Schlagwort-Archive: Groß-Britannien

Premierminister Cameron eröffnet Schulbibliothek

Die Bibliothek einer kirchlichen Grundschule in Oxfordshire wurde vom britischen Premier eröffnet. Er las vor. Die Schule liegt in seinem Wahlkreis.

Die Schulbibliothek wurde dank einer Spendensammlung modernisiert.

 

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UK: Empfehlungen zu Schulbibliotheken

In Groß-Britannien ist gerade eine Empfehlung zu Schulbibliotheken veröffentlicht worden. Sie trägt den schönen Namen „Beating Heart of the School“. (Man kann also das Wort von der Bibliothek als dem Herz der Schule noch steigern.)

Es sind im Wesentlichen vier Empfehlungen:

  • eine aktuelle Statistik zu britischen Schulbibliotheken erstellen
  • erforschen, was und wie Schulbibliotheken zu Wissen und Erziehung der Schüler/-innen beitragen
  • Ofsted  – die Schulinspektion – soll auch die Schulbibliotheken evaluieren (Anm. GS: Das passiert schon weitgehend, aber nicht flächendeckend)
  • Im Bildungsministerium sollte es eine hochrangige Zuständigkeit für Schulbibliotheken geben.

Das ist nun nicht sehr visionär, es zeigt eher, dass auch in angelsächsischen Staaten das Schulbibliothekswesen Defizite aufweist, zumal in Groß-Britannien. Im Blog stand dazu schon einiges.

Für bemerkenswert halte ich den Hintergrund des Papiers:

Es ist ein Dokument der Libraries All Party Parliamentary Group des britischen Parlaments. Ihr gehören Vertreter des Ober- und Unterhauses an. Solche parteiübergreifenden thematischen Arbeitsgruppen haben keinen offiziellen Status. Sie müssen sich aber registrieren lassen, ihre Vorsitzenden wählen und transparent machen, von wem von außerhalb des Parlaments sie unterstützt werden. Sie sind also eine Art Lobby. Die o.a. Gruppe verfügt z. B. über ein Sekretariat, das der britische Bibliotheksverband CILIP bezahlt.

Mir erscheint das aber transparenter als das frühere hessische Modell zu sein, bei dem ein Landtagsabgeordneter gleichzeitig Vorsitzender des hessischen Bibliotheksverbandes war und parlamentarische Initiativen zu Bibliotheksangelegenheiten zum Missvergnügen der der anderen Fraktionen gerne im Alleingang startete. (Beliebteste Frage: „Ist die Landesregierung nicht auch der Meinung, dass das preisgekrönte IMENS-Modell im Lahn-Dill-Kreis Vorbildcharakter hat?“)

Das Thesenpapier ist nicht das erste (es wird darin auf frühere Forderungen der Arbeitsgruppe, der Schulbibliothekskommission des National Literacy Trust und Ofsted von zuletzt 2011, 2011 und 2013 verwiesen) und wird nicht das letzte sein. Immerhin bleibt das Thema Schulbibliotheken so in der Diskussion und es sind nicht nur Bibliothekare, die (Schul-)bibliotheken gut finden. Zitiert und im Anhang dokumentiert ist eine – von Cilip initiierte – Befragung von Schulleitern.

Wann gab es in Deutschland zuletzt eine Denkschrift zu Schulbibliotheken oder gar eine Schulleiterstudie?

Reine Jungen- und Mädchenbücher scheinen sexistisch zu sein

In Groß-Britannien gibt es eine Online-Petition, die Verlage, Buchhandlung und Medien auffordert, gender-orientierte Kinder- und Jugendbücher nicht zu verlegen, nicht zu besprechen und zu verkaufen. Sie bleibt nicht ohne Erfolg, wie der Independant berichtet, ebenso der Guardian. Die erstere Zeitung geht mit gutem Beispiel voran und verzichtet zukünftig auf die Rezension von Kinder- und Jugendbüchern, die als Zielgruppe jeweils nur ein Geschlecht haben. Das erniedrige Kinder und Jugendliche, wie in der Überschrift des Artikels festgestellt wird.

Eine kalifornische Soziologieprofessorin hat 6.000 zwischen 1900 und 2000 veröffentlichte Kinder- und Jugendbücher untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass 57% einen männlichen Protagonisten haben, nur 31 % eine Protagonistin, auch bei Tiergeschichten sei die Dominanz männlicher Tiere dreimal so hoch. Diese fortwährende Ungleichheit, so die Professorin,  sei eine subtile symbolische Auslöschung der Frau mit Hilfe von Tiergeschichten.

Erwachsene scheinen von der Petition nicht betroffen. Die Abschaffung von Frauenliteraturpreisen und Frauenbüchern wird nicht gefordert.

Die Gendertheorie besagt, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, abgesehen von der biologischen Beschaffenheit, anerzogen werden. Dass z. B. Jungen mit Baukästen und Autos spielen und Mädchen lieber mit Puppen und am liebsten Pferdebücher lesen, sei keineswegs naturgegeben. Jungen bekämen nur keine Chance, mit Puppen zu spielen oder Pferdebücher zu lesen. In Norwegen hat man die Erfahrung gemacht, dass das mit den Puppen und Pferdebüchern bei Jungen sich leider nicht durchsetzt. Jetzt stoppt man die Förderung von Genderlehrstühlen.

In Frankfurt/M haben die drei männlichen Stadtverordneten der „Römerfraktion“ ( wohl als Scherz?) beantragt, dass die Stadtverwaltung zukünftig von Bürger- und Bürgerinnensteig“ spreche, statt die vermännlichende Form „Bürgersteig“ zu benutzen. Der Magistrat lehnte ab. Aber auch in Frankfurt ist der „Fußgänger“ abgeschafft zu Gunsten der „zu Fuß Gehenden“. Das neue gendergerechte Wort für „Fußgängerampel“ wurde noch nicht bekannt gegeben.

Neues Medienzentrum in britischer Grundschule

Die Miriam-Lord-Grundschule in Bradford in der Nähe von Manchester im Vereinigten Königreich hat sich von der Firma demco interiors eine multimediale Schulbibliothek einrichten lassen: Ton-, Fernsehstudio und Computerspielzone, alles mit entsprechender Geräteausstattung. Täglich gehen die Schüler auf Sendung.

Wer möchte, kann sich Fotos auf youtube ansehen.
Die Beschreibung bei demco

Amazon ist gar nicht so

… hat der „Stern“ herausbekommen. In der FAZ hört man vom Amazon-Deutschland-Chef dass die Bürgermeister, Landräte, Job-Center in den strukturschwachen Gebieten, in denen die Versandzentren stehen nicht undankbar sind, dass 10.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden.  9,55 € erhielten die Festangestellten.

Was er nicht sagt: Amazon besitzt seit Jahren eine Softwarefirma, die Programme für einen weitgehend automatisierten Versand schreibt. Niemand muss dann mehr 16 km täglich in der Halle zurücklegen.

Nachtrag: In der Nachrichtensendung „rbb-Aktuell“ glaubt man, noch einmal nachtreten zu müssen. Die Redaktion hat entdeckt, dass Amazon Saisonkräfte nicht dauerhaft beschäftigt, sondern vor Weihnachten wieder entlässt. „Wann haben Sie von Ihrer Entlassung erfahren?“ fragt der empörte Reporter eine Betroffene… Bei so viel Empörung blieb dann keine Zeit für Recherche. Amazon übernimmt ca. 10 % der Saisonarbeiter für mindestens ein Jahr. Ob das die Brandenburger Agrarbetriebe mit ihren polnischen Spargelstechern auch so machen? Wär´doch eine Recherche des rbb wert.

Nachtrag Januar 2014: Die Premiumkunden in London und einigen anderen britischen Städten werden jetzt auch sonntags beliefert. Um mehr Kunden im kostenpflichtigen Premium-Abonnement zu gewinnen, wird in Groß-Britannien für Kleinstbestellungen von Büchern wieder Porto eingeführt.

via Börsenblatt des Deutschen Buchhandels

Britischer Schriftstellerverband empfiehlt Autorenlesungen

Die Society of Authors, ein Schriftstellerverband in Groß-Britannien, empfiehlt mehr Autorenlesungen und verbindliche Schulbibliotheken.

Nun war nicht zu erwarten, dass die Autoren von Lesungen in Schulen abraten. Aber dennoch ist die Kurzfassung einer Befragung britischer Lehrer/-innen zum Lesen in der Schule lesenswert. Sie liefert gute Argumente für mehr freies Lesen.(pleasure reading) in der Schule. An OFSTED, die nationale Schulinspektion, appelliert der Verband, sie solle Leseförderaktivitäten als Evaluationsitems aufnehmen.

Nachtrag: US-amerikanische Kinderbuchautor/-innen appellieren an Prädident Obama, dem freien Lesen mehr Raum in den Schulen zu geben. Statt in Büchern zu schmökern und der Fantasie freien Lauf zu lassen, würde zu viel Zeit für Lesetests aufgewandt.

Ein Lob der Schulbibliothek

vom britischen Autor Alan Gibbons im „Guardian“ am 22.3.2013:

„Die Bibliothek ist das Herz der Schule“ sagt er.

„Eine gute Bibliothek ist das Herzstück der Schule. Die besten, die ich besucht habe, werden ab dem frühen Morgen von Jugendlichen besucht, die über Büchern und Zeitschriften brüten, Sie bekommen Hilfe von der Schulbibliothekarin, nutzen die Computer, machen Hausaufgaben, spielen Computerspiele und Schach.

Alle Wege führen in die Schulbibliothek. Einige Schulbibliotheken sind in der Mittagspause so voll, dass unterschiedliche Essenszeiten gibt.

Die Schulbibliothek ist eine Alternative zum Schulhof und zur Cafeteria. Wer sie betritt, sieht Bücherschaufenster, Autorenposter oder Fotos von lesenden Lehrern und Schülern. Auf dem Monitor gibt es Buchempfehlungen.

Es gibt Leseclubs und Schreib-AGs. Die Schulbibliothekarin empfiehlt und berät. Die Schulbibliothek ist das Zentrum von Information und Recherche. Hier entsteht Lesekultur, hier wird das Curriculum vertieft.“