Archiv der Kategorie: Leseförderung/Lesen

Lesetipps von Tina Kemnitz

Tina Kemnitz war schon mehrmals auf Schulbibliothekstagen und Preisverleihungen AGSBB zu Gast. Ihre knackig-kurzen, unterhaltsamen Buchvorstellungen sind ein Highlight der Veranstaltungen gewesen.

Jetzt komme ich gerade von der Preisverleihung “Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015″. Die folgenden Bücher hat Frau Kemnitz dort so vorgestellt, dass man am liebsten alles stehen und liegen ließe und sich draufstürzte:

Robert Paul Weston. Die Monsterabteilung

Philip Reeve/Srah McIntyre, Kekse im Kosmos

Erin Jade Lange, Butter

Brigitte Glaser, Krähensommer. Incis erster Fall

Bertrand Santini, Jonas und der mechanische Hai

Arne Rautenberg, Montag ist Mützenfalschrumtag. Gedichte

Frau Kemnitz kommt zu Literaturempfehlungen, Leseförder-Veranstaltungen und Fortbildungsseminaren in Schulen. Sie ist über ihre Webseite www.tollesbuch.de zu erreichen.

Noch ein kurzes Wort zur Preisverleihung:

37 Bewerbungen, davon 2/3 Grundschulen und 1/3 verschiedene Schulformen der Sekundarstufe, eine tolle Feier mit mehreren Preisen, Dutzenden an Blumensträußen, Musikdarbietungen von zwei Solistinnen eines dritten Schuljahres und mehreren Sponsoren, darunter nach 2011 und 2013 zum dritten Mal der Bibliotheksausstatter SchulzSpeyer. Geschäftsführer Markus Münch lässt es sich nicht nehmen, den Preis selbst zu überreichen.

Die Bildungsstadträtin war wegen anderer Termine oder Krankheit verhindert. Ihr Grußwort wurde verlesen. Darin gab sie der Hoffnung Ausdruck, dass irgendwann einmal alle schulinternen Bibliotheken Bestandteil des öffentlichen Bibliothekswesen werden würden

Preisverleihung im Wettbewerb zur Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015

Hier die Pressemitteilung der des AGSBB-Vorsitzenden Victor Wolter:

agsbb_plakatEs bleibt spannend bis zum Schluss: Erst am kommenden Donnerstag, dem 18. Juni 2015, wird während der Abschlussveranstaltung der Sieger im Berliner Wettbewerb zur Schulbibliothek des Jahres 2015 bekanntgegeben. Vertreter/-innen aus 36 Schulen werden anreisen, um zu erfahren, ob sie einen der drei Preise gewonnen haben: Der Gewinner wird “Berliner Schulbibliothek des Jahres 2015″ und erhält 500 € Preisgeld, die der Lions Club Berlin Spree gespendet hat. Zusätzlich gibt es einen wertvollen Sonderpreis von Hugendubel und einen Sonderpreis des Bibliotheksausstatters Schulz Speyer.

Eine Jury hat anhand der Ausschreibung inzwischen entschieden, wer Preise erhält. Dabei ging es nicht um die Größe des Bibliotheksraums oder die Medienanzahl, sondern um die Einbindung der Schulbibliothek in den Alltag der Schule: Ist die Schulbibliothek in den Unterricht einbezogen? Gibt es ein Lesekonzept oder Aspekte eines Konzeptes, in deren Mittelpunkt die Bibliothek steht? Gibt es Aktionen der Bibliothek, die die ganze Schule betreffen wie Buchwoche, Lesetage, Veranstaltungen? Gibt es erfolgreiche Vorhaben der Vermittlung von Lese-, Recherche- und Informationskompetenz an Lehrkräfte und Schüler/-innen?
Viele außergewöhnliche Schulbibliotheken haben sich beworben. Die Beiträge der Preisträger werden am Donnerstag zu sehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg e.V. (AGSBB e.V.) erwartet eine feierliche und unterhaltsame Veranstaltung mit einem spannenden Rahmenprogramm und anschließendem Sektempfang.

Donnerstag, 18. Juni 2015
16:00 Uhr, Einlass ab 15:30 Uhr
Ort: Grundschule auf dem Tempelhofer Feld
Adresse: Schulenburgring 7-11 in 12101 Berlin–Tempelhof

Der Preis “Brandenburger Schulbibliothek des Jahres 2015″ wurde am Samstag, dem 15.6.15 in der Fred-Vogel-Grundschule in Fredersdorf-Vogelsdorf in Anwesenheit des brandenburgischen Bildungsstaatssekretärs Dr. Drescher übergeben. Hier der Bericht auf der Webseite der AGSBB.

Lesetipp: Die Welt umgestalten, ohne Rücksicht auf Verluste. Eine Biographie Mao Zedongs

Sachbücher sind auf dem Markt der Kinder- und Jugendliteratur nicht gerade üppig vertreten. Jeder, der für Schulbibliotheken einen attraktiven Bestand aufbauen will, kann davon ein Lied singen. Dem Beltz-Verlag ist es zu verdanken, dass es eine Reihe lesenswerter Biographien großer Persönlichkeiten der Geschichte gibt, von denen man sich wünscht, dass sie jugendliche Leserinnen und Leser finden. Das aktuellste Buch dieser Reihe, im Dezember 2014 abgeschlossen, ist, wie manche andere dieser Reihe auch, ein All-Age-Buch, das auch Erwachsene mit Gewinn lesen werden:

Charlotte Kerner, Rote Sonne, Roter Tiger. Rebell und Tyrann Mao Zedongmaocover

Charlotte Kerner ist bekannt durch die Zukunftsromane „Geboren 1999“ und „Blueprint Blaupause“. Sie hat in China gelebt und studiert und ist Kennerin der chinesischen Geschichte und Gegenwart.

Sie erzählt in einer angenehm zu lesenden Sprache das Leben Maos vor dem Hintergrund der jüngeren chinesischen Geschichte.

Der belesene, Gedichte schreibende, brutale, bauernschlaue und jähzornige Mao ließ schon 1930 während der bürgerkriegsähnlichen Zustände in China 4.000 seiner Gefolgsleute liquidieren und regierte während seiner Herrschaft im kommunistischen Teil Chinas 1937-45 mit Umerziehungslagern, Geheimgefängnissen und Hinrichtungen. Nach der Staatsgründung 1949 entfesselt er Kampagnen, die zu millionenfachem Mord und Totschlag führen: „Der große Sprung“ und die „Große Proletarische Kulturrevolution“.

Frau Kerner verschweigt nicht, dass es Biographen gibt, die Mao weniger ausgewogen sehen, als sie es tut. (Im Literaturverzeichnis nicht erwähnt, aber m. E. als Vertiefung ebenfalls gut geeignet: Frank Dikötter, Maos Großer Hunger. Massenmord und Menschenexperiment in China 1958-1962). Sie stellt die Frage, ob der erfolgreiche Revolutionär, der Japan und Chiang Kaichek besiegte und China einte, als Lenker eines Staatswesens überfordert war und deshalb auf immer schrillere revolutionäre Kampagnen zurückgriff. War er ein „revolutionärer Romantiker“, der über Leichen geht, wenn es sein muss?

Es gibt heute in China mehr als den unübersehbaren Devotionalienhandel und die allgegenwärtigen Mao-Bilder. Er prägt bis heute Chinas Politik und Gesellschaft; die breite Darstellung der Auseinandersetzungen um seine Herrschaft trägt sehr zum Verständnis des heutigen China bei.

Schulbibliotheken sollten politisch interessierten Jugendlichen die Chance geben, dieses Buch zu lesen. Lehrer, die euro- und germanozentrierten Geschichtsunterricht darbieten müssen, sollten das Buch in den Unterricht einbeziehen und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern als Lektüre empfehlen..

Lesen fördert friedliches Zusammenleben

Endlich habe ich Steven Pinkers phänomenales Werk “Gewalt – Eine neue Geschichte der Menschheit” beendet. Auf über 1.000 Seiten dokumentiert er, dass es in der Menschheitsgeschichte einen stetigen Rückgang von Mord, Gewalt und Krieg gibt. Noch nie sei die Welt so friedlich gewesen wie heute.

Das läge daran, dass die Vergangenheit allzu gerne verklärt werde. Frühere Generationen hätten unter einem unvorstellbaren Ausmaß an Gewalt gelitten. Wer sich durch die Seiten durchkämpft – wohl ein eher unpassender Ausdruck angesichts des Themas – erfährt von Kriegen und Massakern, die in unseren Geschichtsbüchern unerwähnt bleiben. Es gibt eine, ebenfalls weitgehend unbekannte Kriegsforschung, die versucht, möglichst alle Kriege und Bürgerkriege und ihre Toten zu erfassen und diese in Bezug zur Bevölkerungszahl zu setzen. Dabei zeigt sich, dass die Menschenverluste etwa im Amerikanischen Bürgerkrieg oder im 30jährigen Krieg größer waren als im Zweiten Weltkrieg.

Pinker benutzt allerdings nicht nur statistische Verfahren. Er zeigt, dass die Entstehung der modernen Staaten in der Neuzeit mit ihrem Gewaltmonopol und dem Aufbau einer Justiz innerstaatlich gewaltmindernd wirkt,  ebenso die Durchsetzung von Menschen- und Bürgerrechten, die Abschaffung der Sklaverei, das Ende von Hexenverbrennungen und der Inquisition. Zwischenstaatlich seien konfliktverhindernde Regeln entstanden. Auch der Austausch durch Handel habe sich gewaltmindernd ausgewirkt. Ein Win-Win-Situation würde Frieden erhalten, anders als die Ausbeutung eines Landes durch ein anderes.

Ich will den Inhalt hier nicht zur Gänze referieren. Ich weiß aus Gesprächen, dass ich lebhaften Widerspruch ernte, wenn ich Pinkers Erkenntnisse vertrete. Die Zeitungen wären doch voll von Krieg und Mord und Totschlag, der Zweite Weltkrieg wäre der schlimmste aller Kriege gewesen usw. “Früher war es noch schlimmer”, würde Steven Pinker antworten, der Rückgang sei messbar.

Warum ich das Buch überhaupt in diesem Blog erwähne? Pinker beschreibt auch die Fähigkeit zu lesen, den Buchdruck, die Ausbreitung der Leihbüchereien und die Lektüre von Romanen und Erzählungen als Faktoren der Humanisierung der Gesellschaft. Der geistige Horizont habe sich erweitert, man habe von anderen Völkern und Ländern erfahren. In den Romanen ging es um normale Menschen, nicht um Helden oder Kaiser und Könige. Ein Buch wie “Onkel Toms Hütte” habe vielen weißen Amerikanern die Augen geöffnet, ähnlich wirkte “Oliver Twist”.

Leseförderer wissen schon aus der Lese- und Leserforschung: Lesen fördert Empathie. Man versetzt sich in andere Menschen, man übernimmt ihre Perspektive, man zeigt Mitgefühl.

All dies habe den Siegeszug des Humanismus gestärkt.

Ebenfalls von Steven Pinker und genauso beeindruckend: “Wie das Denken im Kopf entsteht”.
(Ich lese solche solide recherchierten Werke lieber als die hoch gelobten spekulativen, stellenweise schlicht falschen Thesen von Piketty, Zizek oder Joseph Vogl über Zustände in unserer Gesellschaft.)

Die Otfried-Preußler-Schule Bad Soden und ihr Medienzentrum

Wie eine moderne Grundschulbibliothek aussehen sollte, zeigt die Otfried Preußler-Grundschule Bad Soden. Schulleiterin Martina Muth-Pehlke hat ein Medienzentrum realisiert, das besondere Beachtung verdient.

Wer die Schulbibliotheksseiten auf der Homepage der Schule aufschlägt, wird sehen, dass ich nicht übertreibe.

Dass es in meiner ehemaligen Heimat, dem hessischen Main-Taunus-Kreis, passiert, freut mich besonders. LAG Schulbibliotheken und Projektbüro Schulbibliotheken waren von der Schulleiterin hinzugezogen worden.