Rettung für Eschenburg-Eibelshausen

Die Bibliothek der Holderberg-Gesamtschule existierte viele Jahre, weil sich die Schulgemeinde engagierte. Sogar zwei Betreuerinnen konnten bezahlt werden. Dann sah es so aus, dass dieses Finanzierungsmodell nicht länger durchgehalten werden könnte. (Der Landkreis gibt 900 €.) Jetzt ist in der Zeitung zu lesen, dass der Förderverein jährlich 8.000 € geben will. Die zurzeit geschlossene Schulbibliothek kann also bald wieder geöffnet werden.

Dass die Finanzierung von Schulbibliotheken durch Eltern, Lehrer, Fördervereine und Sponsoren stattfindet, gilt anscheinend als völlig normal. Derartige Bericht stehen ja jede Woche in Zeitungen. Noch nie habe ich aber bei diesen Gelegenheiten gelesen, dass das eine kommunale bzw. staatliche Aufgabe sein sollte.

 

Was bringt das Kopftuchurteil für die Schulen?

Voraussichtlich nichts Gutes. Denn das BVerfG hat feinsinnig zwischen genereller Erlaubnis und Verbot im Einzelfall unterschieden. Generell könne der Staat emanzipierten, studierten jungen Frauen ihre individuelle Entscheidung für das Schamtuch nicht zum beruflichen Nachteil auslegen. Wenn die Kopfbedeckung wider Erwarten aber den Schulfrieden störe, müsse auf örtlicher Ebene gehandelt werden. Fein, ein Grund mehr, nicht mehr Schulleiter zu werden.

Die Kollateralschäden sind absehbar: Weiterlesen

Neues Papier soll Aufwind für Schulbibliotheken erzeugen

Demnächst wird es wieder eine Entschließung zum Thema Schulbibliotheken geben. Es wäre zu hoffen, dass  der dbv darin nicht wieder bloß seinen Anspruch bekräftigen würde, dass alle Schulen eine Außenstelle der Stadtbibliothek mit einer bibliotheksfachlich ausgebildeten Bibliothekarin brauchten, die nun auch – man folgt gerne dem bildungspolitischen Mainstream – Multimediaexpertin der Schule sein soll.

Wenn der dbv für einen Moment vergessen könnte, Lobby der öffentlichen Bibliotheken zu sein und Interessenvertretung eines Berufsstandes, wäre viel, wenn auch noch längst nicht alles, gewonnen. Die Schulbibliotheks”entwicklung” in Deutschland kennt eine ganze Reihe von Denkschriften, Resolutionen, Forderungen und Empfehlungen. Sie dokumentieren, einer Echternacher Springprozession nicht unähnlich, den wechselhaften Umgang des Verbandes mit dem Thema Schulbibliothek. Das wäre einmal einer bibliotheksfachlichen Bachelor- oder Masterarbeit wert.

Erinnert sich noch jemand an die “Allianz für Bildung” von 2011? Klick!

Geglückt ist dem dbv bisher, die Schulbibliothek aus der Schulpolitik und -verwaltung auszulagern: Nahezu flächendeckend Kooperationsverträge zwischen Kultusministerien und dem Verband, Abordnung von Lehrern in öffentliche Bibliotheken (Bayern, Hessen), folgenlose, verwirrende Erwähnung von Schulbibliotheken in Bibliotheksgesetzen (z. B. Hessen). Basedow1764 hat dies alles im Blog beschrieben.

OECD findet wieder ein deutsches Bildungsproblem

Die OECD-Bildungsforscher haben alle Hände voll zu tun. Schon wieder ist Deutschland auffällig. Nach der niedrigen Abiturientenquote von ca. 55%, den nur durchschnittlichen PISA-Ergebnissen, der angeblich problematischen dualen Berufsausbildung hat Professor Schleicher ein neues Defizit ausgemacht: Die niedrige Frauenquote im MINT-Bereich. Mehr als in den anderen Industriestaaten wären Mädchen weniger an Mathematik und den Ingenieurberufen interessiert. Prof. Schleicher weiß auch, woran es liegt: Die Eltern trauen ihren Töchtern nicht zu, dass sie MINT-Berufe ergreifen.

Das kann doch in Angriff genommen werden. Meine Vorschläge: Schulungskurse für Eltern, Verbot von Bilder- und Kinderbüchern, die traditionelle Rollenvorbilder perpetuieren, statt dessen Bilder von weiblichen Köchen und männlichen Schiffskapitänen, in den Kitas müssen die Jungen mindestens zweimal in der Woche mit Puppen und die Mädchen mit dem Märklin-Baukasten spielen.

Science Files hat eine verblüffende Erklärung: Der Genderismus ist schuld.

Ich hatte vor Mathe in der Unterstufe wahnsinnige Angst. Das lag am weiblichen Mathelehrer. Der war ein Drachen. (Sorry, sexistisch, zumal Drachen männlich ist.)

Wie war das nochmal mit den Jungen, die in nahezu jedem Schulleistungstest generell schlechter abschneiden als Mädchen?

Bildungsmanager/in soll kommunale Bildungsdaten sammeln

Mit 30 Millionen € sollen Fachleute für Bildungsmanagement und -monitoring finanziert werden, die beispielsweise in Bildungsbüros oder Stabsstellen der Städte angesiedelt sein können.

Das steht in einer Pressemitteilung des Bundeswissenschaftsministeriums.

So sieht das also aus, wenn mehr Geld für die Bildung ausgegeben werden soll: Stabsstellen in der Kommunalverwaltung, die Daten sammeln und die kommunalen Bildungsinstitutionen vernetzen sollen. Für die Schulleitungen heißt das: Eine neue Stelle, an die berichtet werden muss, die Fragebögen verschickt und Zahlen sehen will. Und wieder muss jemand im Kollegium ausgeguckt werden, der die Schule im neuen Arbeitskreis der kommunalen Bildungsmanagerin vertritt. Das Protokoll der Sitzungen wird reihum geschrieben. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Bildungsmanagerin eine Sekretärin und eine Pressesprecherin bekommen muss, den alleine schafft sie das enorme Arbeitspensum der Stabsstelle nicht.

Nach drei Jahren, wenn die Bundes- und EU-Mittel erschöpft sind, wird sich die Kommune mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, dass ausgerechnet im wichtigen Bildungsbereich eine Stelle eingespart wird. Die Fachhochschulen werden lamentieren, dass ihre Bildungsmanager/-in-Studiengänge gefördet sind. Dei OECD wird …

Den Hinweis auf diesen Irrsinn verdanke ich science files.

 

Die Lüge der digitalen Bildung

So heißt das Buch von Gerald Lembke und Ingo Leipner, das Anfang März erscheinen wird.

Es mehrt sich inzwischen die Zahl der Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass Tablets und andere digitale Geräte keineswegs generell dem nichtdigitalen Lernen überlegen sind. Die Autoren empfehlen, was so neu ja nicht ist, dass Computer erst ab der Mittelstufe eingesetzt werden.

Ein Interview mit Prof. Lembke

 

By the way: Ich habe einmal die Titel von Untersuchungen überflogen, die in der Fachzeitschrift “Computers in Human Behaviour” veröffentlicht werden. (Ein Teil ist nicht kostenpflichtig zugänglich.) Die Themen, deren Häufigkeit mir auffiel: gender, gender, gender, Angst vorm Computer, Computersucht, Einsamkeit und Computer.

Was das Lernen angeht, so erbrachte eine Metaanalyse ein kleine, aber signifikante Überlegenheit des digitalen Lernens. Interessant: In publizierten Studien zur Lerneffizienz gibt es die Überlegenheit des digitalen Lernens, in nicht-veröffentlichten Studien war das nicht der Fall. Das scheint an methodischen Problemen gelegen zu haben. Es ist sicher nicht einfach, Ergebnisse aus unterschiedlich zusammengesetzten Klassen, die von verschiedenen Lehrern unterrichtet wurden, zu vergleichen.

 

Samsung bildet

Je früher Tablets eingesetzt werden, desto höher ist die Qualität der Bildung. So könnte man die Philosophie der Initiative “Digitale Bildung neu denken” zusammenfassen. Geschäftsführer ist der in Hessen nicht unbekannte Rolf Miller, der auch schon in Sachen Digitalisierung für das Kultusministerium tätig war. Finanziert wird die Aktion von Samsung Electronics.

Samsung stellt ausgewählten Schulen leihweise die Ausstattung für digitalen Unterricht zur Verfügung: Tablets Galaxy Note 10.1 2014 Edition für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, Tastaturen zur einfachen Textarbeit und weitere Software. Das Besondere an diesem Tablet ist, dass mithilfe des integrierten Stifts auch handschriftliche Notizen, Skizzen oder Zeichnungen angefertigt und anschließend digitalisiert werden können. Die Lehrkräfte, die im Rahmen des Projektes den Unterricht mit digitalen Medien halten, werden in Workshops darauf vorbereitet.

Schulen, die mit ihren Beiträgen bei den Wettbewerben der Initiative gewinnen, erhalten Samsung-Tablets oder Samsung-Warengutscheine.