Archiv der Kategorie: Brandenburg

Bessere Leistungen in Brandenburger Leistungs- und Begabungsklassen

2006 hatte die SPD/CDU-Koalitionsregierung in Brandenburg Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK) eingeführt, in denen leistungsfähige und/oder begabte Kinder schon nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechseln konnten und nicht wie üblich nach der 6. Klasse. 35 LuB-Klassen gibt es.

Ein Evaluationsgutachten lag schon vor einem Jahr vor, wurde aber erst jetzt bekannt. Darin wird festgestellt, dass die Spezialklassen bei den landesweiten Vergleichstests in Klasse 10 am besten abgeschnitten haben. An zweiter Stelle lagen die Regelklassen aus den Gymnasien mit den Spezialklassen. Zuletzt kamen die Gymnasien ohne Spezialklassen.

Ähnlich wie bei den PISA-Studien kann die begutachtende Wissenschaftlerin nicht erklären, warum das so ist.

  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besten Schüler versammelt sind?
  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besseren Lehrer unterrichtet haben?
  • Wie kommt es, dass auch die Regelklassen in den Schulen mit Spezialklassen besser als die normalen Schulen sind?

Man kennt das Ergebnis auch aus zahlreichen Vergleichsstudien zwischen Förderstufe und den Klassen 5/6 am (grundständigen) Gymnasium.

Ähnlich ist es ja auch bei der Wirkungsforschung zu Schulbibliotheken: Bewirken die Schulbibliotheken, dass die Schüler bessere Leser werden, besser in den Vergleichstests abschneiden oder sind es vor allem die guten Schüler, die die Schulbibliothek benutzen? Allerdings ist man bei der Erforschung der Schulbibliothekswirkung ein wenig weiter. So stellen Studien fest, dass die Qualität des Personals einen Einfluss zu haben scheint.

Berlin und Brandenburg suchen Schulleiter

Vor vier Jahren waren in Hessen ca. 1.000 Schulleitungsstellen unbesetzt. Es ist seit Jahren üblich, dass der Schulleiter oder der Stellvertreter monate- oder jahrelang die Schule allein leitet. Auch mir ging das so. Besonders in Grundschulen ist es schwer, Bewerberinnen oder (gar) Bewerber zu finden. Die Differenz zwischen dem Lehrergehalt und dem Grundschulrektorgehalt liefert keinen Anreiz für eine Bewerbung. Es ist schon vorgekommen, dass auf zuvor abgelehnte Bewerber zugegangen werden muss, weil es nach einer Neuausschreibung keine weiteren Bewerbungen mehr gab.

Im letzten Jahr las ich, dass in Brandenburg 100 Schulleitungsstellen unbesetzt waren. (Nicht gemeint ist eine vorübergehende Vakanz im Rahmen einer Neubesetzung; obwohl, auch da fällt auf, dass eine Ausschreibung manchmal erst Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgt, obwohl die Schulaufsicht wusste, ab wann die Stelle unbesetzt war. Das ist immerhin etwas besser geworden, vor allem bei großen Schulen. Unvorstellbar, dass ein Nachfolger einige Zeit vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers an die Schule kommt.) Damals stand in der Zeitung, dass man in Berlin an ca. 30 der ca. 800 Schulen eine Verwaltungsleiterstelle schaffen wolle, um Schulleiter zu entlasten.

Jetzt lese ich, dass in Berlin über 100 Stellen unbesetzt wären.

Nicht einfacher wird die Stellenbesetzung, wenn zukünftig gemäß geplantem Bundesgleichstellungsgesetz im Grundschulbereich für eine angemessene Männerquote gesorgt werden muss.

Seit Jahren wird von Politiker/-innen gefordert, versprochen, beabsichtigt, die Schulqualität zu steigern. Was kommt, sind kompetenzorientierte Lehrpläne, mehr Computer und vor allem neue Studien über die Mängel des Schulsystems. Die neueste kommt aus Düsseldorf von der Heinrich-Heine-Universität. In ihr wird, zum zigsten mal bei diesem Thema, die fehlende Willkommenskultur gegenüber Migrantenkindern, die fehlende Unterstützung durch die Lehrkräfte und (neu!) durch die Mitschüler und deren Eltern beklagt.

Dass sich immer weniger Lehrer/-innen finden, die Belastungen in den Leitungsstellen auf sich zu nehmen, scheint für Bildungspolitik und Bildungsforschung kein Thema zu sein.

Nicht vergessen habe ich, wie ein englischer Schulleiter staunte, als wir ihm erzählten, dass Schulleiter in Deutschland auch unterrichten müssen. Er war 50 Stunden in der Woche damit beschäftigt, die Schule zu leiten. Die Schulaufsicht wies meine Sekretärin an, mich aus dem Unterricht ans Telefon zu holen. (Geschichten aus dem Schulleiterdasein finden sich im E-Book des Kollegen Harald Togal.)

Alles nur ein Missverständnis

Sternsinger sammeln am Jahresanfang traditionell für wohltätige Zwecke. Sie treten z.B. beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten, des sozialdemokratischen  brandenburgischen und des sozialistischen thüringischen Ministerpräsidenten an. Die Kinder und Jugendlichen kommen in morgenländischer Verkleidung, ein Hinweis auf die Heiligen Drei Könige; sie singen, sammeln Geld und segnen das Haus.

Der Personalrat des brandenburgischen Bildungsministeriums verbat sich letztes Jahr von der damaligen Ministerin die Hereinnahme religiöser Darbietungen in dienstliche Veranstaltungen. Bekenntnisfreie Mitarbeiter/-innen des Hauses seien an ihn herangetreten. Sie legten Wert auf eine Unterscheidung von dienstlichen und religiösen Veranstaltungen.

Der Nachfolger der im Hause unbeliebten Ministerin unternahm daher nichts, auch der Bund der katholischen Jugend, der die Sternsingeraktion trägt, bat den Minister nicht mehr um einen Termin. Schon stand in den Zeitungen, dass der neue Minister aus der rot-roten Koalition dem Verlangen des Personalrats Folge leiste.

Jetzt heißt es, dass alles nur ein Missverständnis sei. Vor der Tür des Ministeriums übergab der Minister dann die in seinem Haus gesammelten Geldspenden.

Hilfe! Es wird zu viel ausgeliehen!

In Brandenburg gibt es den Typus der “öffentlichen Schulbibliothek”. Anderswo nennt man das Kombibibliothek. Die Stadt Hohen-Neuendorf im Berliner Umland betreibt so – Respekt! – vier Büchereien in Grundschulen (Übrigens nicht im Gymnasium, da dieses vom Landkreis unterhalten wird.) Nun sind die Hohen-Neuendorfer öffentlichen Schulbibliotheken und die Stadtbibliothek sehr erfolgreich. Ihre Ausleihzahlen sind stark gestiegen, die fünf Mitarbeiterinnen, kommen kaum nach. Die Stadtbibliothek benötigt daher dringend eine zusätzliche Stelle. Das fällt der Gemeinde schwer. Also wird – erneut – die Öffnungszeit reduziert, um so Arbeitszeit umzuverteilen.

Nach Märkische Oderzeitung v. 11.10.14

3D-Drucker in jede Schule!

Wie schnell aus einem Tiger ein Bettvorleger werden kann, ist an der Piratenpartei sichtbar. Dieser Liebling des Feuilletons und der Computernerds wollte die parlamentarische Demokratie durch Software ersetzen. Was ich zuletzt von den Piraten hörte war, dass sie sich stark machten für Feuerwerk auf Stadiontribünen und das Verbot für die Polizei, dies zu filmen. Ein Berliner Abgeordneter der Partei steht vor Gericht, weil er den Faschismus damit bekämpfte, dass er Neonazis zusammenschlug. In Berlin-Friedrichshain sorgten sie dafür, dass Toiletten in öffentlichen Gebäuden um eine dritte bereichert werden müssen, für geschlechtlich nicht festgelegte Menschen, von denen es in Deutschland ca. 17.000 geben soll.

Im Brandenburger Wahlkampf macht es gerade Spaß, sechs Wochen lang durch Wahlplakatalleen zu fahren und die Sprüche darauf zu lesen und die geschönten Porträts zu bewundern. Die Piraten bäumen sich noch einmal auf und hängen sich an die Parolen anderer Parteien an: Mehr Lehrer, kostenloser öffentlicher Nahverkehr, keinen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche. Ein origineller Gedanke ist dabei, würdig einer Nerdpartei: 3D-Drucker in jede Schule!

Die öffentlichen Bibliotheken wird es nicht amüsieren. Sie glauben gerade, sich durch Makerspaces mit 3-D-Druckern zukunftssicher zu machen.