Neues zur Digitalisierung der Schulen

Die Welt berichtet von einer Laptopklasse in Berlin. Eltern sind laut BITKOM skeptisch, was Computerkenntnisse der Lehrkräfte angeht. Eine Schülerin der Laptopklasse sieht nach drei Jahren Vorteile fürs Berufsleben. Sie könne jetzt mit Powerpoint umgehen und mit zehn Fingern schreiben.

Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband würde lieber Schulbibliotheken sehen statt teurer Laptops. Die Bundesregierung wolle 500 Millionen für bessere Computerkompetenz der Lehrkräfte ausgeben. Eine überzeugende Evaluation des Nutzens von Computern im Unterricht gibt es bisher nicht. Statt Laptopklassen gibt es neue Projekte mit Tabletklassen. Die wären einfacher zu bedienen und könnten schon in Grundschulklassen eingesetzt werden, sagen Medienexperten in NRW.

Basedow1764 hatte kürzlich berichtet, dass in USA Laptops Tablets vorgezogen werden, wegen der Tastatur.

Die Politik in Hessen nimmt Schulbibliotheken leider nicht ernst

Ich frage mich zunehmend, ob sich Engagement für Schulbibliotheken in Hessen noch lohnt. Seit es den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Hessischen Kultusministerium gibt, gibt es keine Bewegung mehr. Das Organ des Kooperationsvertrages, das “Forum Schulbibliothek”, mit einem Bibliothekar der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in der Fachhochschulbibliothek Rhein-Main an der Spitze, vertritt die Interessen der öBs. Die LAG Schulbibliotheken sitzt am Katzentisch. Heute wären Projekte wie die Anwendung der Software LITTERA in Dreiviertel aller Schulen oder ein Leseförderprojekt wie die “Bibliothek in der Kiste” für 60.000 Schüler/-innen, ebenso der Unterrichtsversuch “Unterricht in der Schulbibliothek” – alles LAG-Initiativen – nicht mehr möglich.  Für das “Forum” geht es darum, dass die öBen neben den Fördermitteln des Wissenschaftsministeriums demnächst auch Haushaltsmittel aus dem Kultusministerium für die Zusammenarbeit mit Schulen bekommen. Die Grundlage ist im Hessischen Bibliotheksgesetz gelegt. Dort wird z. B. die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen dem schulischen “Bildungspartner” öB. zugeordnet. So könnte das auch in einem Flyer des Bibliotheksverbandes stehen. An der Realität von Bibliotheken und Schulen in Hessen geht das vorbei und ein zukunftsfähiges Konzept ist es auch nicht. Man fragt sich, warum das Wörtchen “Schulbibliothek” überhaupt über das Gesetz gestreut wurde.

Zwar wird LAG-Vertretern in Gesprächen oft zugestimmt, dass Schulbibliotheken eigentlich Sache der Schulen sein, tagtäglich im Unterricht genutzt werden sollten und folglich im Schulgesetz verankert sein müssten, aber offiziell gilt: So wie es ist, ist es politisch gewollt, daran darf nicht gerührt werden.

Dies als Vorrede zu einer Zeitungsnotiz aus Rüsselsheim, wo Lions-Club-Damen eine Schulbibliothek durch Flohmarktverkäufe retten wollen, weil die Stadtverwaltung eine 8-Stunden-Bibliotheks-Fachkraft einspart. So ist das halt, wenn das Schulbibliothekswesen von der Finanzkraft und dem bildungspolitischen Ehrgeiz der einzelnen Gemeinde abhängt. So entsteht ein schulbibliothekarischer Flickenteppich.

Ausgerechnet Rüsselsheim! Die engagierte Zusammenarbeit der öB mit den Schulen verdient großen Respekt. Es gibt eine Kinder- und Jugendabteilung, zahlreiche Aktionen der Leseförderung und Angebote an die Schulen.

Natürlich wollen auch die Rüsselsheimer Schulen schulinterne Bibliotheken und schuften dafür.

 

 

 

Ist Schulerfolg wirklich schichtabhängig?

Science Files weist auf bemerkenswerte Beobachtungen in Groß-Britannien hin: Bei chinesischen Schüler/-innen scheint der Schulerfolg nicht von der Sozialschicht abhängig zu sein. Auch im UK gehören sie zu den besten Schüler/-innen und zwar unabhängig davon, aus welcher Sozialschicht sie stammen. (Wie in Brandenburg die vietnamesischen Kinder aus christlichen Elternhäusern!) Die Frage ist also, ob es kulturelle Determinanten gibt, die nichts mit dem Sozialstatus der Eltern zu tun haben. Eine wichtige Rolle scheinen die Erwartungen der Erwachsenen an die Kinder und Jugendlichen zu sein und die Bereitschaft dieser, sie zu erfüllen.

Die Novellierung des hessischen Bibliotheksgesetzes steht an

Vor vier Jahren wurde auch in Hessen ein Bibliotheksgesetz verabschiedet. Auch in Hessen erkannten die Interessenvertreter/-innen des Bibliothekswesens bald, dass Papier geduldig ist. Jetzt steht eine Novellierung an. Ein neuer Anlauf, um an staatliche Geldtöpfe heranzukommen? Vielleicht klappt es jetzt?

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Black Box Unterricht

Das ZDF hat ein, nach Aussage hauseigener PR-Expert/-innen, noch nie dagewesenes Experiment durchgeführt: Sechs Monate waren Kameras in zwei Gymnasialklassen installiert und sollten Unterrichtswirklichkeit einfangen. Es kommentiert der Philosoph Richard David Precht. Seit er ein Buch über Schule geschrieben hat, gilt er als Experte.

“Was bringt das?” fragt Michael Hanfeld in der FAZ v. 23.9. “Es bringt, um es kurz zu machen: nix.”

Dem ist nichts hinzufügen.

Hanfeld empfiehlt den Film von Anja Reschke “Lehrer am Limit” (NDR 2013).

50 Jahre nach Picht: Bilanz der Bildungsreform

Der emeritierte Politikwissenschaftler und frühere bayrische Kultusminister Hans Maier hat in einem ganzseitigen Artikel in der FAZ (15.9.2014, p. 6) die 50 Jahre Schulentwicklung seit Georg Pichts Ausrufung des Bildungsnotstandes im Jahre 1964 bilanziert.

Da ist vor allem die quantitative Dimension: Nach 150 Jahren niedriger Abiturientenquote (ca. 4 %) sei die deutsche Bildungselite auf 30 – 40 % eines Jahrgangs angewachsen. Zu danken sei das nicht zuletzt der Schaffung weiterführender Schulen außerhalb der Städte, auf dem Land. Es wurden mehr Schulen gebaut, Es wurden Schulgeld- und Lernmittelfreiheit sowie Fahrtkostenerstattung für den Schulweg eingeführt.

Mein Gott, das habe ich alles noch erlebt: Das Schulgeld wurde gerade abgeschafft, der lange Schulweg vom Dorf in die Stadt. Die Monatskarte zahlten die Eltern, nicht das Schulverwaltungsamt, ebenso die Schulbücher.

Die autoritäre Schulverfassung und auch obrigkeitsstaatliche Elemente des Unterrichts, das Katheder, die Körperstrafen, die Abwehr von Diskussion und Schülerfragen, die starren Stoffkanons seien abgeschafft worden.

Mit dem Stahllineal wurde auf die Finger gehauen. Mein Grundschulrektor hatte einen Spezialgriff: Zwischen Zeige- und Mittelfinger klemmte er eine Wange ein und zog den Delinquenten so zum Lehrerpult, wo das Lineal lag.
Die SMV – Die Schüler-Mit-Verwaltung – wurde gerade eingeführt. Als Student habe ich dann an einem Entwurf für ein Schulgesetz mitgearbeitet.  Aus der Anstaltsordnung sollte eine demokratische Schulverfassung werden.

Die Verbreiterung der “Bildungselite” hatte nicht zuletzt demokratiestabilisierende Auswirkungen. Zur Bildung gehörte auch die politische Bildung (Mayer hat zur Geschichte des politischen Unterrichts ein wichtiges Buch geschrieben; GS) Zu politischen und Verwaltungsämtern hatte nicht länger nur die frühere schmale Bildungselite Zugang.

Neben den Gewinnen der Bildungsreform sieht Maier aber auch Probleme. Die gewaltige Steigerung der Abiturientenzahl hatte “Nebenfolgen” für  die Universitäten. Anders als in anderen Ländern studiert in Deutschland die große Mehrheit der Abiturienten. So wurde der Numerus Clausus eingeführt und die Lehre, die Bologna-Reform eingeschlossen, verschult. Vernachlässigt wurde das berufliche Schulwesen, es ging bei Picht, auch später bei Dahrendorf, ausschließlich um Gymnasien, Abiturienten und Studenten.

Maier bedauert, dass grundlegende Probleme der Steuerung des Bildungswesens heute nicht mehr diskutiert werden. Vor allem aber beklagt er, dass sich die Sicht auf die Schule verändert hätte. Sie sei rigoros in den Dienst des Lebens, der Zukunft gestellt worden und habe ihr pädagogisches Eigenrecht verloren. Statt um die Muße (schola!) gehe es um die Nützlichkeit. Jedes Fach müsse diese nachweisen: “Was bringt´s?” Der Satz “Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben” klinge nur vordergründig gut. Über der Ausrichtung auf die Zukunft seien die Gegenwart der Schüler, der soziale Umgang, das zwecklose Lernen, der einmalige pädagogische Moment verloren gegangen.

Die heutige Schule müsse als Gegenpol zu Bild und Ton, zu den Medien, das Sprechen, Denken, Begreifen und Unterscheiden in den Mittelpunkt stellen.