Sind Schulbibliotheksmenschen nicht clever genug?

In Brandenburg ist Landtagswahl”kampf”. Kaum ein Baum oder ein Laternenpfahl, an dem kein Wahlplakat aufgehängt ist. Ich wundere mich, dass es auf den Straßen nicht zu Zusammenstößen von schwarzen Vierlitermercedeslimousinen kommt, so viele Minister/-innen sind auf “Sommerreise” und verteilen Lottogelder in Alters- oder Tierheimen, an Aktivist/-innen vielfältiger zivilgesellschaftlicher Aktivitäten. Oder die örtliche Feuerwehr bekommt ein neues Fahrzeug und die Polizei Zulagen.

Dass die Minister-/innen – sogar der Staatskanzleichef muss helfen, Schecks zu überreichen – einer Schulbibliothek Geld gespendet hätten, habe ich in der führenden Brandenburger Zeitung nicht gelesen.

Das sei alles transparent, erklärt der Finanzminister, der gerade auf einer – wie er sagt – dienstlichen “Sommerreise” durch das Land ist, die bis kurz vor den Wahltag andauert. Anträge auf Lottomittel würden jederzeit entgegengenommen und an das zuständige Ministerium weiter geleitet.

Weltweites Streben nach Schulbibliotheken

Eine Linkliste von einer Arbeitsgruppe der IFLA-Konferenz 20114 in Lyon: Plädoyers für Schulbibliotheken aus Nigeria, Südafrika, Schweden, USA und Norwegen.

Was mich besonders freut: Auch in Lateinamerika geht es weiter. Argentinien hat jetzt – wie Brasilien – ein Schulbibliotheksgesetz. Das Gesetz, seit 2011 in der Planung, sieht einheitliche Standards für Schulbibliotheken in den 55.000 Schulen des Staates vor. Es geht um die Reaktivierung und Restaurierung der vorhandenen und die Weiterentwicklung zu Informationszentren.

Leider hat sich in Brasilien der Satz “Papier ist geduldig” bewährt. Immerhin war eine argentinisch-brasilianische Bibliothekar/-innendelegation auf Einladung des dbv in Deutschland. Es ist zu hoffen, dass das ein Impuls war.

Brandenburger Parteien zu Schulbibliotheken

Die AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg hatte die gute Idee, vor der Landtagswahl die Parteien zu befragen, wie sie es mit der Schulbibliothek halten. Wenig überraschend: Alle wissen, dass der Schulträger zuständig ist und nicht der Landtag. auch wird auf die öffentlichen Bibliotheken – Kombibibliotheken – verwiesen und auf den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Land. einzig die FDP, die auch in Brandenburg keine Rolle mehr spielen wird, sieht die Schulbibliothek als “integralen Bestandteil der Schule” und kann sich vorstellen, dass das Land  Sach- und Personalkosten(!) mitträgt.

Auch wenn die Mehrzahl der Parteien unbefriedigende Antworten gibt, sollte die Befragung durch die AG Schule machen. Ein weiterer Schritt, den die Schulbibliothekslobby aber auch leisten muss: Ein Stufenkonzept, inklusive Finanzierung, das sich über mehrere Jahre erschreckt und das möglichst so originell ist, dass nicht ein neuer bürokratischer Wasserkopf entsteht. Genau das geschah vor 22 Jahren in Hessen. Die hessische LAG hatte erreicht, dass der Kultusminister Bereitschaft erkennen ließ, etwas zu tun. Unsere Mitstreiter vom dbv forderten daraufhin 70 Diplom-Bibliothekarinnenstellen in für schulbibliothekarische Arbeitsstellen. Daraufhin war die Sache gestorben. Der LAG gelang es noch, ein Fahrzeug für die mobile Lehrerfortbildung vorzuschlagen, das dann auch realisiert wurde und viele Jahre durch die Lande fuhr.

Als wir zwanzig Jahre später das machten, was ich oben fordere, einen – bescheidenen – Schulbibliotheksentwicklungsplan vorzulegen, nachdem wohlmeinende Bildungspolitiker uns dazu geraten hatten, lachte der Kultusstaatssekretär: “4,7 Millionen €? Ich streite gerade mit dem Finanzminister wegen einer 1.000 €-Rechnung.”

Was bleibt? Bei change.org eine Petition einstellen, von campact eine Kampagne planen lassen, die FDP wählen? Spaß beiseite: Nicht locker lassen, bessere Spielzüge auf dem politischen Spielfeld ausdenken, noch originellere Konzepte entwerfen.

  • Die vollständige Dokumentation zu den Brandenburger Wahlprüfsteinen “Schulbibliothek” von Sabine Wolf hier.

Regale als Hingucker

library designGute Kontakte zu den Kunst- oder Werklehrer/-innen können zur Verschönerung der Schulbibliothek führen.

Hier sind Regale die Hingucker.

Regale waren schon Thema bei Basedow1764

Vielleicht steht ein Drehständer im Keller einer Buchhandlung (Meiner war aus einem Buchhandlungskeller in Königstein am Taunus; zugegeben nicht ganz so schick wie dieser →)

Brandbrief des Berliner dbv

Den Berliner Bibliotheken steht das Wasser mehr nur am Hals, sondern ist in Richtung Unterlippe weiter gewandert. Das zeigt auch eine Stellungnahme (s. u.) des Landesgeschäftsführers, adressiert an den Regierenden Bürgermeister und andere politische Führungskräfte. Er mahnt einen Bibliotheksentwicklungsplan, mehr Geld, mehr Personal und – natürlich – ein Bibliotheksgesetz an.

Man kann den Klagebrief unter verschiedener Perspektive lesen – z. B. mit den Augen der Politik oder unter dem Gesichtspunkt “Was ist mit den Schulbibliotheken?”. Weiterlesen