E-Book-Ausleihe von Stadtbibliotheken in Flughäfen

sapl-maschineTrotz aller Lizenzprobleme leihen US-amerikanische Stadtbibliotheken zunehmend E-Books aus. Dennoch weiß gerade einmal die Hälfte der Bibliotheksnutzer, dass es dieses Angebot gibt. Daher werben die Bibliotheken in der Öffentlichkeit dafür. So gibt es auf einigen US-Flughäfen Download-Installationen (s. Foto; Bild:  http://blog.mysanantonio.com/). Dort kann man sein elektronisches Gerät aufladen, manchmal auch im Internet surfen und eben ein E-Book downloaden.

Das Angebot besteht entweder nur für die Inhaber eines Ausweises der örtlichen Bibliothek oder man kann sich manchmal für die Ausleihe als Gast  registrieren. Ersteres funktioniert wohl am besten auf Flughäfen, die vor allem von Einheimischen frequentiert werden. Unter den 60 Millionen Flugpassagieren in Frankfurt/M sind Frankfurter Bürger/-innen wohl eine verschwindend kleine Minderheit.

Downloaden? Über eine Internetverbindung geht es wohl noch nicht. Ärgerlich für den downloadwilligen Leser im Flughafen, wenn auf dem Screen die Meldung erscheint: “Bitte tragen Sie sich in die Warteliste ein!”

(via lesen-net)

Neues Beispiel für Kürzungen bei Schulbibliotheken: Wedel/Schleswig-Holstein

In Hessen sind inzwischen auch die Grünen, seit sie mitregieren, davon überzeugt, dass kombinierte öffentliche Bibliotheken der Königsweg des Schulbibliothekswesens sind. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn daraus ein solides Konzept gemacht worden wäre, das auch vom für das Schulwesen verantwortlichen Land finanziell und inhaltlich mitgetragen würde. Leider gibt es vor allem gute Worte und ein bisschen Geld für ausgewählte Stadtbibliotheken, die davon Tablets oder Lektürehilfen kaufen, die Schulklassen in der Stadtbibliothek benutzen dürfen. ansonsten ist das Land fein raus aus dem Thema. Na ja, eine Infoseite für Schulbibliotheken auf der Homepage des Kultusministeriums soll es vielleicht einmal geben. Auch wenn Kommunen das Gegenteil des Erhofften tun, nämlich ihre Stadtbibliothek der Schule übertragen oder die Personalmittel für die Zweigstelle in der Schule kürzen. üben sich Landespolitiker/-innen in Zurückhaltung.

Neues Beispiel: Wedel bei Hamburg. (Gehört das nicht zum Hamburger “Speckgürtel”?)

Der Zeitungsartikel gibt nahezu idealtypisch die in solchen Fällen übliche Diskussion wieder.

Was mir auffällt: Wo bleiben die Elternbeiräte? Wie sehen das die Schüler/-innen? Warum werden die örtliche Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung nicht auf Landesebene aktiv? Zumindest wird davon nicht berichtet. Aber ich weiß aus zahlreichen Fällen, dass das nicht passiert. Das wäre zwar noch nicht der Durchbruch, aber eine öffentliche Wahrnehmung der Rolle der Schulbibliothek, die über die Berichterstattung von Vorlesen mit Prominenten, Lesewettbewerb oder “Rotary-Club spendet Sitzkissen” hinausgeht, wäre ein erster Schritt.

Man kann nur mit Respekt in die USA schauen, wo das Schulbibliothekswesen unter heftigen Kürzungen zu leiden hat. Aber immer wieder gibt es Schülerproteste und Elterninitiativen bis in die Landesparlamente hinein, und einzelne Schulbezirke denken inzwischen wieder um.

E-Books in US-Schulbibliotheken 2014

Das US-“School Library Journal” hat seine fünfte Befragung zu E-Books in Schulbibliotheken veröffentlicht.

66% der Schulbibliotheken verfügt über E-Books. Der zugängliche Bestand ist bescheiden: 136. Vor drei Jahren waren es 36.

Finanzierung (Kürzung beim Print-Einkauf), Zugang zum E-Book (Kauf, Abonnement), Typen des Lesegeräts (schuleigene Rechner, E-Book-Reader, Smartphone, Tablet) sind vielfältig.

Gelesen wird auf dem schuleigenen Rechner, auf iPad und Kindle.

Noch ist die Nachfrage nach E-Books bescheiden, aber die Verfasser der Studie erwarten, dass mit der Zunahme der “1:1-Schulen” (1 Schüler – 1 Tablet) die Nachfrage steigen wird.

E-Books in US-Schulbibliotheken: Langsames, aber stetiges Wachstum

Einer Umfrage des Schulbibliotheks-Ausstatter Follet in fast 900 Schulen zufolge, wächst der E-Book-Bestand sehr langsam. Im Vergleich zum Printbestand ist die Zahl noch sehr niedrig: 189 Titel gegenüber durchschnittlich 11.300 Printmedien. die Bestände seien in Grundschulen (Klassen 1-6) größer als in der Sekundarstufe

Gelesen wird am häufigsten am Schulcomputer, dann mit schülereigenen Tablets oder mit dem iPad. Letzteres bevorzugen vor allem jüngere Schüler. Erst mit Abstand kommen die E-Reader Kindle und Nook. Lehrer und Schüler würden aber gedruckte Medien bevorzugen.

Alle Befragten meinen, dass im digitalen Lesen die Zukunft der Bibliotheken liege. Angesichts sinkender Haushalte seien die Anschaffung, die Präsentation und die Ausleihe eine Alternative. E-Books können nicht verloren gehen oder beschädigt werden, brauchen keinen Regalplatz und die Rückgabe muss nicht angemahnt werden.

Mehr im School Library Journal

Der Niedergang des professionellen Journalismus

Das Pew Research Center in Washington ist ein Meinungsforschungsinstitut, das u. a. Entwicklungen in den amerikanischen Medien untersucht. Der aktuelle Befund lautet: Immer mehr Amerikaner beziehen ihre Nachrichten aus den sozialen Medien. Allein über Facebook informieren sich 30% aller Amerikaner über das Weltgeschehen. Wobei aber nur ein Drittel dort professionellen Nachrichtenanbietern folgt. Fast 80% der Facebooknutzer/-innen nehmen Nachrichten nebenbei mit. Nachrichten werden geliked, kommentiert oder weitergeleitet. Fast zwei Drittel der Nutzer der Social Media informieren sich nur auf einer Seite über Neuigkeiten (News), also nur in Facebook oder nur auf Twitter oder Youtube. Die Nutzung reiner Nachrichtenlieferanten wie Zeitungen, TV- oder Radiostationen nimmt ab. Da mit Werbung rund um Videoclips zunehmend Geld verdient wird, investieren die in den USA weit verbreiteten lokalen TV-Sender in Video-Content. Lokale Stationen werden zunehmend von Konzernen aufgekauft. Erfolgreich sind Portale wie buzzfeed und Huffington Post, die man als Yellow Press – Regenbogenpresse  – bezeichnen könnte.

In Deutschland dürfte es nicht viel anders aussehen. Die gedruckten Zeitungen verlieren an Auflage. Redaktionen entlassen Journalist/-innen. Die Kundenzeitschriften von Konzernen kommen daher wie seriöse Zeitungen und Zeitschriften. Vielfach werden in den Medien Pressemitteilungen von Unternehmen unkommentiert abgedruckt.

Die Frage, welche langfristigen Folgen es für die Demokratie haben wird, wenn Bürger auf profunde und seriöse Informationen keinen Wert mehr legen, sondern dem vertrauen, was Freunde, gewerbliche Kommunikationsexperten oder Leserreporter verlautbaren, drängt sich auf. Erinnert sei an die Berlusconisierung des italienischen Fernsehens. (Wobei ich damit nicht nur die Medienmacht von Oligarchen meine, sondern auch die Verflachung der Programme.)

Bitte keinen Journalismus von Dominik Imseng

Dass die Online-Neugründung Krautreporter den Qualitätsjournalismus nicht neu erfindet, zeigt u. a. die Interviewreihe “Jung und naiv” mit meist endlos langen Interviews und manchmal unsäglichen Auftritten. Naivität und kein Gespräch führen können ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal, trotz Grimme-Preises. Manchmal ist es aber sehenswert.

Blog Zettels Raum über den “Jung und naiv”-Star Tilo Jung

SZ-Kritik, Tagesspiegel-Lob

Roland Tichys 7 Thesen zum Verfall des Journalismus. (Dass wie Tichy anführt, 63% der Leser/-innen ausgerechnet der deutschen Berichterstattung zum Ukrainekrieg misstrauen, war allerdings für mich nicht Anlass meines Blogbeitrages.

Zur Tagesschau-Berichterstattung

Zur mangelnden Sorgfalt bei der Berichterstattung über neueste wissenschaftliche Studien

Update 30.12.14:

1. Ein aktuelles Beispiel für die mangelnde Sorgfalt und Genauigkeit mancher Journalisten sind die Berichte über neue Studien von Wirtschaftswissenschaftlern über Kosten und Nutzen von Migranten. Einer Studie des Professors Bonin zufolge würden  Migranten mehr an Steuern und Sozialabgaben zahlen als sie an Leistungen erhalten. Eine Studie des Professors Sinn besagt das Gegenteil.

Nun weiß man, dass Wirtschaftswissenschaften eine problematische Wissenschaft sind. Theorie- und Modellbildung sind noch schwieriger als in der Klimaforschung und der Wetterbeobachtung.

Prof. Sinn hat zu den Zahlen von Prof. Bonin auch die staatlichen Ausgaben für öffentliche Leistungen (Straßenbau, Schuldentilgung, Polizei, Verteidigung usw., aber ohne Schulen) addiert und kommt statt des Boninschen Überschusses von ca. 22.000 € auf ein Minus von ca. 80.000 €. allerdings hätte man das schon bei Bonin lesen können. Auch er käme zu einem ähnlichen Ergebnis wie Sinn, wenn er alle staatlichen Ausgaben auch anteilig auf die Migranten umgelegt hätte.

Wer hat denn heute noch Zeit zu lesen? Eine knallige Überschrift, die zudem noch in die Beschwichtigungskultur gegenüber den Auswirkungen von ungesteuerter Einwanderung passt, ist das eher willkommen als seriöse Berichterstattung.

Jetzt streiten sich die Wirtschaftswissenschaftler/-innen und die Kolumnist/-innen, ob man die Ausgaben des Staates auch auf die Migrant/-innen umlegen darf. Sie entstünden doch sowieso.

2. Ähnlich war es beim zehnjährigen Hartz-IV-Jubiläum. Der DGB versandte die Pressemitteilung mit der Information, wie schlecht Hartz IV wäre, der Präsident des Landkreistages, Reinhard Sager, hält die Reform trotz aller Unzulänglichkeiten für einen Erfolg.

Hartz IV geriet teurer als die vorhergehenden Regelungen. Eigentlich hatte die Regierung mit Einsparungen gerechnet. Irgendwo habe ich gelesen, dass es eine Studie gäbe, die herausgefunden hat, dass etwa zwei Drittel der Bezieher sich besser stellen, als wenn die alten Regelungen gälten, ein Drittel stelle sich schlechter.