Schlagwort-Archive: Genderforschung

Bei Polito- und Soziologen muss man genau hinsehen

Bevor ich „auf Lehramt“ studierte, hatte ich Soziologie und Politikwissenschaft belegt. Da ich daraus keinen Brotberuf ableiten konnte und keine akademische Karriere anstrebte, habe ich die beiden Fächer dann nur noch nebenbei verfolgt.

Aus dem Studium habe ich imponierende Namen in Erinnerung: Ellwein, Fetscher, Dahrendorf, Popper, Hans Albert, Lieber, Parsons, Goffman, Barrington Moore. Die älteren Klassiker will ich gar nicht erst aufzählen.

Seit mehreren Jahren fällt mir nun auf, dass die Gesellschaftswissenschaften dabei sind, ihren Anspruch, Wissenschaft zu sein, aufs Spiel setzen. Wie man zu Erkenntnissen kommt, welche Methoden man anwendet, welches Erkenntnisinteresse man überhaupt hat, darüber wird wenig oder wenig kritisch reflektiert.

Die Politikwissenschaft wurde für mich verdächtig, als im Fernsehen zunehmend Universitätsprofessoren dieser Fächer gebeten wurden, das Tagesgeschehen zu deuten. Die sagten das, was in der Zeitung stand und für das man nicht habilitiert sein musste: Dass Merkel Widerstand in der eigenen Partei spürt, dass die Linken zwei Flügel haben, dass es eine Rivalität zwischen Trittin und Göring-Eckardt gäbe.

Die Soziologie besteht heute in weiten Teilen aus Armuts- und Frauen- bzw. Genderforschung. Die sozialwissenschaftichen Lieblingsvokabeln sind: rassistisch, rechtspopulistisch, islamophob, neoliberal, sexistisch, benachteiligt, unterprivilegiert, frauenfeindlich. Die muss man nicht mehr definieren und erklären. Sie zu verwenden zeigt, dass man auf der richtigen Seite steht.

Hier ein Beispiel dafür, wie es in den Gesellschaftswissenschaften zugeht: Professor Dr. Samuel Salzborn (Uni Göttingen), beim DGB und in der ARD als Experte beliebt, unterstellt Max Weber, dass er Anhänger der gelenkten Demokratie gewesen wäre. Auf Adam Smith ginge zurück, dass man im Kapitalismus Gewinne privatisieren und Risiken und Verluste verstaatlichen würde.

Michael Klein, der Science-Files-Blogger, hat sich, wie schon so oft, die Mühe gemacht, genauer hinzusehen und bei Weber und Smith nachgeschlagen. (Dass Prof. Dr. Salzborn in einem Pamphlet gegen die AfD Weber und Smith falsch zitiert, mildert den Vorwurf nicht. Es gibt gute Gründe, gegen die AfD zu sein. Das enthebt einen Professor nicht der Verpflichtung, wissenschaftlich zu arbeiten und korrekt zu zitieren.)

Nachtrag Juni 2016: Mich wundert der Aufschrei, weil die Uni Göttingen die von vornherein befristete Stelle des Herrn Dr. Salzborn nicht verlängert. Anscheinend ist Herr Salzborn für Frau Kahane und die ARD unverzichtbar.

Eine neue Stilblüte seiner „wissenschaftlichen“ Erkenntnisse hier.

In der einschlägig berüchtigten Berliner Humboldt-Universität gibt es in den Sozialwissenschaften solche Institute:

  • Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien
  • Lehrbereich Diversity Politics
  • Lehrbereich Diversity and Social Conflict
  • Lehrbereich Arbeit und Geschlechterverhältnisse

Alle diese und weitere befassen sich mit Vielfalt (wissenschaftlich: Diversity), Rassismus, Diskriminierung, Migration, Eurozentrismus, Postkolonialismus, jeweils mit Schwerpunkt Gender.

Wer wird dort eigentlich ausgebildet? Gleichstellungsbeauftragte, Frauenbeauftragte, die zukünftigen Migrationsbeauftragten? Die, die danach „etwas mit Medien“ machen wollen?

Wie lautet ein launischer Tweet? „Die geben Millionen für irgendwelche kaum wahrnehmbaren Gravitationswellen aus. Das Geld fehlt dann in der Genderforschung.“

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Punktabzug wegen genderunsensibler Sprache unzulässig

Dem Genderismus wurden schon einige Territorien überlassen:

Die amtlichen Rechtschreibregeln wurden ausgehebelt. So gibt es an der Uni in Potsdam nur noch Professorin als Dienstbezeichnung und Punktabzug bei wissenschaftlichen Arbeiten, wenn man das Wort „man“ verwendet. Wir alle haben es uns angewöhnt solche Sätze zu schreiben: „Die Schülerinnen und Schüler beschweren sich bei ihren Lehrerinnen und Lehrer über die Schulleiterinnen und Schulleiter, weil diese der Vertreterin und dem Vertreter des Vereins für sexuelle Vielfalt in Schulen nicht erlaubten, ihren und seinen Workshop duchzuführen.“

Sexualunterricht in Schulen wird gegendert. Die angebliche Dominanz heterosexueller, weißer Ehepaare und entsprechende Familienbilder wird durch sexuelle Vielfalt ersetzt. Nicht nur in Baden-Württemberg sind entsprechende Lehrpläne in Arbeit.

Die Naturwissenschaften werden gerade gegendert. Die Soziologie, wie ich sie als Beifach während des Studiums noch kennengelernt habe (Parsons, Goffman, Albert, Skinner, Popper), gibt es schon länger nicht mehr. Das Fach ist nahezu restlos genderisiert.

Jetzt hat ein Student der Technischen Universität Berlin dagegen geklagt, dass er einen Punktabzug erhielte, wenn er nicht gendersensibel schreiben würde. Zuvor hatte seine Tutorin ihm vorgemacht, das wäre eine verbindliche Vorschrift.

Der Staatsrechtsprofessor Isensee hat vor Jahren einmal von „Sprachmüll des Feminismus“ gesprochen. Er benutzte die „Bürgerversammlung“ als Beispiel. Keiner, der den Begriff „Bürgerversammlung“ benutze, müsse von  „Bürgerinnen- und Bürgerversammlung“ reden, um zu demonstrieren, dass er eine Ausgrenzung eines Teils der Bevölkerung ablehne. Er produziere bloß Sprachmüll.

Das Humboldt-Profx Lann Hornscheidt, Kämpferin für nicht-sexistische, nicht homophobe, nicht-weiß-maskuline, kein Gender exkludierende Sprache, bat nach Gegenlesen eines taz-Interviews um folgende Korrektur, wie man in einer Kommentarspalte der taz erfährt:

Kommentar von „Charlotte“

„In einem text unter anderem über Binnen-I, Unterstrich etc. wäre es ganz wunderbar, wenn der Unterstrich auch richtig verwendet würde: Leser_innen statt Lese_rinnen, Journalist_innen statt Journa_listinnen…

  • Liebe Charlotte,

    im Zuge der Bearbeitung des Textes, räumten wir Lann Hornscheidt auch die Möglichkeit ein, die zur Veröffentlichung bestimmten Äußerungen gegenzulesen. Einer der (wenigen), von Lann Hornscheidt, geäußerten Änderungswünsche betraf die Setzung der Unterstriche. Wir bilden nun im Interview die Form ab, wie sie von Lann Hornscheidt artikuliert wurde,
    also Lese_rinnen statt Leser_innen.

OECD findet wieder ein deutsches Bildungsproblem

Die OECD-Bildungsforscher haben alle Hände voll zu tun. Schon wieder ist Deutschland auffällig. Nach der niedrigen Abiturientenquote von ca. 55%, den nur durchschnittlichen PISA-Ergebnissen, der angeblich problematischen dualen Berufsausbildung hat Professor Schleicher ein neues Defizit ausgemacht: Die niedrige Frauenquote im MINT-Bereich. Mehr als in den anderen Industriestaaten wären Mädchen weniger an Mathematik und den Ingenieurberufen interessiert. Prof. Schleicher weiß auch, woran es liegt: Die Eltern trauen ihren Töchtern nicht zu, dass sie MINT-Berufe ergreifen.

Das kann doch in Angriff genommen werden. Meine Vorschläge: Schulungskurse für Eltern, Verbot von Bilder- und Kinderbüchern, die traditionelle Rollenvorbilder perpetuieren, statt dessen Bilder von weiblichen Köchen und männlichen Schiffskapitänen, in den Kitas müssen die Jungen mindestens zweimal in der Woche mit Puppen und die Mädchen mit dem Märklin-Baukasten spielen.

Science Files hat eine verblüffende Erklärung: Der Genderismus ist schuld.

Ich hatte vor Mathe in der Unterstufe wahnsinnige Angst. Das lag am weiblichen Mathelehrer. Der war ein Drachen. (Sorry, sexistisch, zumal Drachen männlich ist.)

Wie war das nochmal mit den Jungen, die in nahezu jedem Schulleistungstest generell schlechter abschneiden als Mädchen?

Nachtrag November 2015: Als ob das nicht reicht. Aber die OECD-Bildungsforscher/innen lassen nicht locker: Jetzt glauben sie herausgefunden zu haben, dass die jungen Deutschen Bildungsabsteiger wären. Das durchschaut sogar der Spiegel.

Liebeslieder diskriminieren Homosexuelle

Das wollen Geschlechterforscher/-innen in wissenschaftlichen Studien herausgefunden haben! Für Schule ist das wichtig zu wissen. Alles, was Heterosexualität als Norm erscheinen lässt, ist für LSBTTIQ-Mitmenschen und Genderisten diskriminierend. Also sollten, sagen wir mal, neben „Faust“ und „Kabale und Liebe“, den heterosexuell orientierten Stücken, auch „Brokeback Mountain“ und „Aimeé und Jaguar“ als Bausteine der Erziehung zur Vielfalt in Betracht kommen. Die Sexualkunde-Lehrpläne einiger Bundesländer werden derzeit schon umgeschrieben.

Ich kann mir die beiden letztgenannten Filme durchaus in der Schule vorstellen. (Spielfilmlänge ist während der Unterrichtszeit allerdings illusorisch, abgesehen von den letzten Schulwochen vor den Ferien und da wären sie absolut fehl am Platz.) Ich würde sie manchen Empfehlungen in einem sexualpädagogischen Handbuch oder in GEW-Broschüren vorziehen. Vielleicht nicht in Schulklassen mit mehrheitlich muslimischen Schülern.

Wohin das Mainstreaming nicht-heterosexueller Präferenzen führen kann, zeigt die gendersensible Textanalyse deutschen Liedgutes. „Wir können nicht länger einen großen (sic!) Teil der Bevölkerung durch Liebeslieder verstören, die einen heterosexuellen Lebensentwurf feiern, der von diesem Teil der Bevölkerung nicht geteilt wird”, sagt ein Geschlechterforscher.

Es ist das gute Recht Homosexueller, ihre Homosexualität zu leben.(Ich erinnere mich an Zeiten, wo der „Lebensentwurf“ von Homosexuellen im krassen Gegensatz zur Lebensweise heterosexueller, i. d. R. monogamer  Ehepaare stand.)

Aber man muss nicht bei jedem Arbeitsblatt betonen, dass man für sexuelle Vielfalt ist und heterosexuelle Beziehungen nicht privilegiert.

Siehe u. a. auch hier im Blog!

Wie schnell die sich angeblich durch rassistische, sexistische weiße Männer und dominante heterosexuelle Eheleute unterdrückt fühlende Minderheit der LSBTTIQ Macht über die Mehrheit erlangen kann, zeigen Begebenheiten der letzten Zeit:

  • Ein englischer Wissenschaftler, Tim Hunt, Nobelpreisträger, Mitglied der Royal Society und im Europäischen Forschungsrat, erlaubte sich in einem Vortrag über Frauen in der Wissenschaft diesen Scherz: Entweder verliebe man sich während der Arbeit im Labor in sie oder sie sich in einen und wenn man sie kritisiere, weinten sie. Er wurde in den sog. sozialen Medien mit einem Shitstorm überzogen und flog aus allen seinen Ämtern. Da half es auch nicht, dass seine Frau, eine bekannte Feministin, zu ihm stand.
  • In Westfalen berichtete eine Journalistin von einem Vater, der seine minderjährigen Töchter nicht an der Hochzeit eines schwulen Verwandten teilnehmen lassen wollte. Die Journalistin wurde von einem Shitstorm überzogen und von ihrer Zeitung gekündigt.
  • Wer den Genderismus kritisiert, wäre rechts. So stand es u. a. im Spiegel.
  • Unvergessen ist die junge Journalistin, die sich mit dem FDP-Altpolitiker Rainer Brüderle zu einem Absacker nachts an einer Hotelbar trifft, eine Bemerkung über ihr Dekolleté ertragen muss, dann in ihrer Illustrierten ihr Erdulden vor Publikum ausbreitet. Allerdings frage ich mich, ob ein älterer Politiker, der sich nachts mit einer jungen Journalistin an die Bar setzt, nicht selbst dran schuld ist. Vielleicht ist das Verhüllungsgebot für Musliminnen gar keine so schlechte Idee. Ihr gefühlloser Arbeitgeber schickt sie noch ein ganzes Jahr zu Terminen mit Brüderle, bevor ihr/ihm einfällt, Brüderle als übergriffigen, sexistischen alten weißen Mann zu verkaufen.
  • Heute Morgen, beim Frühstück, ich suchte gerade in den Potsdamer Neuen Nachrichten vergebens einen Artikel über den 17. Juni 1953, als mir ein Prospekt von Karstadt entgegenfiel. Auf der Titelseite prangt eine Schönheit – darf man das sagen, ohne weniger Schöne zu diskriminieren?  – in lila Unterwäsche. Ist das nicht rassistisch angesichts der Mitbürger/-innen muslimischen Glaubens, die sich, dem Gebot des Koran folgend, verhüllen? Aus freien Stücken, wie uns deutsche Islamwissenschaftlerinnen erläutern. Wo bleibt der Shitstorm gegen Karstadt?

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis rassismus- und diskriminierungssensible Wissenschaftler/-innen die Entfernung der Käthe-Kollwitz-Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ in der Berliner Neuen Wache unweit der Humboldt-Universität fordern. Denn die Skulptur ist eine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Eheleute. A propos Humboldt: Gendersensible Student/-innen, pardon Studier_x, dieser Institution fordern eine Umbenennung. Die Gebrüder Humboldt waren schließlich rassistische, diskriminierende und sexistische weiße Männer.

Dissertation als Mogelpackung?

Die neueste Ausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie enthält eine Rezension von Dr. habil. Heike Diefenbach zu Sind Mädchen besser? Der Wandel geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs in Deutschland. Frankfurt a. M.: Campus 2012, von Marcel Helbig, Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin.

Frau Diefenbach ist Mitautorin des Wissenschaftsbogs Science Files. Im Blog wird aus dieser Rezension zitiert.

 

 

Kleiner Beitrag zur Erhöhung der Informationskompetenz

www.unstatistik.de ist eine meiner Lieblingsseiten. Die Professoren Walter Krämer und Thomas K. Bauer betreiben Volksbildung vom Feinsten, in dem sie über die Tücken von Statistiken aufklären. Ich habe im Unterricht schon immer gerne vermeintliche Gewissheiten thematisiert oder die Entstehung von Vorurteilen und Fehlinformationen untersucht. Man hätte ein komplettes Curriculum daraus machen können. Lernziel: Nachdenken, kritisch denken, hinterfragen, nicht alles glauben, was in der Zeitung steht oder das „Fernseh“ sagt.

Der Gender Pay Gap ist so eine irreführende Aussage – die Behauptung, für gleiche Arbeit würden Frauen weniger Geld erhalten. Ich habe lange mich nicht getraut, meine Zweifel laut zu äußern. Die Kollegin, die die benachbarte Gesamtschule leitete, war doch genauso eingestuft wie ich. Erhielt eine Zahntechnikerin wirklich weniger Geld als ein Zahntechniker? Da Genderforscherinnen dies in allen Medien verbreiteten und Nachrichtensprecherinnen die Pressemitteilung der Frauenministerin zum Equal Pay Day bierernst verlasen, musste es wohl so sein und ich zweifelte an meiner Kompetenz, diesen Sachverhalt, der für alle so selbstverständlich und beklagenswert schien, zu verstehen.

Hier werden fast immer Äpfel mit Birnen verglichen. Da wird das Chefarztgehalt und das der Krankenschwester verglichen und schon lautet die Schlagzeile: In Krankenhäusern werden Frauen schlechter bezahlt als Männer. Die hoch bezahlten männlichen Naturwissenschaftler in Chemiefirmen werden in einen Topf geworfen mit den Sekretärinnen und Buchhalterinnen in diesen Firmen und dann heißt es, in der Chemieindustrie verdienten Frauen weniger als Männer. Hier ist die Stellungnahme der beiden Professoren, die unstatistik.de betreiben und das noch besser auseinander nehmen können:

Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern?

„Die Unstatistik des Monats März heißt 23%. So hoch ist der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, der im Umfeld des Equal Pay Day eine hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren hat und selbst im Bundestag Gegenstand einer Debatte war. Dieses durchschnittliche Lohndifferential enthält jedoch keinerlei Information darüber, ob bei der Entlohnung Frauen und Männer wirklich ungleich behandelt werden. Dies liegt darin begründet, dass mit dem durchschnittlichen Lohndifferential „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden.

Die in Deutschland beschäftigten Frauen und Männer unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer durchschnittlichen Ausbildung, Berufserfahrung und Arbeitszeit. Darüber hinaus sind Frauen und Männer weiterhin überwiegend in unterschiedlichen Berufen und Industrien tätig. Werden im Rahmen einer Regressionsanalyse diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern berücksichtigt, reduziert sich das durchschnittliche Lohndifferential auf 12%. (Andere kommen auf 7%; GS) Das ist immer noch nicht gleich, aber deutlich weniger ungleich. Doch auch eine derartige Korrektur des Lohndifferentials ist nicht hinreichend, um einen gesicherten Eindruck über eine mögliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern zu gewinnen. Vielmehr müssten Frauen und Männer miteinander verglichen werden, die über die gleichen arbeitsmarktrelevanten Charakteristika verfügen und in denselben Unternehmen die gleiche Tätigkeit ausüben.

Würden wirklich vergleichbare weibliche und männliche Beschäftigte miteinander verglichen, wäre es überraschend, wenn ein nennenswertes Lohndifferential festzustellen wäre. Wäre dies der Fall, würden nicht nur eine Vielzahl von Unternehmen gegen geltendes Recht – das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – verstoßen, sondern auch die Betriebsräte und Gewerkschaften bei einer ihrer wichtigsten Kontrollaufgaben weitgehend versagen.

Schließlich ist zu befürchten, dass der Fokus auf das obige Lohndifferential die wahren Gleichstellungsprobleme verschleiert. Anstatt der Konzentration auf medienwirksame Lohnunterschiede So dürften bspw. sollte sich die Politik fragen, warum überwiegend Frauen in Teilzeit arbeiten, Kinder betreuen und Familienangehörige pflegen. Auch sollte die Frage gestellt werden, warum Frauen andere Berufe als Männer wählen, was nicht zuletzt die Absolventenstatistik der Universitäten verdeutlicht. Diesen Unterschieden sollte sich die Politik zuwenden, wenn sie ernsthafte Gleichstellungspolitik betreiben möchte…“ Siehe dazu aber auch „Das norwegische Gleichstellungs-Paradox“!

Update: Der Spiegel 11/2015 hat zur Erläuterung des statistischen  7 bzw. 12%-Pay Gap Fälle realer Ungleichbehandlung zusammengetragen. Das sind, wenn es zuträfe, schlimme, manchmal systematische  Diskriminierungen von Frauen, etwa bei der Firma Birkenstock.

Was mich wundert – die Statistikprofessoren fragen dies auch : Wo waren in den vergangenen Jahrzehnten eigentlich Gewerbeaufsicht, Betriebsräte und Gewerkschaften?

Eine Lösung des Problems des verbleibenden Pay Gaps wäre: Mehr Frauen müssten in gut bezahlten industriellen Männerberufen arbeiten, etwa in der Auto- und in der Stahlindustrie und nicht in Kindergärten und als Krankenschwestern.

Ob die Gehaltsoffenlegung, zu denen Frau Nahles und Frau Schwesig die Betriebe jetzt zwingen, Gutes bewirken, bleibt abzuwarten. Bisher war es doch so, dass ein Betrieb mit der Person, die sie gerne haben wollte, das Gehalt aushandelte, sei es, um einen guten Informatiker, einen anderswo schon erfolgreichen Verkaufsleiter, einen Chinesisch sprechenden Manager für das Werk in China (Jeweils auch in der weiblichen Form) zu bekommen. Da war es eher die Regel, dass unterschiedliche Gehälter gezahlt wurden. Das dürfen die Betriebe zukünftig nicht mehr, wenn ich das richtig sehe.