Archiv der Kategorie: Bibliothek

öffentliche Bibl., Bibl. allgemein

Eine nationale Schulbibliothekskonferenz?

Seit fast 30 Jahren organisieren wir in Hessen Schulbibliothekstage (Genau genommen organisiert sie seit Jahren Hans Günther Brée.) Ich stehe nicht allein mit dem Urteil, dass sie eine hervorragende Einrichtung geworden sind, die weit über Hessen hinaus Beachtung findet und – worüber wir uns freuen – Nachahmung in anderen Bundesländern. Seit vielen Jahren fragen wir uns und werden auch gefragt, ob es nicht eine Bundes-Schulbibliothekstagung geben sollte. Wir Hessen fühlen uns dazu nicht berufen, auch wenn ich zugebe, dass es uns manchmal “gejuckt” hat, auch hier zu zeigen, wie es geht. Wir haben uns dafür entschieden, nicht aktiv zu werden. Das hat mehrere Gründe: Weiterlesen

Ärger über Organisationsänderungen in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gilt als größte öffentliche Bibliothek in Deutschland. Sie ist auf zwei Gebäude verteilt, was auf die Teilung Berlins bis 1989 zurückgeht. Ein repräsentativer Neubau auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld, für den schon Entwürfe vorlagen, ist nicht mehr möglich, da ein Bürgerentscheid die Randbebauung mit Wohnungen und der ZLB untersagte.

Jetzt erlebt die ZLB den nächsten Schock. Ein Gutachten renommierter Bibliothekswissenschaftler enthält brisante Vorschläge. 100 der 300 ZLB-Mitarbeiter sind mit der Einarbeitung der jährlich 70.000 Medien beschäftigt: lektorieren, bestellen, katalogisieren.

An deutschen öffentlichen Bibliotheken sind ca. 70% der bibliotheksfachlichen Tätigkeiten an externe Dienstleister ausgelagert, an der ZLB sind es 5%. Daher schlagen die Gutachter vor, bei der ekz eine Standing Order zu abonnieren und somit Katalogdaten einfach zu übernehmen und das Lektorats-, Bestell- und Katalogisierungspersonal drastisch zu verkleinern.

So könne man mehr Mitarbeiter für die Begegnung mit den Nutzern, etwa für digitale Angebote und längere Öffnungszeiten, gewinnen.

Der Ärger über die geplante Reform ist beim ZLB-Personal, aber auch bei Bibliotheksfreunden groß. Man habe ein besonderes Profil und nicht umsonst eine sehr hohe Besucher- und Ausleihfrequenz. Das wäre mit einem ekz-Angebot von der Stange nicht zu leisten.

Die bibliotheksaffinen Berliner Wutbürger/-innen kommen mit der Nazikeule: Sie fühlen sich an die Bücherverbrennung 1933 erinnert. Ich hatte schon den Stift gezückt, um die Petition zu unterschreiben, da las ich das mit dem Faschismus.

Die genannten Zahlen sprechen Bände. Es hat mich erstaunt, dass Bibliotheken heute 70% ihrer Arbeit auslagern, die ZLB aber 95% selbst erledigt und dafür ein Drittel der Mitarbeiter einsetzt.

Ganz unbekannt ist mir das Problem nicht. In den hessischen Barfuß-Schulbibliotheken wurde und wird vielfach noch die allermeiste Zeit damit verbracht, Bücher auszusuchen, einzuarbeiten: foliieren, Signaturschild und Fristzettel kleben, Karteikärtchen schreiben oder die Buchdaten in den Computer eingeben, über Schlagwörter und die richtige Signaturgruppe nachdenken. Seit es LITTERA und Fremddatenübernahme gibt, sind bibliotheksorganisatorische Tätigkeiten zusammengeschrumpft.

Verständnis habe ich für die Kritik an der Standing Order der ekz. Wir hatten Probleme mit den Vorschlägen des ekz-Lektorats “Empfohlen für Schulbibliotheken”. Die Empfehlung entsteht, so habe ich mir sagen lassen, ohne “Autopsie”, d. h. der ekz-Lektor liest das Buch nicht, sondern empfiehlt aufgrund der Verlagsangaben, z. B. Altersstufe, Waschzettel, Titel und Untertitel. Oft haben wir Barfuß-Schulbibliothekare festgestellt, dass KJL, die von der ekz empfohlen bzw. für die Standing Order KJL ausgewählt wurde, bei uns Ladenhüter wurde oder – im Sachbuchbereich – zu schwierig für Kinder und Jugendliche war.

Aber es sollen ja weiterhin jährlich 6.000 Medien vom hauseigenen Lektorat ausgewählt werden dürfen.

(Nach Lektüre eines Berichts in der PNN)

Neues Papier soll Aufwind für Schulbibliotheken erzeugen

Demnächst (April 2015) wird es wieder eine Entschließung zum Thema Schulbibliotheken geben. Es wäre zu hoffen, dass  der dbv darin nicht wieder bloß seinen Anspruch bekräftigen würde, dass alle Schulen eine Außenstelle der Stadtbibliothek mit einer bibliotheksfachlich ausgebildeten Bibliothekarin brauchten, die nun auch – man folgt gerne dem bildungspolitischen Mainstream – Multimediaexpertin der Schule sein soll.

Wenn der Verein für einen Moment vergessen könnte, Lobby der öffentlichen Bibliotheken zu sein und Interessenvertretung eines Berufsstandes, wäre viel, wenn auch noch längst nicht alles gewonnen. Die Schulbibliotheks”entwicklung” in Deutschland kennt eine ganze Reihe von Denkschriften, Resolutionen, Bibliotheksgesetzen, Forderungen und Empfehlungen. Sie dokumentieren, einer Echternacher Springprozession nicht unähnlich, den wechselhaften Umgang des Verbandes mit dem Thema Schulbibliothek.Das wäre einmal einer bibliotheksfachlichen Bachelor- oder Masterarbeit wert.

Erinnert sich noch jemand an die “Allianz für Bildung” von 2011? Klick!

Geglückt ist dem dbv bisher, die Schulbibliothek aus der Schulpolitik und -verwaltung auszulagern: nahezu bundesweit gibt es Kooperationsverträge zwischen Kultusministerien und dem Verband, gibt es Abordnung von Lehrern in öffentliche Bibliotheken (Bayern, Hessen), folgenlose, verwirrende Erwähnung von Schulbibliotheken in Bibliotheksgesetzen (z. B. Hessen).

Basedow1764 hat darüber im Blog berichtet.

E-Book-Ausleihe von Stadtbibliotheken in Flughäfen

sapl-maschineTrotz aller Lizenzprobleme leihen US-amerikanische Stadtbibliotheken zunehmend E-Books aus. Dennoch weiß gerade einmal die Hälfte der Bibliotheksnutzer, dass es dieses Angebot gibt. Daher werben die Bibliotheken in der Öffentlichkeit dafür. So gibt es auf einigen US-Flughäfen Download-Installationen (s. Foto; Bild:  http://blog.mysanantonio.com/). Dort kann man sein elektronisches Gerät aufladen, manchmal auch im Internet surfen und eben ein E-Book downloaden.

Das Angebot besteht entweder nur für die Inhaber eines Ausweises der örtlichen Bibliothek oder man kann sich manchmal für die Ausleihe als Gast  registrieren. Ersteres funktioniert wohl am besten auf Flughäfen, die vor allem von Einheimischen frequentiert werden. Unter den 60 Millionen Flugpassagieren in Frankfurt/M sind Frankfurter Bürger/-innen wohl eine verschwindend kleine Minderheit.

Downloaden? Über eine Internetverbindung geht es wohl noch nicht. Ärgerlich für den downloadwilligen Leser im Flughafen, wenn auf dem Screen die Meldung erscheint: “Bitte tragen Sie sich in die Warteliste ein!”

(via lesen-net)

Neue Aufgabe für öffentliche Bibliotheken?

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, die nicht zum ersten Mal einen originellen politischen Beitrag leistet, hat eine Idee, wie man die sinkende Wahlbeteiligung wieder erhöhen könne. Man müsse statt eines Wahltages eine Wahlwoche durchführen. Auch würde sich die Wahlbeteiligung erhöhen, wenn man in Bahnhöfen und im Supermarkt wählen könnte. Oder in öffentlichen Bibliotheken!

Ob das gut geht? Sonntags wählen entfiele dann. Da dürfen Tankstellen und Fitnessstudios öffnen, aber nicht die Bibliotheken, meinen Richter/-innen. Auch müsste man die Schließung weiterer Bibliotheken stoppen und die Öffnungszeiten verlängern, sonst geht das schief mit mehr Wahlbeteiligung. Dann doch lieber Briefwahl.

Wie wär´s denn mit einem Einkaufsgutschein für jede abgegebene Stimme? Die Parteien verdienen ja nicht schlecht an jeder Wählerstimme. (Deswegen tauchen bei Wahlen Splitterparteien regelmäßig auf, bei denen man sich wundert, dass es sie noch gibt: MLDP, Rentnerpartei, Bibeltreue, DKP. Die erhalten für ihre 70-80.000 Wähler/-innen so viel Steuergeld, dass sie sich bis zur nächsten Wahl mindestens ein Büro mit allem Drum und Dran leisten können.)

Dass es an der Politik und den Politiker/-innen liegen könnte, dass die Wahlbeteiligung sinkt, scheint Frau Fahimi nicht einzufallen.

Neues Beispiel für Kürzungen bei Schulbibliotheken: Wedel/Schleswig-Holstein

In Hessen sind inzwischen auch die Grünen, seit sie mitregieren, davon überzeugt, dass kombinierte öffentliche Bibliotheken der Königsweg des Schulbibliothekswesens sind. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn daraus ein solides Konzept gemacht worden wäre, das auch vom für das Schulwesen verantwortlichen Land finanziell und inhaltlich mitgetragen würde. Leider gibt es vor allem gute Worte und ein bisschen Geld für ausgewählte Stadtbibliotheken, die davon Tablets oder Lektürehilfen kaufen, die Schulklassen in der Stadtbibliothek benutzen dürfen. ansonsten ist das Land fein raus aus dem Thema. Na ja, eine Infoseite für Schulbibliotheken auf der Homepage des Kultusministeriums soll es vielleicht einmal geben. Auch wenn Kommunen das Gegenteil des Erhofften tun, nämlich ihre Stadtbibliothek der Schule übertragen oder die Personalmittel für die Zweigstelle in der Schule kürzen. üben sich Landespolitiker/-innen in Zurückhaltung.

Neues Beispiel: Wedel bei Hamburg. (Gehört das nicht zum Hamburger “Speckgürtel”?)

Der Zeitungsartikel gibt nahezu idealtypisch die in solchen Fällen übliche Diskussion wieder.

Was mir auffällt: Wo bleiben die Elternbeiräte? Wie sehen das die Schüler/-innen? Warum werden die örtliche Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung nicht auf Landesebene aktiv? Zumindest wird davon nicht berichtet. Aber ich weiß aus zahlreichen Fällen, dass das nicht passiert. Das wäre zwar noch nicht der Durchbruch, aber eine öffentliche Wahrnehmung der Rolle der Schulbibliothek, die über die Berichterstattung von Vorlesen mit Prominenten, Lesewettbewerb oder “Rotary-Club spendet Sitzkissen” hinausgeht, wäre ein erster Schritt.

Man kann nur mit Respekt in die USA schauen, wo das Schulbibliothekswesen unter heftigen Kürzungen zu leiden hat. Aber immer wieder gibt es Schülerproteste und Elterninitiativen bis in die Landesparlamente hinein, und einzelne Schulbezirke denken inzwischen wieder um.