Archiv der Kategorie: Bibliothek

öffentliche Bibl., Bibl. allgemein

Nachtrag zu „Wie Goethe-Institut und Bibliotheksverband weltweit informieren“

Es ging darum, dass das Goethe-Institut auf seiner Website über das Bibliothekswesen in Deutschland informierte. Die Autoren, zwei Bibliothekare, streiften auch das Schulbibliothekswesen. Das war sehr euphemistisch, aber auch richtig fehlerhaft. Ich hatte den Präsidenten des Goethe-Instituts darauf aufmerksam gemacht. Der ließ mir nun von seiner Leiterin Bereich Bibliotheken, Frau Hella Klauser, antworten:

Das Institut stelle die Datei mit Genehmigung des Olms-Verlages der Leser/-innenschaft zur Verfügung. auf den Inhalt habe das Institut keinen Einfluss.

Sie geben aber meine Bedenken gerne an die Autoren, den Verlag und den bibliotheksfachlichen Dachverband BID weiter.

Was ist ein Info-Pusher?

In meiner allmählich ausufernden Linksammlung stöbere ich gelegentlich, in der Hoffnung, etwas zu finden, das sich lohnt, weiterzugeben. Alle Links abzuarbeiten, wird mir nicht gelingen, auch wenn ich 24 Stunden dransäße und noch die Nacht dazunähme.

Jetzt notiere ich mir einen diskussionswürdigen Satz aus einem Text über Schwierigkeiten, die Nutzer von Datenbanken (EBSCO, ProQuest) und Bibliothekskatalogen in USA bei der Suche haben:

„It is more important for librarians to be “pedagogical” partners rather than info-pushers”Den Aufsatz muss man nicht unbedingt lesen. Es geht um die nicht neue Frage, wie nutzerfreundlich bibliotheksfachliche Suchmaschinen sind.

Bibliothekare sollten eher Pädagogen, Berater und Helfer ihrer Kunden sein als Info-Pusher, also (nur) Informationen „reinzudrücken“.

Je mehr ich nach einer angemesseren Übersetzung von „pusher“ suche, für desto wahrscheinlicher halte ich, dass der Verfasser den Ausdruck bewusst provozierend wählte. Als festen Begriff mit Bindestrich gibt es „pusher“ nur als „drug-pusher“: Drogenhändler.

Bibliotheksgesetze: Neue Idee gegen das Büchereisterben?

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ist unterhaltsam, oft auch informativ. Manchmal ist sie fast so dick wie die Sonntagsausgabe der New York Times. Genau das richtige für ein gemütliches Sonntagsfrühstück.

Der Aufmacher macht mich neugierig: „Die kleine Bücherei stirbt“. In der Unterzeile ist davon die Rede, dass es neue Ideen gäbe. Die Länder reagierten mit Gesetzen auf das Büchereisterben. Ist mir da etwas entgangen? Sogleich beschleicht mich aber die Ahnung: Die Journalistin Florentine Fritzen meint Bibliotheksgesetze.

So ist es denn auch. Frau Fritzen behauptet in der Tat, dass Bundesländer Bibliotheksgesetze verabschiedet hätten, um die Gemeinden stärker in die Pflicht zu nehmen. Vielleicht hat sie das auch aus ihren Gesprächen mit Bibliotheksfunktionären mitgenommen. Nun ist das so eine Sache, wenn Länder Kommunen in die Pflicht nehmen wollen. Dem steht das Konnexitätsprinzip entgegen: Wenn ein Landtag den Kommunen etwas auferlegt, muss das Land dafür zahlen.

Schon im Kommentar zum Hessischen Bibliotheksgesetz stand, dass es keine Kosten verursache und im Gesetz selbst stand, was bisher schon der Fall war: Dass das Land kommunale Bibliotheken nach Maßgabe der Haushaltsmittel unterstütze.

Insofern sind Bibliotheksgesetze Luftnummern. Das beklagen inzwischen auch Bibliothekare. Dabei hatte ihr Verband dbv die Gesetzeskampagne mit einem Musterentwurf losgetreten. Frau Fritzen kennt das Konnexitätsprinzip, aber ein bisschen würden die Länder die Kommunen schon in die Pflicht nehmen wollen. Außer der üblichen Gesetzessprache: „Bibliotheken sind…“ und „Bibliotheken sollen … sein“ fehlt aber m. E. jegliches in die Pflicht nehmen. Es wäre auch ein zweifelhaftes Unterfangen, den Gesetzgebungsprozess für Appelle zu missbrauchen.

Vielleicht hat sie ein Bibliotheksgesetz gar nicht in die Hand genommen. Denn ihr ist einiges Ungereimte entgangen. So etwa, dass Lesungen und Bibliotheksführungen Gesetzesrang erhielten, dass Bibliotheken für Medien- und Informationskompetenzvermittlung zuständig wären, teilweise explizit auch für Schulen und die Berufsbildung.

Wie die kleinen Büchereien, deren Sterben sie bedauert, all das und alles Weitere, was sie noch ins Pflichtenheft moderner Bibliotheken hineinschreibt, einlösen sollen, lässt sie offen. Immerhin begrüßt sie die neuen städtischen Zentralbibliotheken, die Flüchtlinge willkommen hießen, 3D-Drucker anböten und in denen Senioren die Smartphonenutzung erklärt würde.

Was Schulbibliotheken angeht, sind wir Kummer gewöhnt. In manchem Bibliotheksgesetz sind sie willkürlich, unsystematisch und gar widersprüchlich verstreut zu finden, in Frau Fritzens Text existieren sie überhaupt nicht: In Grundschulen lernten Schüler Bücher kennen, Jugendliche würden Stapel in der Stadtbücherei ausleihen.

Siehe im Basedow1764 auch das Stichwort „Bibliotheksgesetz“!

Anythink, die Neuerfindung von Bibliotheken

In Adams County im Großraum Denver/Colorado startete 2006 eine Revolution im kommunalen Bibliothekswesen. Die öffentlichen Bibliotheken erhielten mehr Geld

Mit Hilfe der Anythink Stiftung wurde ein neues Konzept von öBen und ihren Dienstleistungen realisiert. Nähere Info in den Folien des Jahresberichts 2013. (Man kann auf der Webseite weitere Informationen finden, u. a. den Flyer.

BIBLION: Ein ambitioniertes digitales Projekt der Stadtbibliothek von New York

Die Public Library of New York lässt aus den oft verborgenen Schätzen ihrs Bestandes faszinierende E-Books entstehen: Biblion, die grenzenlose Bibliothek. Die beiden ersten Werke sind a) den Weltausstellungen und ) der Entstehung und dem literarischen Nachleben Frankensteins gewidmet.

biblion

Letzteres enthält u. a. das handgeschriebene Manuskript von Mary Shelley, das man per Knopfdruck als gedruckten Text abrufen kann, eine Hörfassung und zahlreiche Fotos und Dokumente, sowie Esssays und Gepräche. Man kann auf Entdeckungsreise gehen, das Buch, besser gesagt, die App, ist nicht linear aufgebaut.