Brandenburger Parteien zu Schulbibliotheken

Die AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg hatte die gute Idee, vor der Landtagswahl die Parteien zu befragen, wie sie es mit der Schulbibliothek halten. Wenig überraschend: Alle wissen, dass der Schulträger zuständig ist und nicht der Landtag. auch wird auf die öffentlichen Bibliotheken – Kombibibliotheken – verwiesen und auf den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Land. einzig die FDP, die auch in Brandenburg keine Rolle mehr spielen wird, sieht die Schulbibliothek als “integralen Bestandteil der Schule” und kann sich vorstellen, dass das Land  Sach- und Personalkosten(!) mitträgt.

Auch wenn die Mehrzahl der Parteien unbefriedigende Antworten gibt, sollte die Befragung durch die AG Schule machen. Ein weiterer Schritt, den die Schulbibliothekslobby aber auch leisten muss: Ein Stufenkonzept, inklusive Finanzierung, das sich über mehrere Jahre erschreckt und das möglichst so originell ist, dass nicht ein neuer bürokratischer Wasserkopf entsteht. Genau das geschah vor 22 Jahren in Hessen. Die hessische LAG hatte erreicht, dass der Kultusminister Bereitschaft erkennen ließ, etwas zu tun. Unsere Mitstreiter vom dbv forderten daraufhin 70 Diplom-Bibliothekarinnenstellen in für schulbibliothekarische Arbeitsstellen. Daraufhin war die Sache gestorben. Der LAG gelang es noch, ein Fahrzeug für die mobile Lehrerfortbildung vorzuschlagen, das dann auch realisiert wurde und viele Jahre durch die Lande fuhr.

Als wir zwanzig Jahre später das machten, was ich oben fordere, einen – bescheidenen – Schulbibliotheksentwicklungsplan vorzulegen, nachdem wohlmeinende Bildungspolitiker uns dazu geraten hatten, lachte der Kultusstaatssekretär: “4,7 Millionen €? Ich streite gerade mit dem Finanzminister wegen einer 1.000 €-Rechnung.”

Was bleibt? Bei change.org eine Petition einstellen, von campact eine Kampagne planen lassen, die FDP wählen? Spaß beiseite: Nicht locker lassen, bessere Spielzüge auf dem politischen Spielfeld ausdenken, noch originellere Konzepte entwerfen.

  • Die vollständige Dokumentation zu den Brandenburger Wahlprüfsteinen “Schulbibliothek” von Sabine Wolf hier.

Lehrer und IT-Kompetenz

Es hat ja lange bis zu dieser Erkenntnis gedauert: “Lehrer sind keine IT-Muffel” hat der IT-Branchenverband BITKOM herausgefunden.

Viele Jahre wurde der Öffentlichkeit das Gegenteil eingehämmert. Verwechselt wurde wohl die digitale Zurückhaltung der Bildungsverwaltung mit dem Engagement von Lehrern, vor allem Berufsschullehrern. (Stichwort: Offenes Deutsches Schulnetz)

Am Rande vermerkt: Ich hatte einen OPAC in der Schulbibliothek und die Stadtbibliothek Frankfurt/M noch viele Jahre nicht. Mein Landrat lästerte beifallheischend über die IT-unerfahrenen Lehrer und war irritiert, als er meinen privaten Laptop auf dem Schreibtisch sah. Seine Verwaltung kaufte den Schulleitern erst Jahre später einen. Für Senioren bot ich aber auch EDV-Kurse an, die von fitten Schülern geleitet wurden.

Präsentationsprüfungen und Schulbibliothek

Für die fortgeschrittenere Schulbibliotheksfraktion sind Präsentationsprüfungen ein wichtiges Argument. Die Präsentationsprüfung ist Ersatz für oder Teil einer mündlichen Prüfung. Der Kandidat bzw. die Gruppe stellen ein Thema mit medialer Unterstützung  dar, also mit Beamer und Powerpoint oder dessen noch bunteren Alternativen Emaze oder Prezi.

In einer medial gut sortierten und technisch entsprechend ausgestatteten Einrichtung kann man die Präsentation erarbeiten und die Prüfung durchführen, besser als im Klassen- oder Filmraum, im Arzt- oder Elternsprechzimmer.

Wenn die Gruppenpräsentationsprüfung gemeint ist, die in Hessen zur Abschlussprüfung der Mittelstufe gehört, trifft das voll und ganz zu.

Sie wird überwiegend in den Bibliotheksräumen erarbeitet. (Mehr Gruppenräume wären hilfreich.) Auch die Kooperation in der Gruppe wird bewertet. Ich habe großartige Präsentationen gesehen und Schüler erlebt, die über sich selbst hinausgewachsen sind. In den Lehrplankonferenzen plädierte ich dafür, in der Mittelstufe mehr projektorientierten Unterricht durchzuführen. Trotz anderslautender Beschlüsse war die Gruppenpräsentation für manchen Schüler das erste Projekt. Die Realisierung projektorientierten Unterrichts erforderte einen gewissen bürokratischen Aufwand – zeitliche und inhaltliche Absprachen zwischen den Lehrern – und wenn sich ein Jahrgang oder ein einzelner Kollege/eine einzelne Kollegin nicht daran hielt, konnte man nicht viel ausrichten.

Inzwischen gibt es in vielen Bundesländern Präsentationsprüfungen, die die mündliche Abiturprüfung ersetzen oder ergänzen. Dazu braucht man keine Schulbibliothek. Der Schüler hat bis zu vier Wochen Zeit. Es läuft ab wie bei den häuslichen Referaten. Da wusste man auch nie, ob man jetzt Vater, Mutter, Nachhilfelehrer oder eine Internetplattform benotet oder gar ein Referat erhielt, das von der Freundin in einer anderen Schule schon einmal verwendet worden war. Die Lehrer müssen kompetenzorientiert beurteilen, d. h. die überfachlichen Präsentationskompetenzen – Blickkontakt, Sprechtempo, Visualisierung, Medieneinsatz – sind wichtiger als fachliches Wissen. Konnte man bei nicht selbst erarbeiteten Referaten noch erkennen, dass der Referent/die Referentin das Thema überhaupt nicht durchdrungen hatte, ist das beim Präsentieren von exzellenten Folien sehr viel schlechter möglich. Wahrscheinlich wird es in Kürze eine Folienerkennungssoftware geben müssen, damit das Prüfungskomitee nicht einem Schüler, der in Chemie das ganze Jahr eher “Underperformer” war, für die Folien eines Nobelpreisträgers eine Eins gibt.

Der Biologiedidaktiker Hans-Peter Klein sagt den bösen Satz: “Schüler/innen wissen immer weniger, das aber und sich selbst könnten sie immer souveräner präsentieren.

Die FAZ v. 17.7.14 widmet gleich drei Artikel den immer besseren deutschen Abiturnoten, der mündlichen Präsentationsprüfung und den Problemen französischer Hochschulen mit einer Abiturquote, die sich 80% nähert.

Revisited: Servicezentrum Medien und Schule im Main-Taunus-Kreis (2010) – Heiße Luft

Vor vier Jahren erschien eine Pressemeldung der Pressestelle des Main-Taunus-Kreises in Hessen, in der ein Servicezentrum Medien und Schule – SMS – angekündigt wurde, eine Zusammenlegung von Kreisbildstelle und den Resten der Kreisbücherei, ergänzt um ein gemeinsames Internetportal mit Datenbanken wie dem Munzinger-Archiv. Als Leiter des neuen Zentrums empfahl sich der Autor des dem von Bibliothekar/-innen hochgelobten IMENS nachempfundenen Konzepts, ein Medienpädagoge. In diesem Zusammenhang schrieb ich (schon) 2009 diesen – skeptischen – Beitrag.

Jetzt fiel mir ein Bericht in einer Regionalzeitung auf. Eine Grundschulleiterin konnte alleine mit ihrem Elternbeirat die Schulbibliothek nicht mehr weiterbetreiben. In dem Bericht kam das Medienzentrum als Dienstleister für Schulbibliotheken nicht vor und auch die Schulleiterin wusste anscheinend nicht, dass sie im Landkreis einen Ansprechpartner für Schulbibliotheken hätte.

Jetzt weiß ich warum: Die vollmundige Pressemitteilung des damaligen Schuldezernenten und späteren Landrats war heiße Luft. Das SMS gibt es gar nicht.

Wie immer liegt es am fehlenden Geld. Wie schon seit 1999 waren alle Konzepte für den Papierkorb, auch das von 2009. Wenn man an die Magie von Zahlen glaubt, wäre 2019 wieder ein gutes Jahr für einen neuen Anlauf.

Erinnerung: Zuschuss vom Kultusministerium

Was seit Generationen fehlt, ist eine solide, institutionalisierte Schulbibliotheksfinanzierung in Hessen. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, denn der dbv sagt (mehrheitlich), es gibt doch öffentliche Bibliotheken, das Kultusministerium sagt, wir sind zwar nicht zuständig, aber da wir Euch 105% Lehrer/-innenkräfte zuweisen, bleiben doch ein paar Lehrer/-innenstunden für die Bibliothek übrig. Manche Landtagspolitiker/-innen und der oberste hessische Schulbibliothekar in der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken setzen auf kombinierte öffentliche und Schulbibliotheken. Deren Zahl wächst seit Jahrzehnten so rasant (in der Ballistik: flache, geradlinig verlaufende, kaum ansteigende Geschossbahn),  dass man sie sogar unterm Mikroskop kaum sieht.

Aber es gibt jedes Jahr – und dafür muss man das Kultusministerium loben, eben weil es eigentlich nicht zuständig ist – kleine Zuschüsse (1.000 bis 2.000 €). Rein statistisch dürfte in hundert Jahren jede hessische Schule einmal einen Projektzuschuss erhalten haben.

Dazu bedarf es eines formlosen Antrages an das Hessische Kultusministerium, in dem ein geplantes Projekt der Schulbibliothek anschaulich dargestellt wird. Mehr dazu im zuletzt angegebenen Link.

Frankfurter Verein Bildungspate unterstützt Schulbibliotheken

Über 40 Frankfurter Schulen erhielten Medienpakete des Vereins “Der Bildungspate e. V.” Der Verein engagiert sich für mehr Bildung und für Leseförderung. In den letzten Jahren wurden über 40 Schulbibliotheken mit Medienpaketen unterstützt. Weitere Schulen erhielten finanzielle Unterstützung. Tim-Oliver Barkow  Jan Pfefferle vom Vorstand unterstützen auch den Preis “Schulbibliothek des Jahres” der LAG.

Newsletter 7 der LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V. versandt

Der hids-Newsletter 07 2014

Zu den Newslettern 1-7

Die jüngste Mitgliederbefragung hatte ergeben, dass mehr Information gewünscht wurde. Die bisherige Kommunikation umfasste den jährlichen Rechenschaftsbericht des Vorstands, der auch auf die LAG-Homepage gestellt wurde, und die Mailing List “hids” (Hessischer Informationsdienst Schulbibliotheken). Letztere wurde nach 16 Jahren eingestellt und 2013 durch die hids-news ersetzt, die ca. dreimal im Jahr vom Vorstand an alle Schulen und alle Abonnenten versandt werden.