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Die Bibel: Raus aus der Schulbibliothek?

Der US-amerikainische Bibliotheksverband veröffentlicht regelmäßig die Liste der zehn Bücher, über die es die meisten Beschwerden in Bibliotheken gab: the most-challenged books .

Erstmals ist 2015 darauf die Bibel verzeichnet. Sie liegt auf Platz 6.

Beschwerdegrund ist, dass Staat und Religion auseinander gehalten werden müssten. Staatliche Einrichtungen wie Bibliotheken und Schulen dürften dafür kein Geld ausgeben.

Das ist erstaunlich für einen Staat wie die USA, deren Gesellschaft viel religiöser ist als die deutsche.

Ausstattungsideen für moderne Schulbibliotheken

Einige hundert Fotos hat die unglaublich kreative und innovative Schulbibliothekarin Buffy Hamilton in der Discovery High School in Gwinnett County, Georgia/USA, gemacht.

Die Schule arbeitet vor allem produktorientiert in vier Fachbereichen: Naturwissenschaft und Mathematik, Kunst, Gesundheit, Wirtschaft. Sie hat ein neues Gebäude bezogen, in dem sich auch Learning Commons, eine moderne Schulbibliothek befindet.

Die Fotos geben viele Anregungen: interessante Sitzmöbel, Raumdetails, Technologie.

Anythink, die Neuerfindung von Bibliotheken

In Adams County im Großraum Denver/Colorado startete 2006 eine Revolution im kommunalen Bibliothekswesen. Die öffentlichen Bibliotheken erhielten mehr Geld

Mit Hilfe der Anythink Stiftung wurde ein neues Konzept von öBen und ihren Dienstleistungen realisiert. Nähere Info in den Folien des Jahresberichts 2013. (Man kann auf der Webseite weitere Informationen finden, u. a. den Flyer.

Sind Schulbibliothekare IT-Spezialisten?

Schulbibliothekare in den USA verstehen sich als Tech Leader, als die Technologie-Experten der Schule. Die Fachzeitschrift School Library Journal (SLJ) berichtet das unter Berufung auf ihre School Library Journal’s Technology Survey (Kann dort angefordert werden.)

An der Befragung nahmen 761 Schulbibliothekare teil, von denen zwei Drittel einen Masterabschluss hatten. Neben der IT-Ausstattung und -Praxis der Schulen wurde auch nach der Rolle der Schulbibliothekare in diesem Zusammenhang gefragt. Dabei kam heraus, wie stark Schulbibliothekare  – school library media specialists – in die schulische Beschaffung und Anwendung von Geräten, Apps, Datenbanken und Software einbezogen sind, dass sie Schüler und Lehrer in diesem Bereich fortbilden, dass sie von diesen als IT-Fachleute wahrgenommen werden. Über 70% sagen von sich, dass sie als Tech Leader in der Schule wahrgenommen werden. (Befragt wurden nur Schulbibliothekare, nicht Schulleiter, Lehrer oder Schüler)

Weiterer Schwerpunkt der Erhebung war die IT-Ausstattung der Schulen und Schulbibliotheken. U. a. gibt es in fast 70% der Schulen eBooks (gemeint ist KJL, kein elektronisches Schulbuch), die vor allem auf Computern gelesen werden. Nahezu alle Schulen haben W-LAN, die Hälfte der Privatschulen hat eine 1:1-Computerausstattung, die öffentlichen Schulen erst zu einem Viertel.

Die wichtigsten Ergebnisse präsentiert SJL auf einem Poster:

LibraryLeader-Infographic

Siehe auch: Der digitale Schulbibliothekar

Wenn ich lobend über die Schulbibliotheken in den USA schreibe, wird manchmal eingewandt, man  könne das nicht auf Deutschland übertragen, man müsse unsere anderen Rahmenbedingungen berücksichtigen, man müsse andere Konzepte erarbeiten usw.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Schule ist erst einmal Schule und Schulbibliothek ist Schulbibliothek. So weit sind Schule, Unterricht und Schüler nicht auseinander auf den beiden Seiten des Atlantiks. Die Schulbibliothek erfüllt (bzw. solte erfüllen) hüben wie drüben vielfältige Aufgaben: Lesezentrum, Informationszentrum, Medienzentrum, Kommunikationszentrum.

Wenn man die deutschen Rahmenbedingungen für unveränderbar erklärt, geht nichts mehr. Denn sind es gerade die Rahmenbedingungen, die die Entstehung eines Schulbibliothekswesens verhindern:

  • Schulbibliothek gilt als Teil des öffentlichen Bibliothekswesens sein, nicht als Teil der Schule
  • Nicht Schule, Schulverwaltung und Bildungspolitik, sondern die kommunale Stadtbibliothek ist zuständig
  • Dreh- und Angelpunkt ist die Zusammenarbeit von öffentlicher Bibliothek und Schule (noch nicht einmal Schulbibliothek!)
  • Bildungsverwaltungen werden entlastet durch Verträge mit dem Bibliotheksverband und durch Bibliotheksgesetze, in denen Medien- und Informationskompetenzvermittlung zur Aufgabe öffentlicher Bibliotheken erklärt wird.

In der Diskussion um die Digitalisierung der Schule spielt die Schulbibliothek in Deutschland, anders als in den USA, keine Rolle. Der Zug ist abgefahren.

Wenn die deutschen Rahmenbedingungen für unveränderbar erklärt werden und die Kritik daran kritisiert wird, dann bleibt das so.

Irgendwo wird eine kombinierte Stadtteil- und Schulbibliothek eröffnet werden, woanders eine geschlossen, in einer Schulbibliothek überreicht der Lions Club eine Spende, in der anderen streichen Eltern die Wände, Bibliothekare entwerfen Schulbibliotheksrichtlinien, Spiralcurricula und Informationskompetenzvermittlungsraster und schreiben darüber Examensarbeiten, Tweets und Blogpostings. Und wenn sie nicht gestorben sind…

 

 

Der rassistische Huckleberry Finn

In USA unterliegen Schulbibliotheken der Zensur. Nicht einer staatlichen, sondern einer der kritischen Öffentlichkeit. Daher werden immer wieder Bücher aus Schulbibliotheksregalen entfernt, weil Eltern oder Kirchen ein Jugendbuch als zu freizügig oder rassistisch verurteilen. Angesichts des offenen und latenten Rassismus im Lande ist es nachvollziehbar, dass man genau hinschaut. Ob Verbote allerdings das Problem lösen, darf bezweifelt werden.

Wieder einmal traf es „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ von Mark Twain. es gehört zu den am meisten verbannten Büchern in den USA. Beim Erscheinen 1885 wurde es verboten, weil es von einer Freundschaft zwischen einem Schwarzen und einem Weißen handelte. Im 20. und 21. Jahrhundert stößt man sich daran, dass im Buch politisch unkorrekt von „Niggern“ die Rede ist.

Im vorliegenden Fall immerhin verbleibt das Buch in der Schulbibliothek, aber es wird als Klassenlektüre in Klasse 11 (!?) gestrichen.

Andere Schulen lösen das Problem anders: Sie machen im Kontext der Lektüre sensibel für den Gebrauch der Sprache.

School Libraries Work 2016

Die neueste (4.) Ausgabe des Handbuchs ist gerade erschienen. Es versammelt wichtige Untersuchungen über den Nutzen und die Wirksamkeit von Schulbibliotheken in den USA. Enthalten sind 30 neuere Studien. Die wichtigsten Ergebnisse werden übersichtlich vorgestellt. Es gibt Tabellen und Zitate, das Literaturverzeichnis enthält Links zu den Quellen.

Das pdf zum Downloaden (in Englisch)

Amazon eröffnet analoge Buchhandlung

Am Stammsitz in Seattle/USA hat Amazon die seit einiger Zeit angekündigte Buchhandlung eröffnet.

Für die USA macht das durchaus Sinn, denn wegen des Fehlens einer dem deutschen System vergleichbaren Buchhandelslogistik musste man sich bei Bestellung eines Buches im Laden etwas gedulden, bis das Buch eintraf.

Amazon könnte seine perfekte Versandlogistik auch für seine wohl kommenden stationären amerikanischen Buchhandlungen nutzen.

In Deutschland will Amazon die Prime-Kunden jetzt am selben Tag beliefern.

Eine Amazon-Buchhandlung ist für Berlin angedacht.