Archiv der Kategorie: Unterricht

Bessere Leistungen in Brandenburger Leistungs- und Begabungsklassen

2006 hatte die SPD/CDU-Koalitionsregierung in Brandenburg Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK) eingeführt, in denen leistungsfähige und/oder begabte Kinder schon nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechseln konnten und nicht wie üblich nach der 6. Klasse. 35 LuB-Klassen gibt es.

Ein Evaluationsgutachten lag schon vor einem Jahr vor, wurde aber erst jetzt bekannt. Darin wird festgestellt, dass die Spezialklassen bei den landesweiten Vergleichstests in Klasse 10 am besten abgeschnitten haben. An zweiter Stelle lagen die Regelklassen aus den Gymnasien mit den Spezialklassen. Zuletzt kamen die Gymnasien ohne Spezialklassen.

Ähnlich wie bei den PISA-Studien kann die begutachtende Wissenschaftlerin nicht erklären, warum das so ist.

  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besten Schüler versammelt sind?
  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besseren Lehrer unterrichtet haben?
  • Wie kommt es, dass auch die Regelklassen in den Schulen mit Spezialklassen besser als die normalen Schulen sind?

Man kennt das Ergebnis auch aus zahlreichen Vergleichsstudien zwischen Förderstufe und den Klassen 5/6 am (grundständigen) Gymnasium.

Ähnlich ist es ja auch bei der Wirkungsforschung zu Schulbibliotheken: Bewirken die Schulbibliotheken, dass die Schüler bessere Leser werden, besser in den Vergleichstests abschneiden oder sind es vor allem die guten Schüler, die die Schulbibliothek benutzen? Allerdings ist man bei der Erforschung der Schulbibliothekswirkung ein wenig weiter. So stellen Studien fest, dass die Qualität des Personals einen Einfluss zu haben scheint.

Der Faschismus erhebt sein Haupt: Lehrerin wegen Host-Wessel-Lied als Unterrichtsthema angezeigt

Die Antifaschististin oder der Antifaschist, die oder der die Lehrerin angezeigt hat, die oder der gemäß Lehrplan zum Unterrichtsthema Musik und Politik das Horst-Wessel-Lied und die Brecht-Parodie “Kälbermarsch” verglichen hat, meinte es sicher gut. Für einen überzeugten Antifaschisten bzw. eine Antifaschistin beginnt der Faschismus schon mit der sozialfaschistischen SPD. Das ist seit der Weimarer Republik gesichertes Geschichtsnarrativ der Linken. Man muss den Anfängen wehren.

Deswegen wird in Potsdam von der Antifa das Touristenspektakel “Preußische Rekrutenvereidigung” bekämpft. Es findet unter Polizeischutz statt. Man weiß ja nie, ob in Potsdam nicht noch einmal der Faschismus ausbricht. Die DDR-Tourismuswerbung warb für den Besuch der Garnisonkirche (bevor sie 1968 gesprengt wurde) mit Hinweis: “Besuchen Sie die Brutstätte des preußisch-deutschen Faschismus!”

Ich erinnere mich wiederum an einen Elternabend, auf dem ein aufgeregter Vater lospolterte: “Da hängt ja ein Stalinfoto an der Wand!” (Auf einer Wandzeitung zu einem Thema der gerade behandelten Epoche).

Ein anderer Vater bremst den Polterer: “Das Hitlerfoto da drüben gefällt Ihnen wohl? Das stört Sie nicht?”

schulmediathek.tv

Der Verlag Bergmoser und Höller macht dem Staatsinstitut FWU Konkurrenz. Der Verlag bietet Arbeitsblätter, Lernhilfen und Fachzeitschriften für Schule, Seniorenarbeit und kirchliche Einrichtungen an. Jetzt gibt es auch eine Plattform mit bisher 1.400 Filmen an (FWU: 4.000). Vorherrschend sind Clips von z. B. drei-, fünf- oder zwanzigminütiger Dauer. Es sind fast ausschließlich angelsächsische Produktionen, die eine deutsche Tonspur erhalten und mit Unterrichtsmaterialien ergänzt werden. Lizenznehmer können die Filme downloaden und mit entsprechender Software für den Unterricht bearbeiten, z. B. einen Schülerbegleittext aufsprechen lassen oder aus dem Begleittext einen Lückentext für ein Arbeitsblatt machen.

Man müsste sich eingehender mit dem Angebot und einem Vergleich zum FWU befassen. Das FWU verkauft Lizenzen hauptsächlich an die Kreismedienzentren und weniger an einzelne Lehrkräfte und Schulen. Was mich neugierig machte, ist einzig der vom Verlag als Markenzeichen geschützte Name schulmediathek.tv.

Er erinnert daran, dass sich nicht nur öffentliche Bibliotheken, sondern auch Schulbibliotheken einiges einfallen lassen müssen, um ihre Daseinsberechtigung zu beweisen. Vor allem Bildungspolitiker/-innen verweisen gerne darauf, dass Internetplattformen doch längst die physischen Bibliotheken ersetzen können. (Im Buch “Die Schulbibliothek im Zentrum” liefern Hans Günther Brée, Markus Fritz und ich Argumente dagegen.)

Eine Schulbibliothek, die solche Videoclips in irgendeiner physischen Form sammelt und eine Video- oder Mediothek aufbaut, ist jedenfalls zukünftig nicht mehr nötig.

Erinnert sich noch jemand?:  Die Kollegen haben im Zeitalter des Videoreorders aufgenpmmen oder vom Schulassistenten aufnehmen lassen, bis der Rekorder qualmte. (Juristisch ist das alles verjährt.) Dann waqren die Schränke voller Kassetten mit 45-Minuten-Dokumentationen. Sie wurden in der Regel einmal “gezeigt” (Das ist jetzt bewusst kein didaktischer Fachausdruck).

Neurowissenschaft und Unterricht

Der Neurologe Prof. Dr. Michael Madeja beschreibt, was die Neurologie zur Erziehungswissenschaft beitragen kann und was nicht. Es waren große Versprechungen und hohe Erwartungen, die von Neurowissenschaftlern ausgelöste wurden. Die Vorstellung, die Hirnforschung könne pädagogische Kontroversen klären, habe sich nicht erfüllt. Es seien “Neuromythen” entstanden, wie z. B. die Lernkonzepte für rechts- und linkshirnige Lerner oder die Schädlichkeit zuckerhaltiger Ernährung für das Lernen. Da seien partielle Erkenntnisse fälschlicherweise generalisiert worden. Dagegen gäbe es eine Reihe von Erkenntnissen über das Funktionieren des Gehirns beim Lesen und Rechnen. Praktische Auswirkungen auf Schule und Unterricht hätten sich daraus nicht ergeben, wohl aber Interventionsmöglichkeiten bei Funktionsstörungen bei einzelnen Kindern. Er hält es für eine unzulässige Verengung und Vereinfachung, das Lernen nur mit Gehirnfunktionen zu erklären. Das Lernen sei ein vielschichtiger Vorgang innerhalb von Beziehungen zwischen Körper und Umwelt, es sei zweifelhaft, ob eine isolierte Betrachtung des Gehirns der Pädagogik weiterhilft. (FAZ v. 4.5.15,, S. N2, “Die Schule erzieht junge Menschen, keine Gehirne”)

Samsung bildet

Je früher Tablets eingesetzt werden, desto höher ist die Qualität der Bildung. So könnte man die Philosophie der Initiative “Digitale Bildung neu denken” zusammenfassen. Geschäftsführer ist der in Hessen nicht unbekannte Rolf Miller, der auch schon in Sachen Digitalisierung für das Kultusministerium tätig war. Finanziert wird die Aktion von Samsung Electronics.

Samsung stellt ausgewählten Schulen leihweise die Ausstattung für digitalen Unterricht zur Verfügung: Tablets Galaxy Note 10.1 2014 Edition für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, Tastaturen zur einfachen Textarbeit und weitere Software. Das Besondere an diesem Tablet ist, dass mithilfe des integrierten Stifts auch handschriftliche Notizen, Skizzen oder Zeichnungen angefertigt und anschließend digitalisiert werden können. Die Lehrkräfte, die im Rahmen des Projektes den Unterricht mit digitalen Medien halten, werden in Workshops darauf vorbereitet.

Schulen, die mit ihren Beiträgen bei den Wettbewerben der Initiative gewinnen, erhalten Samsung-Tablets oder Samsung-Warengutscheine.

Steinbruch Bildungspolitik

Die Bildungspolitik in Baden-Württemberg kommt nicht zur Ruhe. Nach den Debatten um die “sexuelle Vielfalt“, die als Querschnittthema in allen Fächern berücksichtigt werden sollte. (Behandlung homosexueller Kulturschaffender, Erwähnung der Homosexualität von historischen Personen, Abbau der LSBTTIQ-Menschen diskriminierenden Präferenz für heterosexuelle Ehe und Familie) ist die Landesregierung zurückhaltender in ihre Informationspolitik geworden. Dabei gibt es Kritk an der weiteren Arbeit an den neuen Bildungsplänen. Beklagt wird z. B. die Stofffülle. So sagen Geschichtsdidaktiker, der Lehrplan des 8. Schuljahres sei auch in zwei Schuljahren nicht zu schaffen. Der Lehrplan sei ereignisgeschichtlich orientiert, was ja nun wirklich überholt sei. Die Geschichte der Weimarer Republik wiederum sei auf das deutsch-französische Verhältnis fokussiert und viel Zeit werde mit einer französischen Hochstapleraffäre  (Stavisky) vertan. Die Schulbuchverlage beklagen, dass sie dauernd nachbessern müssten, weil sie nicht wüssten, was gerade verlangt werde. Die Gymnasiallehrer beklagen den Verlust schulformbezogener Lehrpläne. Die Gemeinschaftsschule sei ohne vorhandene Lehrpläne eingeführt worden. Der Leiter des Referats “Gemeinschaftsschule” wurde inzwischen abgelöst. Die Erprobung neuer Lehrpläne wurde in drei Monaten durchgeführt, Ergebnisse werden angeblich geheimgehalten.

Der Kompetenzorientierung werde dadurch Rechnung getragen, dass es eine Fülle prozess- und inhaltsbezogener Kompetenzen gäbe. Das führe zu einer “methodischen Komplexität”.

(nach “Wut, Ärger, Verzweiflung” von Rüdiger Soldt, FAZ v. 17.2.15)

Aus Niedersachsen berichten mehrere Zeitungen, dass die Kultusministerin dem Gedanken näher trete, als Alternative zur schriftlichen Abiturprüfung, eine Powerpoint-Präsentation zu erlauben. Das ist in Hamburg schon länger möglich, auch in weiteren Bundesländern spielt PWT im Abitur eine Rolle. In Hessen kann sie als Teil der mündlichen Prüfung gewählt werden.

Der Biologiedidaktiker Hans-Peter Klein wird zu Powerpoint im Abitur im Blog Lehrerfreund zitiert. Siehe auch Beiträge zum Thema im Basedow1764.