Herzlichen Glückwunsch, Herr Staatssekretär!

Der Staatssekretär im Kultusministerium teilt der LAG Schulbibliotheken mit, dass, neben einer „umfassenden finanziellen Unterstützung“, sein Haus das Schulbibliothekswesen mit einer Webseite auf der Homepage des Ministeriums unterstützen wird.

Wie sagte Jens Hoebbel gerne: „Schulbibliotheken im Aufwind“. Vom hessischen Schulbibliothekswesen – vulgo: was die LAG machte – hielt er nie viel.  Jetzt aber Aufwind auch in Hessen: eine solche Webseite hat noch nicht einmal Bayern.

Nach meiner Schätzung gibt es damit in Deutschland ca. ein Dutzend Hilfeseiten für Schulbibliotheken, auf denen man Links und andere nützliche Sachen findet. Die Hälfte davon sind Seiten bibliotheksfachlicher Verbände.

Da es den Regierungen zunehmend schwerer fällt, zu gestalten und Strukturen zu schaffen oder zu verändern, stürzen sie sich auf „Oberflächeneffekte“: Sie ehren Ehrenamtliche, rufen zum Engagement auf, würdigen Lehrer/-innen des Jahres, veranstalten Tagungen und Konferenzen, starten kurzlebige Projekte. Man ahnt, dass kreative Kommunikations- und Medienberater/-innen solche Ideen, die nicht viel kosten und nicht stellenwirksam sind, ausbrüten.

Man muss sogar dankbar sein, dass es kein Modellprojekt „Einrichtung einer Schulbibliothek“ von Stiftung Lesen, ekz, dbv und Kultusministerium gibt, bei dem die meist ehrenamtlichen Betreiber/-innen von ca 1.500 hessischen Schulbibliotheken mit offenem Mund zuschauen dürften.

Ein Satz im Schreiben des Staatssekretärs irritiert: Er schreibt von einer umfassenden finanziellen Unterstützung der hessischen Schulbibliotheken. Was meint er mit „umfassend“? Das Haus stellt drei Lehrkräfte im Umfang von etwas mehr als einer Lehrerstelle frei. Es hat in einem Kreismedienzentrum die Betreuung der 1.800 LITTERA-Anwender (Schulbibliothekskatalog und/oder Lehrmittelverwaltung) übernommen. Es bezuschusst den zweijährlichen Hessischen Schulbibliothekstag, den gelegentlichen Druck einer Broschüre.

Das meiste ist Vergangenheit: die Realisierung des LAG-Vorschlags eines Fortbildungsbusses (als „Kulturmobil für musische Fächer und – vorübergehend – Schulbibliotheken) und das große Leseförderprojekt „Bibliothek in der Kiste“. Es gibt einen kleinen Modellversuch zum Unterricht in der Schulbibliothek, zuletzt gab es Ähnliches vor 20 Jahren. Dann gibt es noch Lottomittel für einzelne Schulbibliotheken.

Schulbibliotheksmenschen in anderen Bundesländern mögen das mit offenem Mund lesen, weil sie sehr viel weniger Unterstützung haben. Aber „umfassende Unterstützung“ ist in meinen Augen etwas anderes.

Das Wissenschaftsministerium gibt zudem jährlich Geld an Stadtbibliotheken, die mit Schulen zusammenarbeiten, 2012 z. B. 200.000 €.

Es wäre sinnvoll, eine Schulbibliothekskommission beim Hessischen Kultusminister einzusetzen, besetzt unter anderem mit der Referatsleiterin, jemandem aus einer Schulbibliothek und einer Schulleitung, also Schulpraktiker/-innen, einer Verbindungsperson zum Wissenschaftsministerium und evtl. jemandem aus einer SBA Frankfurt/M. Die könnte das, was es im Geschäftsbereich des HKM und in der restlichen Landesregierung an Schulbibliotheksaktivitäten gibt, koordinieren. Bisher überlässt das Ministerium das Thema einem dbv-dominierten „Forum“.

Man könnte sogar der Webseite etwas Gutes abgewinnen, wenn es denn mehr würde als die 13. schulbibliothekarische Linksammlung. Das Ministerium weiß übrigens nicht, dass in den Tiefen des Hessischen Bildungsservers eine – inzwischen leere – Webseite „Hessischer Informationsdienst Schulbibliotheken“ ruht. In den ersten Jahren ab 1998 stand dafür ein Lehrer mit der Anrechnung eines Wochenarbeitstages zur Verfügung. Später wurde es ehrenamtlich auf http://www.schulbibliotheken.de fortgeführt.

NB.: Ich danke denen, die den Artikel „geliked“ haben. Dass ich ihn weiter geschrieben habe, schadet hoffentlich dem Urteil nicht.

Nachtrag Mai 2015: Die LAG hat in einem Schreiben an Staatssekretär Dr. Lösel ihre Freude darüber ausgedrückt, dass es jetzt eine kultusminsterielle Informationsseite zu Schulbibliotheken gibt. Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, konstruktiv daran mitzuarbeiten, dass diese Seite zu einem fundierten Schulbibliotheksportal wird.

Dr. Lösel lässt uns antworten, dass mit dem bedarfsgerechten und zielgerichteten Angebot ein wesentlicher Schritt in Sachen Vernetzung hessischer Schulbibliotheken getan wurde. Das liest sich so, dass das Projekt abgeschlossen ist.

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Ein Gedanke zu „Herzlichen Glückwunsch, Herr Staatssekretär!

  1. Pingback: Neues Schulbibliotheksportal beim hessischen Kultusministerium? | Basedow1764's Weblog

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