Schlagwort-Archive: KMK

KMK: Digitalisierung der Schule ohne Schulbibliothek

Ein Entwurf der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ mit Stand vom 27.4.16 beschreibt auf 45 Seiten sechs Handlungsfelder, in denen die Digitalisierung im gesamten Bildungsbereich vorangebracht werden soll:

(1) Bildungspläne und Unterrichtsentwicklung, curriculare Entwicklungen
(2) Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden
(3) Infrastruktur und Ausstattung
(4) Bildungsmedien, Content

(5) E-Government, Schulverwaltungsprogramme, Bildungs- und Campusmanagementsysteme

(6) Rechtliche und funktionale Rahmenbedingungen

Es dürfte niemanden überraschen, dass Schulbibliotheken in diesem Papier nicht vorkommen.

Die Kultus- und Wissenschaftsminister wissen anscheinend nicht, dass in manchen Bibliotheksgesetzen, etwa dem hessischen, die Zuständigkeit für die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen auch in der Schule den öffentlichen Bibliotheken zugeordnet wird. Sie erwähnen nicht die von Bibliothekar*innen ausgearbeiteten Curricula für die Vermittlung von Informationskompetenzen vom Kindergarten bis zum Abitur. Sie kennen nicht die „Frankfurter Erklärung“ des dbv. Hat jemand die KMK informiert, waren denn nicht Vertreter der Schulverwaltung oder Schulpraktiker bei der Erarbeitung all dieser bibliotheksfachlichen Programme, Konzepte, Curricula und Manifeste dabei?

Die KMK-Beamten wissen aber auf jeden Fall, dass Schulbibliotheken nicht in ihre Zuständigkeit fallen und hüten sich daher, über sie eine Aussage zu machen.

So ist das halt, weil Schulbibliotheken in der Bundesrepublik nicht als Teil von Schule und als Aufgabe der Bildungspolitik gesehen werden. Das entbehrt der gesetzlichen Grundlage.

Es gibt uralte KMK-Empfehlungen zur Schulbibliothek. (Die liegen bei mir noch in irgendeinem Ordner, im Internet gibt es sie nicht mehr.) Aber schon ab 1979 hieß es dann: Kooperation mit öffentlichen Bibliotheken. Der Vorläufer des o.a. Strategiepapiers von 2012, „Medienbildung in der Schule“, kam auch schon ganz ohne die Schulbibliothek aus. Es war m. E. die damalige hessische Kultusministerin, die 2003 als KMK-Vorsitzende zuletzt in einer Rede Schulbibliotheken erwähnte. Ich vermute, wenn man heute in der KMK nach Schulbibliotheken fragt, würde man an den dbv verwiesen.

Nun ist mir nicht bekannt, dass jemals von KMK-Empfehlungen ein entscheidender Impuls ausging. Nur in Lehramts-Staatsprüfungen waren sie gefragt. Daher kann man das Papier höchstwahrscheinlich zu den Akten legen und weitermachen wie bisher.

2009 machte ich den Vorschlag für eine Schulbibliothekskommission bei der KMK. Auch das wäre eher ein symbolischer Akt geworden, aber wenigstens hätte das Thema bei der KMK einen Fuß in der Tür gehabt (Sorry, kein schönes Sprachbild). Die hessische LAG Schulbibliotheken war deswegen schon einmal vorstellig geworden: Als im Zuge der Schließung des Deutschen Bibliotheksinstituts die dazugehörige Beratungsstelle für Schulbibliotheken abgewickelt wurde und sich der dbv noch nicht für die Auffangeinrichtung „Kommission Bibliothek und Schule“ erwärmt hatte, konnten wir das Sekretariat der KMK für die Idee einer Weiterführung der Beratungsstelle gewinnen. Die Realisierung scheiterte erst an der Hausspitze.

Der schönste Satz im Strategiepapier ist dieser (S. 15):

Die rasche Entwicklung im Bereich der digitalen Medien erfordert auch von jeder
(angehenden) Lehrkraft in besonderem Maße, die Selbstverantwortung für den ei-
genen Kompetenzzuwachs zu übernehmen.
Da ich schon selbstkritisch war, sei die Anmerkung erlaubt: Selbstverantwortung für den eigenen Kompetenzbereich ist auch keine sprachliche Meisterleistung, zumal für eine Kultusbehörde. Es sei denn, man wollte besonders betonen, dass die Betonung auf der eigenen Selbstverantwortung der Lehrenden liegt, und die nicht erwarten sollen, dass ihr Arbeitgeber sich ein Bein für sie ausreißt.
Advertisements

Gegenseitige Anerkennung der Lehrerausbildung kommt voran

Die gegenseitige Anerkennung der Lehrerexamina haben die Länder in der KMK auf den Weg gebracht. Einige Ausnahmeregeln gibt es für Bayern. Es soll auch noch geprüft werden, ob zukünftig von allen Grundschullehrern Prüfungen in Mathe und Deutsch verlangt werden.

Forschungsprogramm BISS von Bund und KMK

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) haben am 18. Oktober 2012 eine gemeinsame Initiative zur Verbesserung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung vereinbart.

Hessen und Berlin/Brandenburg könnten je drei Forschungsvorhaben aus einem beschriebenen Gesamtrahmen beantragen.

Unter den für alle Schulstufen und die vorschulische Bildung beschriebenen Modulen finde ich für die Sekundarstufe:

Modul 5: „Medieneinsatz: Schreiben und Lesen mit digitalen Medien“
Das Modul hat das primäre Ziel, durch einen gezielten Einsatz neuer Medien vielfältige Lese- und Schreibanlässe in allen Fächern zu schaffen. Die neuen Medien schaffen wegen ihrer technischen Möglichkeiten gute Voraussetzungen, um unterschiedliche lese- und schreibförderliche Maßnahmen vielfältig und flexibel einzusetzen. Dazu gehören Formen des kooperativen  Lehrens  und  Lernens,  aber  auch  computergestützte  Trainingsverfahren.  Die  Vermittlung  von  Medienkompetenz,  d.h.  die  produktive,  zielorientierte  und  kritische  Nutzung  der Medien, ist ein erwünschter Nebeneffekt, steht aber nicht im Zentrum des Moduls. Des Weiteren zielt das Modul auch darauf, die Schülerinnen und Schüler auf die sich ändernden Lese- und Schreibformen vorzubereiten, die sich aus den neuen Medien ergeben; als Beispiele seien hier etwa Hypertexte, soziale Netzwerke, Onlineportale für Bewerbungen genannt.

Es wäre schön, wenn in einem Forschungsvorhaben, das der Bund finanziert, einmal die Schulbibliotheken eine Rolle spielten. Also, antragsberechtigte Institutionen wie LISUM oder IQHessen ran an die Geldtöpfe!

Pressemitteilung BMBF

Übersicht über die geplanten BISS-Module für die Schulstufen

Zu erwarten ist, dass 5 Jahre und 20 Millionen € später ein paar Studien, Dissertationen und Umfragen mehr die Literatur zur Sprachförderung „bereichern“ werden.

War etwas? Vor 10 Jahren schloss die nationale „Beratungsstelle für Schulbibliotheken“

Mit google desktop suche ich in den Tiefen meiner Festplatte nach einer Datei. Knapp daneben ist dieser Treffer: Schreiben vom Januar 1998 an den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog mit der Bitte, die bevorstehende Schließung der „Beratungsstelle für Schulbibliotheken“ beim Deutschen Bibliotheksinstitut zu verhindern.

Ähnliche Schreiben gingen an Stiftung Lesen, das Hessische Kultusministerium, an den Präsidenten der KMK und das Wiener Unterrichtsministerium zwecks Kooperation mit dem dort angesiedelten Büchereiservice für Schulen bei einem Periodikum für Schulbibliotheken. An brauchbare Antworten erinnere ich mich nicht. Weiterlesen

Neue KMK-Empfehlung zur Medienbildung

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat ihre medienpädagogischen Empfehlungen fortgeschrieben und damit die früheren aus den Jahren 1979 bis 1997 ersetzt.

Auszüge:
2.3   Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung
Die Medien sind durch ihre Präsenz und den alltäglichen Umgang mit ihnen längst zu einer Sozialisationsinstanz geworden. Die sich ständig erweiternden und immer stärker vernetzten medialen Angebote mit ihren dynamischen Symbol- und Lebenswelten eröffnen Heranwachsenden ganz neue Erfahrungs-, Handlungs- und Erlebnisräume. Wichtiges Ziel der Medienbildung ist die altersangemessene Fähigkeit, das wachsende Medienangebot kritisch zu reflektieren,  daraus  sinnvoll  und  bedürfnisbezogen  auszuwählen  und  Medien  sowohl  für  die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit als auch für die individuelle Lebensgestaltung angemessen, kreativ und sozial verantwortlich zu nutzen.
 
3.2   Lehrerbildung
Lehrkräfte  benötigen  für  die  Vermittlung  von  Medienbildung  sowohl  eigene  Medienkompetenz als auch medienpädagogische Kompetenzen. Das bedeutet, Lehrkräfte müssen mit den Medien und Medientechnologien kompetent und didaktisch reflektiert umgehen können, sie müssen gleichermaßen in der Lage sein, Medienerfahrungen von Kindern und Jugendlichen im Unterricht zum Thema zu machen, Medienangebote zu analysieren und umfassend darüber  zu  reflektieren, gestalterische  und kreative  Prozesse  mit  Medien  zu  unterstützen und mit Schülerinnen und Schülern über Medienwirkungen zu sprechen.
 
4      Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Medienbildung  gehört  zum  Bildungsauftrag  der  Schule,  denn  Medienkompetenz  ist  neben Lesen, Rechnen und Schreiben eine weitere wichtige Kulturtechnik geworden.
Kinder und Jugendliche leben in einer durch Medien wesentlich mitbestimmten Welt und sie lernen für eine Welt, in der die Bedeutung der Medien für alle Lebensbereiche noch zunehmen wird. Deshalb müssen Heranwachsende in die Lage versetzt werden, selbstbestimmt, sachgerecht, sozial  verantwortlich,  kommunikativ  und  kreativ  mit  den  Medien  umzugehen, sie für eigene Bildungsprozesse sowie zur Erweiterung von Handlungsspielräumen zu nutzen  und  sich  in  medialen  wie  nichtmedialen  Umwelten  zu  orientieren  und  wertbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Die vorliegende Erklärung „Medienbildung in der Schule“ bestimmt und begründet den Stellenwert von Medienbildung in der Schule exemplarisch in fünf besonders wichtigen Dimensionen, die sich beziehen auf:
•    die Förderung der Qualität des Lehrens und Lernens durch Medien,
•    die Möglichkeiten der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe und Mitgestaltung,
•    die Identitäts- und Persönlichkeitsbildung der Heranwachsenden,
•    die Ausbildung von Haltungen, Wertorientierungen und ästhetischem Urteilsvermögen sowie
•    den notwendigen Schutz vor negativen Wirkungen der Medien und des Mediengebrauchs.
 
Inwieweit Empfehlungen der KMK auf die Schulpraxis einwirken, kann ich wegen fehlender empirischer Forschung nicht sagen. Meine sogenannte Erfahrung sagt mir, dass sie vor allem in den Staatsprüfungen gerne nachgefragt werden. Die zahlreichen Empfehlungen zum Schulbibliothekswesen zeitigten meines Wissens keinerlei Wirkung.*
* Interessehalber schaue ich auf kmk.org nach: Das Suchwort Schulbibliothek und verwandte Begriffe kommen substantiell nicht vor! Die einschlägigen Empfehlungen der 70er bis 90er Jahre sind wohl wegen Erreichens des Verfalldatums alle gelöscht. Einzig in der Antrittsrede der damaligen hessischen Kultusministerin Wollf als KMK-Präsidentin 2003 taucht das Wort nochmal auf. (Und an zwei weiteren Stellen am Rande) Ich vemute, die KMK verweist bei Anfragen an den dbv.

Die 12seitige Empfehlung im Wortlaut.