Buchhandel und Flatrate-Ausleihe

Im Börsenblatt des Buchhandels

Die Buchbranche solle sich mit den neuen Modellen anfreunden, schreibt Ralf Biesemeier, Geschäftsführer von readbox, sie seien vorteilhaft für die Verlage:

  • Für Konsumenten werde die Nutzung wichtiger als der Besitz
  • Die Kunden würden mehr ausprobieren und konsumieren
  • Das komplette Verlagsprogramm könne präsentiert werden
  • Ähnlich wie schon bei Musik-Flatrates würden die Titel länger sichtbar bleiben und genutzt werden.

Kids´Friday auf der Buchmesse Frankfurt

Die Frankfurter Buchmesse erprobt heute eine Neuerung, den “Kids´Friday”. 1.000 Kinder und Jugendliche erkunden die Buchmesse, Es gibt Erkundungsstationen, an denen Wissen über den Buchmarkt und das Lesen vermittelt wird. Zudem sind zahlreiche Veranstaltungen für diese Zielgruppen geplant. Das passt in das ambivalente Bild, das ich mir in diesem Jahr von der Buchmesse gemacht habe. (Es war nur ein eintägiger Besuch, es kann daher keine tiefschürfende Analyse werden.)

Die Eintrittspreise steigen und steigen. Die Hallen sind nicht mehr bis auf den letzten Stand besetzt, es gab Leerstand. Verständlich, denn die Stände sind teuer und die Zahl selbstständiger Verlage nimmt ab. Dafür warb die Süddeutsche Zeitung gleich an mehreren Stellen Abonnenten. (post-edit:) Gastland Finnland präsentierte sich sehr bescheiden, abgesehen von der großartigen Sofi Oksanen (“Als die Tauben verschwanden”). Sie schrieb schon vor einem halben Jahr Hellsichtigeres über den Ukrainekrieg als alle deutschen Putin-Versteher/-innen in SPD und den Medien.

Von der vor einem Jahrzehnt noch vertretenen Leseförderszene ist nun gar nichts mehr übriggeblieben. Dafür gibt es eine Abteilung für Kochbücher und Samsung betreibt sein eigenes Lesezelt, wo Ken Follett präsentiert wird. Völlig unstreitig ist, dass die Frankfurter Buchmesse eine Geschäftsmesse ist, auf der Lizenzen verkauft werden. Zielgruppen sind Autoren, Self-Publisher, Übersetzer, Verleger, zunehmend digital orientierte Unternehmen. Dazu passt auch das Marketingkonzept “Wir in Frankfurt” mit den überall plakatierten Testimonials von Buchhändlern und anderen buchaffinen Berufstätigen.

Das ist o.k. Es gibt ja auch Fachmessen für Sanitärtechnik und Schienenfahrzeuge. Wenn ich mich auf der Messe nicht mehr so richtig wohlfühle und mir mit meinem Fachbesucherausweis wie ein Hochstapler vorkomme, ist das mein Problem. Für Leser/-innen ist die Leipziger Buchmesse mit der imponierenden Zahl der Lesungen auf der Messe und in der Stadt sicher die bessere Wahl. (Nach zehn Jahren Frankfurter Buchmesse in Gemeinschaftsständen mit anderen Leseförderorganisationen war die LAG für ein paar Jahre mit Schulbibliotheksveranstaltungen auf die Leipziger Messe gegangen. Dauerhaft konnten wir Hessen Schulbibliotheken auch in Leipzig nicht etablieren.)

Die Frankfurter Buchmesse will aber auch weiterhin mehr sein als Branchenmesse. So gibt es seit einigen Jahren den zeitgleichen, nicht ganz billigen Bildungskongress, auf dem der LAG-Vorsitzende auch einmal vortragen konnte, und jetzt den Kids´ Friday. Es gibt in Frankfurt den Friedenspreis, den Deutschen Buchpreis und den Jugendliteraturpreis. Leipzig wird es weiterhin schwer fallen, sich zu behaupten. Zumal sich zeitgleich LitCologne etabliert hat.

 Nachtrag: Die Jugendliteraturpreise 2014 mit einer interessanten Bemerkung zu Astrid Lindgren (Ihre Friedenspreisrede 1978)