US-Schulbibliothekare sind Medienspezialisten

Die Fachzeitschrift “School Library Journal” hat gerade ihre diesjährige Umfrage zur Nutzung von Lerntechnologie in Schulen veröffentlicht. Ergebnis: Die Medienspezialisten, wie sich die Schulbibliothekare nennen, sind wichtige Vermittler bei der Betreuung und Nutzung der neuen Medien, der mobilen Endgeräte und des Internets in den Schulen.

  • 87% sind auch für die technische Ausstattung der Schulbibliothek zuständig.
  • 60% sind involviert in die Mediennutzung in der gesamten Schule
  • 44% gehören zum Computerteam der Schule (“school´s tech team”)
  • 20% arbeiten auch im Computerteam des Schulbezirks mit

Was erfährt man über die Mediennutzung in den Schulen?

60% der High Schools nutzen E-Reader, weiter 20% haben es demnächst vor. Die Hälfte der befragten Schulbibliothekare haben E-Books in der Bibliothek.

“BYOD” (Bring Your Own Device) schreitet voran: Die Schüler/-innen nutzen ihre eigenen Mobilgeräte – Tablets, E-Readers, Smartphones – im Unterricht. (Ich bin da sehr skeptisch.)

80% der Schulbibliothekare nutzen kostenlose Internetprogramme wie GoogleDocs,  Foto-/Videobearbeitungssoftware oder Edmodo, eine Lernplattform.

Der Originalartikel

Für Deutschland scheint eine solche Sicht auf Schulbibliotheken wie ein Bericht vom Mars. Medienaustattung, Medienpädagogik auf der einen und Schulbibliothek auf der anderen Seite leben in getrennten Welten. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Unvergesslich ist für mich: Ein Freund hatte mich als Referent in eine Medientagung für Schulen eines Landkreises gebracht. Es ging darum, wie man EU-Millionen in Gerätebeschaffung umsetzt, sprich: Smartboards kauft. Wieso auf einer solchen Medienentwicklungstagung dann einer von Schulbibliotheken redet, war für die anwesenden Medienfachleute aus Schulverwaltung und pädagogischen Instituten nicht nachvollziehbar. Der Referent verlängerte scheinbar grundlos die Rednerliste. Als sich abzeichnete, dass man mir das Wort entziehen werde, ging ich freiwillig. Einen Rat konnte ich noch loswerden: Die Kreidetafeln sollten sie sicherheitshalber noch nicht verschrotten. Da hatte ich wenigstens einen Lacherfolg.

Bildband zu renovierten New Yorker Grundschulbibliotheken

Das Buch zur großen Renovierungsaktion von New Yorker Grundschulbibliotheken, angestoßen von der Robin Hood Foundation, habe ich mir jetzt endlich kommen lassen.

Herrliche Fotos. Der Bildband wird lange Zeit zwischen Coffee table und Nachttisch hin und her wandern.

20€, die sich gelohnt haben!

Videoclip über eine außergewöhnliche US-Schulbibliothek

Im Blog eines US-amerikanischen Schulbibliotheksmagazins wird auf eine Schulbibliothekarin hingewiesen, die ihre Schulbibliothek erfolgreich aufgemischt hat (Dreiminütiger Videoclip).

US-amerikanische Schulbibliotheken sind bisher sehr traditionell gewesen: Nutzung vorrangig nach Stundenplan (scheduling), Stille und viele Referate. Das ist wenig attraktiv und begünstigt die anhaltende Schließungswelle. Deswegen wird mit Recht auf die zahlreichen innovativen Schulbibliothekarinnen hingewiesen.

Ich würde gerne ähnliche Berichte aus Deutschland zeigen. Leider gibt es nur wenige Hauptamtliche. Und die Kommunikation ist fast ausschließlich eine Einbahnstraße. Man will Informationen und Rat, gibt aber selbst wenig weiter. Mit den Wettbewerben “Schulbibliothek des Jahres” habe ich versucht, Schätze zu heben. Darauf werde ich auch noch zurückkommen. Aber wer Gutes tut, sollte jetzt schon davon erzählen. Ich trage gerne dazu bei, dass es bekannt wird, so anderen hilft und auf die wichtige Rolle der Schulbibliothek im Schulalltag aufmerksam macht.

Endlich! Wikipedia ist weg!

Aus Protest gegen umstrittene Urheberrechtsschutzgesetzesvorhaben in USA (SOPA und PIPA) blieb Wikipedia heute schwarz. Mit den Gesetzen wollen sich “Contentproduzenten” (Bücher, Filme, Musik) gegen Internetpiraten wehren, die ihr Geld mit Urheberrechtsverletzungen verdienen. “Netzaktivisten” sehen halten die Gesetzentwürfe für überzogen. Damit würde die Freiheit des Internet bedroht.

Für manche US-Schulbibliothekare ein Festtag. Die Nutzung von Wikipedia bei der Recherche gilt nämlich als Sündenfall. Die Schüler/-innen müssen die Lexika und die lizenzierten Datenbanken nutzen, die in den Schulbibliotheken stehen bzw. liegen.

Was man auch tun kann, wenn der Bildschirm dunkel bleibt.  :-)

“Meine Hauptbeschäftigung ist PR”

Beim Sieger  des Wettbewerbs “Berliner Schulbibliothek des Jahres”, der Lenauschule in Tempelhof, waren amerikanische Schulbibliothekarinnen zu Gast. Die Schule stellte ihre preisgekrönten Leseförderungsaktivitäten vor. Vertreter/innen der AGSBB berichteten von ihren Aktivitäten.

“Die meiste Zeit beschäftige ich mich mit PR für die Schulbibliothek, bei den Lehrern, bei den Schülern”, sagte eine Besucherin.

Siehe im Blog auch unter “Librarian in Residence

“Wir haben keine Ahnung, was wir wollen, aber das mit ganzer Kraft”

Dieses Graffito aus den frühen 80ern kommt mir in den Sinn, als ich die treffenden Anmerkungen von Karsten Schuldt zum Thema “Schulbibliotheken auf dem 100. Bibliothekskongress” lese.

Gleich auf zwei Veranstaltungen haben Bibliothekare Bibliothekare über Schulbibliotheken in USA informiert. Die Anwesenden müssen viel Neues erfahren haben, wie Schuldt in seinem Blog konstatiert. Man konnte das schon im Tagebuch zweier in USA weilenden deutschen Bibliothekarinnen im November 2010 nachlesen (auf der Website des New Yorker Goethe-Instituts). Sie waren überrascht, wie stark die US-Schulbibliotheken auf Unterricht bezogen sind und erklären sich das mit der Herkunft der teacher-librarians aus dem Lehrerstand.

In den USA sind die Schulbibliotheken in den 80er Jahren zu school library media centers geworden, Einrichtungen, die vor allem eine Rolle im Unterricht spielen. Gut, dass sich das allmählich unter den Schulbibliotheksexperten in den deutschen Bibliotheksverbänden herumspricht. Schlecht, weil zwei Jahrzehnte verschlafen wurden. Jetzt wird das US-Schulbibliothekswesen arg gerupft.

Auch will man vom Vorgestern ins Übermorgen: Vermittlung von Informationskompetenz haben sich die Bibliotheksverbände aufs Panier geschrieben. Mit dem Schlachtruf “Rein in die Schule!” (Titel einer Veranstaltung auf dem 99. Bibliothekstag) wird den Schülern und Lehrern die Vermittlung von Informationskompetenz durch Bibliothekare angetragen. Das oberflächliche Hantieren mit bildungsökonomischen Schlagwörtern (PISA, Kompetenz, Qualifikation, Literalität, Standards) suggeriert Vermittlungskompetenz. Dass es dabei nicht mehr um fachliche Inhalte, Wissenserwerb, geschweige denn Bildung geht, verursacht Pädagogen Unwohlsein. “Lernen ohne Inhalte” moniert der Wiener Bildungsphilosoph Konrad Liessmann ist wie “Kochen ohne Zutaten”. Er hält nichts davon, dass man in Lehrgängen oder Modulen das Lernen lernen und sich Kompetenzen aneignen soll, mit denen man später einmal Wissen erwerben können soll.

Dr. Schuldt wundert sich, dass der 100. Bibliothekarstag nicht auf die in derselben Woche stattfindende Sitzung der Jury für den Preis der “Berliner Schulbibliothek des Jahres” der AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg (AGSBB) Bezug nimmt: “Offensichtlich existieren hier zwei Diskurse nebeneinander” stellt er fest. (Siehe dazu mehr unter “Weiterlesen”!)

Es gibt auf pädagogischer Seite keine fundierte, breite Auseinandersetzung mit dem Thema Schulbibliotheken. “Das Thema bleibt den Interessenvertretungen des Bibliothekswesens überlassen” lautet eine meiner Thesen in “Gibt es Schulbibliotheken in Deutschland?“. Schulbibliotheken werden bibliothekarisch definiert und gehören zur Einflusssphäre der bibliothekarischen Verbände. Nicht, dass deren Diskurs beeindruckt: Der Südtiroler Bibliotheksverband z. B. wollte von einem Schulbibliothekswesen anfänglich nichts wissen und war dagegen. In manchen Bibliotheksgesetzen stehen sie drin, in manchen nicht. Für “Schulbibliotheksexperten” alter Schule ist die Zusammenarbeit der Schule mit der öB. der Kern des Themas.

Wenn in bibliotheksfachlichen Verlautbarungen von “Zusammenarbeit der Schulbibliothek mit der öffentlichen Bibliothek” gesprochen wird oder eine Bibliothekarin gar Schulbibliotheken eine schulische Einrichtung nennt, wird das so erfreut zur Kenntnis genommen wie die Erlaubnis für saudi-arabische Frauen, ein Handy besitzen zu dürfen: Der Fortschritt wäre jetzt nicht mehr aufzuhalten.

Ein pädagogischer Diskurs schien die bibliothekarischen Interessenvertreter bisher eher zu irritieren. “Seit wann braucht es runde Tische, an denen David und Goliath nebeneinander sitzen?” fragt man sich wohl.  Basedow1764 und seine mitstreitenden Lehrerkollegen sitzen zwischen den Stühlen. Auch mancher Lehrerkollege denkt, dass die Schulbibliotheksbefürworter unter den Lehrern eher verkappte Bibliothekare sind. Einer hat ihm das auch mal gesagt.

Kritischer Bemerkungen zu den getrennten Diskursen, wenn man sie nun doch einmal als solche bezeichnet, hat er sich in seinem Blog nicht enthalten. Noch zwei aktuelle Beispiele für nicht gelingende Diskurse gefällig? Weiterlesen

Schulleiter in Idaho/USA über Schulbibliothekare

Schulleiterbefragung in Idaho

Das Team um Keith Curry Lance, der seit Jahren Wirksamkeitsstudien zu Schulbibliotheken vorlegt, hat 170 Schulleiter/-innen in Idaho befragt. Es stellte fest, dass die Schüler/-innen umso besser im Schulleistungstest des Bundesstaates abschneiden, je bedeutsamer die Schulbibliothek für die Schulleiter ist.

  • Die Hälfte hält es für ganz besonders wichtig, dass der Zugang zur Bibliothek flexibel gehandhabt wird (In USA herrscht oft noch ein fester Stundenplan, nach dem die Klassen in die Bibliothek dürfen. Spontane Besuche oder außerplanmäßig wünschenswerte Besuche scheitern am strikten Schedule der Bibliothekarin.)
  • 90% halten es für wesentlich oder wünschenswert, dass gemeinsame Unterrichtsplanung von Schulbibliothekar und Fachlehrer stattfindet.
  • 85% legen Wert darauf, dass der Bibliothekslehrer Fortbildung für das Kollegium anbietet.
  • Mehr als die Hälfte legt Wert auf die Mitarbeit des Schulbibliothekars in den schulischen Gremien.

Naja, könnte man fragen, wie repräsentativ sind die 170? Haben die so positiv geantwortet, weil sie den Schulbibliotheksforschern eine Freude bereiten wollten? Nur durchschnittlich 2% haben jeweils “überflüssig” angekreuzt.

Wenn ein Schulleiter etwas schätzt und für wichtig hält, sollte sich das auch aufs Kollegium übertragen und bei den Schüler/-innen erkennbar sein. Der Befund, dass Schüler bei Datenverarbeitung (ICT) im Test besser abgeschnitten haben, wenn der Schulleiter ICT-Unterricht für wichtig hält, ist trivial.

Dennoch:

Wenn man deutschen Schulleiter/-innen solche Fragen stellen könnte!

Link zu weiteren Wirksamkeitsstudien