3-D-Drucker in jede Schule!

Wie schnell aus einem Tiger ein Bettvorleger werden kann, ist an der Piratenpartei sichtbar. Dieser Liebling des Feuilletons und der Computernerds wollte die parlamentarische Demokratie durch Software ersetzen. Was ich zuletzt von den Piraten hörte war, dass sie sich stark machten für Feuerwerk auf Stadiontribünen und das Verbot für die Polizei, dies zu filmen. Ein Berliner Abgeordneter der Partei steht vor Gericht, weil er den Faschismus damit bekämpfte, dass er Neonazis zusammenschlug. In Berlin-Friedrichshain sorgten sie dafür, dass Toiletten in öffentlichen Gebäuden um eine dritte bereichert werden müssen, für geschlechtlich nicht festgelegte Menschen, von denen es in Deutschland ca. 17.000 geben soll.

Im Brandenburger Wahlkampf macht es gerade Spaß, sechs Wochen lang durch Wahlplakatalleen zu fahren und die Sprüche darauf zu lesen und die geschönten Porträts zu bewundern. Die Piraten bäumen sich noch einmal auf und hängen sich an die Parolen anderer Parteien an: Mehr Lehrer, kostenloser öffentlicher Nahverkehr, keinen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche. Ein origineller Gedanke ist dabei, würdig einer Nerdpartei: 3-D-Drucker in jede Schule!

Die öffentlichen Bibliotheken wird es nicht amüsieren. Sie glauben gerade, sich durch Makerspaces mit 3-D-Druckern zukunftssicher zu machen.

Sind Schulbibliotheksmenschen nicht clever genug?

In Brandenburg ist Landtagswahl”kampf”. Kaum ein Baum oder ein Laternenpfahl, an dem kein Wahlplakat aufgehängt ist. Ich wundere mich, dass es auf den Straßen nicht zu Zusammenstößen von schwarzen Vierlitermercedeslimousinen kommt, so viele Minister/-innen sind auf “Sommerreise” und verteilen Lottogelder in Alters- oder Tierheimen, an Aktivist/-innen vielfältiger zivilgesellschaftlicher Aktivitäten. Oder die örtliche Feuerwehr bekommt ein neues Fahrzeug und die Polizei Zulagen.

Dass die Minister-/innen – sogar der Staatskanzleichef muss helfen, Schecks zu überreichen – einer Schulbibliothek Geld gespendet hätten, habe ich in der führenden Brandenburger Zeitung nicht gelesen.

Das sei alles transparent, erklärt der Finanzminister, der gerade auf einer – wie er sagt – dienstlichen “Sommerreise” durch das Land ist, die bis kurz vor den Wahltag andauert. Anträge auf Lottomittel würden jederzeit entgegengenommen und an das zuständige Ministerium weiter geleitet.

Brandenburger Parteien zu Schulbibliotheken

In der AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg hatte man die gute Idee, vor der Landtagswahl die Parteien zu befragen, wie sie es mit der Schulbibliothek halten. Wenig überraschend: Alle wissen, dass der Schulträger zuständig ist und nicht der Landtag. Auch wird auf die öffentlichen Bibliotheken – Kombibibliotheken – verwiesen und auf den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Land. Einzig die FDP, die auch in Brandenburg keine Rolle mehr spielen wird, sieht die Schulbibliothek als “integralen Bestandteil der Schule” und kann sich vorstellen, dass das Land  Sach- und Personalkosten(!) mitträgt. Auch wenn die Mehrzahl der Parteien unbefriedigende Antworten gibt, sollte die Befragung durch die AG Schule machen.

Ein weiterer Schritt, den die Schulbibliothekslobby auch leisten muss: Ein Stufenkonzept, inklusive Finanzierung, das sich über mehrere Jahre erschreckt und das möglichst so originell ist, dass nicht ein neuer bürokratischer Wasserkopf entsteht. Genau das geschah vor 22 Jahren in Hessen. Die hessische LAG hatte erreicht, dass der Kultusminister Bereitschaft erkennen ließ, etwas zu tun. Unsere Mitstreiter vom dbv forderten daraufhin 70 Diplom-Bibliothekarinnenstellen für schulbibliothekarische Arbeitsstellen. Daraufhin war die Sache gestorben. Der LAG gelang es noch, ein Fahrzeug für die mobile Lehrerfortbildung vorzuschlagen, das dann auch realisiert wurde und viele Jahre durch die Lande fuhr.

Als wir zwanzig Jahre später das machten, was ich oben fordere, einen – bescheidenen – Schulbibliotheksentwicklungsplan vorzulegen, lachte der Kultusstaatssekretär: “4,7 Millionen €? Ich streite gerade mit dem Finanzminister wegen einer 1.000 €-Rechnung.”

Was bleibt? Bei change.org eine Petition einstellen, von campact eine Kampagne planen lassen, die FDP wählen? Spaß beiseite: Nicht locker lassen, bessere Spielzüge auf dem politischen Spielfeld ausdenken, noch originellere Konzepte entwerfen.

 

  • Die vollständige Dokumentation zu den Brandenburger Wahlprüfsteinen “Schulbibliothek” von Sabine Wolf hier.

Mein nachträglicher “Wahlprüfstein” von 2010: Schüler-BAFöG oder Schulbibliotheken?  Die SPD hatte es erfunden, die CDU hat auf meinen Hinweis nicht geantwortet, ein Linkspartei-MdL sagte mir, sie hätten sich nun einmal so und nicht anders entschieden.

AG Berlin-Brandenburg fragt Landtagsparteien nach Schulbibliotheken

Die Arbeitsgemeinschaft der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg e. V. (AGSBB) fragt angesichts der bevorstehenden Landtagswahl die Brandenburger Parteien, wie sie zu Schulbibliotheken stehen:

  • Inwieweit gehören die Entwicklung von Lese-, Sprach- und Informationskompetenz zu den bildungspolitischen Zielen Ihrer Partei? Welche Aussagen gibt es dazu in Ihrem Wahlprogramm?
  • Inwieweit wird in Ihren bildungspolitischen Konzepten die Schulbibliothek mitgedacht? Welche Aussagen gibt es dazu in Ihrem Wahlprogramm?
  • Welche konkreten Maßnahmen strebt Ihre Partei an, um einerseits die materielle Ausstattung der Schulbibliothek zu gewährleisten und um andererseits Schulbibliotheken mit qualifiziertem Personal zu versorgen?
Laut letzter Umfrage im Juni: SPD 30%, CDU 28%, Die Linke. 23%, Grüne 6%, AfD 6%

 

Migrationshintergründe

“Die Vietnamesen gehören zu den erfolgreichsten und problemlosesten Minderheiten in den Vereinigten Staaten. Sie demonstrieren nicht, sie randalieren nicht, sie verbrennen sich nicht das Hirn mit Rauschgift, sie verbrennen keine Sternenbanner, um ihre angelsächsischen Nachbarn zu provozieren, sie füllen nicht die Gefängnisse oder liegen dem Steuerzahler zur Last. Nein, sie lesen und studieren, arbeiten gewissenhaft, treiben Handel und erziehen ihre Kinder mustergültig.”

Aus: Uwe Siemon-Netto, Duc, der Deutsche: Mein Vietnam. Warum die Falschen siegten, Pos. 225-28 im E-Book

Es sind die vietnamesischen Boatpeople und ihre Nachkommen. Nach dem Sieg der Kommunisten im Vietnamkrieg 1975 flohen 1,5 Millionen Südvietnamesen vor den Vietcong mit Booten über das Meer. Über Zweihunderttausend ertranken. Hunderttausende Südvietnamesen wurden hingerichtet oder in Umerziehungslagern gefoltert. Auf die Idee, während des Krieges ins kommunistische Nordvietnam zu fliehen, waren nur wenige gekommen. Schon bei der Teilung des Landes 1954 waren 1,5 Millionen aus dem kommunistischen Norden geflohen.

Übrigens: Im – ansonsten fast ausländerfreien – Brandenburg haben vietnamesische Schüler eine hohe Abiturquote. In Deutschland insgesamt besuchen 74% der Kinder vietnamesischer Migranten das Gymnasium.

Auf das Buch werde ich in meinem Blog “Ampelmännchen und Todesschüsse” zurückkommen. Jubelten wir in den 60ern den Kriegsverbrechern und Massenmördern Ho Chi Min und Vo Nguyen Giap zu? Uwe Siemon-Netto sagt ja. Er erzählt nach fünfzig Jahren von seinen Erfahrungen als Zeitungskorrespondent im Vietnamkrieg.

(Auf meinem Kindle war das E-Book eine einzige Katastrophe: Die Umlaute und Buchstaben mit Akzent wurden als Sonderzeichen dargestellt. Manche Sätze blieben unvollendet, auf einigen Absätzen ging es wild durcheinander, die sinnvolle Abfolge der Sätze man sich zusammensuchen. Der Autor schreibt, dass er die Fehler inzwischen behoben hat.)

 

Vom 5. Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstag zurück

Der Tagungsort, die Grünauer Gemeinschaftsschule liegt idyllisch nahe der berühmten Regattastrecke. Zusammen mit Dipl.-Bibliothekarin Sabine Wolf freute ich mich, dass unser gemeinsames Projekt der ersten Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstage weiter lebt und sich prächtig entwickelt hat.

Einen ausführlichen Bericht gibt es auf der Webseite der AGSBB.

Victor Wolter und das Organisationsteam hatten als Überraschungsgast für eine kurze, aber knackige Lesung Boris Pfeiffer gewinnen können. Der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor ist außerordentlich interessiert und engagiert in Sachen Schulbibliothek. Er überreichte der AG einen großen Stapel signierter Bücher. In dem Seminar, in dem es um die Entwicklung der Berliner Schulbibliotheken ging, diskutierte er mit.

Die Leiterin der gastgebenden Schule erhielt einen großen Blumenstrauß. Mich  beeindruckte besonders, dass sie den Strauß an die Schulbibliotheksleiterin weiterreichte.

Meine Präsentation:
Die Schulbibliothek – Klassenzimmer der Zukunft