Berlin und Brandenburg suchen Schulleiter

Vor vier Jahren waren in Hessen ca. 1.000 Schulleitungsstellen unbesetzt. Es ist seit Jahren üblich, dass ein Schulleiter oder ein Stellvertreter monate- oder jahrelang eine Schule allein leitet. Auch mir ging das so. Besonders in Grundschulen ist es schwer Bewerberinnen oder (gar) Bewerber zu finden. Die Differenz zwischen dem Lehrergehalt und dem Grundschulrektorgehalt liefert keinen Anreiz für eine Bewerbung. Es ist schon vorgekommen, dass auf zuvor abgelehnte Bewerber zugegangen werden muss, weil es nach einer Neuausschreibung keine weiteren Bewerbungen mehr gab.

Im letzten Jahr las ich, dass in Brandenburg 100 Schulleitungsstellen unbesetzt waren. (Nicht gemeint ist eine vorübergehende Vakanz im Rahmen einer Neubesetzung; obwohl, auch da fällt auf, dass eine Ausschreibung manchmal erst Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgt, obwohl die Schulaufsicht wusste, ab wann die Stelle unbesetzt war. Das ist immerhin etwas besser geworden, vor allem bei großen Schulen. Unvorstellbar, dass ein Nachfolger einige Zeit vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers an die Schule kommt.) Damals stand in der Zeitung, dass man in Berlin an ca. 30 der ca. 800 Schulen eine Verwaltungsleiterstelle schaffen wolle, um Schulleiter zu entlasten.

Jetzt lese ich, dass in Berlin über 100 Stellen unbesetzt wären.

Nicht einfacher wird die Stellenbesetzung, wenn zukünftig gemäß geplantem Bundesgleichstellungsgesetz im Grundschulbereich für eine angemessene Männerquote gesorgt werden muss.

Seit Jahren wird von Politiker/-innen gefordert, versprochen, beabsichtigt, die Schulqualität zu steigern. Was kommt, sind kompetenzorientierte Lehrpläne, mehr Computer und vor allem neue Studien über die Mängel des Schulsystems. Die neueste kommt aus Düsseldorf von der Heinrich-Heine-Universität. In ihr wird, zum zigsten mal bei diesem Thema, die fehlende Willkommenskultur gegenüber Migrantenkindern, die fehlende Unterstützung durch die Lehrkräfte und (neu!) durch die Mitschüler und deren Eltern beklagt.

Dass sich immer weniger Lehrer/-innen finden, die Belastungen in den Leitungsstellen auf sich zu nehmen, scheint für Bildungspolitik und Bildungsforschung kein Thema zu sein.

Nicht vergessen habe ich, wie ein englischer Schulleiter staunte, als wir ihm erzählten, dass Schulleiter in Deutschland auch unterrichten mussten. Meine Schulaufsicht wies die Sekretärin an, mich aus dem Unterricht ans Telefon zu holen. (Geschichten aus dem Schulleiterdasein finden sich im E-Book des Kollegen Harald Togal.)

Ärger über Organisationsänderungen in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gilt als größte öffentliche Bibliothek in Deutschland. Sie ist auf zwei Gebäude verteilt, was auf die Teilung Berlins bis 1989 zurückgeht. Ein repräsentativer Neubau auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld, für den schon Entwürfe vorlagen, ist nicht mehr möglich, da ein Bürgerentscheid die Randbebauung mit Wohnungen und der ZLB untersagte.

Jetzt erlebt die ZLB den nächsten Schock. Ein Gutachten renommierter Bibliothekswissenschaftler enthält brisante Vorschläge. 100 der 300 ZLB-Mitarbeiter sind mit der Einarbeitung der jährlich 70.000 Medien beschäftigt: lektorieren, bestellen, katalogisieren.

An deutschen öffentlichen Bibliotheken sind ca. 70% der bibliotheksfachlichen Tätigkeiten an externe Dienstleister ausgelagert, an der ZLB sind es 5%. Daher schlagen die Gutachter vor, bei der ekz eine Standing Order zu abonnieren und somit Katalogdaten einfach zu übernehmen und das Lektorats-, Bestell- und Katalogisierungspersonal drastisch zu verkleinern.

So könne man mehr Mitarbeiter für die Begegnung mit den Nutzern, etwa für digitale Angebote und längere Öffnungszeiten, gewinnen.

Der Ärger über die geplante Reform ist beim ZLB-Personal, aber auch bei Bibliotheksfreunden groß. Man habe ein besonderes Profil und nicht umsonst eine sehr hohe Besucher- und Ausleihfrequenz. Das wäre mit einem ekz-Angebot von der Stange nicht zu leisten.

Die bibliotheksaffinen Berliner Wutbürger/-innen kommen mit der Nazikeule: Sie fühlen sich an die Bücherverbrennung 1933 erinnert.

Als bibliotheksaffiner Mensch hatte ich schon den Stift gezückt, um die allfällige Petition zu unterschreiben, da las ich das mit dem Faschismus.

Die genannten Zahlen sprechen Bände. Es hat mich schon erstaunt, dass Bibliotheken heute 70% ihrer Arbeit auslagern, die ZLB aber 95% selbst erledigt und dafür ein Drittel der Mitarbeiter einsetzt.

Ganz unbekannt ist mir das Problem nicht. In den hessischen Barfuß-Schulbibliotheken wurde und wird vielfach noch die allermeiste Zeit damit verbracht, Bücher auszusuchen, einzuarbeiten: foliieren, Signaturschild und Fristzettel kleben, Karteikärtchen schreiben oder die Buchdaten in den Computer eingeben, über Schlagwörter und die richtige Signaturgruppe nachdenken. Seit es LITTERA und Fremddatenübernahme gibt, sind bibliotheksorganisatorische Tätigkeiten zusammengeschrumpft.

Verständnis habe ich für die Kritik an der Standing Order der ekz. Wir hatten Probleme mit den Vorschlägen des ekz-Lektorats “Empfohlen für Schulbibliotheken”. Die Empfehlung entsteht, so habe ich mir sagen lassen, ohne “Autopsie”, d. h. der ekz-Lektor liest das Buch nicht, sondern empfiehlt aufgrund der Verlagsangaben, z. B. Altersstufe, Waschzettel, Titel und Untertitel. Oft haben wir Barfuß-Schulbibliothekare festgestellt, dass KJL, die von der ekz empfohlen bzw. für die Standing Order KJL ausgewählt wurde, bei uns Ladenhüter wurde oder – im Sachbuchbereich – zu schwierig für Kinder und Jugendliche war.

Aber es sollen ja weiterhin jährlich 6.000 Medien vom hauseigenen Lektorat ausgewählt werden dürfen.

(Nach Lektüre eines Berichts in der PNN)

Teeküche mit Aussicht

Die neue Arbeitsstättenverordnung der Bundesarbeitsministerin Nahles wird in Schulen zu einigen Umbauten führen müssen: U. a. müssen Teeküchen ein Fenster haben, Kleiderablagen müssen abschließbar sein, auch Archive und Abstellräume sind auf 17 Grad zu beheizen. (Letzteres wird von Frau Nahles bestritten.) Alle Räume, in denen man arbeitet oder sich länger aufhält, müssen eine Sichtverbindung nach draußen haben, Toiletten und 1.-Hilfe-Räume ausgenommen. Weiterlesen

Bundestagsabgeordnete dürfen Geschenke bis 200 € annehmen

Bei Lehrern hört der Spaß viel früher auf. In Hessen sind es m. W. 30 €, in Berlin 10 €. Mehr dürfen Eltern nicht ausgeben, wenn sie sich bei einem Lehrer bedanken wollen; auch wenn die gesamte Elternschaft gesammelt hat.

In Berlin wurde jetzt eine Lehrerin, die ihre Klasse nach der 10 abgab, von der Klassenelternschaft mit einem Geschenk in Höhe von ca. 200 € verabschiedet.

Ein Schülervater, selbst angeblich Lehrer, sorgte für eine Anzeige und die Lehrerin muss ein Bußgeld in Höhe von 4.000 € zahlen.

Begründung: Mit einigen Schülern der Klasse könnte die Lehrerin in der Oberstufe noch Kontakt haben. Also erkannte der Richter auf Vorteilsnahme.

Ein mitleidiger Bayer sammelte Geld für die Bezahlung des Bußgeldes. Aber die Lehrerin darf – natürlich – dieses Geld nicht annehmen!

NB: Bei Bundestagsabgeordneten gilt die  200 €-Grenze nur bei Gastgeschenken von Delegationsreisen. Alles andere an Zuwendungen, Spenden, Einladungen, Reisen, Konzertkarten ist kaum zu regeln. Es gilt die Forderung, dass dann eine Vergünstigung abzulehnen ist, wenn eine Gegenleistung erwartet wird. (Siehe auch im Kommentar unten!)

Es gibt gelegentlich Aufregung, wenn z. B. bekannt wird, dass Air Berlin Goldkarten für kostenlose Flüge verschenkte oder das Volkswagenwerk Werksangehörigen, die im Bundestag saßen, das Gehalt weiter zahlte.

Der Film zum 5. Schulbibliothekstag der AGSBB e. V.

Ein perfekt gemachter Film zum SBT! Wer noch nie dabei war, kann jetzt einmal sehen, was auf diesen Fortbildungskongressen stattfindet.

Autor Boris Pfeiffer, ein großer Freund von Schulbibliotheken, sagt den schönen Satz: “Es müsste ein Gesetz geben, in dem steht, dass jede Schule eine Bibliothek haben muss.”

 

Die Filme von den Hessischen Schulbibliothekstagen (2003 und 2009) sind leider nicht mehr auffindbar.

Brandbrief des Berliner dbv

Den Berliner Bibliotheken steht das Wasser mehr nur am Hals, sondern ist in Richtung Unterlippe weiter gewandert. Das zeigt auch eine Stellungnahme (s. u.) des Landesgeschäftsführers, adressiert an den Regierenden Bürgermeister und andere politische Führungskräfte. Er mahnt einen Bibliotheksentwicklungsplan, mehr Geld, mehr Personal und – natürlich – ein Bibliotheksgesetz an.

Man kann den Klagebrief unter verschiedener Perspektive lesen – z. B. mit den Augen der Politik oder unter dem Gesichtspunkt “Was ist mit den Schulbibliotheken?”. Weiterlesen