Was heißt eigentlich „multiperspektivisch“?

Beim Vorbereiten eines Seminars stoße ich auf den Satz vom „mehrspektivischen Lernen“. So richtig kann ich mir darunter nichts vorstellen. D. h. eigentlich schon. Bei meiner pragmatischen Unterrichtsplanung habe ich immer verschiedene Sichtweisen, verschiedene Ursachen, verschiedene Gründe, verschiedene Interessen von Akteuren berücksichtigt. Das mit „multiperspektivisch“ zu übersetzen liegt nahe, erscheint mir aber zu einfach. Vorsichtshalber versuche ich herauszufinden, was die Fachleute damit meinen und googele. Da gibt es also mehrperspektivischen Textilunterricht, Sportunterricht, Technikunterricht, einen Entwurf für ein mehrperspektivisches Grundschulcurriculum.

Beim Überfliegen der Fundstellen am Bildschirm scheint mir, dass das gemeint ist, was ich vermute, beim Sportunterricht z. B. die Perspektiven: Mannschaft und Wettbewerb, Gesundheit, körperliche Leistung.  So gesehen nehme ich für mich in Anspruch, schon immer multiperspektivischen und nie monoperspektivischen Geschichts- und Politikunterricht gemacht zu haben. Bloß nannte man das nicht so.

Gehen wir weiter zurück, wo stand man da? In der Volksschule der 50er und 60er Jahre gab es Gesamtunterricht: Wenn draußen Herbst war, wurden Herbstgedichte behandelt, die entsprechenden Wetterphänomene, dass man sich allmählich wärmer anzieht und Drachen steigen lässt. Das nannten wir in den 70ern nicht multiperspektivisch, sondern altmodisch.

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