Schlagwort-Archive: Computer in der Schule

Internat Salem schränkt Handynutzung ein

Die Salemer Lehrer hatten es anscheinend satt, morgens unausgeschlafene Schüler/-innen unterrichten zu müssen, die die halbe Nacht auf ihren digitalen Geräten gesurft hatten.

Die Pressestelle des Elite-Internats teilte im Dezember 2014 mit:

“Führendes deutsches Internat begegnet dem exzessiven Medienkonsum vieler Schüler

Die Pädagogen des Salemer Mittelstufen-Internats haben sich zu Beginn des laufenden Schuljahres darauf verständigt, die Nutzung von internetfähigen Geräten mit Bildschirm deutlich einzuschränken. SmartPhones, MP3-Player, Laptops und Tablet-PCs werden um 21.30 Uhr eingezogen. Während Laptops und Tablets den 13- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern zu Unterrichtsbeginn wieder zur Verfügung stehen, werden SmartPhones erst nach dem gemeinsamen Mittagessen um 14.15 Uhr wieder ausgegeben. Denn auch in Salem sollen die Schüler natürlich den Umgang mit den IT-Medien lernen. (Hervorhebung von mir; GS) Weiterlesen

Die Lüge der digitalen Bildung

So heißt das Buch von Gerald Lembke und Ingo Leipner, das Anfang März erscheinen wird.

Es mehrt sich inzwischen die Zahl der Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass Tablets und andere digitale Geräte keineswegs generell dem nichtdigitalen Lernen überlegen sind. Die Autoren empfehlen, was so neu ja nicht ist, dass Computer erst ab der Mittelstufe eingesetzt werden.

Ein Interview mit Prof. Lembke

 

By the way: Ich habe einmal die Titel von Untersuchungen überflogen, die in der Fachzeitschrift “Computers in Human Behaviour” veröffentlicht werden. (Ein Teil ist nicht kostenpflichtig zugänglich.) Die Themen, deren Häufigkeit mir auffiel: gender, gender, gender, Angst vorm Computer, Computersucht, Einsamkeit und Computer.

Was das Lernen angeht, so erbrachte eine Metaanalyse ein kleine, aber signifikante Überlegenheit des digitalen Lernens. Interessant: In publizierten Studien zur Lerneffizienz gibt es die Überlegenheit des digitalen Lernens, in nicht-veröffentlichten Studien war das nicht der Fall. Das scheint an methodischen Problemen gelegen zu haben. Es ist sicher nicht einfach, Ergebnisse aus unterschiedlich zusammengesetzten Klassen, die von verschiedenen Lehrern unterrichtet wurden, zu vergleichen.

 

Bücherlesen als Erholung von IT

“Viele Eltern und Lehrer befürchten, dass das technische Spielzeug die Schüler vom Bücherlesen abhält. Das Gegenteil ist der Fall. Viele Schüler verbinden IT inzwischen mit Schule und finden das Lesen “richtiger” Bücher als wahre Erholung.”

Corinne Hill, Leiterin der Stadtbibliothek von Chattanooga/USA

Die PISA-Industrie braucht Beschäftigung: ICILS-Studie zu Computerkompetenzen

Gefühlt lese ich täglich neue Umfragen über die Computerkompetenzen von Lehrern und Schülern. Was fehlt, ist ein überzeugender Nachweis, dass die Milliarden, die in die Computerisierung der Schulen gesteckt wurden, nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern auch bildungspolitisch Wachstum generiert haben, sprich höhere Schülerleistungen und einen besseren Bildungsstand bewirken.

Jetzt gibt es ICILS, eine weltweite Studie über Computer- und Informationsbeschaffungskompetenzen von Achtklässlern. Die Forscher dringen darauf, dass die IT-Ausstattung der Schulen verbessert wird, die Lehrer besser in IT-Nutzung im Unterricht geschult werden und diese dann auch praktizieren.

“Ich wünsche mir, dass die ICILS-Studie den Ländern Impulse gibt, damit es an den Schulen zu dringend notwendigen Veränderungen und Verbesserungen kommt“, sagt die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, dazu. Ihr Haus hat die Studie in Deutschland finanziert. Das Ministerium, so sagt sie weiter, werde in den nächsten zehn Jahren 500 Mio € in die “Qualitätsoffensive Lehrerbildung” stecken. Sie erhofft sich von der Initiative einen Innovationsschub auch beim Einsatz digitaler Medien.

Im Blog Critical Science kann man lesen, dass die Ergebnisse so sind, wie wir sie aus bisher fast allen Leistungsvergleichstudien kennen, dass es aber auch Widersprüche zwischen dem wahren Leben von Achtklässlern und der Kunst der empirischen Sozialforschung gibt.

IT aus dem Mittelalter?

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) hat Forsa repräsentativ nach der IT-Ausstattung in den Schulen fragen lassen.

Drei Viertel der Lehrer hätten Zugang zu einem Schulcomputer. Das ist wörtlich zu verstehen, meist handelt es sich um ein Exemplar im Lehrerzimmer oder im Sekretariat. Dennoch nutzen 90% aller Lehrkräfte Internet und EDV für ihre Unterrichtsvorbereitung. 1 Prozent gibt an, dass es in der Schule Klassensätze von Tablets oder Smartphones gäbe, zitiert die FAZ dpa. Der Verband fordert mehr Geld für die digitale Ausstattung.

Da werden bei mir Erinnerungen an die gute, alte Zeit wach: Die Zugangskosten für das Internet in der Schulbibliothek bezahlte in den 90ern der Schulförderverein, bevor der Landkreis auf dem Weg einer Einzelfallentscheidung vorläufig und bis auf Widerruf die Kosten übernahm. Mein erstes virtuelles Klassenzimmer richtete ich auf einer dänischen Plattform ein. In Deutschland gab es nichts Vergleichbares. In Dänemark sah ich auch, dass alle Schüler und alle Lehrkräfte von ihren Schulträgern eine E-Mail-Adresse bekommen hatten. Zu der Zeit legten sich deutsche Schulen privat Internetadressen und E-Mail-Accounts zu. Einer meiner Landräte machte sich über die Lehrer, diese digitalen Analphabeten, lustig. Unter lautem Beifall der Presse empfahl er, dass die Schüler den Lehrern EDV und Internet beibringen sollten. Zu der Zeit brachte ich meinen Laptop mit, weil den Schulleitern kein Computer zustand. In einem freien Zimmer im Verwaltungsbereich (Die Stelle des pädagogischen Leiters wurde nicht mehr besetzt.) stellte ich einen Rechner für das Kollegium auf, auf dem Zeugnisse ausgedruckt werden konnten.

Als dann in Deutschland doch noch das Computerzeitalter über die Schulen hereinbrach, richtete der Landkreis eine EDV-Abteilung ein. Die jungen Leute dort wollten mir Internet und EDV erklären, sie glaubten den Tiraden des Landrats. Immerhin mussten wir in den Schulen uns nicht mehr auf eigene Kosten an gewerbliche EDV-Firmen wenden. Der Schulträger wollte sogar wissen, welche Software für welche Fächer wir haben wollten. Als das der Verwaltung über den Kopf wuchs (Stichwort Lizenzen!), hieß es, es dürfe nur installiert werden, wofür die Schule Lizenzen hatte. Welche Schule konnte sich schon Lizenzen für eine Software auf vierzig Rechnern leisten?

Selbst installieren durften wir nicht. Der Techniker der Computerfirma, die die Geräte geliefert hatte, würde einmal im Jahr zum installieren kommen. (Über diese famose Firma hatte ich vor fünf Jahren im Blog geschrieben.) Auch als es dann mit der Verkabelung der Schule losging, war die Zeit der Pannen und Überraschungen längst nicht zu Ende. Kaum hatten wir einen teuren DIN-4-Laserdrucker in der Verwaltung, stellte das Ministerium auf A-3-Zeugnisse um und die Schulverwaltung wollte uns jetzt keinen A-3-Drucker mehr kaufen. Das meiste habe ich glücklicherweise schon vergessen.

Dass es für Schulbibliotheken in ganz Hessen eine Software-Landeslizenz gibt, ist nicht der Normalfall. Eigentlich ist jeder kommunale  Schulträger allein verantwortlich. Eine Konsequenz dieser LAG-Initiative war, dass unsere Schulbibliothek Jahre vor z. B. der Stadtbibliothek Frankfurt/M einen OPAC hatte. 90% aller Schulen haben heute die (LITTERA-)Software für die Schulbibliothek und/oder die Lehrmittelverwaltung. Anstatt diese Lösung als vorbildlich zu betrachten und zu unterstützen, legen kommunale Bibliothekar/-innen im Rahmen von Kooperationsverträgen Bibliothek und Schule beteiligten Schulen nahe, doch auf LITTERA zu verzichten und auf OCLC/bibliotheca umzusteigen.

Wegen dieser Zuständigkeitsverteilung zwischen Land und Kommunen ist es auch nicht möglich, landesweite IT-Dienste anzubieten. So gibt es einen Schulträger, die eine “Serverfarm” mit Datenbanken anlegt, auf die Schulen zugreifen dürfen, anstatt dass es einen landesweiten Bildungsserver gibt. Wie schön wäre es, eine schulische E-Book-Nutzung nach dem Modell der US-amerikanischen Firma Brain Hive allen Schülern eines Bundeslandes anzubieten.

Verträgt es sich eigentlich mit dem Gebot des Grundgesetzes, gleiche Lebensbedingungen für alle Bundesbürger zu schaffen, wenn es der einzelnen Kommune überlassen bleibt, ob es in ihren Schulen eine Schulbibliothek gibt?

Neues zur Digitalisierung der Schulen

Die Welt berichtet von einer Laptopklasse in Berlin. Eltern sind laut BITKOM skeptisch, was Computerkenntnisse der Lehrkräfte angeht. Eine Schülerin der Laptopklasse sieht nach drei Jahren Vorteile fürs Berufsleben. Sie könne jetzt mit Powerpoint umgehen und mit zehn Fingern schreiben.

Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband würde lieber Schulbibliotheken sehen statt teurer Laptops. Die Bundesregierung wolle 500 Millionen für bessere Computerkompetenz der Lehrkräfte ausgeben. Eine überzeugende Evaluation des Nutzens von Computern im Unterricht gibt es bisher nicht. Statt Laptopklassen gibt es neue Projekte mit Tabletklassen. Die wären einfacher zu bedienen und könnten schon in Grundschulklassen eingesetzt werden, sagen Medienexperten in NRW.

Basedow1764 hatte kürzlich berichtet, dass in USA Laptops Tablets vorgezogen werden, wegen der Tastatur.