Genderismus und Kreationismus

Die Ähnlichkeiten des Genderismus mit dem Kreationismus waren Gegenstand einer Tagung der American Association for the Advancement of Science”, an dem auch Prof. Ulrich Kutschera, Professor für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie an der Universität Kassel, teilgenommen hat. Sein Beitrag ist unter ungeklärten Umständen aus dem Humanistischen Pressedienst verschwunden (hier im Google-Cache).

(nach science files)

Kreationismus wird vor allem von evangelikalen Christen vertreten. Für sie beginnt die Menschheitsgeschichte mit der Vertreibung der von Gott geschaffenen ersten Menschen Eva und Adam aus dem Paradies vor angeblich ca. 7.000 Jahren. Sie leugnen Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften, Zoologie, Botanik, Geologie, vor allem die Darwinsche Evolutionslehre.

In Hessen war die frühere Kultusministerin Karin Wolff Anhängerin des Kreationismus und trat dafür ein, ihn in der Sek II als Narrativ – neben der Evolutionsbiologie – nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in Biologie zu unterrichten.

Im Genderismus, der an deutschen Universitäten mit über 200 Professorinnen vertreten ist, wird behauptet, dass es ein „soziales Geschlecht“ (gender) unabhängig vom biologischen Geschlecht gäbe. Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien sozial vermittelt, nicht biologisch determiniert.

(Wie ist das mit der Homosexualität? Wenn sie sozial vermittelt ist – also gelernt oder eine individuelle Entscheidung wäre – könnte sie dann nicht auch verlernt oder aberzogen werden? Diese Ansicht wird von Gegnern der Homosexualität vor allem in USA vertreten.)

Update 27.7.15: Genderisten breiten sich im Universitätsmilieu aus, sie schreiben Sexualerziehungs-Lehrpläne. Nach der Soziologie sind sie jetzt dabei – s. o. – mit Gender Mainstreaming in die Naturwissenschaften einzudringen. Sie erhalten mediale Unterstützung: Wer Gender Mainstreaming ablehnt und Genderismus als Wissenschaft anzweifelt, wäre rechtspopulistisch, so steht es im Spiegel und der FAZ (und – Nachtrag – neuerdings auch in der FAZ (Sonntagszeitung v. 3.4.16).

Genderisten haben erkannt, dass man über die EU nationalstaatliche Politik aushebeln kann. Soeben hat das Europaparlament eine Entschließung verabschiedet, die die Kommission den Mitgliedsstaaten auferlegen soll: Der Noichl-Bericht, benannt nach der Berichterstatterin, dem SPD-MdEP Maria Noichl.

Mühsam zu lesen, es erinnert an die Beschlüsse kommunistischer Parteitage. Aber Informationskompetenz ist kein Spaziergang. Es ist ein riesiger Katalog an Forderungen: Gesetze, Gesetzesänderungen, viele, viele Beauftragte, Überwachung, uneingeschränkte Umsetzung, Förderprogramme… Die EU selbst soll Sexualerziehung in den Schulen betreiben.

Was waren das noch für Zeiten, als man der EU vorwarf, sie kümmere sich um Ölkännchen in Restaurants oder den Krümmungswinkel von Bananen. Jetzt hat das Europaparlament ein riesiges Arbeitsbeschaffungsprogramm für Genderisten beschlossen. Irgendjemand muss die uneingeschränkte Umsetzung, Implementierung, kontinuierliche Evaluation und Fortschreibung ja in die Hand nehmen.

Weder Der Spiegel noch die FAZ haben den Noichl-Bericht in ihrer regelmäßigen Gender-Berichterstattung erwähnt.

Hier eine ganz kleine Auswahl aus 80 Forderungen und 27 Erwägungen:

  • „EU-Modelle für die Sexualerziehung junger Menschen entwickeln“
  • die grundsätzliche Begleitung europäischer Kriegs- und Friedensmissionen durch „Berater für Geschlechterfragen“
  • „dass wir nicht länger überholten Wirtschaftsmodellen verhaftet bleiben dürfen, die Umweltbelange vernachlässigen und [uns] auf eine durch die Einbeziehung der Frauen in den Arbeitsmarkt obsolet gewordene Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau stützen“; alle Talente der Frauen [sollen] in den Produktionsapparat eingebracht werden, … die Faktoren, die Männer und Frauen in unterschiedliche Berufe kategorisieren, sollen in Frage gestellt werden
  • Gleichbehandlung von Männern und Frauen beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen
  • In die „Strategie Europa 2020“ ist eine eigene Säule für die Gleichstellung von Frauen und Männern einzufügen sowie eine Geschlechterperspektive in die länderspezifischen Empfehlungen und den Jahreswachstumsbericht
  • „die Kommission und die Mitgliedstaaten [werden aufgefordert], in allen Politikbereichen und auf allen Regierungsebenen zuverlässige statistische Daten, die nach Geschlecht und nach den Indikatoren für die Gleichstellung der Geschlechter aufgeschlüsselt sind, zu sammeln, zu analysieren und zu veröffentlichen und sich dabei auf die Arbeit des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) und der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zu stützen, um den Entwurf und die Anwendung der Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter in der Europäischen Union und den Mitgliedsstaaten zu bewerten, die besagten Strategien anzupassen und die Integration der Geschlechterdimension in alle entsprechenden Politikbereiche auf nationaler Ebene und auf EU-Ebene zu bewerten; man fordert die Kommission ferner auf, diese Daten, soweit möglich, zusätzlich nach Rasse oder ethnischer Herkunft, Religion oder Glauben sowie Behinderung zu differenzieren, um eine intersektionelle Analyse hinsichtlich aller Politikbereiche zu ermöglichen und so die von bestimmten Gruppen von Frauen erfahrene Mehrfachdiskriminierung zu dokumentieren; man legt der Kommission und den Mitgliedstaaten nahe, geschlechtsspezifische Folgenabschätzungen der Politik der Mitgliedstaaten einzuführen, insbesondere wenn Arbeitsmarkt- und Rentenreformen vorgeschlagen werden“
  • Die EU soll die Mitgliedstaaten bei der Erarbeitung von Kampagnen und Strategien gegen die tägliche Belästigung von Frauen im öffentlichen Raum unterstützen und sie in diesem Zusammenhang über bewährte Verfahren unterrichten
  • Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, die Richtlinie 2011/36/EU zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer uneingeschränkt umzusetzen, und fordert die Kommission auf, die Umsetzung zu bewerten und zu überwachen sowie bewährte Verfahren zu ermitteln, die die Mitgliedstaaten voneinander übernehmen sollten, und dabei die Verabschiedung einer neuen Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels nach Auslaufen der bisherigen Strategie im Jahr 2016 im Blick zu behalten, die eine Geschlechterperspektive beinhalten, den Rechten der Opfer von Menschenhandel Priorität einräumen und eine eigene Säule betreffend Menschenhandel für Zwecke der sexuellen Ausbeutung umfassen sollte und in der besonderes Augenmerk auf die neuen Methoden des Menschenhandels gelegt werden sollte, die entstehen, während ältere Methoden ausgeräumt werden; man fordert die Kommission außerdem auf sicherzustellen, dass alle politischen Maßnahmen, Haushalte und Ergebnisse der Mitgliedstaaten im Rahmen der Entwicklung der Strategie transparent und zugänglich sind
  • „in den Räumlichkeiten des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen so schnell wie möglich eine Europäische Beobachtungsstelle für Gewalt gegen Frauen einzurichten, die von einem EU-Koordinator für die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen geleitet wird“
  • das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen [soll] umfassende geschlechtsspezifische Daten zur Verwendung von Zeit auf Pflege-, Betreuungs- und Haushaltsarbeit und als Freizeit mit dem Ziel einer regelmäßigen Beurteilung sammeln
  • die zunehmende Prekarisierung der Erwerbstätigkeit von Frauen müsse bekämpft werden
  • die EU soll eine ausgewogenere Repräsentation von Frauen und Männern in Gemeinde- und Stadträten, regionalen und nationalen Parlamenten sowie im Europäischen Parlament herbeiführen, und man betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung paritätischer Wahllisten, auf denen sich Frauen und Männer bei den Listenplätzen abwechseln; man betont die Bedeutung von Quoten zur Steigerung der Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungsprozessen; man fordert alle Institutionen der EU dazu auf, interne Maßnahmen zu ergreifen, um die Gleichstellung innerhalb der eigenen Entscheidungsgremien zu verbessern, indem jeweils eine Frau und ein Mann für hochrangige Positionen vorgeschlagen werden
  • dass Frauen 52 % der europäischen Gesamtbevölkerung ausmachen, aber nur ein Drittel der Selbständigen oder aller Unternehmensgründer in der EU. Daher Förderprogramme, Aktionen, Finanzierungsmöglichkeiten schaffen, Hemmnisse beseitigen
  • (Forderungen 44-51, aber nicht nur dort: Geld, Geld, Geld)
  • (erneut:) EU soll angesichts der Bedeutung der sexuellen und reproduktiven Rechte, Modelle für bewährte Verfahren für die Sexualerziehung junger Menschen in ganz Europa entwickeln
  • Kommission und die Mitgliedstaaten sollen Sexualerziehungsprogramme an Schulen durchführen
  • „Die derzeitigen, rückwärts gewandten Tendenzen in der europäischen Gesellschaft wirken sich auch auf die Gesundheit und die damit verbundenen Rechte von Frauen und Männern aus.“ Daher auch Zugang zu Abtreibung. (Abtreibung wird mehrfach im Zusammenhang mit Menschenrechten genannt.)
  • In den Nachrichten wären nur 24% der Akteure Frauen, obwohl sie 52% der Bevölkerung ausmachen (eine Forderung nach Programmen, Strategien, Beauftragten für Gleichstellung wird daraus jedoch nicht abgeleitet)
  • Gender-Budgeting

 

Teil 2

 

 

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4 Gedanken zu „Genderismus und Kreationismus

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