22. Hessischer Schulbibliothekstag 2015 in der Europäischen Schule Bad Vilbel

Der 22. Hessische Schulbibliothekstag der LAG Schulbibliotheken in Hessen wird am 21. 3. 2015 in der Europäischen Schule in Bad Vilbel bei Frankfurt/M stattfinden.

Die Europäischen Schulen sind als Schulen für die Kinder der Mitarbeiter/-innen in EU-Einrichtungen entstanden. Sie führen vom Kindergarten bis zum Abitur und haben einen exzellenten Ruf. Ihr Modell der Sprachenfolge ist sehr ambitioniert. Das Europäische Abitur wird in ganz Europa und in den USA anerkannt. Namen von Ex-Schülern gefällig? Ursula von der Leyen, Florian Henckel von Donnersmarck, Boris Johnson, OB von London, Thomas Rabe, Vorstandschef der Bertelsmann AG. 25.000 Kinder werden in 14 Schulen unterrichtet.

Tom Zijlstra, den Direktor der Bad Vilbeler Schule habe ich bei einer Besichtigung der Europäischen Schule in Frankfurt am Main kennen gelernt, die ich für den Arbeitskreis “Schule-Wirtschaft” organisiert hatte. Damals war er dort Schulleiter.

Wegen der gewachsenen Zahl der EU-Mitgliedsländer und der daraus folgenden Zunahme der EU-Mitarbeiter platzen die Schulen aus allen Nähten. Die Aufnahme von Schülern von außerhalb findet nicht mehr statt. Inzwischen gibt es zehn private EU-Schulen, die sich selbst finanzieren müssen. Sie unterrichten nach demselben Modell, verlangen aber höheres, nach Einkommen gestaffeltes Schulgeld. Die Schule in Bad Vilbel ist eine solche Neugründung. Sie unterliegt zwar den strengen EU-Richtlinien, hat aber mehr Freiheiten, kann sich z. B. die Lehrer selbst aussuchen.

Ich habe mehrfach, im Buch, in Vorträgen und im Blog auf die Bedeutung des Raumes für Lernerfolg und Lernmotivation hingewiesen. Daher freut es mich besonders, wenn ich diesen Satz von Tom Zijlstra lese: “Eine solche Schule kann nur ein Erfolg werden, wenn das Gebäude phantastisch wird. Wir wollen die Schüler nicht verwöhnen, aber wir wollen ihnen Respekt zollen.” (nach FAZ v. 13.9.14, p. C 1)

Muss ich noch erwähnen, dass sowohl Frankfurt als auch Bad Vilbel hervorragende Schulbibliotheken haben und mit Renate Kirmse eine engagierte Schulbibliothekarin, die von Frankfurt nach Bad Vilbel wechselte?

 

Berichte aus Schulbibliotheken?

In der hessischen LAG treffen sich der Vorstand und oft auch ausgewählte Gäste für ein kurzes Wochenende (Freitagnachmittag und Samstagvormittag) zur Klausurtagung in einem Tagungshotel in Mittelhessen. So kann man sich einmal im Jahr in Ruhe austauschen und auch am Abend ein Glas Wein zusammen zu trinken. Wir holen uns Anregungen von außen, erörtern Ideen, planen die Wettbewerbe und Schulbibliothekstage, setzen Schwerpunkte für die Vorstandsarbeit des kommenden Jahres. Jeder Vorständler übernimmt Hausaufgaben. Ein Jahr später auf der neuen Klausurtagung können wir bilanzieren, was klappte und was nicht.

Die Idee, die Mailing List durch einen Newsletter abzulösen, stammt von einer Klausur. Die Teilnehmerzahl hat sich leicht erhöht.

Erfolgreich war auch die Idee, die Mitgliederversammlung mit einer kostenlosen Fortbildungsveranstaltung zu verbinden. Die Teilnehmerzahl hat sich kräftig erhöht!

Was nicht klappte, war der Aufruf an die Mitglieder, von der täglichen Arbeit, den Aktivitäten und Ereignissen in ihren Schulbibliotheken zu berichten

Wir hatten uns vorgestellt, das es sinnvoll wäre, wenn wir uns gegenseitig informieren, was so alles in der Schulbibliothek passiert. Man holt sich Anregungen. Wir haben bei den Wettbewerben zur “Schulbibliothek des Jahres” gesehen, was für tolle Sachen stattfinden. Wie oft ist das, was in der Bibliothek passiert, unsichtbar, oft sogar in der eigenen Schule, für das Kollegium, für die Schulleitung. Solche kleinen Berichte können dann auf der Schulhomepage oder in der Lokalzeitung stehen – wie das mit den Beiträgen fü die Wettbewerbe geschehen ist -, sie können auf der LAG-Homepage und im Schulbibliotheksblog stehen, ein Mehrfachnutzen also.

Unser Aufruf fand keine Resonanz. Ist es das bekannte Problem, dass die nebenamtlichen Lehrer/-innen keine Zeit dafür haben, weil sie die Arbeit sowieso schon auffrisst und die ehrenamtlichen Eltern zwar gerne einen Part in der Bibliothek übernehmen, aber darüber hinaus keinen Zugang zur LAG oder dem hessischen Schulbibliothekswesen finden?

Da ich mit dem Basedow1764 eine ziemliche Autonomie genieße, könnte ich mir auch vorstellen, “außerhessische” Schulbibliothekberichte – Ein ganz normaler Tag, eine Lesung, ein Lesefest, ein Unterrichtsprojekt, ein Experiment, ein überraschender Besuch – als Gastbeiträge zu veröffentlichen. Sollte die tiefere Ursache für das Ausbleiben sein, dass ein materieller Anreiz fehlt, könnte auch das überdacht werden – die nächste Klausur naht -. Ein kleiner Preis, ein Büchergutschein könnte unter Einsendungen verlost werden, eine Broschüre mit Berichten könnte entstehen.

 

Aus meinem Archiv

“Eine zeitgemäße Schule… Dazu gehört als wichtiger Bestandteil der schulischen Bildungs- und Erziehungsarbeit z. B. die Schulbibliothek. Als zentrales innerschulisches Informationszentrum steht sie dem Unterricht und außerunterrichtlichen Aktivitäten zur Verfügung und kann jahrgangsübergreifender Treffpunkt sein. Es sind daher landeseinheitliche Richtlinien zur Förderung des Schulbibliothekswesens zu erstellen.”

Manifest “Bildung für alle in Hessen verwirklichen”, Landesvertreter/-innenversammlung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) 1990, Kassel

Die GEW hat diese Haltung längst aufgegeben. In der Mitgliederzeitung HLZ 2/2005 mit dem Schwerpunkt Lesen wird die Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule auf zwei Heftseiten ausgebreitet, Unter der Schlagzeile Schulbibliotheken dürfen sich die LAG Schulbibliotheken und das Projektbüro Schulbibliotheken im damaligen Hessischen Landesinstitut für Pädagogik darstellen. In einem Kasten auf dieser Seite wird der 17. Hessische Schulbibliothekstag angekündigt. Hervorgehoben wird das Seminar der Stadtbibliotheksleiterin, die zuvor die zwei Seiten Bibliothek und Schule füllte.

Die Zeitschrift “Erziehung und Wissenschaft” der Bundes-GEW kennt in ihrem Heft 12/2002 mit dem Schwerpunkt Lesen Schulbibliotheken gar nicht. (In einem einzigen Nebensatz kommen sie vor.)

Da ich Anfang der 90er Jahre aus der GEW ausgetreten bin, kann es sein, dass ich nicht mehr über die aktuelle Haltung zu Schulbibliotheken auf dem Laufenden bin. Ich würde mich freuen, Positives zu hören.

Ich nehme mir gerade vor, gelegentlich in meinem Hängemappen-Archiv zu blättern und die eine oder andere Fundstelle hier zu veröffentlichen. In ähnlicher Form hatte ich vor fünf Jahren über Merkwürdiges, Kurioses und Verwunderliches im Zusammenhang mit Schulbibliotheken berichtet.

Warum? Man kann es sich aussuchen: Früher war es auch nicht besser. Der Fortschritt ist eine Schnecke. Nicht alles, was neu auf den “Markt” kommt, ist wirklich neu. Manch´ gute Idee verdient es, wieder aufgegriffen zu werden.

Brandenburger Parteien zu Schulbibliotheken

In der AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg hatte man die gute Idee, vor der Landtagswahl die Parteien zu befragen, wie sie es mit der Schulbibliothek halten. Wenig überraschend: Alle wissen, dass der Schulträger zuständig ist und nicht der Landtag. Auch wird auf die öffentlichen Bibliotheken – Kombibibliotheken – verwiesen und auf den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Land. Einzig die FDP, die auch in Brandenburg keine Rolle mehr spielen wird, sieht die Schulbibliothek als “integralen Bestandteil der Schule” und kann sich vorstellen, dass das Land  Sach- und Personalkosten(!) mitträgt. Auch wenn die Mehrzahl der Parteien unbefriedigende Antworten gibt, sollte die Befragung durch die AG Schule machen.

Ein weiterer Schritt, den die Schulbibliothekslobby auch leisten muss: Ein Stufenkonzept, inklusive Finanzierung, das sich über mehrere Jahre erschreckt und das möglichst so originell ist, dass nicht ein neuer bürokratischer Wasserkopf entsteht. Genau das geschah vor 22 Jahren in Hessen. Die hessische LAG hatte erreicht, dass der Kultusminister Bereitschaft erkennen ließ, etwas zu tun. Unsere Mitstreiter vom dbv forderten daraufhin 70 Diplom-Bibliothekarinnenstellen für schulbibliothekarische Arbeitsstellen. Daraufhin war die Sache gestorben. Der LAG gelang es noch, ein Fahrzeug für die mobile Lehrerfortbildung vorzuschlagen, das dann auch realisiert wurde und viele Jahre durch die Lande fuhr.

Als wir zwanzig Jahre später das machten, was ich oben fordere, einen – bescheidenen – Schulbibliotheksentwicklungsplan vorzulegen, lachte der Kultusstaatssekretär: “4,7 Millionen €? Ich streite gerade mit dem Finanzminister wegen einer 1.000 €-Rechnung.”

Was bleibt? Bei change.org eine Petition einstellen, von campact eine Kampagne planen lassen, die FDP wählen? Spaß beiseite: Nicht locker lassen, bessere Spielzüge auf dem politischen Spielfeld ausdenken, noch originellere Konzepte entwerfen.

 

  • Die vollständige Dokumentation zu den Brandenburger Wahlprüfsteinen “Schulbibliothek” von Sabine Wolf hier.

Mein nachträglicher “Wahlprüfstein” von 2010: Schüler-BAFöG oder Schulbibliotheken?  Die SPD hatte es erfunden, die CDU hat auf meinen Hinweis nicht geantwortet, ein Linkspartei-MdL sagte mir, sie hätten sich nun einmal so und nicht anders entschieden.

Lehrer und IT-Kompetenz

Es hat ja lange bis zu dieser Erkenntnis gedauert: “Lehrer sind keine IT-Muffel” hat der IT-Branchenverband BITKOM herausgefunden.

Viele Jahre wurde der Öffentlichkeit das Gegenteil eingehämmert. Verwechselt wurde wohl die digitale Zurückhaltung der Bildungsverwaltung mit dem Engagement von Lehrern, vor allem Berufsschullehrern. (Stichwort: Offenes Deutsches Schulnetz)

Am Rande vermerkt: Ich hatte einen OPAC in der Schulbibliothek und die Stadtbibliothek Frankfurt/M noch viele Jahre nicht. Mein Landrat lästerte beifallheischend über die IT-unerfahrenen Lehrer und war irritiert, als er meinen privaten Laptop auf dem Schreibtisch sah. Seine Verwaltung kaufte den Schulleitern erst Jahre später einen. Für Senioren bot ich aber auch EDV-Kurse an, die von fitten Schülern geleitet wurden.

Präsentationsprüfungen und Schulbibliothek

Für die fortgeschrittenere Schulbibliotheksfraktion sind Präsentationsprüfungen ein wichtiges Argument. Die Präsentationsprüfung ist Ersatz für oder Teil einer mündlichen Prüfung. Der Kandidat bzw. die Gruppe stellen ein Thema mit medialer Unterstützung  dar, also mit Beamer und Powerpoint oder dessen noch bunteren Alternativen Emaze oder Prezi.

In einer medial gut sortierten und technisch entsprechend ausgestatteten Einrichtung kann man die Präsentation erarbeiten und die Prüfung durchführen, besser als im Klassen- oder Filmraum, im Arzt- oder Elternsprechzimmer.

Wenn die Gruppenpräsentationsprüfung gemeint ist, die in Hessen zur Abschlussprüfung der Mittelstufe gehört, trifft das voll und ganz zu.

Sie wird überwiegend in den Bibliotheksräumen erarbeitet. (Mehr Gruppenräume wären hilfreich.) Auch die Kooperation in der Gruppe wird bewertet. Ich habe großartige Präsentationen gesehen und Schüler erlebt, die über sich selbst hinausgewachsen sind. In den Lehrplankonferenzen plädierte ich dafür, in der Mittelstufe mehr projektorientierten Unterricht durchzuführen. Trotz anderslautender Beschlüsse war die Gruppenpräsentation für manchen Schüler das erste Projekt. Die Realisierung projektorientierten Unterrichts erforderte einen gewissen bürokratischen Aufwand – zeitliche und inhaltliche Absprachen zwischen den Lehrern – und wenn sich ein Jahrgang oder ein einzelner Kollege/eine einzelne Kollegin nicht daran hielt, konnte man nicht viel ausrichten.

Inzwischen gibt es in vielen Bundesländern Präsentationsprüfungen, die die mündliche Abiturprüfung ersetzen oder ergänzen. Dazu braucht man keine Schulbibliothek. Der Schüler hat bis zu vier Wochen Zeit. Es läuft ab wie bei den häuslichen Referaten. Da wusste man auch nie, ob man jetzt Vater, Mutter, Nachhilfelehrer oder eine Internetplattform benotet oder gar ein Referat erhielt, das von der Freundin in einer anderen Schule schon einmal verwendet worden war. Die Lehrer müssen kompetenzorientiert beurteilen, d. h. die überfachlichen Präsentationskompetenzen – Blickkontakt, Sprechtempo, Visualisierung, Medieneinsatz – sind wichtiger als fachliches Wissen. Konnte man bei nicht selbst erarbeiteten Referaten noch erkennen, dass der Referent/die Referentin das Thema überhaupt nicht durchdrungen hatte, ist das beim Präsentieren von exzellenten Folien sehr viel schlechter möglich. Wahrscheinlich wird es in Kürze eine Folienerkennungssoftware geben müssen, damit das Prüfungskomitee nicht einem Schüler, der in Chemie das ganze Jahr eher “Underperformer” war, für die Folien eines Nobelpreisträgers eine Eins gibt.

Der Biologiedidaktiker Hans-Peter Klein sagt den bösen Satz: “Schüler/innen wissen immer weniger, das aber und sich selbst könnten sie immer souveräner präsentieren.

Die FAZ v. 17.7.14 widmet gleich drei Artikel den immer besseren deutschen Abiturnoten, der mündlichen Präsentationsprüfung und den Problemen französischer Hochschulen mit einer Abiturquote, die sich 80% nähert.

Revisited: Servicezentrum Medien und Schule im Main-Taunus-Kreis (2010) – Heiße Luft

Vor vier Jahren erschien eine Pressemeldung der Pressestelle des Main-Taunus-Kreises in Hessen, in der ein Servicezentrum Medien und Schule – SMS – angekündigt wurde, eine Zusammenlegung von Kreisbildstelle und den Resten der Kreisbücherei, ergänzt um ein gemeinsames Internetportal mit Datenbanken wie dem Munzinger-Archiv. Als Leiter des neuen Zentrums empfahl sich der Autor des dem von Bibliothekar/-innen hochgelobten IMENS nachempfundenen Konzepts, ein Medienpädagoge. In diesem Zusammenhang schrieb ich (schon) 2009 diesen – skeptischen – Beitrag.

Jetzt fiel mir ein Bericht in einer Regionalzeitung auf. Eine Grundschulleiterin konnte alleine mit ihrem Elternbeirat die Schulbibliothek nicht mehr weiterbetreiben. In dem Bericht kam das Medienzentrum als Dienstleister für Schulbibliotheken nicht vor und auch die Schulleiterin wusste anscheinend nicht, dass sie im Landkreis einen Ansprechpartner für Schulbibliotheken hätte.

Jetzt weiß ich warum: Die vollmundige Pressemitteilung des damaligen Schuldezernenten und späteren Landrats war heiße Luft. Das SMS gibt es gar nicht.

Wie immer liegt es am fehlenden Geld. Wie schon seit 1999 waren alle Konzepte für den Papierkorb, auch das von 2009. Wenn man an die Magie von Zahlen glaubt, wäre 2019 wieder ein gutes Jahr für einen neuen Anlauf.