E-Book-Ausleihe von Stadtbibliotheken in Flughäfen

sapl-maschineTrotz aller Lizenzprobleme leihen US-amerikanische Stadtbibliotheken zunehmend E-Books aus. Dennoch weiß gerade einmal die Hälfte der Bibliotheksnutzer, dass es dieses Angebot gibt. Daher werben die Bibliotheken in der Öffentlichkeit dafür. So gibt es auf einigen US-Flughäfen Download-Installationen (s. Foto; Bild:  http://blog.mysanantonio.com/). Dort kann man sein elektronisches Gerät aufladen, manchmal auch im Internet surfen und eben ein E-Book downloaden.

Das Angebot besteht entweder nur für die Inhaber eines Ausweises der örtlichen Bibliothek oder man kann sich manchmal für die Ausleihe als Gast  registrieren. Ersteres funktioniert wohl am besten auf Flughäfen, die vor allem von Einheimischen frequentiert werden. Unter den 60 Millionen Flugpassagieren in Frankfurt/M sind Frankfurter Bürger/-innen wohl eine verschwindend kleine Minderheit.

Downloaden? Über eine Internetverbindung geht es wohl noch nicht. Ärgerlich für den downloadwilligen Leser, wenn auf dem Screen die Meldung erscheint: “Bitte tragen Sie sich in die Warteliste ein!”

(via lesen-net)

Neue Aufgabe für öffentliche Bibliotheken?

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, die nicht zum ersten Mal einen originellen politischen Beitrag leistet, hat eine Idee, wie man die sinkende Wahlbeteiligung wieder erhöhen könne. Man müsse statt eines Wahltages eine Wahlwoche durchführen. Auch würde sich die Wahlbeteiligung erhöhen, wenn man in Bahnhöfen und im Supermarkt wählen könnte. Oder in öffentlichen Bibliotheken!

Ob das gut geht? Sonntags wählen entfiele dann. Da dürfen Tankstellen und Fitnessstudios öffnen, aber nicht die Bibliotheken, meinen Richter/-innen. Auch müsste man die Schließung weiterer Bibliotheken stoppen und die Öffnungszeiten verlängern, sonst geht das schief mit mehr Wahlbeteiligung. Dann doch lieber Briefwahl.

Wie wär´s denn mit einem Einkaufsgutschein für jede abgegebene Stimme? Die Parteien verdienen ja nicht schlecht an jeder Wählerstimme. (Deswegen tauchen bei Wahlen Splitterparteien regelmäßig auf, bei denen man sich wundert, dass es sie noch gibt: MLDP, Rentnerpartei, Bibeltreue, DKP. Die erhalten für ihre 70-80.000 Wähler/-innen so viel Steuergeld, dass sie sich bis zur nächsten Wahl mindestens ein Büro mit allem Drum und Dran leisten können.)

Dass es an der Politik und den Politiker/-innen liegen könnte, dass die Wahlbeteiligung sinkt, scheint Frau Fahimi nicht einzufallen.

Neues Beispiel für Kürzungen bei Schulbibliotheken: Wedel/Schleswig-Holstein

In Hessen sind inzwischen auch die Grünen, seit sie mitregieren, davon überzeugt, dass kombinierte öffentliche Bibliotheken der Königsweg des Schulbibliothekswesens sind. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn daraus ein solides Konzept gemacht worden wäre, das auch vom für das Schulwesen verantwortlichen Land finanziell und inhaltlich mitgetragen würde. Leider gibt es vor allem gute Worte und ein bisschen Geld für ausgewählte Stadtbibliotheken, die davon Tablets oder Lektürehilfen kaufen, die Schulklassen in der Stadtbibliothek benutzen dürfen. ansonsten ist das Land fein raus aus dem Thema. Na ja, eine Infoseite für Schulbibliotheken auf der Homepage des Kultusministeriums soll es vielleicht einmal geben. Auch wenn Kommunen das Gegenteil des Erhofften tun, nämlich ihre Stadtbibliothek der Schule übertragen oder die Personalmittel für die Zweigstelle in der Schule kürzen. üben sich Landespolitiker/-innen in Zurückhaltung.

Neues Beispiel: Wedel bei Hamburg. (Gehört das nicht zum Hamburger “Speckgürtel”?)

Der Zeitungsartikel gibt nahezu idealtypisch die in solchen Fällen übliche Diskussion wieder.

Was mir auffällt: Wo bleiben die Elternbeiräte? Wie sehen das die Schüler/-innen? Warum werden die örtliche Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung nicht auf Landesebene aktiv? Zumindest wird davon nicht berichtet. Aber ich weiß aus zahlreichen Fällen, dass das nicht passiert. Das wäre zwar noch nicht der Durchbruch, aber eine öffentliche Wahrnehmung der Rolle der Schulbibliothek, die über die Berichterstattung von Vorlesen mit Prominenten, Lesewettbewerb oder “Rotary-Club spendet Sitzkissen” hinausgeht, wäre ein erster Schritt.

Man kann nur mit Respekt in die USA schauen, wo das Schulbibliothekswesen unter heftigen Kürzungen zu leiden hat. Aber immer wieder gibt es Schülerproteste und Elterninitiativen bis in die Landesparlamente hinein, und einzelne Schulbezirke denken inzwischen wieder um.

Dieses seltsame Anspruchdenken

Die Seite lesen.net macht Werbung für das digitale Lesen. Manche Nachricht ist nützlich, manches ist höchstwahrscheinlich gesponsert, die Hinweise auf kostenlose oder Schnäppchen-E-Books sind geschenkt.

In den Kommentarspalten gibt es endlose Schlachten, in denen die immergleichen Kommentator/-innen sich gegenseitig ihre Sätze um die Ohren hauen. Meist geht es darum, dass es doch ein Menschenrecht auf kulturelle Teilhabe gäbe, ergo die neueste Spiegel-Bestsellerliste doch bitte gefälligst kostenlos geladen werden können müsste.

Jetzt platzte einem Mitdiskutanten der Kragen:

“Dieses seltsame Anspruchsdenken geht mir ehrlich gesagt auf den Keks. Es gibt keine Gewähr, bestimmte Bücher lesen zu können. Wenn ich es mir nicht leisten kann, jede Woche für einen oder 2 € ein Buch ausleihen zu können, dann muss ich das halt sein lassen. Als wenn Vielleser jetzt irgendeine Auszeichnung wäre. Es gibt tausende Sachen, die ich mir nicht leisten kann, da muss ich mit leben. Dieses ewige Mimimi nervt langsam. Lesen ist ein reines Freizeitvergnügen, solange es nicht für Ausbildung oder dergleichen ist, da kann ich einfach nicht verlangen, dass sich alles meinem persönlichen Vergnügen unterordnet. Dann verzichtet man halt mal auf ein Bier oder einen Wein und dann geht das.”

Sonntagsöffnung von öffentlichen Bibliotheken: Lieber ins Fitnessstudio

Aus der Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts: “Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat auf Normenkontrollanträge einer Gewerkschaft und zweier evangelischer Gemeindeverbände entschieden, dass die Hessische Bedarfsgewerbeverordnung insoweit nichtig ist, als sie eine Beschäftigung von Arbeitnehmern an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen in den Bereichen Videotheken und öffentliche Bibliotheken, Callcentern und Lotto- und Totogesellschaften zulässt…

In der Sache ist die Beschäftigung von Arbeitnehmern in Videotheken und öffentlichen Bibliotheken an Sonn- oder Feiertagen zur Befriedigung an diesen Tagen besonders hervortretender Bedürfnisse der Bevölkerung nach einer Freizeitgestaltung nicht erforderlich, weil DVDs, Computerspiele oder Bücher für eine Nutzung am Sonn- oder Feiertag vorausschauend schon an Werktagen ausgeliehen werden können.”

Videotheken sind wohl bald kein Thema mehr. Warum aber Eisdielen und Kinos am Sonntag angesichts dieser Begründung geöffnet bleiben dürfen, erschließt sich mir nicht.

Basedow1764s Zuneigung zu öffentlichen Bibliotheken blieb unerwidert, weil sie meist geschlossen waren, wenn er Zeit hatte, z. B. in den Schulferien. Oder sie hatten wechselnde Öffnungszeiten, die er sich nicht merken konnte. Sonntagsöffnung kannte er nur aus dem Ausland. Kaum hat sich in Deutschland etwas bewegt, kommt diese Gerichtsentscheidung.

Interessant ist aber auch die Sichtweise des Bundesverbandes Information Bibliothek e.V. (BIB):

Vor dem Hintergrund klammer Kommunalhaushalte würde eine Freigabe der Sonntagsöffnung dazu führen, dass Angebote und Dienstleistungen der Bibliotheken unter der Woche insbesondere im Bildungsbereich eingeschränkt werden müssen und infolgedessen in den Bibliotheken eine nachhaltige Verschiebung des Dienstleistungsprofils von Bildung und Bürgerinformation hin zur Bibliothek als Freizeiteinrichtung stattfände.

(BuB 2010/01, p 84)

Ich erinnere mich gerne an die Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek in Lissabon. In Bogotà ging sonntags die Post in den großen Stadtteilbibliotheken ab. Von wegen nur Ausleihe!