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Kreditpoints für´s Studium: Anwesenheit überflüssig?

Wesentliches Element des Bologna-Studiums sind die Kreditpunkte für Studienleistungen, ECTS. Wobei es nicht um Leistungen geht, die in Prüfungen festgestellt werden. Bei den Kreditpunkten wird die Arbeitsbelastung als Maßstab für die Studienleistung betrachtet. Vorgesehen sind für einen Bachelorabschluss 180 Kreditpunkte. Sie werden erarbeitet im Selbststudium (individuelle Arbeitszeit) und im Kontaktstudium (Anwesenheit in Vorlesungen und Seminaren).
Der Frankfurter Psychologe Andreas Gold macht in der FAZ v. 10.09.15 darauf aufmerksam, dass Studenten drei Kreditpunkte (=90 Arbeitsstunden) erhalten, egal, ob sie eine Vorlesung besucht und sie vor- und nachbereitet haben oder nicht. Eine Präsenzpflicht gäbe es nicht mehr.
Es gäbe dafür mehrere Argumente, u. a. würden Studenten diskriminiert, die arbeiten müssten, um ihr Studium zu finanzieren. Sie könnten nicht immer anwesend sein. Außerdem wären die Dozenten gezwungen, sich mehr Mühe zu geben, wenn sie volle Säle haben wollten. Vor allem aber gehe es um die Studierfreiheit der Studierenden, die nicht eingeengt werden sollte.
Prof. Gold verlangt von seinen Studierenden eine Selbsterklärung über die Anwesenheit in der Vorlesung. Er schreibt, dass er fünfmal mehr Anwesenheitserklärungen bekomme, als er Hörer hatte.

Um Studiengebühren wird erbittert gestritten

Das könnte vorbei sein. Nachdem es wissenschaftliche Studien gibt, die den Nutzen belegen und solche, die nachweisen, dass sie schädlich sind, gibt es jetzt eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass sie nicht viel schaden, aber auch nicht viel nützen.

Weder studieren nur noch Student/-innen aus wohlhabenden Familien, noch verbessert sich die Lehre an den Unis wesentlich, wenn es Einnahmen aus Studiengebühren gibt.

Siehe Spiegel Online

Zu viele bezahlte Doktorandenstellen?

Meine gelegentliche Verwunderung über ungewöhnliche Studien und überraschende Korrelationen hat anscheinend eine handfeste Ursache:

Es gibt über 50.000 bezahlte Doktorandenstellen. Die Universitäten schwimmen in einschlägigen Fördergeldern, hinzu kommen Stiftungen, die Doktoranden fördern. Da kann es schon mal eng werden bei der Themensuche.

Allerdings haben diese Vielen nur wenige Dauerstellen in den Universitäten in Aussicht.

Prof. Jörg Barberowski meint, dass man den Doktortitel als Namensbestandteil abschaffen sollte, dann würde das Interesse augenblicklich nachlassen. Dann könnte die Dissertation wie in den USA (Wo der Doktortitel schwerer zu erwerben ist) vor allem der Einstieg in eine akademische Laufbahn werden.

Siehe Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.9.13, p 31: “Doktoranden können sich vor Staatsgeld kaum retten”