Bildungsmanager/in soll kommunale Bildungsdaten sammeln

Mit 30 Millionen € sollen Fachleute für Bildungsmanagement und -monitoring finanziert werden, die beispielsweise in Bildungsbüros oder Stabsstellen der Städte angesiedelt sein können.

Das steht in einer Pressemitteilung des Bundeswissenschaftsministeriums.

So sieht das also aus, wenn mehr Geld für die Bildung ausgegeben werden soll: Stabsstellen in der Kommunalverwaltung, die Daten sammeln und die kommunalen Bildungsinstitutionen vernetzen sollen. Für die Schulleitungen heißt das: Eine neue Stelle, an die berichtet werden muss, die Fragebögen verschickt und Zahlen sehen will. Und wieder muss jemand im Kollegium ausgeguckt werden, der die Schule im neuen Arbeitskreis der kommunalen Bildungsmanagerin vertritt. Das Protokoll der Sitzungen wird reihum geschrieben. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Bildungsmanagerin eine Sekretärin und eine Pressesprecherin bekommen muss, den alleine schafft sie das enorme Arbeitspensum der Stabsstelle nicht.

Nach drei Jahren, wenn die Bundes- und EU-Mittel erschöpft sind, wird sich die Kommune mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, dass ausgerechnet im wichtigen Bildungsbereich eine Stelle eingespart wird. Die Fachhochschulen werden lamentieren, dass ihre Bildungsmanager/-in-Studiengänge gefördet sind. Dei OECD wird …

Den Hinweis auf diesen Irrsinn verdanke ich science files.

 

Die Lüge der digitalen Bildung

So heißt das Buch von Gerald Lembke und Ingo Leipner, das Anfang März erscheinen wird.

Es mehrt sich inzwischen die Zahl der Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass Tablets und andere digitale Geräte keineswegs generell dem nichtdigitalen Lernen überlegen sind. Die Autoren empfehlen, was so neu ja nicht ist, dass Computer erst ab der Mittelstufe eingesetzt werden.

Ein Interview mit Prof. Lembke

 

By the way: Ich habe einmal die Titel von Untersuchungen überflogen, die in der Fachzeitschrift “Computers in Human Behaviour” veröffentlicht werden. (Ein Teil ist nicht kostenpflichtig zugänglich.) Die Themen, deren Häufigkeit mir auffiel: gender, gender, gender, Angst vorm Computer, Computersucht, Einsamkeit und Computer.

Was das Lernen angeht, so erbrachte eine Metaanalyse ein kleine, aber signifikante Überlegenheit des digitalen Lernens. Interessant: In publizierten Studien zur Lerneffizienz gibt es die Überlegenheit des digitalen Lernens, in nicht-veröffentlichten Studien war das nicht der Fall. Das scheint an methodischen Problemen gelegen zu haben. Es ist sicher nicht einfach, Ergebnisse aus unterschiedlich zusammengesetzten Klassen, die von verschiedenen Lehrern unterrichtet wurden, zu vergleichen.

 

Samsung bildet

Je früher Tablets eingesetzt werden, desto höher ist die Qualität der Bildung. So könnte man die Philosophie der Initiative “Digitale Bildung neu denken” zusammenfassen. Geschäftsführer ist der in Hessen nicht unbekannte Rolf Miller, der auch schon in Sachen Digitalisierung für das Kultusministerium tätig war. Finanziert wird die Aktion von Samsung Electronics.

Samsung stellt ausgewählten Schulen leihweise die Ausstattung für digitalen Unterricht zur Verfügung: Tablets Galaxy Note 10.1 2014 Edition für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, Tastaturen zur einfachen Textarbeit und weitere Software. Das Besondere an diesem Tablet ist, dass mithilfe des integrierten Stifts auch handschriftliche Notizen, Skizzen oder Zeichnungen angefertigt und anschließend digitalisiert werden können. Die Lehrkräfte, die im Rahmen des Projektes den Unterricht mit digitalen Medien halten, werden in Workshops darauf vorbereitet.

Schulen, die mit ihren Beiträgen bei den Wettbewerben der Initiative gewinnen, erhalten Samsung-Tablets oder Samsung-Warengutscheine.

Die Regulierungswut des Staates ist ungebremst: Männerquote in Grundschule und öffentlicher Bibliothek

Frauenministerin Schwesig hat einen eher gemäßigten Entwurf des Justizministers Maas für ein Gesetz zur Einführung der Frauenquote zuspitzen lassen. Im öffentlichen Dienst muss es künftig eine 50%-Quote geben. (Von LSBTTIQ ist noch nicht die Rede.) Es müssen bei Bewerbungen gleich viele männliche und weibliche Bewerber/-innen eingeladen werden. Die Rolle der Frauenbeauftragten wird gestärkt. Männer sollen bevorzugt werden, wenn für sie bisher eine Unterversorgung gegeben war, z. B. im Grundschulbereich oder in öffentlichen Bibliotheken. (Für die Grundschulen forderten die hessischen Grünen das schon vor zwei Jahren.) Kndergärten und -horte sind wohl eingeschlossen.

Was die Quote in Vorständen und Aufsichtsräten der Privatwirtschaft angeht, so sprechen Gutachter von einem verfasssungswidrigen Gesetzentwurf. Mit dem Verbot, eine Stelle zu besetzen, wenn keine geeignete Frau gefunden wurde (“Leerer Stuhl”) greife man z. B. erheblich in die Eigenstumsstrukturen ein. Die Regelungen gälten nicht nur für die großen Dax-Konzerne, sondern praktisch für alle Betriebsformen mit 1-3 Aufsichtsräten und 2 Geschäftsführer/-innen, auch die in Familienbesitz befindlichen und Kommanditgesellschaften mit persönlich haftenden Gesellschaftern. Was die Mehrkosten der Wirtschaft für die Kosten der Einführung der Vorschriften angeht, so haben Maas/Schwesig ihre Schätzung inzwischen auf das Zehnfache angehoben.

Bekanntlich lässt sich die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen (Equal Pay Gap) auf mehrere Faktoren zurückführen, die überwiegend wenig bis nichts mit Diskriminierung zu tun haben. Wenn hier Aktivist/-innen das Kind mit dem Bade ausschütten, dürfte es interessant werden, zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Da es immer die Erfahrung gibt, dass Gesetze umgangen werden, musstern die Ministerial/-innen versuchen, diesmal (Mindestlohn und Frauenquote) Hintertürchen und Ausnahmen von vornherein zu vermeiden.

Nichts gegen mehr männliche Grundschullehrer, aber ein Verfahren wie die gendergerechte Listenaufstellung bei hessischen Personalratswahlen hat mit Beerenauslese und Pädagogik wenig zu tun.

Update 4.3.15: Die Gesetzesmacher/-innen haben nachgebessert. So soll die 50%-Männerquote im öffentlichen Dienst nicht mehr zahlenmäßig erfüllt sein, Es gilt nur noch, eine “strukturelle Benachteiligung” zu erkennen und zu bekämpfen. 3.500 mittelgroße Unternehmen dürfen sich selbst Frauenquotenziele setzen. Zudem müssen sie nicht mehr jährlich, sondern nur noch alle fünf Jahre dem Staat einen Frauenförderbericht vorlegen. Ja, Gesetzgebung ist eine Kunst.

Ich kann es nicht mehr hören!

Ich gebe zu: Es fällt mir manchmal schwer, mich nicht aufzuregen.

Diesmal ist es eine neue Studie von Bitkom, dem Lobbyverband der IT-Industrie, zur Verbreitung und Nutzung von Smartphones bei Kindern und Jugendlichen. Nicht viel Neues: die Verbreitung nähert sich ab dem Alter 12 den 90%. Genutzt werden sie, auch im Unterricht, zum Chatten, Fotografieren, Musik hören. 75% haben angegeben, dass sie das Tafelbild fotografierten. (Entstehen wirklich außerhalbn von Prüfungsstunden noch Tafelbilder, die man aufbewahren sollte?) Eine Minderheit von 20% nutzt das Gerät auch zum Telefonieren. (Ob diese Zahl nur für die Zeit in der Schule gilt, müsste man nachsehen. Ich glaube, dass die Telefonfunktion der Geräte grundsätzlich eher zweitrangig geworden ist. Ich habe aber wenig Lust, die ganze Studie zu lesen.)

Am Schluss des Artikels, den ich gerade lese (FAZ 18.2.15, p 23) kommt die eigentliche Ursache meines Ärgers. Der letzte Absatz lautet nämlich:

“Smartphones gehören zum Alltag von Schülern und sind damit natürlich auch Teil der Schule”, kommentierte Bitkom-Vizepräsident Achim Berg die Ergebnisse. Umso wichtiger sei es, Schülern Medienkompetenz zu vermitteln, damit die Geräte auch im Unterricht sinnvoll genützt würden.

Ich zitiere vorsichtshalber nicht mehr, um nicht Ärger mit der FAZ wegen nicht-lizenzierter Verwendung ihres Textes zu bekommen. Was folgt, ist dann das übliche: Die Lehrer wären nicht geschult, sie könnten mit den neuen Technologien nicht umgehen, die Wirklichkeit in den Schulen sähe anders aus, die Lehrer würden bloß verbieten…

Textbausteine wie dieser dürfen in keinem einschlägigen Zeitungsbericht und in keiner neuen Studie fehlen.

Es ist das beliebte Spiel: Die IT-Industrie erfindet neue Gadgets. Den Pädagogen wird von empirischen Bildungsforscher/-innen nachgewiesen, dass sie keine Ahnung davon hätten. Medien- und Informationswissenschaftler/-innen entwerfen K-12-Curricula, in die sie prozessorientierte Kompetenzmatrizen für den Umgang mit IT-Geräten und -Software implementieren. Bildungspolitiker/-innen schreiben Google- und PowerPoint-Kompetenzen in die Abiturprüfung. Von den Leitartikler/-innen und den IT-CEOs wird den Lehrpersonen empfohlen, sich doch bitte pädagogisch mit den Smartphones und ihren Besitzer/-innen auseinanderzusetzen; sie seien ja nun schließlich Pädagogen. Und dann gibt es noch die Gurus unter den Kollegen oder Erziehungswissenschaftler/-innen oder IT-Programmierer/-innen, die behaupten, mit dieser oder jener App sei die alte Schule tot, jeder könne sich damit jederzeit und überall alles selbst beibringen.

Was ich ändern kann, ist meine Einstellung. Ich werde lernen, mich über dieses Gerede nicht mehr aufzuregen.

Die Kinder und Jugendlichen werden den Erwachsenen immer eine Nasenlänge voraus sein. Wenn die Lehrer Facebook in den Unterricht integriert haben, sind sie längst bei Instagram. Wenn sogar die Oma einen YouTube-Channel anlegt, wandern die Enkel zu YouNow ab. Die Wissenschaftler/-innen werden in ihren Studien feststellen, dass Lehrer und Schule wieder keine Ahnung haben. Inzwischen stehen aber in jedem Klassenraum zwei Whiteboards und eine Ladestation für 30 Tablets und die Gurus schwärmen von der pädagogischen Revolution, die GoogleGlass ermöglicht.

Steinbruch Bildungspolitik

Die Bildungspolitik in Baden-Württemberg kommt nicht zur Ruhe. Nach den Debatten um die “sexuelle Vielfalt“, die als Querschnittthema in allen Fächern berücksichtigt werden sollte. (Behandlung homosexueller Kulturschaffender, Erwähnung der Homosexualität von historischen Personen, Abbau der LSBTTIQ-Menschen diskriminierenden Präferenz für heterosexuelle Ehe und Familie) ist die Landesregierung zurückhaltender in ihre Informationspolitik geworden. Dabei gibt es Kritk an der weiteren Arbeit an den neuen Bildungsplänen. Beklagt wird z. B. die Stofffülle. So sagen Geschichtsdidaktiker, der Lehrplan des 8. Schuljahres sei auch in zwei Schuljahren nicht zu schaffen. Der Lehrplan sei ereignisgeschichtlich orientiert, was ja nun wirklich überholt sei. Die Geschichte der Weimarer Republik wiederum sei auf das deutsch-französische Verhältnis fokussiert und viel Zeit werde mit einer französischen Hochstapleraffäre  (Stavisky) vertan. Die Schulbuchverlage beklagen, dass sie dauernd nachbessern müssten, weil sie nicht wüssten, was gerade verlangt werde. Die Gymnasiallehrer beklagen den Verlust schulformbezogener Lehrpläne. Die Gemeinschaftsschule sei ohne vorhandene Lehrpläne eingeführt worden. Der Leiter des Referats “Gemeinschaftsschule” wurde inzwischen abgelöst. Die Erprobung neuer Lehrpläne wurde in drei Monaten durchgeführt, Ergebnisse werden angeblich geheimgehalten.

Der Kompetenzorientierung werde dadurch Rechnung getragen, dass es eine Fülle prozess- und inhaltsbezogener Kompetenzen gäbe. Das führe zu einer “methodischen Komplexität”.

(nach “Wut, Ärger, Verzweiflung” von Rüdiger Soldt, FAZ v. 17.2.15)

Aus Niedersachsen berichten mehrere Zeitungen, dass die Kultusministerin dem Gedanken näher trete, als Alternative zur schriftlichen Abiturprüfung, eine Powerpoint-Präsentation zu erlauben. Das ist in Hamburg schon länger möglich, auch in weiteren Bundesländern spielt PWT im Abitur eine Rolle. In Hessen kann sie als Teil der mündlichen Prüfung gewählt werden.

Der Biologiedidaktiker Hans-Peter Klein wird zu Powerpoint im Abitur im Blog Lehrerfreund zitiert. Siehe auch Beiträge zum Thema im Basedow1764.

Liebeslieder diskriminieren Homosexuelle

Das wollen Geschlechterforscher/-innen in wissenschaftlichen Studien herausgefunden haben. Für Schule ist das wichtig zu wissen. Alles, was Heterosexualität als Norm erscheinen lässt, ist für LSBTTIQ-Mitmenschen und Genderwissenschaftler diskriminierend. Also sollten, sagen wir mal, neben “Faust” und “Kabale und Liebe”, den heterosexuell orientierten Stücken, auch “Brokeback Mountain” und “Aimeé und Jaguar” als Bausteine der Erziehung zur Vielfalt in Betracht kommen. Die Sexualkunde-Lehrpläne einiger Bundesländer werden derzeit schon umgeschrieben.

Ich kann mir die beiden letztgenannten Filme durchaus in der Schule vorstellen. (Spielfilmlänge ist während der Unterrichtszeit allerdings illusorisch, abgesehen von den letzten Schulwochen vor den Ferien und da wären sie absolut fehl am Platz.) Ich würde sie manchen Empfehlungen in einm sexualpädagogischen Handbuch oder in GEW-Broschüren vorziehen. Nun ja, nicht in allen Schulklassen in westdeutschen Großstadtquartieren mit mehrheitlich muslimischen Schülern.

Wohin das Mainstreaming nicht-heterosexueller Präferenzen führen kann, zeigt die gendergerechte Textanalyse deutschen Liedgutes. “Wir können nicht länger einen großen Teil der Bevölkerung durch Liebeslieder verstören, die einen heterosexuellen Lebensentwurf feiern, der von diesem Teil der Bevölkerung nicht geteilt wird”, sagt ein Geschlechterforscher.

Es ist das gute Recht Homosexueller, ihre Homosexualität zu leben. aber man muss nicht bei jedem Arbeitsblatt betonen, dass man für sexuelle Vielfalt ist und heterosexuelle Beziehungen nicht privilegiert. Noch steht nichts im StGB.

Siehe u. a. auch hier im Blog!