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Studien zur Gemeinschaftsschule

Der Abschlussbericht der Studie zu baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen liegt jetzt vor.

Gemeinschaftsschulen sind laut Wikipedia eine Variante von integrierten Gesamt- und Einheitsschulen. Sie sind Ganztagsschulen der Klassen 1-10, mit innerer Differenzierung, ohne Ziffernnoten und Sitzenbleiben.

Vorab war die vernichtende Auswertung einer Vorzeigeschule bekannt geworden.

Heike Schmoll, für Bildung und Schule in der FAZ verantwortlich, hat sich die Studie angesehen. Sie ist bekanntermaßen keine Anhängerin der Schulstrukturveränderungen und des kompetenzorientierten Unterrichts.

Was findet sie in dem Report? Die Erziehungswissenschaftler/-innen hätten herausgefunden, dass

  • eine ruhige Arbeitsatmosphäre im Unterricht förderlich ist
  • Gemeinschaftsschulen nicht besser und nicht schlechter als andere Schulen sind
  • leistungsstärkere Schüler die in Gemeinschaftsschulen beliebten Selbstlernphasen besser bewältigen als leistungsschwächere

150.000€ hat diese Studie gekostet.

Während die Landesregierung bestritten hatte, dass man von dem einen vernichtenden Bericht über eine Vorzeige-Gemeinschaftsschule auf alle 271 Schulen schließen könne, so reichen jetzt zehn untersuchte Schulen aus, um alle 271 Schulen zu repräsentieren.

In den Gemeinschaftsschulen des Südweststaats gibt es keine Lernstandserhebungen, wie sie in den anderen Schulformen vorgeschrieben sind. Über Schülerleistungen in der Gemeinschaftsschule oder gar einen Leistungsvergleich mit den alten Schulformen kann daher nichts ausgesagt werden.

Ich weiß aus den hessischen Jahren der Zeit der integrierten Gesamtschulen (IGS), dass die ambitionierten Ziele vor allem an zweierlei scheiterten:

  • Eine Lehrerausbildung für konsequente innere Differenzierung des Unterrichts gab und gibt es nicht. Sogar in der DDR hat man die späteren Abiturienten nach der 8. Klasse aus der Einheitsschule herausgenommen und gesondert unterrichtet.

In der Lehrerausbildung kommt innere Differenzierung durchaus vor. Es ist aber mehr eine Übung für “Vorführstunden”.

  • Eine Berücksichtigung der besonderen Belastungen der IGS-Lehrer bei Arbeitszeit und Stundendeputat fand nur rudimentär statt (i. d. Regel 24 statt 26 Stunden für H/R-Lehrer und 22 statt 24 Stunden für Gymnasiallehrer). Dabei musste jede Stunde vereinfacht gesagt dreimal geplant werden: auf Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialniveau, gegebenenfalls auch für die integrierten, heute: inkludierten Schüler mit Handicaps.

Auch wurden individualisierte Diagnose- und Förderpläne verlangt. So weit es äußere Fachleistungsdifferenzierung gab (in Englisch und Mathematik), gab es im Laufe des Schuljahres Auf- und Abstufungen mit Tests, Beratungskonferenzen und schriftlichen und mündlichen Elterninformationen. Eine ziemlich teure Angelegenheit, wenn man die Lehrer adäquat ausgebildet und dem Aufwand entsprechend bezahlt hätte.

Ein Spaßvogel hat einmal eine Gebührenordnung für Lehrer entworfen. Wenn man weiß, dass ein Arzt für eine “ausführliche, auch telefonische Beratung”, die i. d. Regel nicht länger als 20 Minuten dauert, laut GOÄ so viel berechnen kann, wie ein Lehrer für 45 Minuten Unterricht, in den er mindestens zwei Stunden Vorbereitung investiert hat, wird man nachdenklich oder tritt in die GEW ein. Beim Lesen der GOÄ wird einem auch deutlich,  dass da jede Verrichtung als Einzelposten in Geld umgerechnet wird.

Als Lehrer kommt man gar nicht auf die Idee, den Eltern für eine mündliche oder telefonische Sprechstunde eine Rechnung zu schicken oder die schriftliche Begründung einer schlechten Note als “ausführlichen Bericht, inkl. Porto” abzurechnen oder für den Elternabend das Überstundenkonto zu belasten oder die Vertretungsstunde dem Dienstherrn oder der Dienstherrin in Rechnung zu stellen.

Der Beamtenstatus ist für Eltern und Staat eine preiswerte Lösung.

Nachtrag: Berliner Erziehungswissenschaftler bescheinigen dagegen Berliner Gemeinschaftsschulen, dass sie besser wären als Hamburger Schulen des dreigliedrigen Systems. Warum vergleichen die nicht innerhalb Berlins?

Es wäre aber auch schlimm, nachdem der Senat 22 Millionen € in Gemeinschaftsschulen gesteckt hat, wenn die nicht mehr liefern würden als das bisherige Schulsystem. Aber die Erziehungswissenschaft muss sich fragen lassen, ob Kaffeesatzlesen nicht vielleicht eine billigere Methode wäre als empirische Schulforschung. Das gesparte Geld könnte man dann in mehr Bildung stecken.

Schulbibliothek im Elite-Sportinternat

Die Sport-Eliteschule in Alt-Hohenschönhausen in Berlin hat ihre Bibliothek dank der Bücherspende eines Unternehmers kräftig aufstocken können.

Wie schon zu DDR-Zeiten ist das Sportinternat (Schul- und Leistungssportzentrum) eine Kaderschmiede für deutsche Spitzensportler. Der Deutsche Olympische Sportbund hat das DDR-Modell der Sport-Eliteschulen weitergeführt (Hoffentlich ohne Doping). Über 1.200 Schüler/-innen trainieren dort.

Wie schon an anderer Stelle im Blog geschrieben, taugt das DDR-Schulwesen m. E. wenig als Vorbild, mit Ausnahme, wenn man so will, der Eliteschulen, in denen Schüler zu Höcstleistungen in Sport, Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften geführt wurden.

Gut zu wissen, das zum gesunden Körper jetzt auch der gesunde Geist Anregungen erhält.

Bibliothek der Förderschule ist multikulturelles Zentrum

Die Schule am Breiten Luch in Berlin ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprachentwicklung. 2015 wurde eine Schulbibliothek eröffnet. Die habe sich schnell zu einem multikulturellen Zentrum für die Schüler aus 23 Nationen entwickelt, zitiert die Zeitung die Schulleiterin:

Auch für über 70 Flüchtlingskinder in sogenannten “Willkommensklassen” sei die Bibliothek ein beliebter Anlaufpunkt.”In der Bibliothek üben Kinder und Eltern ihre deutschen Sprachkenntnisse. Wer eine Übersetzungshilfe braucht, für den gibt es verschiedene Wörterbücher”, erklärt die Schulleiterin. “Im Grunde ist die Bibliothek unser zentraler Kommunikationsort, für den wir ehrenamtliche Mitwirkende gewinnen wollen”.

Öffentliche Bibliotheken in Berlin: Schulbefragung

Die Berliner Bibliotheken hatten ein sogenanntes Nutzermonitoring bei einer dänischen Unternehmensberatung in Auftrag gegeben. Dazu gehörte auch eine Schulbefragung. Der Rücklauf betrug 38%, also durchaus noch brauchbar.

Natürlich steht das Erkenntnisinteresse  an der Nutzung der öBen durch Schulen im Vordergrund, es wird auch gefragt, woran die Nutzung scheitert. Dass Bibliothekare als kompetent, freundlich, locker und innovativ wahrgenommen werden, ergibt sich aus der Anlage einschlägiger Fragebögen. Wie das geht, kann man auf Science Files und Unstatstik nachlesen.

Es ergibt sich ein aufschlussreiches Abbild der Berliner Schulbibliothekssituation, etwa aus welchen Ressourcen man Mitarbeiter gewinnt, wie die Bestandsgrößen und Öffnungszeiten sind, welche Software verwendet wird, wie der Medienbestand finanziert und wie die Schulbibliothek genutzt wird.

Abgefragt bzw. zum Ankreuzen angeboten wurden Wünsche an die öBen. An der Spitze steht die persönliche Beratung durch Bibliotheksmitarbeiter (z. B. bei Bücherempfehlungen). Dann kommen (hier ohne Ranking):

  • professionelle Medien- und Informationsberatung
  • bibliothekarische und Lernportale mit Schülermaterialien
  • Ankauf und Bereitstellung von Medien für Schulen und Schulbibliotheken
  • Lizenzen für Datenbanken und eLearning-Kurse
  • Lehrgänge für richtiges Zitieren und wissenschaftliches Arbeiten
  • Lehrgänge für Internetrecherche
  • Unterstützung bei der Qualitätssicherung von Unterrichtsmaterialien

Ich habe schon angedeutet, dass ich bei Meinungsumfragen vorsichtig geworden bin. Man kann mit entsprechenden Fragen gewünschte Antworten erzeugen, man kann eine Auswahl vorgeben…

Daher bei aller Dankbarkeit für viele Erkenntnisse das Gran Salz:

All das würde ich mir als Lehrer auch wünschen. aber es wäre mir ziemlich egal, von welcher (zuverlässigen) Institution es käme.

Worin besteht eigentlich die Dienstleistung des Bildungssenators? Setzt das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) falsche Prioritäten? (Von dort bekam ich z. B. eine Empfehlungsliste DEFA-Spielfilme und einen Flyer zur Emanzipation der Frau in der DDR, immerhin aber auch ein gutes Lesecurriculum.)

Die Berliner Schulen haben aber mit dem landeseigenen Medienforum (Landesbildstelle heißt das anderswo) ein Dienstleistungszentrum, das im Grunde diese Lehrerwünsche schon jetzt weitgehend erfüllt. Das scheint sich bei vielen Kollegen und den Berliner Bibliotheken noch nicht herumgesprochen zu haben.

Mein ganzes Beraterleben lang bin ich überrascht von der manchmal unzureichenden Professionalität der Kollegen: Wie sollen ausgerechnet Bibliothekare mir sagen, ob meine Unterrichtsmaterialien geeignet sind oder nicht? Wenn ich Deutschlehrer bin, sollte ich wissen, wo ich mich über empfehlenswerte KJL informieren kann. Online-Tutorials zum richtigen Zitieren, Bibliographieren oder Recherchieren gibt es, auch solche von Bibliothekaren. Wie hat man das in den internetlosen Zeiten bloß unterrichtet?

Zum Abschluss sei noch ein Hinweis auf Hessen erlaubt, schließlich bin ich in dem einen Schulbibliotheksverband Ehrenmitglied, im anderen Ehrenvorsitzender: Die hessischen Schulbibliotheken haben ein Problem weniger, sie verfügen über das Programm LITTERA, das mit einer Landeslizenz eingeführt ist. In Berlin ging ein ähnlicher Plan bisher leider schief. Und auf der Webseite der hessischen LAG gibt es KJL-Empfehlungen von zwei schulischen Lese-AGen und der AG Jugendliteratur und Medien (AJuM).

Zum Nutzermonitoring, hier: Schulbefragung

Siehe auch: Ausgeträumt: SBA Berlin

 

 

 

Elterninitiative sorgt für Schulbibliothek

Das Siemens-Ganztagsgymnasium in Berlin-Spandau hatte bisher keine Schulbibliothek. Jetzt sorgte die Initiative der Elternbeiratsvorsitzenden für ein Ende dieses Zustands.

Merken sollte man sich: Den Ehrenamtsfonds der Verwaltung anzapfen.

Berlin ist da ein gutes Beispiel. So gab es den Fall, dass eine Klassenfahrt nach New York mit 38.000 € aus Steuergeldern bewilligt wurde. Es handelte sich um einen Haushaltstitel für Zuschüsse für Schüler aus einkommensschwachen Familien.

Dass Klassenfahrten nach New York nicht pauschal abgelehnt werden sollten, zeigt dieses Beispiel.

Flüchtlinge in Preußen: Die Hugenotten

Vieles erinnert an heute: Die Einwanderung der in Frankreich massakrierten und vertriebenen Hugenotten in Deutschland, insbesondere in Brandenburg-Preußen im 17. Jahrhundert.

Siehe die beiden einander ähnlichen Artikel in Wikipedia und DeuFraMat

Kann es sein, dass Migration der Normalfall und Sesshaftigkeit die Ausnahme ist?

Preisverleihung im Wettbewerb zur Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015

Hier die Pressemitteilung der des AGSBB-Vorsitzenden Victor Wolter:

agsbb_plakatEs bleibt spannend bis zum Schluss: Erst am kommenden Donnerstag, dem 18. Juni 2015, wird während der Abschlussveranstaltung der Sieger im Berliner Wettbewerb zur Schulbibliothek des Jahres 2015 bekanntgegeben. Vertreter/-innen aus 36 Schulen werden anreisen, um zu erfahren, ob sie einen der drei Preise gewonnen haben: Der Gewinner wird “Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015” und erhält 500 € Preisgeld, die der Lions Club Berlin Spree gespendet hat. Zusätzlich gibt es einen wertvollen Sonderpreis von Hugendubel und einen Sonderpreis des Bibliotheksausstatters Schulz Speyer.

Eine Jury hat anhand der Ausschreibung inzwischen entschieden, wer Preise erhält. Dabei ging es nicht um die Größe des Bibliotheksraums oder die Medienanzahl, sondern um die Einbindung der Schulbibliothek in den Alltag der Schule: Ist die Schulbibliothek in den Unterricht einbezogen? Gibt es ein Lesekonzept oder Aspekte eines Konzeptes, in deren Mittelpunkt die Bibliothek steht? Gibt es Aktionen der Bibliothek, die die ganze Schule betreffen wie Buchwoche, Lesetage, Veranstaltungen? Gibt es erfolgreiche Vorhaben der Vermittlung von Lese-, Recherche- und Informationskompetenz an Lehrkräfte und Schüler/-innen?
Viele außergewöhnliche Schulbibliotheken haben sich beworben. Die Beiträge der Preisträger werden am Donnerstag zu sehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg e.V. (AGSBB e.V.) erwartet eine feierliche und unterhaltsame Veranstaltung mit einem spannenden Rahmenprogramm und anschließendem Sektempfang.

Donnerstag, 18. Juni 2015
16:00 Uhr, Einlass ab 15:30 Uhr
Ort: Grundschule auf dem Tempelhofer Feld
Adresse: Schulenburgring 7-11 in 12101 Berlin–Tempelhof

Der Preis “Brandenburger Schulbibliothek des Jahres 2015” wurde am Samstag, dem 15.6.15 in der Fred-Vogel-Grundschule in Fredersdorf-Vogelsdorf in Anwesenheit des brandenburgischen Bildungsstaatssekretärs Dr. Drescher übergeben. Hier der Bericht auf der Webseite der AGSBB.

Hier die eingreichten Beiträge