Archiv der Kategorie: Schulbibliothek

Eine nationale Schulbibliothekskonferenz?

Seit fast 30 Jahren organisieren wir in Hessen Schulbibliothekstage (Genau genommen organisiert sie seit Jahren Hans Günther Brée.) Ich stehe nicht allein mit dem Urteil, dass sie eine hervorragende Einrichtung geworden sind, die weit über Hessen hinaus Beachtung findet und – worüber wir uns freuen – Nachahmung in anderen Bundesländern. Seit vielen Jahren fragen wir uns und werden auch gefragt, ob es nicht eine Bundes-Schulbibliothekstagung geben sollte. Wir Hessen fühlen uns dazu nicht berufen, auch wenn ich zugebe, dass es uns manchmal “gejuckt” hat, auch hier zu zeigen, wie es geht. Wir haben uns dafür entschieden, nicht aktiv zu werden. Das hat mehrere Gründe: Weiterlesen

Neues Schulbibliotheksportal beim hessischen Kultusministerium?

Der Kultusstaatssekretär hatte der LAG mitgeteilt, dass sein Haus an einer Schulbibliothekswebseite arbeite. Man hört, dass sie inzwischen auch online sei. Es ist nach meiner Zählung die 13. deutschsprachige.

Der LAG-Vorstand hat ihm geantwortet, dass man sich darüber freue. So fände nicht zuletzt der SchulbibliotheksInformationsdienst auf dem hessischen Bildungsserver eine Fortsetzung, der 1998 über ein Anfangsstadium leider nicht hinauskam. In dem Schreiben hat die LAG ihre Mitarbeit angeboten und auch gleich Vorschläge gemacht, welche Inhalte den vor allem ehren- und nebenamtlich in hessischen Schulbibliotheken Engagierten die Arbeit vor Ort erleichtern könnten:

  • Zugang zu Experten, einem Expertenforum oder mindestens FAQs
  • Bestandsempfehlungen
  • eine Börse für Unterrichtsvorschläge: “Unterricht in und mit der Schulbibliothek”
  • Zugriff auf Datenbanken und Archive (möglicherweise entstehen Lizenzkosten)
  • Download-Angebote für Software und Dokumente (Stichwort Digitale Schultasche)
  • Einrichtung einer virtuellen Schulbibliothek mit Online-Medien zu den Schulfächern (FWU-Lizenzen?)
  • Zugang zu digitalen Weiterbildungskursen, Veröffentlichung aller einschlägigen hessischen Fort- und Weiterbildungsangebote
  • Vermittlung von ausleihbaren Bücher- und Medienkisten (Transportkostenproblem)
  • eine zentrale E-Book-Ausleihe (evtl. Lizenzprobleme; aber sinnvoller, als wenn jede Schule oder jeder Schulträger experimentiert)
  • Einbettung des hessenOPACs
  • Erfassung der digitalen/physischen Adressen hessischer Schulbibliotheken und der Schulbibliotheks-Homepages bzw. -Seiten auf den Schul-Homepages

Ein Portal, das bloß eine weitere Linksammlung ist, wäre überflüssig

Weltschulbibliothekskonferenz 2015 in Maastricht

Die jährliche Konferenz des Weltschulbibliotheksverbandes IASL findet in diesem Jahr gleich um die Ecke statt, in Maastricht in den Niederlanden, vom 29.6. bis 2.7.

In der deutschen Schulbibliotheksszene sollte man diese Chance nutzen und hinfahren. In Deutschland fand zuletzt 1983 eine Konferenz statt (Titel: “Kommunikationszentrum Schulbibliothek”).

Im umfangreichen Programmangebot findet man eine Fülle interessanter Präsentationen und vor allem kommt man mit Gleichgesinnten und Schulbibliotheksforscher/-innen aus der ganzen Welt in Kontakt. Man spart jedenfalls hohe Reisekosten, denn die Konferenz findet sonst überwiegend an weit entfernten außereuropäischen Orten statt, wie Hongkong, Katar, Bali, Tel Aviv oder Brisbane. US-amerikanische Schulbibliothekarinnen sind ein reiselustiges Völkchen.

(Die Tagungskosten sind leider hoch: 495 €.) Man kann aber auch tageweise teilnehmen und zum ersten Mal auch einige Veranstaltungen im Livestream am heimischen Computer verfolgen.) Bei IASL-Konferenzen wird Englisch gesprochen und es dominieren die Staaten, in denen es ein Schulbibliothekswesen gibt. Es wäre schön, wenn, wegen der geographischen Nähe des Konferenzortes, dieses Mal mehr als die sonst üblichen 2-3 Deutschen unter den 200+ Teilnehmern  wären.

Die LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V. hat immer einmal versucht, etwas beizutragen, z. B. einen Bericht in einem IASL-Newsletter, eine Wandzeitung für eine Poster Session oder den Länderbericht Deutschland. In Maastricht wird der LAG-Vorsitzende Hans Günther Brée am 30.6. unter dem Titel “The Regional German School Library Study Group LAG – A Success Story?” über unsere Arbeit informieren (Auch im Livestream!).

Hier meine Berichte von den Konferenzen in Malmö 2000 und Lissabon 2006.

Konferenz-Info, Anmeldung, Programm usw.

Neue Mediothek an den Beruflichen Schulen Fritzlar

Ein interessantes Finanzierungsmodell gibt es an der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule in Fritzlar: Die Berufsschüler reinigen ihre Klassenräume vor und  erwirtschaften so an den zwei Schulstandorten Fritzlar und Homberg/Efze zusammen 4.800€, die in die Finanzierung der beiden Mediotheken fließen.

BGH-Urteil zum Digitalisieren als Vorbild für die hessischen LMF-Sammlungen?

Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil des Frankfurter Landgerichts aufgehoben, in dem auf Antrag des geschädigten Verlages der UB Darmstadt untersagt wurde, Lehrbücher zu digitalisieren und physische und digitale Kopien zu erlauben. Eine Unterscheidung von Download eines Teils oder in toto scheint das Gericht nicht zu machen.

Wäre das nicht auch eine Idee für die Novellierung des hessischen GULE, des Gesetzes über Unterrichtsgeldfreiheit, Lernmittelfreiheit und Erziehungsbeihilfen? Das Gesetz schreibt vor, dass der Staat die Schulbücher kostenlos zur Verfügung stellt. M. W. gibt das Land dafür 40 Millionen € jährlich aus.

(Eine Abschweifung sei erlaubt: Das Ministerium schätzt eine Schwundquote von 10% pro Schuljahr. Seit mit der auf Vorschlag der LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V. eingeführten Software LITTERA auch die Ausleihe der Schulbücher organisiert wird, dürfte sich die Schwundquote mindestens halbiert haben. Als die LAG vorschlug, die so gesparten Millionen in Schulbibliotheken zu stecken, hielt man im KM leider gar nichts von der Idee. Man sei für Schulbibliotheken gar nicht zuständig. Dafür gäbe es doch den Kooperationsvertrag zur Zusammenarbeit von öffentlicher Bibliothek und Schulen.)

Zurück zum BGH-Urheberrechtsurteil:  Man könnte analog zur TU Darmstadt verfahren: Die Digitalisate der in den Fächern und Jahrgangsstufen benötigten Lehrbücher werden auf den Landesbildungsserver gestellt. Von dort loaden die Schüler sich das Buch, zum privaten Gebrauch übrigens, down. Sollte für den Schulbereich weiterhin die Kopiereinschränkung “in Teilen” gelten, holt man sich halt die jeweils benötigten Lehrbuchabschnitte oder lädt das Digitalisat hintereinander in zwei Teilen herunter.

Um eine Überlastung der Rechner des Bildungsservers zu vermeiden, könnten die LMF-Lehrkräfte der Schulen, rechtzeitig von Schuljahresbeginn die Katalogisate für ihre Schule downloaden. Da sie ja im Auftrag der einzelnen Schüler/-innen handeln, sehe ich keinen Verstoß gegen das Gebot der privaten Nutzung.

Vorteilhaft wäre auch, sozusagen als Kollateralnutzen, dass die LMF-Beauftragten der 2.000 hessischen Schulen nicht mehr im bisherigen Umfang vom Unterricht freigestellt werden müssten, was einen Zugewinn von ca. 1.000 unterrichtswirksamen Lehrerstunden (ca. 50 Lehrerstellen) zur Folge hätte.

Digitale Lesegeräte sind im wachsenden Umfang privat und in den Schulen vorhanden. Die neuesten Agenden sehen vor, jeden Schüler mit einem Tablet o. ä. auszustatten. Im Falle von Papierkopien entstünde auch kein Problem. Schüler/-innen können schon jetzt mehr oder weniger geschickt mit einer Flut an Papierkopien umgehen, da kommt es auf ein paar Blätter mehr nicht an.  Man könnte sogar das Einsammeln von Kopiergeld in den Klassen – ein Ärgernis für Eltern, die an Lernmittelfreiheit glauben – einstellen und das Papier aus dem LMF-Etat bezahlen.

Schätzen wir einmal grob, dass bei diesem neuen Modell der Lernmittelfreiheit allenfalls 5 Millionen € für Original-Schulbücher ausgegeben werden müssen (bei der Variante, dass jede Schule ein Original-Exemplar der benötigten sChulbübher pro Fach und Schuljahr kaufen  müsste, bevor es das Digitalisat benutzen darf) und weitere 5 Millionen für den höheren Bedarf an Kopierpapier ausgegeben werden müssen, sparte das Land immer noch 30 Millionen € jährlich.

Woran wäre noch zu denken? Wie viele Arbeitsplätze in Verlagen und Buchhandlungen gingen verloren? Die Branche hat doch sicher weniger als der Automobilbau, also volkswirtschaftlich überschaubar. Der Handel ist sowieso im Wandel. Überhaupt, wozu Verlage? Die Autoren von Schulbüchern sind i. d. R. Schul- und Universitätslehrer. Sie haben sichere Arbeitsplätze und schreiben ihre Werke mit Sicherheit während ihrer Arbeitszeit. Es wäre daher sozial und demokratisch usw., wenn sie ihr in der Dienstzeit entstandenes Werk, das sie sowieso digital verfasst haben – keine Digitalisierungskosten mehr! – gleich auf den Landesbildungsserver stellen würden.

Was passiert mit den eingesparten 30 Millionen? Für die Schulbibliotheken, wofür sonst?

Eine Schulbibliotheks-App?

Bei vielen Softwareanbietern werde ich aufgefordert, auf das Premium-Angebot upzugraden, etwa bei WordPress, Feedly oder den Virenschutzprogrammen. Man könnte diese Idee doch auch für die Schulen nutzen: Der Zugang zur realen Schulbibliothek wird als Premium-Schulbesuch vermarktet.

Wer mehr von der Schule haben will, lädt die schuleigene App für eine geringe Jahresgebühr und hat Zugang zu Wörterbüchern, Lexika, dem OPAC und meinetwegen auch zum Munzinger-Archiv. Die Bibliotheksnutzung ist durch den jährlich App-Kauf, sozusagen als Flatrate, abgegolten. Monatlich hätte man vier Fragen an die Bibliothekarin und eine Literaturliste frei sowie zwei E-Book-Ausleihen. In der Bibi-Lounge erhielte man täglich einen Softdrink.

Nicht-App-Schüler zahlen jede einzelne Schulbibliotheksnutzung und -dienstleistung.

In Sachen soziale Gleichheit sei angemerkt, dass Brandenburger Schüler/-innen aus sozial schwachen Familien in den Klassen 11 und 12 ein monatliches staatliches Taschengeld von 100 € erhalten, das sie frei ausgeben dürfen. In anderen Bundesländern könnte die App für Einkommensschwache subventioniert werden.

US-Schriftsteller spendet eine Million für Leseförderung in Schulbibliotheken

1,25 Millionen Dollar spendet der erfolgreiche US-amerikanische Krimi-Autor James Patterson (ZDF: “James Cross”) für Schulbibliotheken. Schulen können sich mit Leseförderprojekten bewerben und erhalten zwischen 1.000 und 10.000 Dollar. Der Leseclub des Schulmedienverlags Scolatic übernimmt die Vorauswahl.

Patterson hatte schon einmal eine Million für Buchhandlungen mit Kinderbuchabteilung gespendet.