Der flüchtende Flüchtling wird im Frühling zum Lehrling

Lehrling und Flüchtling: Auf den Index?

Mich fasziniert die schleichende Sprachreform. Meist ist sie genderistisch motiviert, oft auch pc-bemüht.

Ich werde sogar von einer pensionierten Lehrerin korrigiert: Briefträger und Briefträgerinnen, so viel Zeit muss sein. Meine langatmigen Erklärungen zum generischen Maskulinum, das nicht das Geschlecht, sondern die Gattung meint, verfangen da nicht. Auch nicht der Hinweis, dass in gendergerechten Zeiten niemals mehr eine Frau zu den weltbesten Schriftstellern zählen kann, sondern nur noch weltbeste Schriftstellerin werden kann.

Eine neue Frucht der Sprachforscherinnen und Sprachforscher ist die Erkenntnis, dass die Silbe „ling“ einem Wort einen negativen Drall versetzt. Das hat sofort dazu geführt, dass in meiner Zeitung nur noch von Flüchtenden, nicht mehr von Flüchtlingen geschrieben wird. Das ist insofern geschickt, dass wir uns damit, ebenso wie bei Studierenden die gendergerechte Verdopplung Studentinnen und Studenten ersparen und einer Auszubildenden die Stigmatisierung als Lehrling.

Es stört die SprachreinigerInnen nicht weiter, dass Studierende nicht immer studieren, sondern auch einmal essen oder ins Kino gehen, also dann eher Essende und Ins-Kino-Gehende sind.

Ich bin gespannt, was mit dem Wort Frühling passieren wird.

Reiner Bonhorst auf Achgut über die -ling-Vermeidungsstrategien.

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