Archiv der Kategorie: Schule

Bessere Leistungen in Brandenburger Leistungs- und Begabungsklassen

2006 hatte die SPD/CDU-Koalitionsregierung in Brandenburg Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK) eingeführt, in denen leistungsfähige und/oder begabte Kinder schon nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechseln konnten und nicht wie üblich nach der 6. Klasse. 35 LuB-Klassen gibt es.

Ein Evaluationsgutachten lag schon vor einem Jahr vor, wurde aber erst jetzt bekannt. Darin wird festgestellt, dass die Spezialklassen bei den landesweiten Vergleichstests in Klasse 10 am besten abgeschnitten haben. An zweiter Stelle lagen die Regelklassen aus den Gymnasien mit den Spezialklassen. Zuletzt kamen die Gymnasien ohne Spezialklassen.

Ähnlich wie bei den PISA-Studien kann die begutachtende Wissenschaftlerin nicht erklären, warum das so ist.

  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besten Schüler versammelt sind?
  • Liegt es daran, dass in den Spezialklassen die besseren Lehrer unterrichtet haben?
  • Wie kommt es, dass auch die Regelklassen in den Schulen mit Spezialklassen besser als die normalen Schulen sind?

Man kennt das Ergebnis auch aus zahlreichen Vergleichsstudien zwischen Förderstufe und den Klassen 5/6 am (grundständigen) Gymnasium.

Ähnlich ist es ja auch bei der Wirkungsforschung zu Schulbibliotheken: Bewirken die Schulbibliotheken, dass die Schüler bessere Leser werden, besser in den Vergleichstests abschneiden oder sind es vor allem die guten Schüler, die die Schulbibliothek benutzen? Allerdings ist man bei der Erforschung der Schulbibliothekswirkung ein wenig weiter. So stellen Studien fest, dass die Qualität des Personals einen Einfluss zu haben scheint.

Frankreich: Zu viel Sprachunterricht verhindert soziale Gleichheit

Frankfreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem findet den bilingualen Unterricht in der Mittelstufe der Staatsschulen (Klassen 6 – 9) und das verstärkte Sprachangebot in den sogenannten Europaklassen elitär. Der bilinguale Unterricht ab Klasse 6 mit Deutsch oder Englisch erfreut sich großer Beliebtheit bei Eltern in bürgerlichen Wohngebieten. Diese “soziale Segregation” will die Ministerin nicht länger dulden. Die Klassen werden gestrichen. Dafür soll es in der Grundschule schon ein Fremdsprachenangebot geben, allerdings nicht durch dafür ausgebildete Lehrer.

So wird also ab 2016 der Deutschunterricht in Frankreich stark gekürzt werden. Die Zahl der Schüler, die Deutsch lernen, war gerade erst, nach langer Stagnation, gestiegen. Sie liegt bei ca. 15%. Nicht alle Parteifreunde der Sozialistin sind glücklich über die Entscheidung.

Im Pariser Goethe-Institut sieht man einen Verstoß gegen den deutsch-französischen Elysée-Vertrag von 2013, in dem sich die beiden Regierungen gegenseitig weitere Sprachförderung versprochen hatten.

Genderismus und Kreationismus

Ähnlichkeiten des Genderismus mit dem Kreationismus waren u. a. Gegenstand einer Tagung der American Association for the Advancement of Science”, an dem auch Prof. Ulrich Kutschera, Professor für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie an der Universität Kassel, teilgenommen hat. Sein Beitrag ist unter ungeklärten Umständen aus dem Humanistischen Pressedienst verschwunden (hier im Google-Cache).

Kreationismus wird vor allem von evangelikalen Christen vertreten. Für sie beginnt die Menschheitsgeschichte mit der Vertreibung der von Gott geschaffenen ersten Menschen Eva und Adam aus dem Paradies vor ca. 7.000 Jahren. Sie leugnen Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften, Zoologie, Botanik, Geologie, vor allem die Darwinsche Evolutionslehre.

In Hessen war die frühere Kultusministerin Karin Wolff Anhängerin des Kreationismus und trat dafür ein, ihn in der Sek II als Narrativ – neben der Evolutionsbiologie – nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in Biologie zu unterrichten.

Der Genderismus, der an deutschen Universitäten mit über 250 Professorinnen vertreten ist, behauptet , dass es ein “soziales Geschlecht” (gender) unabhängig vom biologischen Geschlecht gäbe. Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien sozial vermittelt, nicht biologisch determiniert. (Wie ist das mit der Homosexualität? Wenn sie sozial vermittelt ist – also gelernt oder eine individuelle Entscheidung wäre – könnte sie dann nicht auch verlernt oder aberzogen werden? Diese Ansicht wird von Gegnern der Homosexualität vor allem in USA vertreten.)

(nach science files)

Eine Schulbibliotheks-App?

Bei vielen Softwareanbietern werde ich aufgefordert, auf das Premium-Angebot upzugraden, etwa bei WordPress, Feedly oder den Virenschutzprogrammen. Man könnte diese Idee doch auch für die Schulen nutzen: Der Zugang zur realen Schulbibliothek wird als Premium-Schulbesuch vermarktet.

Wer mehr von der Schule haben will, lädt die schuleigene App für eine geringe Jahresgebühr und hat Zugang zu Wörterbüchern, Lexika, dem OPAC und meinetwegen auch zum Munzinger-Archiv. Die Bibliotheksnutzung ist durch den jährlich App-Kauf, sozusagen als Flatrate, abgegolten. Monatlich hätte man vier Fragen an die Bibliothekarin und eine Literaturliste frei sowie zwei E-Book-Ausleihen. In der Bibi-Lounge erhielte man täglich einen Softdrink.

Nicht-App-Schüler zahlen jede einzelne Schulbibliotheksnutzung und -dienstleistung.

In Sachen soziale Gleichheit sei angemerkt, dass Brandenburger Schüler/-innen aus sozial schwachen Familien in den Klassen 11 und 12 ein monatliches staatliches Taschengeld von 100 € erhalten, das sie frei ausgeben dürfen. In anderen Bundesländern könnte die App für Einkommensschwache subventioniert werden.

Deutschland den Migrant/-innen!

Kürzlich hatte ich unter der Überschrift “Ich kann es nicht mehr hören” über die unaufhörlichen Studien zum angeblichen Mangel an Computerkenntnissen und Computerausstattung in den Schulen gelästert. Die meist von der IT-Lobby gesponserten wissenschaftlichen Erhebungen werden in den Medien in der Regel 1:1 nachgebetet.

Bei einem anderen Thema, das auch Schule betrifft, aber darüber hinaus von Bedeutung ist, geht es mir ähnlich: Beim Thema Migration gibt es die ebenso unaufhörlichen Studien über die Benachteiligung der Migranten durch das deutsche Schulsystem, die deutschen Lehrer/-innen und überhaupt die fehlende Willkommenskultur. Weiterlesen

Berlin und Brandenburg suchen Schulleiter

Vor vier Jahren waren in Hessen ca. 1.000 Schulleitungsstellen unbesetzt. Es ist seit Jahren üblich, dass der Schulleiter oder der Stellvertreter monate- oder jahrelang die Schule allein leitet. Auch mir ging das so. Besonders in Grundschulen ist es schwer, Bewerberinnen oder (gar) Bewerber zu finden. Die Differenz zwischen dem Lehrergehalt und dem Grundschulrektorgehalt liefert keinen Anreiz für eine Bewerbung. Es ist schon vorgekommen, dass auf zuvor abgelehnte Bewerber zugegangen werden muss, weil es nach einer Neuausschreibung keine weiteren Bewerbungen mehr gab.

Im letzten Jahr las ich, dass in Brandenburg 100 Schulleitungsstellen unbesetzt waren. (Nicht gemeint ist eine vorübergehende Vakanz im Rahmen einer Neubesetzung; obwohl, auch da fällt auf, dass eine Ausschreibung manchmal erst Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgt, obwohl die Schulaufsicht wusste, ab wann die Stelle unbesetzt war. Das ist immerhin etwas besser geworden, vor allem bei großen Schulen. Unvorstellbar, dass ein Nachfolger einige Zeit vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers an die Schule kommt.) Damals stand in der Zeitung, dass man in Berlin an ca. 30 der ca. 800 Schulen eine Verwaltungsleiterstelle schaffen wolle, um Schulleiter zu entlasten.

Jetzt lese ich, dass in Berlin über 100 Stellen unbesetzt wären.

Nicht einfacher wird die Stellenbesetzung, wenn zukünftig gemäß geplantem Bundesgleichstellungsgesetz im Grundschulbereich für eine angemessene Männerquote gesorgt werden muss.

Seit Jahren wird von Politiker/-innen gefordert, versprochen, beabsichtigt, die Schulqualität zu steigern. Was kommt, sind kompetenzorientierte Lehrpläne, mehr Computer und vor allem neue Studien über die Mängel des Schulsystems. Die neueste kommt aus Düsseldorf von der Heinrich-Heine-Universität. In ihr wird, zum zigsten mal bei diesem Thema, die fehlende Willkommenskultur gegenüber Migrantenkindern, die fehlende Unterstützung durch die Lehrkräfte und (neu!) durch die Mitschüler und deren Eltern beklagt.

Dass sich immer weniger Lehrer/-innen finden, die Belastungen in den Leitungsstellen auf sich zu nehmen, scheint für Bildungspolitik und Bildungsforschung kein Thema zu sein.

Nicht vergessen habe ich, wie ein englischer Schulleiter staunte, als wir ihm erzählten, dass Schulleiter in Deutschland auch unterrichten müssen. Er war 50 Stunden in der Woche damit beschäftigt, die Schule zu leiten. Die Schulaufsicht wies meine Sekretärin an, mich aus dem Unterricht ans Telefon zu holen. (Geschichten aus dem Schulleiterdasein finden sich im E-Book des Kollegen Harald Togal.)