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Preisverleihung im Wettbewerb zur Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015

Hier die Pressemitteilung der des AGSBB-Vorsitzenden Victor Wolter:

agsbb_plakatEs bleibt spannend bis zum Schluss: Erst am kommenden Donnerstag, dem 18. Juni 2015, wird während der Abschlussveranstaltung der Sieger im Berliner Wettbewerb zur Schulbibliothek des Jahres 2015 bekanntgegeben. Vertreter/-innen aus 36 Schulen werden anreisen, um zu erfahren, ob sie einen der drei Preise gewonnen haben: Der Gewinner wird “Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015″ und erhält 500 € Preisgeld, die der Lions Club Berlin Spree gespendet hat. Zusätzlich gibt es einen wertvollen Sonderpreis von Hugendubel und einen Sonderpreis des Bibliotheksausstatters Schulz Speyer.

Eine Jury hat anhand der Ausschreibung inzwischen entschieden, wer Preise erhält. Dabei ging es nicht um die Größe des Bibliotheksraums oder die Medienanzahl, sondern um die Einbindung der Schulbibliothek in den Alltag der Schule: Ist die Schulbibliothek in den Unterricht einbezogen? Gibt es ein Lesekonzept oder Aspekte eines Konzeptes, in deren Mittelpunkt die Bibliothek steht? Gibt es Aktionen der Bibliothek, die die ganze Schule betreffen wie Buchwoche, Lesetage, Veranstaltungen? Gibt es erfolgreiche Vorhaben der Vermittlung von Lese-, Recherche- und Informationskompetenz an Lehrkräfte und Schüler/-innen?
Viele außergewöhnliche Schulbibliotheken haben sich beworben. Die Beiträge der Preisträger werden am Donnerstag zu sehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg e.V. (AGSBB e.V.) erwartet eine feierliche und unterhaltsame Veranstaltung mit einem spannenden Rahmenprogramm und anschließendem Sektempfang.

Donnerstag, 18. Juni 2015
16:00 Uhr, Einlass ab 15:30 Uhr
Ort: Grundschule auf dem Tempelhofer Feld
Adresse: Schulenburgring 7-11 in 12101 Berlin–Tempelhof

Der Preis “Brandenburger Schulbibliothek des Jahres 2015″ wurde am Samstag, dem 15.6.15 in der Fred-Vogel-Grundschule in Fredersdorf-Vogelsdorf in Anwesenheit des brandenburgischen Bildungsstaatssekretärs Dr. Drescher übergeben. Hier der Bericht auf der Webseite der AGSBB.

AGSBB bewirbt sich um ING-Diba-Spende

Die AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg (AGSBB)  bewirbt sich um eine Spende im Wettbewerb DiBaDu und Dein Verein 2015 der Bank ING-Diba – 1.000 € für 1.000 Vereine.

Wer die AG unterstützen will, muss einen Abstimm-Code anfordern und kann ihr dann bis zu drei Stimmen geben.

Hier geht es zur Abstimmung

Außerdem: Zurzeit läuft auch die Ausschreibung für den “Deutschen Lesepreis”. Für Schulbibliotheksmenschen hängt die Latte hoch: Es gibt einen “Wissenschaftspreis” (Thema Lesen im Kontext der Mediengesellschaft), einen Preis für “herausragendes individuelles Engagement” in der Leseförderung und einen Preis “für herausragendes kommunales Engagement”. Mit letzterem sollen Institutionen, Unternehmen, Vereine und kommunale Träger ausgezeichnet werden, die sich in außergewöhnlicher Art und Weise für die Leseförderung vor Ort verdient gemacht haben. Besondere Berücksichtigung gilt dabei der institutionsübergreifenden und aufeinander aufbauenden Kooperation.

Die Schulgemeinde des Berliner Archenholdgymnasiums kämpft um ihre Bibliothekskraft

archenholdplakatDer Förderverein des Berliner Archenhold-Gymnasiums, die Elternvertretung, Schüler, Lehrer und die Schulleitung setzen sich für die Weiterbeschäftigung der Bibliothekskraft ein. Sie bombardieren Senats- und Bezirksverwaltung und die Medien mit Protestbriefen und weisen mit Aktionen auf den drohenden Verlust der Bibliotheksleiterin hin.

“Der Schule würde Wertvolles verloren gehen” schreibt die Fördervereinsvorsitzende und zählt auf, was Monika Grosche alles leistet.

Die Schüler heben hervor, dass Frau Grosche die Schulbibliothek zu einem Informationszentrum gemacht hat. Sie berät bei der Suche nach Themen für Vorträge und Prüfungen und ist bei der Materialbeschaffung behilflich. “Viele der an unserer Schule gehaltenen Vorträge und Prüfungen wären ohne ihre Hilfe nicht so erfolgreich verlaufen”, schreiben die Schüler auf der Webseite der Schule.

Der Brief der Schüler

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Plakate des Kunstkurses für die Schulbibliothek

Der Fall ist aus mehreren Gründen besonders erwähnenswert:

Die Schulbibliothek befindet sich nicht im Hauptgebäude der Schule, sondern im Obergeschoss der Turnhalle. Dass sie sehr geschätzt wird, zeigen die laufenden finanziellen Zuwendungen des Fördervereins und das Loblied der Schüler auf Frau Grosche. Sie hat trotz der nicht sehr günstigen Lage die Schulbibliothek zu einem Zentrum der Schule gemacht.

Der Protest trifft ausgerechnet den Bezirk Treptow-Köpenick. Dort gelingt der Dipl.-Bibliothekarin Simone Frübing im Schulverwaltungsamt seit Jahren ein personalpolitisches Wunderwerk. Sie versteht es, die Unterstützung von Schulverwaltung und Politik dafür zu gewinnen, das Instrumentarium der Arbeitslosenprojekte zu Gunsten der Schulbibliotheken des Bezirks zu nutzen und findet unermüdlich geeignete Menschen. Umso schmerzhafter ist es, wenn es dann zu einem Aus für eine Beschäftigungsmaßnahme kommt.

Erfolg hatten die Proteste bisher nicht. Dennoch verdienen sie Erwähnung, weil hier eine ganze Schulgemeinde deutlich macht, wie viel ihr an der Schulbibliothek und der Leiterin liegt. (Eine Schülerin verlas den Protestbrief der Schüler am schulfreien Samstag auf einer Mitgliederversammlung der AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg.)

Die AGSBB erhält immer wieder einmal den Anruf eines Schulleiters, der wissen will, wer ihm eine Bibliothekskraft finanziert. In Brandenburg hat mir Ex-Ministerpräsident Platzeck einmal antworten lassen, dass die Landesregierung einen Kooperationsvertrag mit dem dbv habe. In allen Schulbibliotheksfragen solle die Schule sich daher an die nächste Stadtbibliothek wenden und mit ihr kooperieren. In Berlin ist das schwierig, da die Zahl der Stadtbibliotheken in den Bezirken erheblich geschrumpft wurde und wird.

Berlin und Brandenburg suchen Schulleiter

Vor vier Jahren waren in Hessen ca. 1.000 Schulleitungsstellen unbesetzt. Es ist seit Jahren üblich, dass der Schulleiter oder der Stellvertreter monate- oder jahrelang die Schule allein leitet. Auch mir ging das so. Besonders in Grundschulen ist es schwer, Bewerberinnen oder (gar) Bewerber zu finden. Die Differenz zwischen dem Lehrergehalt und dem Grundschulrektorgehalt liefert keinen Anreiz für eine Bewerbung. Es ist schon vorgekommen, dass auf zuvor abgelehnte Bewerber zugegangen werden muss, weil es nach einer Neuausschreibung keine weiteren Bewerbungen mehr gab.

Im letzten Jahr las ich, dass in Brandenburg 100 Schulleitungsstellen unbesetzt waren. (Nicht gemeint ist eine vorübergehende Vakanz im Rahmen einer Neubesetzung; obwohl, auch da fällt auf, dass eine Ausschreibung manchmal erst Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgt, obwohl die Schulaufsicht wusste, ab wann die Stelle unbesetzt war. Das ist immerhin etwas besser geworden, vor allem bei großen Schulen. Unvorstellbar, dass ein Nachfolger einige Zeit vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers an die Schule kommt.) Damals stand in der Zeitung, dass man in Berlin an ca. 30 der ca. 800 Schulen eine Verwaltungsleiterstelle schaffen wolle, um Schulleiter zu entlasten.

Jetzt lese ich, dass in Berlin über 100 Stellen unbesetzt wären.

Nicht einfacher wird die Stellenbesetzung, wenn zukünftig gemäß geplantem Bundesgleichstellungsgesetz im Grundschulbereich für eine angemessene Männerquote gesorgt werden muss.

Seit Jahren wird von Politiker/-innen gefordert, versprochen, beabsichtigt, die Schulqualität zu steigern. Was kommt, sind kompetenzorientierte Lehrpläne, mehr Computer und vor allem neue Studien über die Mängel des Schulsystems. Die neueste kommt aus Düsseldorf von der Heinrich-Heine-Universität. In ihr wird, zum zigsten mal bei diesem Thema, die fehlende Willkommenskultur gegenüber Migrantenkindern, die fehlende Unterstützung durch die Lehrkräfte und (neu!) durch die Mitschüler und deren Eltern beklagt.

Dass sich immer weniger Lehrer/-innen finden, die Belastungen in den Leitungsstellen auf sich zu nehmen, scheint für Bildungspolitik und Bildungsforschung kein Thema zu sein.

Nicht vergessen habe ich, wie ein englischer Schulleiter staunte, als wir ihm erzählten, dass Schulleiter in Deutschland auch unterrichten müssen. Er war 50 Stunden in der Woche damit beschäftigt, die Schule zu leiten. Die Schulaufsicht wies meine Sekretärin an, mich aus dem Unterricht ans Telefon zu holen. (Geschichten aus dem Schulleiterdasein finden sich im E-Book des Kollegen Harald Togal.)

Ärger über Organisationsänderungen in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gilt als größte öffentliche Bibliothek in Deutschland. Sie ist auf zwei Gebäude verteilt, was auf die Teilung Berlins bis 1989 zurückgeht. Ein repräsentativer Neubau auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld, für den schon Entwürfe vorlagen, ist nicht mehr möglich, da ein Bürgerentscheid die Randbebauung mit Wohnungen und der ZLB untersagte.

Jetzt erlebt die ZLB den nächsten Schock. Ein Gutachten renommierter Bibliothekswissenschaftler enthält brisante Vorschläge. 100 der 300 ZLB-Mitarbeiter sind mit der Einarbeitung der jährlich 70.000 Medien beschäftigt: lektorieren, bestellen, katalogisieren.

An deutschen öffentlichen Bibliotheken sind ca. 70% der bibliotheksfachlichen Tätigkeiten an externe Dienstleister ausgelagert, an der ZLB sind es 5%. Daher schlagen die Gutachter vor, bei der ekz eine Standing Order zu abonnieren und somit Katalogdaten einfach zu übernehmen und das Lektorats-, Bestell- und Katalogisierungspersonal drastisch zu verkleinern.

So könne man mehr Mitarbeiter für die Begegnung mit den Nutzern, etwa für digitale Angebote und längere Öffnungszeiten, gewinnen.

Der Ärger über die geplante Reform ist beim ZLB-Personal, aber auch bei Bibliotheksfreunden groß. Man habe ein besonderes Profil und nicht umsonst eine sehr hohe Besucher- und Ausleihfrequenz. Das wäre mit einem ekz-Angebot von der Stange nicht zu leisten.

Die bibliotheksaffinen Berliner Wutbürger/-innen kommen mit der Nazikeule: Sie fühlen sich an die Bücherverbrennung 1933 erinnert. Ich hatte schon den Stift gezückt, um die Petition zu unterschreiben, da las ich das mit dem Faschismus.

Die genannten Zahlen sprechen Bände. Es hat mich erstaunt, dass Bibliotheken heute 70% ihrer Arbeit auslagern, die ZLB aber 95% selbst erledigt und dafür ein Drittel der Mitarbeiter einsetzt.

Ganz unbekannt ist mir das Problem nicht. In den hessischen Barfuß-Schulbibliotheken wurde und wird vielfach noch die allermeiste Zeit damit verbracht, Bücher auszusuchen, einzuarbeiten: foliieren, Signaturschild und Fristzettel kleben, Karteikärtchen schreiben oder die Buchdaten in den Computer eingeben, über Schlagwörter und die richtige Signaturgruppe nachdenken. Seit es LITTERA und Fremddatenübernahme gibt, sind bibliotheksorganisatorische Tätigkeiten zusammengeschrumpft.

Verständnis habe ich für die Kritik an der Standing Order der ekz. Wir hatten Probleme mit den Vorschlägen des ekz-Lektorats “Empfohlen für Schulbibliotheken”. Die Empfehlung entsteht, so habe ich mir sagen lassen, ohne “Autopsie”, d. h. der ekz-Lektor liest das Buch nicht, sondern empfiehlt aufgrund der Verlagsangaben, z. B. Altersstufe, Waschzettel, Titel und Untertitel. Oft haben wir Barfuß-Schulbibliothekare festgestellt, dass KJL, die von der ekz empfohlen bzw. für die Standing Order KJL ausgewählt wurde, bei uns Ladenhüter wurde oder – im Sachbuchbereich – zu schwierig für Kinder und Jugendliche war.

Aber es sollen ja weiterhin jährlich 6.000 Medien vom hauseigenen Lektorat ausgewählt werden dürfen.

(Nach Lektüre eines Berichts in der PNN)

Schulbibliotheken in Berlin

Laut der Antwort des Berliner Bildungssenators auf eine Anfrage der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus im Mai 2014 gibt es in Berlin ca. 500 Schulbibliotheken. Mitgezählt sind 7 geplante oder im Aufbau befindliche. Andererseits werden 15 Schulbibliotheken wegen Raumbedarfs für Klassenzimmer ihren Raum verlieren. (Nicht nur in Berlin gehören Schulbibliotheken, anders als Turnhallen, nicht zum vorgeschriebenen Raumprogramm von Schulen. Sie werden im Schulgesetz noch nicht einmal erwähnt.)

Angesichts der Gesamtzahl von ca. 740 allgemeinbildenden und beruflichen öffentlichen Schulen keine schlechte Quote. Nehmen wir an, dass die Zahlen stimmen. Wir sind bei Abfragen von Schulen einiges gewohnt. Da wird übertrieben oder die Frage falsch verstanden.

Zur Gesamtzahl der öffentlichen Schulen kommen noch ca. 220 private berufliche und allgemeinbildende Schulen. Dort sieht es für Schulbibliotheken meist besser aus.

Im Gedächtnis behalten sollte man, dass Bildungsstaatsekretär Rackles in der Beantwortung der Anfrage auf die pädagogische Funktion der Schulbibliothek hinweist und nicht alles auf Kooperationsverträge und die öffentlichen Bibliotheken schiebt:

“Schulbibliotheken sind ein Angebot, das die Leseumgebung im Klassenraum und in der Schule ergänzt. Sie sind geeignet – neben den regulären Leseszenarien im Unterricht und im Schulleben – Schülerinnen und Schüler zur Erweiterung ihrer individuellen Leseerfahrungen anzuregen, Leseinteressen auszubauen und Lesemotivation zu steigern sowie Strategien der Informationsbeschaffung und –verarbeitung zu erwerben bzw. zu vertiefen. Da Schulbibliotheken – ebenso wie öffentliche Bibliotheken im Stadtteil – Lesekultur und Medienrezeption auch über den Unterricht im Klassenraum hinaus erlebbar machen, kommt ihnen für die langfristige Förderung von Lese- und Rechtschreibkompetenz im Besonderen eine ebenso unterstützende Funktion zu wie für die Förderung
von Medienkompetenz im Allgemeinen.”
Diese Stellungnahme ist sicher erweiterungsfähig: Schulbibliotheken als gut ausgestattete multimediale und multifunktionale Unterrichtsorte. Auch war (West-) Berlin in den 70er Jahren schon einmal weiter, was schulbibliothekarische Arbeitsstellen und hauptamtliche Mitarbeiter/-innen angeht. Aber die Aufgeschlossenheit in der Bildungsverwaltung ist anscheinend größer als in Hessen (Mantra “Kooperationsverträge sind das A und O und die Kombibibliothek ist der Königsweg”) oder Baden-Württemberg (Eine frühere Kultusministerin: “Schulbibliothek hat mit Pädagogik nichts zu tun.”)