PISA und die Lesekompetenz

Die PISA-Industrie ist so nützlich wie Wikileaks: Die Medien können wochenlang davon leben. Jeder macht sich seinen Reim drauf. Die Journalisten müssen nicht mehr selber recherchieren, die Bildungsforscher müssen nicht forschen, sondern stellen nur noch fest.

Im Osten wird in Leserbriefspalten wieder die DDR-Schule gefordert, die Grünen wollen mehr Ganztagsschulen, der Schulminister zieht einenTag später einen Maßnahmeplan aus der Tasche, der dbv wird Geld für die Leseförderung und Medienkompetenzvermittlung in öffentlichen Bibliotheken fordern.

Ein kleiner “Sieg” in diesem Rankingspiel:

Deutschland (497) hat in der Lesekompetenz Südtirol (490) überholt!

(Update: Unbedingt unten stehenden Kommentar von Daniel Weger lesen! Die deutschsprachigen Schulen liegen immer noch vor Deutschland (498 P.?). Die deutschsprachigen Gymnasien haben aber 562 Punkte, stehen also noch vor dem Durchschnittswert für Ranglistennr. 1, Shanghai.)

Die USA sind schlechter geworden (-5 Punkte = 1%). Das liegt wohl daran, dass man dort bei den Schulbibliotheken kräftig spart. Vielleicht ist es an der Zeit, nicht länger holzschnittartig über die Vorteile von Schulbibliotheken zu sprechen.

Da jeder PISA-Test neue und andere Items enthält, die es nicht einfach machen zu vergleichen, freuen wir uns auf die nächste Folge.

In Österreich wurde schon ein Zusatztest erprobt: Online lesen, SMS- und Chatkompetenz. Tu felix austria. Beim Rückspiel, wenn darin alle 65 Schulsysteme getestet werden, habt ihr einen Vorteil.

Nachtrag: Der deutsche “Aufstieg” taugt wohl für “Wir sind Papst”-Schlagzeilen und markige Politker/innensprüche in einigen Bundesländern. Wenn man genauer hinsieht, ist er nicht so beeindruckend:

Einzig im Quartil der schwachen Leser/innen hat sich viel getan. Da gab es Verbesserungen um 26 Punkte (Die Gesamtverbesserung von 2001 zu 2009 beträgt 13 Punkte.) Bei den 15jährigen mit türkischem Migrationshintergrund ist der Zuwachs geringer ausgefallen. Bei den mittleren bis guten Quartilen gab es wenig bis gar keine Steigerung.

Nachtrag zum Nachtrag: Hat eigentlich schon mal jemand die türkischen PISA-Ergebnisse mit denen deutscher Migrantenschüler verglichen?                 

Über Basedow1764

Die älteste Forderung nach Schulbibliotheken ist bei dem Schulreformer Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) zu finden. Daher der Name dieses Weblogs.
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2 Antworten zu PISA und die Lesekompetenz

  1. Daniel schreibt:

    Die Detailanalyse zeigt, dass die Ergebnisse an den deutschen Schulen in Südtirol noch gaaanz knapp besser als in Deutschland sind ;-)
    http://www.schule.suedtirol.it/pi/themen/images/lesen.jpg
    (wobei der Vergleich eines kleinen Landes mit einem großen Staat natürlich immer ein wenig hinkt)

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