Berichte aus Schulbibliotheken (2)

Die Bibliothekarin der Stadtteilbibliothek in der Weibelfeldschule in Dreieich, Linda Hein, schickt diese Berichte:

Lesehelden 2.0 (ab Schuljahr 2014/15)

In Dreieich gibt es ein neues Bündnis für Bildung: der Förderverein Weibelfeldschule e.V. hat sich die Bücherei und das AV-Studio sowie das JUZ Dreieich als Bündnispartner gesucht und gemeinsam starten wir im Herbst unsere neue Aktion Leseheld stehend mit HintergrundLESEHELDEN 2.0. Das Projekt wird ein Teil der AV-Studio AG sein und ist außerschulisch. Dabei werden die Teilnehmer(innen) eine kleine Geschichte mit Hilfe von Tablets als Fotostory umsetzen. Dazu wird ein Storyboard erstellt, mit dessen Hilfe die Kinder dann die Bilder machen. Gegebenenfalls werden die Fotos mit Sprechblasen ergänzt. Bei der Durchführung unterstützen uns die beiden Ehrenamtlichen Theo van Dieken und Albert Schobbe. Beide wurden zusammen mit Linda Hein, der Bibliothekarin der Weibelfeldschule, im September von der Stiftung Digitale Chancen geschult, um so den Kids eine gute Hilfe bei der Umsetzung ihrer Ideen sein zu können. Die sechs Tablets sowie die weitere technische Ausstattung und kleine Erinnerungsstücke für die Teilnehmer(innen) finanziert der Deutsche Bibliotheksverband im Rahmen des bundesweit geförderten Projekts KULTUR MACHT STARK.

Poetry Slam 

Angelina trägt in lässiger Haltung ihr Hass-Gedicht über die Bäume vor, und Alessia hat einen herzzerreißenden Liebesbrief an die Liebe geschrieben. Poetry Slammer Lars Ruppel hatte den Weibelfeldschülern als Hilfestellung einige Begriffe vorgegeben, damit sie selbst ein Gedicht schreiben.
„Es muss sich nicht reimen – lasst Eure Worte und Gedanken fließen“, munterte er die Achtklässler in der Stadtteilbücherei auf. Innerhalb von 20 Minuten hatten die Jungs und Mädchen Erstaunliches aufs Papier gebracht. Ein bisschen schüchtern waren die Hauptschüler dann, als sie ihre ersten Versuche in der öffentlichen Runde präsentieren sollten.
Aber auch da wusste sich Ruppel, der rund 300 Poetry-Slam-Auftritte und -Workshops an Schulen im Jahr hält, zu helfen. „Bitte, Du bekommst auch einen Kaugummi, oder zwei, wenn Du möchtest“, handelte er kleine Belohnungen aus. Die Schüler bestanden dann gar nicht auf den Kaugummi, die Belohnung durch das Lob mit Applaus und Abklatschen des erfahrenen Gedichteschreibers war so viel mehr wert. Lars Ruppel beeindruckte die Teenager auch mit lässigem Rap über Goethe, coolen Songtexten von der Band Blumentopf und mit einigen Texten seiner Slam Poetry Kollegen.
Ganze drei Stunden lang arbeiteten die achten Klassen an den Gedichten und immer wieder mit neuen Vorgaben. Zum Jubiläum der Bücherei an der Weibelfeldschule hatte die Leiterin vom Förderverein der Schule und von der Dreieichstiftung Geld für dieses Projekt bekommen. „Wir haben bewusst die Hauptschüler für diese Aktion ausgesucht. Wir wollen sie für die Bücherei begeistern, und ich hoffe, ich sehe den einen oder anderen jetzt öfter hier“, sagte Linda Hein.

Lesebazillus

DSC_0028Dafür liest derzeit jedes Kind des Jahrgangs 5 ein selbst gewähltes Buch und untersucht, ob sich ein Lesebazillus darin versteckt – was natürlich nur bei den spannendsten, abenteuerlichsten und lustigsten oder romantischsten Büchern der Fall ist! Jede Klasse prämiert dann die besten Bücher und wird deren Inhalte kreativ umsetzen. Die Kunstwerke werden in der Bücherei ausgestellt werden. Zum Schulfest werden die Objekte ebenfalls zu sehen sein.

Was es noch in Dreieich gibt.

JuLiD, Jugendliteratur Dreieich, ist eine Jugendjury, die sich monatlich trifft, um aktuelle Jugendbücher zu besprechen

Teilnahme an der hessenweiten Sommerleseaktion Buchdurst!

u.a.

Kontakt: Linda Hein
Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich – Weibelfeldschule
Am Trauben 17
63303 Dreieich
Tel.: 06103-961850

Frau Hein ist Referentin auf dem 22. Hessischen Schulbibliothekstag am 21.3. in Bad Vilbel

An alle: Bitte keine Berichte mehr einsenden!

MyON – Antolin mit E-Books

MyON ist die digitale Leseplattform eines US-amerikanischen Jugendbuchverlages. Man kann es mit Antolin vergleichen. Der gewichtigste Unterschied: Die Bücher sind im Programm enthalten! Bisher sind es über 7.000. Die Zahl wächst, über 50 Verlage machen schon mit.

Das Programm beginnt mit einem Test der Lesefähigkeit des Schülers und der Frage nach seinen Interessen. Auf dieser Basis empfiehlt das Programm eine maßgeschneiderte, individuelle Bücherliste. Erfasst wird dann, was und wie lange gelesen wird, wie gut die Quizfragen zu den Büchern beantwortet werden, wie sich die Lesefähigkeit entwickelt.

Gerne eingesetzt wird MyON von Schulen in sozialen Brennpunkten mit Schülern mit geringer Lesefähigkeit aus einkommensschwachen Familien. Sofern sich ein Kostenträger findet, der für die Schullizenz des Programms und digitale Lesegeräte aufkommt. (Im Zeitungsartikel – siehe unten – wird von Kindles gesprochen.)

USA-Today berichtet.

Die Frage, ob MyON die Schulbibliothek überflüssig macht, ist noch offen. In manchen Schulen gibt es keine, die in ihrem Bestand aktuell wäre und personell zufriedenstellend ausgestattet. Dort ist MyON auch in dieser Hinsicht eine willkommene Alternative. USA-Today weiß aber von einer Schule, wo MyON dazu beigetragen hat, dass die Inanspruchnahme der physischen Schulbibliothek anstieg.

 

Amira – Leseförderung für zweisprachige Kinder

Amira ist ein vom Bund gefördertes Leseförderprogramm für Grundschulkinder mit Migrationshintergrund. Man kann online Kinderbücher lesen oder sich vorlesen lassen und dazu passende Spiele spielen.

Die ehemalige Lehrerin Elisabeth Simon hat dafür 40 kleine Geschichten verfasst, die illustriert wurden.

Amira

Der Name Amira kommt aus dem persischen Sprachraum und bedeutet wörtlich übersetzt “Königin”, “Prinzessin”, bzw. “weibliche (sic!) Herrscherin” (also eine Herrscherin im Besitz der alleinigen Macht, wenn kein männlicher Thronfolger verfügbar ist). Er ist baktrischen Ursprungs aus vor-islamischer Zeit, hat also sowohl zoroastrische als auch buddhistische Wurzeln. Der Name Amira wurde mit der späteren Zwangsislamisierung dieser Regionen in den arabischen Sprachraum übernommen. (Aus: Wikipedia; Rechtschreibfehler wurden von mir korrigiert.)

Verführung zum Lesen: In der U-Bahn und im Fernbus

  • U-Bahnfahrern muss man nicht sagen, dass sie sich etwas zum Lesen für die Fahrt mitnehmen sollen. Aber Werbung für die Stadtbibliothek in der U-Bahn durch Leseproben? Marketingstudenten in Miami haben eine Idee beschrieben, wie sie für die New York Public Library werben würden: Die Smartphone-Besitzer können Leseproben abrufen und erhalten am Schluss den Hinweis, dass das Buch in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden kann.

Was sagen die Verlage dazu, wenn das Realität würde? Ein besseres Gefühl habe ich bei Bibliothekswerbung wie ich sie in Lissabon gesehen habe: Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek und intelligente Werbung auf den städtischen Bussen.

  • Der Piper-Verlag kooperiert mit einer Fernbusfirma. In deren Bussen dürfen Leser 35 Minuten in einem Buch digital schmökern und können es dann auch bestellen.

Tagung “Lesen in Bewegung”

Wenn Fußballstars zum Lesen verlocken, wie es einmal in einer Kampagne der Stiftung Lesen der Fall war, mag das den einen oder anderen Fußballfan zum Buch greifen lassen, wenn er des Zündens von Feuerwerkskörpern im Stadion überdrüssig geworden war. Ein noch vielversprechenderer Ansatz wird in der Tagung “Lesen in Bewegung” der Baden-Württemberg-Stiftung und der Stiftung Lesen vorgestellt:

Tagungsprogramm “Lesen_in_Bewegung”

Klassiker “Lesenacht”

Beim Wiederlesen von Blogbeiträgen fällt mir auf, dass ich noch nie explizit über Lesenächte geschrieben habe. Dabei war unsere erste Lesenacht in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Schule in Schwalbach/Ts. 1990 eine der frühesten, nachdem der Kollege Dr. Jörg Knobloch sie an seiner Schule in Freising 1988 in Deutschland eingeführt hatte.

lesenachtInzwischen gibt es bei Google 250.000 Treffermeldungen zum Thema. Verlage bieten Materialpakete an, es gibt Handreichungen und Erlebnisberichte. Hier eine Anleitung von Jutta Schösser aus der Broschüre “Leseförderung in der Grundschule”, die überwiegend von LAG-Mitgliedern geschrieben und vom Hessischen Kultusministerium herausgegeben wurde.

In Mainz wurde einmal ein Polizeieinsatz ausgelöst, weil Nachbarn nachts verdächtige Taschenlampen-Leuchtkegel in einer Grundschule wahrgenommen hatten. Es handelte sich um Drittklässler, die eine Lesenacht in der Schulbibliothek verbrachten. Seither bittet die Polizei um Vorabinformation, wenn eine Lesenacht an einer schule stattfindet.