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OECD findet wieder ein deutsches Bildungsproblem

Die OECD-Bildungsforscher haben alle Hände voll zu tun. Schon wieder ist Deutschland auffällig. Nach der niedrigen Abiturientenquote von ca. 55%, den nur durchschnittlichen PISA-Ergebnissen, der angeblich problematischen dualen Berufsausbildung hat Professor Schleicher ein neues Defizit ausgemacht: Die niedrige Frauenquote im MINT-Bereich. Mehr als in den anderen Industriestaaten wären Mädchen weniger an Mathematik und den Ingenieurberufen interessiert. Prof. Schleicher weiß auch, woran es liegt: Die Eltern trauen ihren Töchtern nicht zu, dass sie MINT-Berufe ergreifen.

Das kann doch in Angriff genommen werden. Meine Vorschläge: Schulungskurse für Eltern, Verbot von Bilder- und Kinderbüchern, die traditionelle Rollenvorbilder perpetuieren, statt dessen Bilder von weiblichen Köchen und männlichen Schiffskapitänen, in den Kitas müssen die Jungen mindestens zweimal in der Woche mit Puppen und die Mädchen mit dem Märklin-Baukasten spielen.

Science Files hat eine verblüffende Erklärung: Der Genderismus ist schuld.

Ich hatte vor Mathe in der Unterstufe wahnsinnige Angst. Das lag am weiblichen Mathelehrer. Der war ein Drachen. (Sorry, sexistisch, zumal Drachen männlich ist.)

Wie war das nochmal mit den Jungen, die in nahezu jedem Schulleistungstest generell schlechter abschneiden als Mädchen?

Woran man erkennen kann, wie es um das hessische Schulbibliothekswesen bestellt ist

Die folgenden Erfahrungen passen in das Bild, das das hessische Schulbibliothekswesen bietet.

Vor 18 Jahren folgte ein hessischer Kultusminister noch der Einladung der LAG Schulbibliotheken zum Besuch des Hessischen Schulbibliothekstages. Vor zehn Jahren gewann der LAG-Vorstand eine hessische Kultusministerin noch für das Grußwort zu einer Broschüre, zudem beantwortete sie die Anfrage zu einem Gespräch positiv. Vor fünf Jahren waren wir froh, dass eine nachfolgende, in ihrem Amt überforderte Ministerin nur einen Referenten schickte. Der erwähnte in seinem Grußwort die Kooperation seines Hauses mit dem dbv lobend, worüber zahlreiche Zuhörer/-innen, die tagein, tagaus dafür sorgen, dass es in ihrer Schule ein Informations- und Lesezentrum gibt, hör- und sichtbar irritiert waren. Die nachfolgende Ministerin ließ uns nach längerem Warten und wiederholter Anfrage schließlich einen Termin freitags um 16.30 Uhr anbieten. Ein – was nicht unüblich ist – vorformuliertes Grußwort für eine Broschüre zu unterschreiben, gelang ihr innerhalb von sechs Wochen nicht. Der neueste Kultusminister teilte uns mit, er habe schon so viele Termine und verwies uns an seinen Staatssekretär. Kurz darauf folgt er der Bitte eines Parteifreundes, Landrat und dbv-Landesvorsitzender, zu einem Gespräch.

Was sagt uns das?

Das Land will sich nicht auch noch um Schulbibliotheken kümmern. Die Schulträger dürfen machen, was sie wollen, Schulbibliotheken schaffen oder nicht. Die öffentlichen Büchereien, denen einige Angebote abhanden kommen (Videoausleihe, Musik-DVD-Ausleihe) oder gar nicht erst zukommen werden (z. B. eine zukunftsfähige E-Book-Ausleihe). erweitern dafür ihre Bildungspartnerschaft mit Schulen (Literaturversorgung, Medien- und Informationskompetenzenvermittlung). Sie machen sich Hoffnung auf Geld aus dem Bildungsetat. Das Land kommt bisher billig davon, es leiht zwanzig Lehrerstunden an die Fachstelle für öBen in der Bibliothek der FH Rhein-Main aus und spendiert den öffentlichen Bibliotheken jedes Jahr ein paar 100.000 € für Kooperationsprojekte mit Schulen. Bürgermeister bewahren ihre Stadtbücherei vor der Schließung, in dem sie sie als Kombibibliothek in eine Schule verlagern. Da sparen sie bei Bau- und Bauunterhaltungskosten Geld. Sogar das “Schulbibliothekswesen” profitiert: Seit 25 Jahren steigt die Zahl der Kombi- oder öffentlichen Schulbibliotheken jährlich (ungefähr) um eine. Die Zusammenarbeit von öffentlichen Bibliotheken und Schulen ist für alle Beteiligten günstiger als die einseitige Bevorzugung von Schulbibliotheken.

Siehe auch hier!

Bebra: Stadt will Stadtbücherei an Schule abschieben

Nein, so nennt man das nicht. Es wird vielmehr Zusammenarbeit, Kooperation und Öffnung genannt. Minister, kulturpolitische Sprecher von Parteien und Bibliotheksfunktionär/-innen verkaufen uns das seit Jahrzehnten als den Königsweg zu mehr Schulbibliotheken.

Was sich hinter den hohlen Phrasen verbirgt, zeigt dieser Artikel in der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) exemplarisch:

Bebra

Schulprogramm. Gibt es das noch?

Manche Kollegien waren jahrelang damit beschäftigt, ihrer Schule ein Programm zu geben.Die Idee stammt aus der Unternehmensberatung und wurde eingeführt, als es darum ging, Schulen flott zu machen für die von der OECD vorgegebene Bildungspolitik. Man brauchte Instrumente, um Schulen dazu zu bringen, sich selbstständig weiterzuentwickeln, ihre Entwicklungsziele zu formulieren, ihre Maßnahmen, die sie dahin bringen sollten. Das Schulprogramm diente der Evaluation der Ziele, sowohl für die Schule selbst als auch für die Schulaufsicht, die sich gleichzeitig davon entlastete, die Schule bis ins kleinste Detail zu reglementieren.

Die Arbeit am Schulprogramm war zeitintensiv, sie musste neben dem Schulalltag geleistet werden. Was da gemacht werden sollte, war auch nicht überall klar. Manchmal wurde die Pädagogik neu entdeckt und hehre Grundsätze von Hugo Gaudig bis Iwan Illich zum Programm gemacht. Vielfach aber geriet es zu einer kleinen Kulturrevolution: Zum ersten Mal in ihrem Berufsleben waren Lehrer/-innen gezwungen, sich über ihre Arbeit zu verständigen, ihr Selbstverständnis zu diskutieren und Vereinbarungen zu treffen, die ihren eigenen Unterricht und ihren Umgang mit den Schülern betrafen. Da gab es erhebliche Widerstände: “Ich lasse mir doch nicht vorschreiben…”. “Das werde ich so weitermachen, egal. was die Gesamtkonferenz beschließt.” Wer auf einem Elternabend einmal erlebt hat, dass vier Lehrer vier verschiedene Verfahren haben, Hausaufgaben zu kontrollieren, zu bewerten und Eltern über nicht gemachte zu informieren, weiß, dass Schule ein Arbeitsplatz für Individualisten war. In manchen Kollegien gab es jetzt Aufbruchstimmung und ein verändertes pädagogisches Klima.

Ich kam an eine Schule, an der mein Vorgänger in der Schulleitung die Schulprogrammarbeit an die Wand gefahren hatte. Während die anderen Schulen drei Jahre daran gearbeitet hatten, musste ich jetzt binnen eines Jahres ein Programm mit dem Kollegium erarbeiten. Es gab keinen Pardon von der Schulaufsicht. Es gelang! Während viele Schulen das Programm zurück bekamen und Änderungen vornehmen mussten, war man mit unserem zufrieden. Ich denke gerne daran zurück.

Den Schulbibliotheken haben wir in Hessen geraten, sich an dieser Programmdiskussion zu beteiligen. Es war eine einmalige Chance, die Aufgaben und Ziele der Bibliothek zu formulieren, ins Programm einzubringen und verbindlich für das Kollegium zu machen.

Der Wikipedia-Artikel scheint ganz brauchbar zu sein.

Jetzt fragt meine Frau gestern während des Fernsehabends plötzlich und ohne erkennbaren Anlass: “Was ist eigentlich aus den Schulprogrammen geworden?” Das würde mich auch interessieren.

Um Studiengebühren wird erbittert gestritten

Das könnte vorbei sein. Nachdem es wissenschaftliche Studien gibt, die den Nutzen belegen und solche, die nachweisen, dass sie schädlich sind, gibt es jetzt eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass sie nicht viel schaden, aber auch nicht viel nützen.

Weder studieren nur noch Student/-innen aus wohlhabenden Familien, noch verbessert sich die Lehre an den Unis wesentlich, wenn es Einnahmen aus Studiengebühren gibt.

Siehe Spiegel Online

Room to Read: Modell für Deutschland?

Ende 2012 las ich erstmals von ihm: Der Microsoft-Manager John Wood verließ 1989  den Konzern und gründete das Projekt”Room to Read”.

Er schrieb das Buch “Leaving Microsoft to Change the World”. Es wurde in 16 Sprachen übersetzt. Oprah Winfrey lud ihn in ihre Talkshow ein und Bill Clintons “Global Initiative” und eine Unternehmensberatungsfirma unterstützten ihn. In mehr als zehn Jahren gelang es ihm, Geld und Unterstützer zu finden, die in ausgewählten Entwicklungsländern Bücher für Kinder einführten, (Schul-)bibliotheken und Schulen bauten, Lehrer und Bibliothekare für das Lesenlernen (literacy) qualifizierten, die Unterstützung lokaler Behörden fand. 15.000 Büchereien wurden bisher eröffnet, 14 Millionen Bücher zur Verfügung gestellt, fast 10 Millionen Kinder wurden erreicht.

Wäre das nicht ein Modell für Deutschland?

UNICEf, OECD, die empirische Bildungsforschung und die Sozialverbände stellen doch, teilweise seit Jahrzehnten, fest, dass es immer mehr in Armut lebende Kinder in Deutschland gebe, dass die Schüler/-innen aus sozial schwachen Familien nicht hinreichend gefördert werden und die soziale Ungleicheit sich auch in den Biuldungschancen manifestiert. (Stärker als in anderen Industriestaaten.) Das Bundeswissenschaftsministerium gibt Millionen € an Forscher/-innen, die diesen Zustand wieder und wieder vermessen.

Die Alternative: Einfach so anfangen, wie John Wood es in Nepal, Laos, Kambodscha und Südafrika gemacht hat. Und nicht länger abstrakte Parolen wie “Mehr Geld für Bildung” oder neue Studien über schwache Schulleistungen.

Wäre es nicht an der Zeit, John Wood und sein brilliantes Team einzuladen?

Berliner SPD erklärt Privatschulen den Krieg

schreibt der Tagesspiegel.

Ähnlich wie schon Brandenburg will der Senat die Zuschüsse an Privatschulen kürzen. Die nicht sehr erfolgreiche Berliner Schulpolitik bringt viele Eltern dazu, weder Kosten noch Fahrweg zu scheuen, um ihren Nachwuchs in Privatschulen anzumelden. Dem soll ein Riegel vorgeschoben werden.

Es ist erstaunlich, wie groß die Staatsgläubigkeit (geworden) ist. Die riesenhafte Verschuldung gerade der staatlichen Landesbanken in der Finanzkrise, jährlich 30 Mrd Fehlleitung öffentlicher Mittel bei Investitionen (laut Bundesrechnungshof), die krachende Pleite eines deutschen Staates, in dem alles verstaatlicht war, nichts von alledem macht misstrauisch gegenüber dem Glauben, dass der Staat es billiger, besser und korruptionsfreier machen könne.