Archiv der Kategorie: Bildungspolitik

Leseförderung der Bundesregierung

46 “Bündnisse für Bildung” aus 13 Bundesländern kommen in den Genuss von Fördermitteln, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projekts “Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien” vergeben hat.

Projektpartner sind der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) und die Stiftung Digitale Chancen.

Digitale Medien erleichtern das Lernen!

Eine herrliche Abituraufgabe könnte das werden, was in mehreren Presseportalen in diesen Tagen erschien: “60 Prozent der Menschen in Deutschland finden: “Digitale Medien erleichtern Kindern das Lernen. Das ergab eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Deutschen Bank für den Wettbewerb “Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen”. Belegt wird das im weiteren Verlauf noch mit einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums: Selbst jüngere Kinder seien schon im Internet unterwegs. Fast ein Drittel aller Sechsjährigen surfe im Internet usw. (Quelle)

Ich selbst wurde sogleich Opfer meiner ungenügenden Informationskompetenz und meines oberflächlichen überfliegenden Lesens. glaubte ich doch gelesen zu haben, dass es eine neue Studie gäbe, die endlich belegen würde, dass digitale Medien das Lernen erleichterten. Dabei wurde von den Sozialwissenschaftlern VON TNS Infratest nur eine Umfrage durchgeführt und die Meinung derer erfragt, die sie am Telefon erreichen konnten.

Was käme heraus, wenn man Abiturienten zusammenfassen ließe, was in der oa. Studie herausgefunden wurde?

a) Digitale Medien erleichtern das Lernen

b) 60% der von einem Meinungsforschungsinstitut Befragten glauben, dass digitale Medien das Lernen erleichtern würden.

Ich vermute, dass Antwort a) nicht chancenlos wäre.

Das Narrativ und die Angst vor Ungleichheit

Als das Wort “Narrativ” auftauchte und die gelehrten Texte überschwemmte, war ich darum bemüht zu verstehen, was gemeint war. In meinem Bildungsgang existierte das Wort noch nicht. Zu allem Unglück zog es dann auch noch in die Geschichtslehrpläne ein. Erst allmählich erschloss sich mir der kulturrevolutionäre Gehalt. Es geht um nichts weniger, als Aufklärung und Rationalismus auf den Müllhaufen zu kippen. Es geht nicht länger darum, nach besseren Argumenten zu suchen, nach neuen Dokumenten, nach kritischem Hinterfragen lieb gewonnener Gewissheiten.

Im hessischen Geschichtsunterricht wurde Geschichtswissen durch “narrative Kompetenz” ersetzt. Das ist die “Fähigkeit, vorliegende Geschichte(n) zu verstehen, auf sinnvolle Art und Weise eigene zu bilden und diese auch selbst erzählen zu können.”

Es ist mir rätselhaft, wie das in standardisierten Tests abgefragt und bewertet werden kann. Gibt es so etwas gute und schlechte Narrative? Das dürfte eigentlich nicht sein. Alle wären doch gleich gültig. Geht es nur noch darum, wie gut jemand sein Narrativ präsentieren kann? Unklar ist mir auch die Rolle des Lehrers. Wenn alle individuellen Geschichtserzählungen der Schüler gleich viel Wert sind, was ist seine Aufgabe?

Warum das Narrativ seinen Siegeszug in den Feuilletons und Geistes- und Sozialwissenschaften antreten konnte, verstehe ich dank eines Interviews in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) jetzt besser. Wiebke Becker hat die Soziologin Irmhild Saake befragt. (Es gibt also noch richtige Soziologen. Ich hatte den Eindruck, es gäbe nur noch Feministen, Genderisten und Armutsforscher.)

Frau Saake stellt bei ihren Studenten eine große Aversion gegen Ungleichheit jeder Art fest. Die Forderung nach Gleichheit beherrsche inzwischen auch die wissenschaftliche Diskussion. Das bessere Argument zähle nicht mehr, auch der unsinnigsten Behauptung widerfahre Gerechtigkeit. Das Bedürfnis nach Harmonie und Gleichheit sei wichtiger als wissenschaftliche Erkenntnis. Das erkläre auch die Suche nach immer neuen Minderheiten, die noch nicht gerecht behandelt würden.

Da verstand ich die Glaubenskriege in den (a)sozialen Medien. Es geht nicht darum zu klären, wer MH 17 abgeschossen hat oder ob die Besetzung der Krim eine Annexion war oder nicht. Es geht um Gleichheit. Wenn Putin so viele Vorwürfe gemacht werden, verstößt das gegen das Gleichheitsprinzip und löst Mitleid aus. Genauso in der Griechenlandkrise: Ob Griechenland nun Reformen durchführt, Reformen rückgängig macht oder gar keine Reformen will, ist gleichgültig. Da kommen Tweets von US-Ökonomen, die sich nicht zum ersten Mal irren (Lob Venezuelas!) gerade recht und los geht es mit der grotesken Behauptung eines deutschen Staatsstreichs gegen Athen.

  • “Unterschied, was ist das?”, FAS v. 19.7.15, p 8

Dazu passt die Kampagne einer Mutter, die die Bundesjugendspiele abschaffen will (20.000 Unterschriften hat sie schon.) Sie wären eine Demütigung für die schwächeren Schüler. Der Wettkampfcharakter wäre nicht mehr zeitrgemäß..

dbv schreibt Kommission “Bibliothek und Schule” neu aus

Dem dbv ist hoch anzurechnen, dass er die Schulbibliothekskommission des abgewickelten Deutschen Bibliotheksinstituts (dbi) in – allerdings veränderter – Form weitergeführt hat. Das Wort Schulbibliothek kommt im Titel leider nicht mehr vor: “dbv-Kommission Bibliothek und Schule”.

(Die LAG Hessen hatte sich damals, ich glaube, das war  vor ca. 15 Jahren, an die Kultusministerkonferenz gewandt mit der Bitte, die dbi-Kommission weiterzuführen. Das scheiterte [erst] auf der Präsidentenebene.)

Bei den in den letzten Jahren in das Gremium eingezogenen Mitgliedern ist das Bemühen erkennbar, frischen Wind in die Schulbibliotheksthematik zu bringen. Dazu gehört nicht zuletzt die Aufforderung an andere Verbände (AGSBB, LAG Hessen, LAG NRW), Mitglieder zur Bewerbung für die dbv-Kommission zu motivieren. Weiterlesen

Mehr zur Europäischen Schule RheinMain

Die Europäische Schule RheinMain ist eine besondere Schule. Das liegt am Schulkonzept und auch am imposanten Gebäude. Mehr über die Schule erfährt man in dem Artikel von Regina Mönch in der FAZ v. 6.7.15.

In der LAG Schulbibliotheken sind wir hoch erfreut und dankbar, dass wir unseren 22. Schulbibliothekstag dort veranstalten durften.

Reformgesetz: Griechische Gewerkschaft ernennt Schulleiter

Wenn ich richtig gelesen habe, sagt der Schriftsteller Petros Markaris in einem Interview in der FAZ von heute, dass Syriza vor 14 Tagen ein Gesetz eingebracht hat, dass die Gewerkschaft künftig die Gymnasialschulleiter bestimmen soll. Es gibt also doch Reformen in Griechenland.

Ebenfalls vor ein paar Tagen wurden 13 neue Leiterstellen im Erziehungsministerium besetzt. 12 gingen an Siriza-Leute. Weiterlesen

Schulbibliotheken und die Bundesergänzungssonderbedarfszuweisungen

In meiner Suche nach – unrealistischen – Finanzierungsquellen für das Schulbibliothekswesen habe ich etwas Neues gefunden. Ein wenig verschlägt der Fund mir die Sprache. Auf der Internetseite des Bundesfinanzministerium steht unter dem Stichwort “Länderfinanzausgleich” auch dies:

“Ferner erhalten kleine, leistungsschwache Länder Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen wegen überdurchschnittlich hoher Kosten politischer Führung in Höhe von insgesamt ca. 517 Mio. € jährlich. Kleinere Länder haben je Einwohner höhere Kosten politischer Führung als größere Länder, weil die Fixkosten der politischen Führung in kleineren Ländern auf eine geringere Anzahl von Einwohnern umgelegt werden müssen.” (Quelle, p 5f)

Nochmal: Der Bund zahlt jedes Jahr eine halbe Milliarde an kleinere Bundesländer, die sich sonst ihre Landesregierungen nicht leisten könnten.

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