Schulbibliotheken in der Erziehungswissenschaft

Über die Forschungsergebnisse von Frau Prof. Bertschi-Kaufmann wurde in diesem Weblog kürzlich berichtet. Frau Bertschi-Kaufmann ist nicht die einzige, die wenig von Schulbibliotheken hält. Aber sie hat mir wenigstens geantwortet. Sie meinte, ihr Forschungsergebnis sei im Börsenblatt, wo ich es las, falsch wiedergegeben worden. Was ich wiederum, nach Lektüre ihrer Arbeit, so nicht bestätigen kann.

Vor einem Vierteljahr habe ich einen Text von Prof. Bettina Hurrelmann gelesen. Er gefiel mir gut, wie eigentlich immer bei ihr. Bis auf eine Schlussbemerkung.

Ich schrieb ihr eine Mail, von der ich nicht weiß, ob sie angekommen ist:

„Sehr geehrte Frau Prof. Hurrelmann,

mit großem Gewinn lese ich schon lange Ihre Arbeiten. Mein Thema sind Leseförderung und Schulbibliotheken. Mit diesem Thema sitzen meine Freunde und ich allerdings zwischen allen Stühlen:

  • Schulpolitik und Schulverwaltung sind gesetzlich nicht zuständig.
  • Die Verbände des Bibliothekswesens propagieren vorrangig die Nutzung der öffentlichen Bibliothek und erwähnen die Schulbibliothek in ihren Bibliotheksgesetzentwürfen nicht.
  • Und leider schenkt die Erziehungswissenschaft, auch die Leseforschung und Schulpädagogik, dem Thema keine Aufmerksamkeit.

Sie erweitern mit Recht den engen, instrumentellen Lesekompetenzbegriff der PISA-Studien und fordern schulische Lesekonzepte, bei der auch emotionale, soziale und motivationale Aspekte des Lesens berücksichtigt werden.

Dies versuchen Schulbibliotheken in aller Welt umzusetzen. Der Rest der Welt ist dabei intensiver am Werk als Deutschland.

Ich finde es bedauerlich, dass am Ende Ihrer Ausführungen (z. B. in Ihrem Beitrag zu Auernheimer (Hrsg.), Schieflagen im Bildungssystem), als einzige Schlussfolgerung steht, die Zusammenarbeit zwischen Schule und öffentlicher Bibliothek sei ein Stiefkind der Unterrichtspraxis.

Gegen einen gelegentlichen Ausflug in die Stadtbücherei ist trotz des organisatorischen Aufwandes (Begleitperson, Transportorganisation, Vertretungsunterricht, Unterrichtsausfall) nichts einzuwenden. Wer aber im In- und Ausland die erfolgreiche Praxis in Schule und Unterricht integrierter Schulbibliotheken kennt, auch die Begleitforschung dazu, wundert sich und ist enttäuscht.

Die Initiative des Bibliotheksverbandes, Kooperationsverträge mit Kultusministern abzuschließen, blockiert eine Schulbibliotheksentwicklung, die eingebettet ist in schulische Lesekonzepte und Qualitätsrahmen für Unterricht. Sie enthebt die Kultusminister auch noch des letzten Rests an Verantwortung für Schulbibliotheken. In diesem Sinn hat mir z. B. Ministerpräsident Platzeck, potsdam, antworten lassen.

Ich kann nachvollziehen, dass das deutsche Schulbibliothekwesen mangels Masse kaum Material für eine Schulbibliotheksforschung bietet, von Fallstudien abgesehen. Aber ich würde mich schon darüber freuen, wenn Bildungsforscher und Erziehungswissenschaftler die Schulbibliothek wenigstens erwähnen würden. Es wäre schön, wenn sie Ohio-, Ontario- oder Colorado-Studien und andere Untersuchungen, die den Beitrag der Schulbibliotheken zu Schulerfolg, Unterrichtsqualität und Lesekompetenz erhellen, berücksichtigen würden.“

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob die Mail an Ihre universitäre Adresse angekommen ist. Geantwortet hat sie nicht.

Eine dritte Leseforscherin sagte kürzlich im Privatgespräch mit einem LAG-Vorstandsmitglied ihr sei keine Untersuchung bekannt, die eine Wirkung von Bibliotheken auf Lesekompetenz und Lesemotivation nachwiese.


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Ein Gedanke zu „Schulbibliotheken in der Erziehungswissenschaft

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