Informationskompetenz und Schule: Sehr komplex

Die Lehrerin und frühere Schulmediotheksleiterin Nathalie Mertes wurde mit der Fallstudie “Teachers’ conceptions of student information literacy learning and teachers’ practices of information literacy teaching and collaboration with the school library” gerade an der Berliner Humboldt-Universität von den Professoren Konrad Umlauf und Ross J. Todd promoviert.

Herzlichen Glückwunsch Dr. Mertes!

Die Studie füllt eine bemerkenswerte Lücke in der Literatur zu Informationskompetenz und ihrer Vermittlung in der Schule. Denn sie untersucht am Beispiel einer US-amerikanischen Schule die Einstellungen der Lehrer und ihre Unterrichtspraxis sowie ihre Sicht der Zusammenarbeit mit den Schulbibliothekaren.

Auch wenn die deutsche Schulbibliothekslandschaft, sofern man die Zustände so nennen darf, völlig anders ist, verdient die Dissertation, auch in Deutschland gelesen zu werden. Denn Informationskompetenz und ihre Vermittlung sind auch hierzulande ein Thema: Mit Richtlinien, Empfehlungen und Lehrplänen zieht sie in den Schulen ein. Öffentliche Bibliotheken sehen sich als Förderer von Informationskompetenz der Schüler. Wenn man das diskutiert, kann eine Kenntnis der Schulrealität nicht schaden. Die Arbeit von Nathalie Mertes trägt hierzu erheblich bei. Siehe dazu meine Anmerkungen zur Studie:

Zur Studie “Teachers’ conceptions of student information literacy learning and teachers’ practices of information literacy teaching and collaboration with the school library” von Nathalie Mertes

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es den Spruch „Man muss nicht alles wissen. Man muss nur wissen, wo es steht.“ Der Wissensspeicher, der sich außerhalb des menschlichen Gedächtnisses befand, war damals noch vergleichsweise überschaubar: gedruckte Bücher, das häusliche Bücherregal, die öffentliche Bibliothek. Dreißig Jahre später ist im Internet ein gigantischer, aber auch chaotischer Wissensspeicher nur noch einen Tastendruck entfernt. Die Suchmaschinen werden immer komfortabler. Der Gang ans Bücherregal, das Blättern im Buch oder das Aufsuchen der Stadtbibliothek scheinen überflüssig geworden zu sein. Stattdessen wird gegoogelt.

Vor allem für die Schule werden das Meer der digitalen Informationen und die Neigung, alles und jedes zu googeln, zum Problem. Statt die in vielfacher Auflage aktualisierten und behördlich zugelassenen Lehrbücher oder gedruckte Lexika zu Rate zu ziehen, werden Informationen heute in der „Wildnis“ Internet zusammengesucht. Das ist oft zeitraubend und vor allem unsicher, was die Güte der Information betrifft: Stammt die Islam-Definition von den Wahhabiten, erklärt eine Sozialistin den Neo-Liberalismus oder ein Freikirchler die Entstehung des Menschen? Lösen soll dieses Problems die Schulung der Informationskompetenz von Schülerinnen und Schüler.

Dieser in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgekommene Begriff für wissenschaftsorientierte Informationsbeschaffung zielte ursprünglich auf Verbesserung der Benutzerorientierung und Benutzerschulung in wissenschaftlichen Bibliotheken. Inzwischen sind auch Schulen und die Erwachsenenbildung Adressaten. Nicht nur die Informationsbeschaffung aus Büchern ist Thema, vor allem sind die Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien gemeint. Naheliegend ist, dass der Umgang mit Computern und Internet sowie der Datenschutz einbezogen werden. Medienkompetenz wird je nach Forscher als Ober-, Unter- oder Nachbarbegriff von Informationskompetenz verstanden. Eingeübt werden soll ein mehrstufiger Lernprozess:

  • Erkennen, dass man einen Informationsbedarf hat
  • Wissen, wo und wie man Informationen sucht und findet
  • Wie man sie auf ihre Seriosität überprüft
  • Wie man sie auswertet, erfasst, ordnet, auswählt und in die Aufgabe integriert
  • Wie man sie präsentiert und ins eigene Wissensrepertoire übernimmt.[1]

Zu diesem Zweck haben deutsche Bibliotheks- und Informationswissenschaftler nach angelsächsischem Vorbild Bildungsstandards, Kompetenzraster, Curricula und Lernzielkataloge vom Kindergarten bis zum Abitur erarbeitet. Vereinzelt hört man auch die Forderung nach einem Schulfach „Informationskompetenz“ oder spricht von einer neuen Fachdidaktik.[2] Flankiert wird der Ruf nach Vermittlung von Informationskompetenz durch Studien, die den Nachweis führen, dass Lehrer und Schüler nicht in der Lage seien, mit der enormen Masse von Treffermeldungen in Suchmaschinen kompetent umzugehen.[3]

Aus Lehrersicht irritiert, dass die einschlägigen Curricula und Bildungsstandards ohne Mitarbeit von Lehrern, Schuldidaktikern oder Erziehungswissenschaftlern erarbeitet wurden. Dass und wie Schule schon im vordigitalen Zeitalter Informationsrecherche beibrachte, interessiert anscheinend nicht. Der Umgang mit Quellen, Zeitungsanalyse, Textsorten, Referaten und Facharbeiten, der Gebrauch von Nachschlagewerken sind bis heute Themen des Unterrichts. Es sei dahin gestellt, ob diese immer und überall zufriedenstellend unterrichtet wurden. Aber ganz neu sind die Recherche von Informationen und ihre Präsentation nun auch wieder nicht. Wer US-amerikanische Fachliteratur zu Informationskompetenz liest, gewinnt gar den Eindruck, dass kritisches Denken erst mit dem Training der – digitalen – Informationskompetenz ins Blickfeld geraten wäre.[4]

Es ist nicht zu bestreiten, dass die Vermittlung von Informationskompetenz sinnvoll ist. Irritierend an der gegenwärtigen Diskussion ist aber zweierlei:

  • Der aus dem bibliothekarischen Raum stammende Begriff hat auch eine berufspolitische Bedeutung. Angesichts der Abwanderung von gedrucktem Wissen ins Internet und in Datenbanken, nicht zuletzt angesichts der elektronischen Bücher und der jederzeitigen Erreichbarkeit dieser Daten auf nicht ortsgebundenen, digitalen Endgeräten, stellt sich die Frage nach der Zukunft dieses Berufsstandes. Eine Antwort ist: Navigator auf dem Meer der Informationen. Er hilft dem Kunden, die richtigen Informationen zu finden.[5]
  • Das Thema wird an Lehrer und Schule herangetragen, ohne dass eine Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Unterricht und Lehrertätigkeit stattgefunden hat. An der Ausarbeitung der einschlägigen Curricula und Standards sind, nach meiner Kenntnis, keine Pädagogen oder Erziehungswissenschaftler beteiligt gewesen.

Die Vermittlung der Kompetenzen wird als alleinige Aufgabe der Bibliothekare gesehen, durchaus auch in Kooperation mit Lehrern.[6] Im Zusammenhang mit unserem Thema wären demnach einige Fragen zu klären:

  • Wie ist es um Informationskompetenzvermittlung in Schulen bestellt?
  • Welche Informationskompetenzen sind für Lehrer wichtig?
  • Welche halten Lehrer für ihre Schüler für wichtig? Wie schätzen sie die Informationskompetenz ihrer Schüler ein?
  • Worauf achten Lehrer bei Rechercheaufgaben? Auf welche Kompetenzen legen sie wert? Wo und wie intervenieren sie im Rechercheprozess?
  • Wie sehen Lehrer die Schulbibliothek und den Schulbibliothekar?
  • Ist in der Schule der Zugang zur Information das A und O oder liegt der Schwerpunkt auf Wissenserwerb?
  • Wie wirken sich die Rahmenbedingungen von Schule und Unterricht – Zeit, Fachunterricht, Lehrpläne u. a. – aus?
  • Könnte das Modell der Zusammenarbeit von (Fach-)lehrern und informationskompetenten Schulbibliothekaren bei der Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts die Qualität von Unterricht und die Schülerleistungen verbessern?[7]

Diese Fragen sind weitgehend ungeklärt. Die Lehrerrolle bei der Vermittlung von Informationskompetenzen ist bisher nicht untersucht worden. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit der Schulbibliothek, obwohl sie in angelsächsischen Ländern Eingang in die Schulpraxis gefunden hat. Wie sie abläuft, wie sie von den Beteiligten wahrgenommen wird, ob sie überhaupt funktioniert, wo die Probleme liegen, ist wissenschaftlich wenig erforscht.[8]

Die Forschungslücke wird nun sehr viel kleiner durch die Dissertation von Nathalie Mertes: “Teachers’ conceptions of student information literacy learning and teachers’ practices of information literacy teaching and collaboration with the school library”[9]

Die fundierte Studie wurde in einer US-amerikanischen, privaten High School (Klassen 7-12) durchgeführt, weil in den USA Fachlehrer und Schulbibliothekar zusammenarbeiten, wenn auch nicht überall und nicht ohne Friktionen. In Deutschland gibt es keine hauptamtlichen, speziell ausgebildeten Schulbibliothekare. Dennoch ist diese Studie auch für die deutschen Verhältnisse hilfreich.

Bibliotheks- und Informationswissenschaftler/-innen, die Standards und Curricula für schulische Informationskompetenzvermittlung entwerfen und beanspruchen, Lehrern und Schülern diese Kompetenzen beizubringen, erhalten hier – erstmals -Informationen darüber,

  • was die Fachlehrer von der Schulbibliothek erwarten und wie sie sie nutzen
  • wie diese über Informationskompetenz denken
  • was für sie im Rechercheprozess besonders wichtig ist
  • welche Stärken und Schwächen sie bei der Informationskompetenz ihrer Schüler sehen
  • welche fächerspezifischen Unterschiede sich ergeben

Es wurden Schüler, Schulleitungsmitglieder, Lehrer und die Schulbibliothekare (zwei ausgebildete Schulbibliothekare und eine Assistentin) interviewt und mittels Fragebögen befragt.

 Hier sind einige Ergebnisse:

Lehrer, Schüler und Schulleitungsmitglieder sagen übereinstimmend, dass Informationskompetenzen von nahezu allen im Kollegium vermittelt würden. Fast alle Fachlehrer würden Rechercheaufgaben geben, nicht nur die Schulbibliothekare. Lehrer würden nicht nur selbst Informationen im darbietenden Unterricht geben, sondern auch Wert darauf legen, dass sie von den Schülern erarbeitet werden. Es komme nicht nur auf das fertige Referat an, sondern auf den Rechercheprozess.

Im Lehrplan sind in verschiedenen Jahrgangsstufen längere und kürzere Rechercheprojekte vorgesehen. Im Laufe der Schulzeit kann davon ausgegangen werden, dass die Schüler gelernt haben, Informationen in verschiedenen Medien zu finden und zu verwenden. Bei der Nutzung der Bibliothek als Ort für Projekte mit „Forschungsaufgaben“ gibt es allerdings beträchtliche Unterschiede. Das Internet ersetzt häufig den Bibliotheksbesuch, weil Schüler lieber dort recherchieren, als in die Bibliothek zu gehen. Zunehmend arbeiten sie auf ihren eigenen Endgeräten. Manche Lehrer benutzen die Schulbibliothek nur für ein längeres Projekt, aber nicht im normalen Unterricht, manche brauchen sie in ihrem Fach überhaupt nicht.

Generell scheinen die Lehrer kürzere Projekte zu bevorzugen. Auch bei diesen wird auf Informationskompetenzen geachtet, aber man geht darin eher ins Internet als in die Bibliothek. Gerne empfehlen Lehrkräfte Webseiten, die sie vorher „gescreent“ haben, auch weisen sie auf Bücher und Zeitschriften hin.

Nicht zu unterschätzen sind die systemischen Bedingungen:

Fach und Zeitaufwand sind wichtige Bedingungsfaktoren. Während die Schulbibliothekare lieber längerfristige Projekte machen möchten – zwei bis vier und mehr Wochen dauernd, acht bis zehn Druckseiten Umfang, 30 min Präsentationszeit – tendieren die Lehrer zu kürzeren Projekten. In den AP-Kursen (Advanced Placement, d. h. Unterricht auf Collegeniveau) wird wegen des Zeit- und Stoffdrucks auf Rechercheprozesse nach den informationsfachlichen Methoden etwa von Carol Kuhltau oder Mark Eisenberg lieber ganz verzichtet.[10] Die leistungsbereiten Schüler dieser Kurse würden sich per Hausaufgaben Informationen selbständig beschaffen. In diesen AP-Kursen geht es darum, auf die standardisierten Leistungstests vorzubereiten. Informationskompetenzen werden eher in regulären Klassen und Wahlpflichtkursen unterrichtet, Dort ließen sich Schüler dadurch motivieren, sich intensiver mit einer Sache auseinanderzusetzen. Das sei in den AP-Kursen nicht nötig. Wenn man zwischen den Zeilen liest, entsteht beim Lesen der Lehrer-Statements der Eindruck, dass Projektunterricht und lange Rechercheprozesse als „pädagogischer“ gelten, aber der geheime Lehrplan der intensiven Stoffvermittlung in den Köpfen steckt.

Am liebsten kooperieren die Geschichtslehrer, während Mathematiker, Naturwissenschaftler und Sprachler die Bibliothek weniger nutzen.

Die größten Probleme haben Schüler bei der Informationssuche nach Auffassung der Lehrer bei diesen Schritten:

  • Wie man eine wichtige Information von einer unwichtigen unterscheidet
  • Wie man die Güte von Internetquellen feststellen kann
  • Wie man die gefundenen Informationen exzerpiert und sammelt
  • Wie man zusammenfasst („extremely difficult“ sagt ein Lehrer)
  • Wie Informationen zu Wissen werden (Knowledge Building): verstehen, analysieren, anwenden usw.
  • Wie man präsentiert

Was Lehrer außerdem bekümmert: Wie man Plagiate verhindert. Und es sei schwierig, mit Schülern über den Rechercheprozess zu reflektieren. Für sie ist die Aufgabe abgeschlossen, wenn das Endprodukt, die Präsentation, abgeliefert wurde.

Während das Suchen und Finden von Informationen für die Schulbibliothekare sehr wichtig ist, rangiert es bei den Lehrern ziemlich weit hinten auf der Skala der Probleme auf der Recherche.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Fach- und Bibliothekar aus?

Drei Viertel der Lehrkräfte haben schon in der Bibliothek unterrichtet, aber nur die Hälfte davon hat dann mit dem Schulbibliothekar zusammengearbeitet. Am beliebtesten ist, wenn dieser die Klasse darüber informiert, wo man Informationen findet, wie man präsentiert und wie man die gefundenen Informationen anwendet (Knowledge Building). Dazu kommt er in den Unterricht des Fachlehrers. Gerne angenommen wird seine Mitarbeit bei der Unterrichtsvorbereitung.

Meist ist der Schulbibliothekar an der Notenfindung beteiligt, etwa bei der Beurteilung des richtigem Zitierens, der Struktur des Berichts, der Methodik, dem Arbeitseifer. Es gibt Lehrer, die ihre Klasse in die Bibliothek schicken und dem Schulbibliothekar das gesamte Projekt mitsamt der Benotung überlassen. Das wiederum hat zur Folge, dass dieser mit „seinem „Projekt“ beschäftigt ist und für Lehrer, die Unterstützung suchen, schlecht ansprechbar.

Bei der Zusammenarbeit gibt es ziemlich alle Varianten, von enger Kooperation bis zu gar keiner. Gelobt wird von den Lehrern:

  • Schulbibliothekare unterstützen einzelne, schwächere Schüler, suchen nach geeigneten Materialien, schlagen Bücher vor, besorgen Bücher per Fernleihe. Die Fachlehrer wenden sich überwiegend an die ganze Klasse. Sie beobachten, weisen auf offensichtliche Fehler hin, machen Vorschläge, nennen Quellen. Sie arbeiten aber selten längere Zeit mit einzelnen Schülern.
  • Die Schulbibliothekare seien sowohl Medienspezialisten als auch Lehrer.[11]

Es gibt aber auch eine Fülle von Problemen:

Das in den USA übliche Scheduling macht es erforderlich, Benutzungszeiten für die Bibliothek lange Zeit im Voraus zu reservieren, es gibt wenig Flexibilität. Man muss freie Stunden finden, wenn der eigene Fachunterricht stattfindet, man muss mit der Klasse in die Bibliothek umziehen. Dort sei es möglicherweise laut, man werde abgelenkt, es gebe zu wenige Gruppenräume für ungestörtes Arbeiten. Schulbibliothekare neigen dazu, so wird moniert, bei Projekten weniger strikt auf der Einhaltung vereinbarter Abgabetermine zu bestehen. Dagegen finden die Schulbibliothekare, dass die Zeitvorgaben der Fachlehrer zu knapp seien.

Schulbibliothekare und Fachlehrer hätten unterschiedliche Vorstellungen vom Unterricht, das erschwere die Kooperation. Es gäbe keine gemeinsamen Ziele, die Schulbibliothekare hätten ihre eigenen Methoden. Sie würden die Schüler enger führen als die Fachlehrer, hätten wenig fachspezifisches Wissen, so dass sie mitunter auch ungeeignete Materialien empfehlen würden.

Die Lehrer wollen die Verantwortung für den Unterricht nicht aus der Hand geben. Sie müssen für den Lernerfolg der Schüler und das gute Abschneiden in den Tests gerade stehen. Sie sehen die Vermittlung von Informationskompetenzen im engen Zusammenhang mit dem Lernstoff, was bei den Bibliothekaren nicht so ausgeprägt ist. Die sehen sie eher als fachunabhängige Methoden. Mancher Lehrer konzentriert sich daher auf den regulären Unterricht und überlässt die Klasse für das curricular vorgeschriebene größere Projekt dem Schulbibliothekar.

Zusammenfassung

Alle Lehrkräfte berücksichtigen Kompetenzen der Informationsrecherche in ihrem Unterricht. Sie sehen sie im engen Zusammenhang mit ihrem jeweiligen Fach. Ein fachunabhängiges Training von Fertigkeiten halten sie nicht für sinnvoll.

Die Nutzung der Schulbibliothek und die Zusammenarbeit mit dem Schulbibliothekar sind in den Fächern sehr unterschiedlich.

Die Ausstattung der Schulbibliothek wird als unbefriedigend empfunden: EDV-Ausstattung, Aktualität der Bücher, laute Umgebung, zu wenig Platz, unflexible Benutzungsregeln, Überlastung der Bibliothekare.

Eine gedeihliche Kooperation zwischen Fachlehrern und dem Bibliothekspersonal ist mühevoll. Die Ziele sind unterschiedlich. Einzelne Elemente der Informationsrecherche werden unterschiedlich gewichtet. Für Lehrer ist der kritische Umgang mit Informationen (Evaluation) wichtiger als das Finden von Information.

Geschätzt wird die „Türöffner“-Funktion der Schulbibliothekare: Sie unterstützen die Fachlehrer bei der Planung von Unterricht durch Bereitstellung geeigneter Ressourcen.

Schulbibliothekare haben eine anspruchsvolle Tätigkeit. Sie müssen mit einer Vielzahl von Fächern, der Bandbreite des Lehrstoffs dieser Fächer sowie einer Vielzahl unterschiedlicher Unterrichtsstile und Lehrererwartungen zurechtkommen. Die Palette der Formen der Zusammenarbeit mit den Fachlehrern ist groß. Sie müssen in der Lage sein, einzelne Schüler im Rechercheprozess zu unterstützen, Klassen zu unterrichten und Lehrer fortzubilden. Es wird erwartet, dass sie einen digitalen und physischen Schulbibliotheksbestand aufbauen, der für Lehrer und Schüler attraktiv ist.

Ihre Beiträge werden geschätzt, keineswegs aber wird ihnen die Vermittlung von Informationskompetenzen gänzlich überlassen. Als gleichberechtigte Partner des Lehrers werden sie eher nicht gesehen. Die Fachlehrer sind näher an den Schülern, haben häufiger mit ihnen zu tun, sind letztlich verantwortlich für deren Schulerfolg, sie fühlen sich verpflichtet, in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Menge Wissen zu vermitteln.

Dem Fazit von Nathalie Mertes ist zuzustimmen: Die Schulbibliothekare sind zwar Informationsspezialisten, aber sie sollten akzeptieren, dass auch die Fachlehrer Informationskompetenzen vermitteln. Sie selbst sind immer nur phasenweise in Unterricht involviert. Aber sie haben viele Möglichkeiten, gerade auch informelle, nicht nur bei den „großen“ Rechercheprojekten, Lehrer zu unterstützen und fortzubilden.

Beide, Fachlehrer und Bibliothekare, müssten daran arbeiten, zu einem gemeinsamen Verständnis von Informationskompetenz und ihrer Vermittlung zu kommen

Was lässt sich für das deutsche Schulbibliotheks- und Informationskompetenzwesen lernen?

Informationswissenschaftliche Referenzrahmen, Curricula und Forderungen nach einem eigenen Fach „Informationskompetenz“ sollten sich dem „Faktencheck“ dieser Studie unterziehen. Eine erfolgreiche Implementation von Informationskompetenzvermittlung muss sich dem komplexen Unterrichtalltag der Schule stellen, wie er hier aufgezeigt wird.[12]

Informationskompetenzen müssen vielfältig und variabel unterrichtet werden. Wobei zu fragen wäre, ob sie in jedem Jahrgang, vom Kindergarten bis zum Abitur, und bei jedem Thema, vermittelt und benotet werden müssen. Günstig ist ein Unterricht, in dem beide Methoden zu ihrem Recht kommen, darbietende Formen und forschendes Lernen.

Es muss diskutiert werden, ob eine zu große Gewichtung der Kompetenzorientierung auf Kosten von Wissenszuwachs geht. Auch das wird in der vorliegenden Studie von Lehrern angesprochen.[13]

Wenn Bibliothekare und Informationswissenschaftler mit ihrem Anliegen Informationskompetenz in die Schule hineinwirken wollen, müssen sie sich mit der Schulwirklichkeit auseinandersetzen. Die vorliegende Studie gibt dazu einen guten Einblick.

© 2014 Günter K. Schlamp
[1] In Anlehnung an “Informationskompetenz” in Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Informationskompetenz (aufgerufen am 3.3.2014)
[2] „Schulfach“: Sonja Gust von Loh, Wolfgang G. Stock, Informationskompetenz als
Schulfach?, URL für das Vorwort: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Informationswissenschaft/stock/Informationskompetenz_Vorwort_03.pdf. „Fachdidaktik“: Agnes Kürzl, Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Lehrern und Bibliothekaren bei der Vermittlung von Informationskompetenz an Schüler der Sekundarstufe II, URL: http://fiz1.fh-potsdam.de/volltext/diplome/06310.pdf (17.07.14)
[3] Celeste McNicholas, Ross J. Todd; New kids on the box: is it worth the effort and investment?, http://image.slidesharecdn.com/scaffolding-the-research-process-1204576206116547-2/95/slide-24-728.jpg?cb=1287840135
[4] Heather Davis, Critical literacy? Information, Eintrag im Blog “In the Library with the Leadpipe, http://www.inthelibrarywiththeleadpipe.org/2010/critical-literacy-information/ v .3.2.2010, (aufgerufen am 17.7.14)
[5] Dann müsste man aber kritisch fragen, ob es klug ist, Schülern Informationskompetenzen beizubringen, weil man sich tendenziell überflüssig macht.
[6] Z. B. steht im Paragraphen 5(2) des hessischen Bibliotheksgesetzes von 2010: „Öffentliche Bibliotheken dienen der schulischen, beruflichen und allgemeinen Bildung und Information, der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz sowie der Pflege von Sprache und Literatur.“ In diesem Zusammenhang nicht genannt sind Schulen und Schulbibliotheken(!), sondern nur öffentliche Bibliotheken (und deren Personal), die das vermitteln sollen, URL: http://www.rv.hessenrecht.hessen.de/jportal/portal/t/3l1u/page/bshesprod.psml?pid=Dokumentanzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&documentnumber=3&numberofresults=202&fromdoctodoc=yes&doc.id=jlr-BiblGHErahmen%3Ajuris-lr00&doc.part=X&doc.price=0.0&doc.hl=1 (17.07.14)
Eine realistische Einschätzung des in öffentlichen Bibliotheken dafür vorhandenen Potenzials zeigt die Grenzen dieses Ansatzes: Generelle Knappheit des Personals, geringe Zahl der dafür in fachlicher wie didaktisch-methodischer Hinsicht Qualifizierten, fehlende schulnahe Versorgung mit öffentlichen Bibliotheken, fehlende Ausstattung der öffentlichen Bibliotheken für den Unterricht von Schulklassen.
[7] In “Die Schulbibliothek im Zentrum. Erfahrungen, Berichte, Visionen“, Berlin 2013, stelle ich das Konzept der Zusammenarbeit vor. Sie ist zwar in der angelsächsischen Schulbibliothekarsausbildung und in der Fachliteratur Thema, aber weit entfernt davon, im Schulalltag selbstverständlich zu sein. Vergleichbar ist das mit dem deutschen Referendariat, in dem Gruppenarbeit und offener Unterricht geübt werden, während im Schulalltag dann Frontalunterricht vorherrscht.
[8] R. J. Todd, The Dynamics of Classroom Teacher and Teacher Librarian Instructional Collaborations.
In: Scan, v.27, no.2, May 2008, p.19-28 (ISSN: 0726-4127), URL: http://trove.nla.gov.au/work/153058013?versionId=166808395 (14.07.14); in der vorliegenden Arbeit werden nicht nur die eigenen Befunde diskutiert, sie enthält auch eine hervorragende Übersicht über die angelsächsische Forschung zur Zusammenarbeit (p. 89ff).
[9] http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/mertes-nathalie-2014-03-04/METADATA/abstract.php?id=40539
[10] In Kapitel 2, p. 53ff, wird ein Überblick über die Modelle des Rechercheprozesses gegeben. Auch diese umfangreiche Literaturübersicht verdient, hervorgehoben zu werden.
[11] Die korrekte Berufsbezeichnung ist: School Library Media Specialist. Im Idealfall sind die Schulbibliothekare weitergebildete Lehrer. In der Praxis sind es aber überwiegend Seiteneinsteiger aus anderen Berufen. Dies dürfte erklären, dass viele US-Schulbibliothekare sich nicht als Kollegen der Lehrer behandelt fühlen.
[12] Ein in dieser Studie nicht angesprochenes, aber in Deutschland höchst bedeutsames Problem: Wann sollten Lehrer sich mit Schulbibliothekaren, so es sie gäbe, zusammensetzen? Transparente Arbeitszeitmodelle gibt es erst in Ansätzen (Hamburg), in denen Teamsitzungen, Konferenzen und Besprechungen auf die Lehrerarbeitszeit angerechnet werden.
[13] Vgl. auch die Kritik an kompetenzorientierten Prüfungsaufgaben. Der Mathematikdidaktiker Hans Peter Klein hat Neuntklässler Abituraufgaben des neuen kompetenzorientierten Typs mit durchschlagendem Erfolg lösen lassen. Nötig war kein Fachwissen, sondern die Kompetenz, im Text die richtige Information zu finden und wiederzugeben. Hans-Peter Klein, Nivellierung der Ansprüche, FAZ v. 17.10.2010, URL: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/politik/nivellierung-der-ansprueche-11057288.html (20.07.2014) Grundsätzliche Kritik am kompetenzorientiertem Lernen übt Andreas Gruschka, Verstehen lehren. Ein Plädoyer für guten Unterricht, Stuttgart 2011

 

  • Informationskompetenz im Blog: 1  2  3  4 und ca. ein Dutzend weitere Beiträge (Eingabe des Stichworts in der Suche!)

 

Die sozialen Medien sind manipulierbar

Die Begeisterung der digitalen Afficionados und Afficionadas über eine höhere Form der Demokratie durch die digitalen Medien teilt Basedow1764 nicht. Das ist im Blog nachzulesen. Umgang mit Augenmaß und nicht bei jeder neuen App die Revolution ausrufen (oder den Schulunterricht umkrempeln), halte ich für vernünftiger.

Es kam denn auch anders. Wer spricht noch von der “flüssigen Demokratie” und der Partei, die sich nach Seeräubern benannte und auf ihren Parteitagen über Bildschirme und Tweets kommunizierte. Marina Weisbands Buch über die allmähliche Ersetzung der Parlamente durch das Internet, vom Spiegel einst über den grünen Klee gelobt, ist zu Recht im Modernen Antiquariat gelandet. Die “wisdom of the crowd” scheint nicht zu einer höheren Form der Demokratie zu führen.

Jetzt wird im Zuge der Ukraine-Krise bekannt, wie intensiv der russische Geheimdienst die Steuerbarkeit des Internets erforscht und wie dieses Wissen in die Praxis umgesetzt wird: Eine Hackergruppe hat – nicht zum ersten Mal – russische Computer besucht und über 800 E-Mails einer Petersburger PR-Agentur ausgelesen, die zeigen, wie man soziale Medien und Onlinemedien manipulieren kann.

Sie waren so erfolgreich, dass Journalisten des sich medienkritisch nennenden ARD-Magazins ZAPP die so verbreiteten putinfreundlichen Kommentare und Tweets für die Mehrheitsmeinung in Deutschland hielten und den Medien eine negative Einstellung zu Putin vorwarfen.

Lesetipps zu Russland, der Ukrainekrise und den deutsche Putin-Versteher/-innen:

 

Informationskompetenz für Grundschüler? Aber wie?

Auf der Webseite Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW wird gerade auf Unterrichtseinheiten (UE) von 2009 für die Grundschule (Klasse 3/4) hingewiesen, die “als technologiegestützte Narration Informationskompetenz, Medienkompetenz, Sozialkompetenz vermitteln. Ganz nebenbei werden Sprache und Ausdrucksform geübt.” Es geht um Informationen zu Sonnenschutzmitteln.

 Ich habe mir die Lernziele angesehen. Hier diejenigen zur Informationskompetenz: Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • lernen, dass Suchmaschinen für Erwachsene eine für Kinder unübersehbare Anzahl an Seiten “ausspucken”.
  • erkennen, dass Werbung und unabhängige Testberichte verschiedene Informationen über den gleichen Gegenstand geben.
  • erkennen, welche Zeitschriften für bestimmte Informationen relevant sind.
  • überlegen, wen sie am besten zu bestimmten Themen befragen.
  • erfahren, dass auf Internetseiten Fehler sein können (hier: Rechtschreibfehler).
  • erfahren, dass sie am Impressum einer Internetseite die Kompetenz des Herausgebers abschätzen können.
  • erfahren, dass die beste Information nichts nutzt, wenn man sie nicht versteht (zum Beispiel aufgrund unverständlicher Fremdwörter).

Diese Lernziele hätte mir mein Ausbilder vor vierzig Jahren um die Ohren gehauen und für das nächste Seminar ein Referat über Lernziele aufgebrummt. Weiterlesen

Die Welt ist besser, als man glaubt

Davon ist Hans Gösta Rosling überzeugt, schwedischer Medizinprofessor und Gründer der Gapminder-Stiftung. Er visualisiert Statistiken und will damit zeigen, dass es der Mehrheit der Menschen immer besser geht, der Annahme mancher Menschen in den Industrieländern zum Trotz. Indikatoren sind z. B. Alphabetisierung, Impfung, Lebenserwartung und Bruttosozialprodukt.

Auf der Webseite der Stiftung sind zahlreiche Downloadangebote für Lehrer (in Englisch). Ein Beispiel ist 200 Countries, 200 Years, 4 Minutes (mit deutschen Untertiteln; Google macht´s möglich). Eine Handreichung dazu. Hier kann man die Daten-Visualiserung nach eigenen Vorgaben konfigurieren.

Vor zwei Jahren hatte ich schon einmal auf Hans Rosling hingewiesen, damals zum Thema “Bevölkerungswachstum
Die FAS machte am Sonntag auf ihn aufmerksam.

Leitfaden zum Umgang mit elektronischen Medien

Die Landesmedienanstalt NRW gibt zwei Broschüren/pdf-Dateien heraus, die als Ratgeber in Sachen Umgang mit elektronischen Medien gedacht sind. Einmal in Langform (136 Seiten), einmal kurz (8 Seiten). Im Untertitel der Kurzfassung heißt es “Informationen finden, bewerten, weitergeben”. Weiterlesen

Schulbibliotheksbestand vs. Informationskompetenz?

An dem Satz Aufbau eines Buch- und Medienangebotes, das den Unterricht nachhaltig unterstützen kann” aus dem Beitrag über das Reformprojekt in der Schweizer Schulbibliothek Waldenburgertal bin ich hängengeblieben. Fordern wir da nicht Widersprüchliches?

Auf der einen Seite einen gut organisierten Buch- und Medienbestand, der altersangemessen ist, am Curriculum orientiert, dem Schulprofil entsprechend (Europa, MINT, Naturschutz, antirassistisch, musisch-künstlerisch) und aktuell.

Andererseits sollen die Schüler/-innen informationskompetent sein, womit gemeint ist, dass sie selbst suchen, finden, Quellen bewerten – und eben nicht auf einen geeigneten Handapparat, den ihnen die Bibliothekslehrerin bereitstellt, zurückgreifen sollen. Informationskompetent sein meint vorrangig, Informationstechnologie kompetent nutzen, also Suchmaschinen, nicht nur Google, sondern auch akademische Plattformen, digitale Zeitungsarchive, Online-Datenbanken. Vielleicht auch ein Buch aus der Stadtbibliothek besorgen oder sich im Naturkundemuseum informieren.

Wenn ich das zu Ende denke, heißt das doch, die Schule braucht keinen kenntnisreich zusammengestellten Bestand mehr. Sie braucht Rechercheterminals, Zugang zu online-Datenbanken und eine Recherchebibliothekarin, die den Schülern bei größeren und kleineren Recherchen hilfreich zur Seite steht, wenn es schon die Fachlehrer  – angeblich – nicht können.

Oder gibt es einen Mittelweg? Wie sähe der aus?

Vielleicht sollte die Luft aus den IK-Curricula der Informationswissenschaftler herausgelassen werden. So schlecht waren die alten Tugenden nicht: Bücher an die Hand geben, helfen beim Herausschreiben und mit Wiedergeben mit eigenen Worten, erklären, was ein Referat ist, Vortragstipps geben. Schon vor der Erfindung von Standards zur Informationskompetenzvermittlung gab es Einführungen in die Bibliotheksnutzung und wurden Handapparate zusammengestellt.

Es gab die Wettbewerbe, bei denen größere Recherchen durchgeführt werden mussten: Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, die Schülerwettbewerbe zur politischen Bildung, im Geschichts- und Politikunterricht wurden Wandzeitungen (Lernplakate) angefertigt, mit Referaten wurden die Klassenfahrten ins geteilte Berlin, ins Anne-Frank-Haus in Amsterdam vorbereitet, heimatkundliche “Forschung” wurde betrieben, in jedem besseren Geschichtsbuch gab es Anregungen. In Geographie wurden “Länderberichte” angefertigt. Zugegeben: “Flächendeckend” verbreitet war das sicher nicht. Nicht alle Lehrer fühlten sich verpflichtet, beizubringen, wie man ein Referat anfertigt. Aber da, wo es stattfand: Ohne Kenntnis der Theorien und Modelle der Vermittlung von Informationskompetenz. Kaum zu glauben!

Back to the roots! Das Wichtigste im Rechercheprozess ist nicht das kompetente Googeln. Es ist das Exzerpieren und Organisieren der gefundenen Informationen, ihre Wiedergabe mit eigenen Worten sowie das Schreiben und Vortragen eines verständlichen, anregenden, übersichtlichen Berichts.

Wie zuverlässig ist Wikipedia?

Über die Seriosität von Wikipedia wird immer wieder diskutiert.

Es gibt “Power-User”, die letztlich eine Gated Community bilden und dafür sorgen, dass Änderungen rausfliegen, die ihnen nicht passen und reinkommt, was ihnen weggefällt oder ihnen ein Anliegen ist. Von wegen Crowd-Writing. (Kann auch nicht funktionieren, wenn alle mitschreiben.)

Mein Urerlebnis war, als ich vor acht(?) Jahren den unsäglichen Artikel über Schulbibliotheken wenigstens ein wenig zurechtrücken wollte. Ein Archivar hatte daraus im wesentlichen einen Artikel über “Historische Schulbibliotheken” gemacht und kämpfte wie ein Berserker um seine Definitionsmacht. Auch andere haben versucht, das beste aus dem Artikel zu machen, nicht immer hat es mich überzeugt, z. B. ein Absatz über kameralistische Haushaltsführung oder die Schulbibliothek als notenfreier Raum. Ich empfehle seither den entsprechenden Artikel in der englischsprachigen Wikipedia.

Auf jeden Fall habe ich gelernt, wie Wikipedia-Artikel entstehen und welche Kämpfe hinter den Kulissen ausgetragen werden. Ich wurde z. B. als dubios charakterisiert. Begründung: Er hat an keinem weiteren Artikel mitgearbeitet.

In jüngster Zeit recherchiere ich häufiger in historisch-politischen Wikipedia-Artikeln und entdecke, wenn auch nicht auf den ersten Blick, sondern auf Grund detaillierter Kenntnis von Biographien und Ereignissen, gelegentlich ideologisch gefärbte Einträge oder besser: Auslassungen. Auch da bleibt dann nur die englische Wikipedia.

Hier der Artikel, der das wieder bei mir wachgerufen hat.

Auch die gedruckten Lexika und Enzyklopädien der Vergangenheit waren kein heiliger Gral. Aber man konnte sich entscheiden zwischen z. B. Brockhaus oder Meyer, man konnte um deren Stärken und Schwächen wissen. Irgendwann gab es dann bei Meyer auch längere Namensartikel, wodurch klar war, um wessen Meinung es sich handelte.

Nachtrag Mai 2014: Ein Verweis auf einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks.