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Eine nationale Schulbibliothekskonferenz?

Seit fast 30 Jahren organisieren wir in Hessen Schulbibliothekstage (Genau genommen organisiert sie seit Jahren Hans Günther Brée.) Ich stehe nicht allein mit dem Urteil, dass sie eine hervorragende Einrichtung geworden sind, die weit über Hessen hinaus Beachtung findet und – worüber wir uns freuen – Nachahmung in anderen Bundesländern. Seit vielen Jahren fragen wir uns und werden auch gefragt, ob es nicht eine Bundes-Schulbibliothekstagung geben sollte. Wir Hessen fühlen uns dazu nicht berufen, auch wenn ich zugebe, dass es uns manchmal “gejuckt” hat, auch hier zu zeigen, wie es geht. Wir haben uns dafür entschieden, nicht aktiv zu werden. Das hat mehrere Gründe: Weiterlesen

Neues Papier soll Aufwind für Schulbibliotheken erzeugen: Frankfurter Erklärung

Demnächst (April 2015) wird es wieder eine Entschließung zum Thema Schulbibliotheken geben. Es wäre zu hoffen, dass  der dbv darin nicht wieder bloß seinen Anspruch bekräftigen würde, dass alle Schulen eine Außenstelle der Stadtbibliothek mit einer bibliotheksfachlich ausgebildeten Bibliothekarin brauchten, die nun auch – man folgt gerne dem bildungspolitischen Mainstream – Multimediaexpertin der Schule sein soll.

Wenn der Verein für einen Moment vergessen könnte, Lobby der öffentlichen Bibliotheken zu sein und Interessenvertretung eines Berufsstandes, wäre viel, wenn auch noch längst nicht alles gewonnen. Die Schulbibliotheks”entwicklung” in Deutschland kennt eine ganze Reihe von Denkschriften, Resolutionen, Bibliotheksgesetzen, Forderungen und Empfehlungen. Sie dokumentieren, einer Echternacher Springprozession nicht unähnlich, den wechselhaften Umgang des Verbandes mit dem Thema Schulbibliothek. Das wäre einmal einer bibliotheksfachlichen Bachelor- oder Masterarbeit wert.

Erinnert sich noch jemand an die “Allianz für Bildung” von 2011? Klick!

Geglückt ist dem dbv bisher, die Schulbibliothek aus der Schulpolitik und -verwaltung auszulagern: Nahezu bundesweit gibt es Kooperationsverträge zwischen Kultusministerien und dem Verband, gibt es Abordnung von Lehrern in öffentliche Bibliotheken (Bayern, Hessen), folgenlose, verwirrende Erwähnung von Schulbibliotheken in Bibliotheksgesetzen (z. B. Hessen).

Update 23.4.15: Der dbv-Vorstand hat am 14.4. das Papier zu Schulbibliotheken verabschiedet. Es wird “Frankfurter Erklärung” genannt. Die LAG Hessen ist davon sehr angetan, enthält es doch, zum Teil wortwörtlich, Positionen, die sie seit zwei Jahrzehnten vertritt, so etwa das Berufsbild des Teacher-Librarian.

Lob für schwedische Schulbibliotheken im dbv-Verbandsblatt

Darf man sich freuen? In Buch und Bibliothek 11/2014 steht der Bericht “Die Bibliothek, das bin ich! / Integration in den Schulbetrieb statt Konzentration auf Fläche und Bestand – Spannender Einblick in schwedische Schulbibliotheken von Angelika Holderried, Ingrid Lange-Bohaumilitzky, Birgit Lücke und Hanke Sühl. Das Lob auf die schwedischen Schulbibliotheken überrrascht. Ich kenne einige wenige schwedische Schulbibliotheken. Sie sind weit über deutschem Niveau. Insgesamt aber ließ das schwedische Schulbibliothekswesen durchaus Wünsche offen. Das änderte sich erst vor drei Jahren, als die Schulbibliotheken ins schwedische Schulgesetz aufgenommen wurden und jedem Schüler der Zugang zu einer Schulbibliothek ermöglicht werden muss. Zuvor standen sie schon im schwedischen Bibliotheksgesetz, was aber wenig Beachtung fand. Basedow1764 hatte 2011 darüber berichtet.

Spielen wir ein wenig “Kreml-Astrologie” (Rätselraten von Beobachtern über Kursänderungen im Kreml während der Zeit des ehemaligen Kalten Krieges). Ist da eine Gruppe von reformorientierten Bibliothekarinnen am Werk, die über das dbv-Verbandsblatt für frische Luft im Verein sorgen? Oder singt man das Lob der Schulbibliotheken, ohne die strukturellen Unterschiede zu erkennen? Am schlimmsten wäre, man kennte sie, liesse sie aber unter den Tisch fallen.

Die LAG macht in Hessen seit über 20 Jahren konkrete Formulierungsvorschläge für Schulbibliotheksparagraphen im Hessischen Schulgesetz. Stattdessen lädt man uns zur Anhörung beim Bibliotheksgesetz ein. (Darüber steht schon genug im Blog.) Alle, mit denen wir reden, Ministerium, Fraktionen, dbv, Städte- und Landkreitag, sind zufrieden, so wie es ist. Der dbv überzieht die Bundesländer mit den Kooperationsverträgen “Bibliothek und Schule”. Zuschüsse der Länder zu Schulbibliotheken gibt es nur im Rahmen dieser Verträge, und zwar für die kooperierende öffentliche Bibliothek, zumindest in Hessen und Bayern läuft das so.

Hoffen wir, dass der Artikel im Verbandsblatt Vorbote eines Umdenkens unter den Verbandsfunktionären herbeiführt. Dass der dbv mit seinem einflussreichen Netzwerk den Landesregierungen nicht mehr nur Lehrerabordnungen zu Staats- und Landesbibliotheken bewirkt, und sich so erfolgreich, wie er das bisher für Bibliotheksgesetze und Kooperationsverträge getan hat, sich zukünftig für schulinterne Bibliotheken, für Regelungen in Schulgesetzen, für eine staatliche (Anteils-)Finanzierung des Schulbibliothekswesens einsetzt.

Bei der LAG hätte man das seit 25 Jahren lesen können. Wenn nun eine Reise nach Schweden die Wende bringt, soll uns das auch recht sein. Dann könnten wir hessischen Asterixe endlich die Hände in den Schoß legen und sagen: “Es ist vollbracht.”

Brandbrief des Berliner dbv

Den Berliner Bibliotheken steht das Wasser mehr nur am Hals, sondern ist in Richtung Unterlippe weiter gewandert. Das zeigt auch eine Stellungnahme (s. u.) des Landesgeschäftsführers, adressiert an den Regierenden Bürgermeister und andere politische Führungskräfte. Er mahnt einen Bibliotheksentwicklungsplan, mehr Geld, mehr Personal und – natürlich – ein Bibliotheksgesetz an.

Man kann den Klagebrief unter verschiedener Perspektive lesen – z. B. mit den Augen der Politik oder unter dem Gesichtspunkt “Was ist mit den Schulbibliotheken?”. Weiterlesen

Welttag des Buches

Ich war “Lesefreund” geworden und durfte zum Welttag des Buches zehn Bücher verschenken. Die Mitarbeiter der Anwaltskanzlei, die in dem Haus arbeiten, in dem ich wohne, haben sich sehr gefreut. Das war ihnen noch nie passiert.

Der Bibliotheksverband nimmt diesen Tag, nicht etwa den Tag der Bibliotheken, der  besser zum Thema gepasst hätte, zum Anlass, eine Reform des Urheberrechts zu verlangen und das Recht der öffentlichen Bibliotheken auf Verleih von E-Books (Für die sie jeweils Einzellizenzen bezahlen würden.

Ich denke, dass das alte Ausleihmodell öffentlicher Bibliotheken nicht auf E-Books übertragen werden kann. Internetnutzer haben sich daran gewöhnt, per Knopfdruck ohne Zeitverzögerung ein E-Books lesen oder downloaden zu können. Es gibt Plattformen mit unterschiedlichen Verfahrensweisen (Abonnement; Kauf, nachdem es kostenlos angelesen werden konnte). Bibliotheken können Besteller selten im Dutzend erwerben, sondern müssen Ausleiher auf die Warteliste setzen, wenn ihre lizenzierten zwei, drei Exemplare ausgeliehen sind.

Für Schulbibliotheken wäre mir ein Angebot wie das von Brain Hive in den USA sympathisch. (Ich habe es im Buch “Die Schulbibliothek im Zentrum” beschrieben.)

Guten Morgen! Eine Schulbibliotheks-AG im Bibliotheksverband!

Spät kommt ihr, doch ihr kommt! Führte wirklich der weite Weg zum Säumnis, wie es im Wallenstein heißt?

Der Deutsche Bibliotheksverband war in den vergangenen 60 Jahren gelegentlich schon nahe am Thema dran, es blieb freilich beim Schlingerkurs. Jetzt, so ist zu hören, wurde eine AG im dbv gegründet. Man sucht nach Schwerpunkten für die neue Gruppe.

Das könnte ein Paukenschlag werden. Man stelle sich vor, dass das bibliothekarische Netzwerk das Projekt und damit das Thema unterstützt: Alle Bibliotheksverbände, die Bundesvereinigung der Deutschen Bibliotheksverbände, die ekz, Bertelsmann-Stiftung, Bundesbildungsministerium, Bond/OCLC, die diversen Plattformen des Deutschen Bildungsservers, die KMK, die dbv-Landesvorsitzenden, die meist politisch, nicht zuletzt kommunalpolitisch tätig sind. Dass vor allem die öffentlichen Bibliotheken vorbehaltlos dahinterstehen (Siehe USA!) ist zu wünschen und das nicht nur mit dem Slogan “Das schönste an der Schulbibliothek ist die Zusammenarbeit mit der öffentlichen”.

Der Boden ist bereitet, das konnte man nicht länger ignorieren. Noch ist es für knallende Sektkorken zu früh, aber gegen ein Gläschen ist nichts einzuwenden. Vielleicht wird aus der AG einmal eine Sektion. Das wäre die angemessenere Eingruppierung im dbv-Organigramm, sofern man nicht schon wieder die USA bemühen möchte: AASL als kooperierender Verband neben AAL. Sofern man im dbv Wert auf Zusammenarbeit mit Nichtbibliothekaren legt (Lehrer, nicht bibliothekarisch zertifizierte Angestellte), wäre das eine günstige Lösung.

Es gab im 2002 aufgelösten Deutschen Bibliotheksinstitut eine Arbeitsgruppe Schulbibliotheken (in der ich selbst einmal mitgearbeitet hatte). Das Institut war bei der Evaluation durch den Geldgeber Bund durchgefallen und wurde aufgelöst. Da sich kein anderer Träger fand, wurde die AG mit der AG für Jugendbibliotheken des ehemaligen Instituts vereinigt und unter dem Dach des dbv geführt. Von sich reden machte diese AG, als einer ihrer Vorsitzenden, auf der Basis von Expertisen der Bertelsmann-Stiftung, sich explizit gegen Schulbibliotheken aussprach.

Der dbv und die Berliner Schulbibliotheken

Ich lese gerade die Wahlprüfsteine des Deutschen Bibliotheksverbandes in Berlin aus dem Jahr 2011. Wenig überraschend: Gefragt wird nach der Zusammenarbeit von öffentlichen Bibliotheken und Schulen, das Wort “Schulbibliothek” wird vermieden.

Bemerkenswert, dass aber die Berliner Grünen daran denken. Sie unterstützen nahezu alles, was der dbv fordert, ein Bibliotheksgesetz, gute Ausstattung der öBen, enge Verzahnung von Schulen und öBen, bezirkliche Globalsummen usw. Aber auch dieser Satz steht in der Antwort der Fraktion der Grünen im Abgeordnetenhaus: Schulen, die eine eigene Bibliothek unterhalten, dürfen dafür im Rahmen der
Finanzzuweisung keine Nachteile erlangen.

Wie schon in Thüringen die CDU beim Bibliotheksgesetz, sind es jetzt die Grünen, die an Schulbibliotheken denken, nicht etwa der Deutsche Bibliotheksverband.