaßen: Informationsbedarf erkennen können wir nur dann, wenn wir herausfinden, dass unser Vorwissen zu einer Fragestellung oder Situation nicht ausreicht – wir „brauchen noch Zusatzinfos“ oder wir „verstehen nicht, worum es geht“ oder wir „müssen das nochmal nachschauen“.
Aus diesem „Wissens-Ungleichgewicht“ können wir eine Fragestellung, eine Suchanfrage, vielleicht sogar Neugierde entwickeln. Wenn wir wissen, wo wir Zugang zu den gewünschten Informationen haben, müssen wir also im nächsten Schritt bewerten können, woher die einzelne Information stammt, in welcher Zeit sie entstanden ist und wer sie verfasst hat.
Aus diesen schon recht umfangreichen Vorarbeiten, können wir nun die neue Information in unser Vorwissen integrieren. Wir wenden das Wissen an, indem wir uns nun möglicherweise anders, „informierter“, verhalten, wir erzählen vielleicht unseren neuen Wissensstand Interessierten oder wir verschriftlichen unsere Erkenntnisse.
Klingt einfach – ist es aber nicht. Denn wir bewegen uns in einer Welt, die eine unüberschaubare Anzahl von Informationen zu bieten hat. Sich diesem Überangebot zu nähern, ohne dabei die Nerven zu verlieren, ist, einfach ausgedrückt, auch Informationskompetenz…”

Der Autor/die Autorin empfiehlt im Folgenden, sich in der Bibliothek in Informationskompetenz schulen zu lassen.

Ich kann sogleich ein Beispiel geben: Weiterlesen

Bessere Leistungen in Brandenburger Leistungs- und Begabungsklassen

2006 hatte die SPD/CDU-Koalitionsregierung in Brandenburg Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK) eingeführt, in denen leistungsfähige und/oder begabte Kinder schon nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechseln konnten und nicht wie üblich nach der 6. Klasse. 35 LuB-Klassen gibt es.

Ein Evaluationsgutachten lag schon vor einem Jahr vor, wurde aber erst jetzt bekannt. Darin wird festgestellt, dass die Spezialklassen bei den landesweiten Vergleichstests in Klasse 10 am besten abgeschnitten haben. An zweiter Stelle lagen die Regelklassen aus den Gymnasien mit den Spezialklassen. Zuletzt kamen die Gymnasien ohne Spezialklassen.

Ähnlich wie bei den PISA-Studien kann die begutachtende Wissenschaftlerin nicht erklären, warum das so ist.

  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besten Schüler versammelt sind?
  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besseren Lehrer unterrichtet haben?
  • Wie kommt es, dass auch die Regelklassen in den Schulen mit Spezialklassen besser als die normalen Schulen sind?

Man kennt das Ergebnis auch aus zahlreichen Vergleichsstudien zwischen Förderstufe und den Klassen 5/6 am (grundständigen) Gymnasium.

Ähnlich ist es ja auch bei der Wirkungsforschung zu Schulbibliotheken: Bewirken die Schulbibliotheken, dass die Schüler bessere Leser werden, besser in den Vergleichstests abschneiden oder sind es vor allem die guten Schüler, die die Schulbibliothek benutzen? Allerdings ist man bei der Erforschung der Schulbibliothekswirkung ein wenig weiter. So stellen Studien fest, dass die Qualität des Personals in den Schulbibliotheken einen Einfluss zu haben scheint.

Berlin und Brandenburg suchen Schulleiter

Vor vier Jahren waren in Hessen ca. 1.000 Schulleitungsstellen unbesetzt. Es ist seit Jahren üblich, dass der Schulleiter oder der Stellvertreter monate- oder jahrelang die Schule allein leitet. Auch mir ging das so. Besonders in Grundschulen ist es schwer, Bewerberinnen oder (gar) Bewerber zu finden. Die Differenz zwischen dem Lehrergehalt und dem Grundschulrektorgehalt liefert keinen Anreiz für eine Bewerbung. Es ist schon vorgekommen, dass auf zuvor abgelehnte Bewerber zugegangen werden muss, weil es nach einer Neuausschreibung keine weiteren Bewerbungen mehr gab.

Im letzten Jahr las ich, dass in Brandenburg 100 Schulleitungsstellen unbesetzt waren. (Nicht gemeint ist eine vorübergehende Vakanz im Rahmen einer Neubesetzung; obwohl, auch da fällt auf, dass eine Ausschreibung manchmal erst Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgt, obwohl die Schulaufsicht wusste, ab wann die Stelle unbesetzt war. Das ist immerhin etwas besser geworden, vor allem bei großen Schulen. Unvorstellbar, dass ein Nachfolger einige Zeit vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers an die Schule kommt.) Damals stand in der Zeitung, dass man in Berlin an ca. 30 der ca. 800 Schulen eine Verwaltungsleiterstelle schaffen wolle, um Schulleiter zu entlasten.

Jetzt lese ich, dass in Berlin über 100 Stellen unbesetzt wären.

Nicht einfacher wird die Stellenbesetzung, wenn zukünftig gemäß geplantem Bundesgleichstellungsgesetz im Grundschulbereich für eine angemessene Männerquote gesorgt werden muss.

Seit Jahren wird von Politiker/-innen gefordert, versprochen, beabsichtigt, die Schulqualität zu steigern. Was kommt, sind kompetenzorientierte Lehrpläne, mehr Computer und vor allem neue Studien über die Mängel des Schulsystems. Die neueste kommt aus Düsseldorf von der Heinrich-Heine-Universität. In ihr wird, zum zigsten mal bei diesem Thema, die fehlende Willkommenskultur gegenüber Migrantenkindern, die fehlende Unterstützung durch die Lehrkräfte und (neu!) durch die Mitschüler und deren Eltern beklagt.

Dass sich immer weniger Lehrer/-innen finden, die Belastungen in den Leitungsstellen auf sich zu nehmen, scheint für Bildungspolitik und Bildungsforschung kein Thema zu sein.

Nicht vergessen habe ich, wie ein englischer Schulleiter staunte, als wir ihm erzählten, dass Schulleiter in Deutschland auch unterrichten müssen. Er war 50 Stunden in der Woche damit beschäftigt, die Schule zu leiten. Die Schulaufsicht wies meine Sekretärin an, mich aus dem Unterricht ans Telefon zu holen. (Geschichten aus dem Schulleiterdasein finden sich im E-Book des Kollegen Harald Togal.)