Schlagwort-Archive: Schulbibliotheksliteratur

Wolf/Schuldt, Praxisbuch Schulbibliotheken

Von Dipl. Bibliothekarin Sabine Wolf, unter Mitwirkung von Dr. Karsten Schuldt, Bibliothekswissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität, ist ein „Praxisbuch Schulbibliotheken“ erschienen. Frau Wolf hält auf den Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstagen gut besuchte Workshops zu den „Basics für Schulbibliotheken“ ab. Der Wochenschau-Verlag ist ein angesehener Verlag für politikwissenschaftliche und -didaktische Literatur.

Deutschsprachige Literatur in Buchform zu Schulbibliotheken gibt es nicht, wenn man von 2, 3 Büchern aus den 70ern und 80ern absieht. Es existiert immerhin eine Reihe nützlicher, aber leider verstreut vorkommender Publikationen in Österreich (u. a. „Die multimediale Schulbibliothek“), der Schweiz (u. a., sehr empfehlenswert, „Richtlinien für Schulbibliotheken“) und Südtirol (u. a. „lernwelten.net“). Nennen wir noch der Vollständigkeit halber das Luchterhand-Schulleitungshandbuch und das Lexikon der Pädagogik (Bd. 4: Schulbücherei – Zypern) und verweisen auf das Schulbibliotheks-Wiki.

Das „Praxisbuch Schulbibliotheken“ von Sabine Wolf und Karsten Schuldt füllt daher eine Lücke.

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Schulleitung und Schulbibliothek

Vor ein paar  Tagen hatte ich Gelegenheit vier Schulleiter/-innen Leipziger Schulen zuzuhören. Sie schilderten die personellen Nöte ihrer Bibliotheken. Überall wird um  – erneute – Verlängerung der befristeten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gerungen.

Was mich beeindruckt hat: Die Zahlen, Bilder und Berichte aus dem jeweiligen Schulbibliotheksalltag. Die Erzählungen von Menschen, die unabhängig von ihrer Ausbildung, ihrem Status von Lehrern und Schülern geschätzt und gebraucht werden. Die wertvollen Beiträge zum Unterricht, zu Schülerreferaten und zu Veranstaltungen. Es war glaubhaft, wenn die Schulleitungen darauf hinwiesen, dass ihnen im Dezember, im nächsten Frühjahr, etwas wegbrechen würde, das im Schulalltag eine nicht mehr wegzudenkende Rolle spielt.

Dass es Schulleiter/-innen gibt, die so vehement für die Bibliothek eintreten, ist leider nicht selbstverständlich.

Siehe dazu auch die Untersuchung, die in Idaho/USA einen Zusammenhang zwischen der Wertschätzung der Schulbibliothek durch die Schulleitung und dem guten Abschneiden der Schüler/-innen in Schulleistungstests konstatiert.

Vielleicht kann mein kurzer Text „Schulbibliothek – Eine Aufgabe für die Schulleitung!“ dem einen oder anderen Kollegen Anregungen geben.

Neue Datenbanken im Fachportal Pädagogik

Das Frankfurter DIPF (Deutsches Institut für internationale pädagogische Forschung), bei dem das Fachinformationssystem (FIS) Bildung angesiedelt ist, hat in die Metasuche weitere Datenbanken integriert, darunter die US-Datenbank ERIC, die weltgrößte erziehungswissenschaftliche Literaturdatenbank. (Der Link zu FIS Bildung – nicht zur Metasuche – steht auch in Basedows Linkliste am rechten Rand.)

Der „Vater“ von ERIC, das von der US-Bundesregierung finanziert wird, ist Prof. Michael Eisenberg. Er hat 20 Jahre später mit Robert Berkowitz das Big Six information skills Konzept der Internetrecherche entwickelt.

ERIC erlaubt das Anlegen eines persönlichen Ordners (MyERIC) und hat RSS.

Mir wird beim Lesen der DIPF-Pressemitteilung wehmütig ums Herz: Die Bibliothek des DIPF war in meiner Studentenzeit ein Geheimtipp. Zwar eine gewöhnungsbedürftige Systematik (Numerus currens?), aber gleich um die Ecke gelegen, ruhig und nicht überlaufen.

In der ERIC-Datenbank (Education Resources Information Center; seit 1966) habe ich Ende der 90er dankbar recherchiert. Vor allem in den Übersichtsartikeln (Clearinghouse) erhielt man eine aktuelle Zusammenstellung relevanter Literatur. Vergleichbares gab es damals in Deutschland noch nicht.

School libraries and teacher librarians in 21st century Australia

Das Gutachten des Bildungs- und Beschäftigungsausschusses des australischen Abgeordnetenhauses liegt jetzt vor: Schulbibliotheken und teacher librarians im 21. Jahrhundert.

Es ist das Verdienst des Parlamentsausschusses, einmal alles Wissenswerte über das Schulbibliothekswesen in Australien zusammengetragen zu haben. Das scheint im wesentlichen Beklagenswertes zu sein: Fehlende Statistiken über die Zahl der teacher-librarians, Unklarheiten über deren Rolle in der Schule, fehlende Wertschätzung.

So ist es nur folgerichtig, dass der Ausschuss mehr Datenerhebung fordert und eine Diskussion über die Aufgaben der teacher-librarians. Schulbibliotheken gibt es in 50-65% der Schulen, im Northern Territory 5%. (Das ist der dünn besiedelte „Outback“, in dem in dem vor allem die Aborigines leben.)

Der australische, aber in USA lehrende und forschende Schulbibliotheksprofessor Ross Todd empfiehlt die Zusammenarbeit von Fachlehrer und teacher-librarian als Schwerpunkt der Schulbibliotheksarbeit. Wenn diese gelingt, sind die Lehrer von der Sinnhaftigkeit einer Schulbibliothek überzeugt und die Forschung belegt, dass sich durch die Nutzung guter Schulbibliotheken im Unterricht die Schülerleistungen verbessern. Neben dieser Zusammenarbeit sind es EDV und Internet, die die wichtigste Rolle spielen. Teacher-librarians sollten die digitalen Kompetenzen der Schüler/-innen verbessern.

Die Kommission ist nur ein Beratungsgremium gewesen. Die abschließenden Empfehlungen (insgesamt 11):

  • Die australische Regierung soll sich zu Schulbibliotheken äußern (policy statement).
  • Schulbibliotheken und (die Ausbildung der) teacher-librarians sollen in den nationalen Lehrplan aufgenommen werden.
  • Ein „Jahr des Lesens“ soll es geben.
  • Das Erziehungsministerium soll Datenbanken für die Informationsrecherche in Schulbibliotheken finanzieren.
  • Der Zusammenhang von guten Schulbibliotheken und besseren Schülerleistungen in Australien soll erforscht werden.
  • Die Regierung soll die Bemühungen von Schulbibliotheks- und Bibliotheksverband unterstützen, die Wertschätzung der teacher-librarians in den Schulgemeinden und der Öffentlichkeit zu erhöhen.
  • Ein „nationaler Dialog“ über gute teacher-librarians und deren Ausbildung soll geführt werden.
  • Auch die Kooperation mit öffentlichen Bibliotheken und kombinierte Schul-/Stadtbibliotheken fehlt nicht. Erfolgreiche Partnerschaften sollen dokumentiert und die Broschüre in allen Bundesstaaten verteilt werden. (Vgl. dazu die Untersuchung von Alan Bundy über 60 Jahre Kooperation öffentliche und Schulbibliothek bzw. joint use libraries)

Die Zustandsbeschreibung ist ernüchternd, die Empfehlungen für das 21. Jahrhundert sind überwiegend vage und enthalten die üblichen Vorschläge.

Aus deutscher Sicht ist hervorzuheben :

  • Das Parlament beschäftigt sich mit dem Thema.
  • Ein Parlamentsausschuss erarbeitet ein Gutachten mit Empfehlungen.
  • Das Kultusministerium ist Adressat mehrerer Handlungsempfehlungen.

Man muss das mit 16 multiplizieren! In jedem unserer 16 Länderparlamente, muss zuvor a) geprüft werden, wer zuständig ist: Der Schulausschuss oder der kulturpolitische Ausschuss. Sodann b), wer der Adressat in der Exekutive ist: Das Schulministerium, das Wissenschaftsministerium, die kommunalen Gebietskörperschaften.

Nicht vergessen sollte man, dass das Thema in der Hälfte der Bundesländer längst outgesourct ist: in Kooperationsverträge der Landesregierungen mit dem Deutschen Bibliotheksverband und/oder in für dieses Thema belanglose Bibliotheksgesetze.

Dissertation von Helen Boelens online

The evolving role of the school library and information centre in education in digital Europe (pdf, 2,7 mb)

Kernstück ist das Kapitel 20 (pp 125 -147), in dem sie beschreibt, was sie im Kalsbeek College in den Jahren 1997 – 2008 aufgebaut hat: Ein Informationszentrum in dem konsequent in allen Jahrgangsstufen nach der KILM, der Kalsbeek Information Literacy Matrix, gelernt wird. (2008 im Basedow1764 vorgestellt)

In den fast 600 Seiten wird erörtert, ob das Modell, das sie in Kalsbeek erfolgreich praktiziert, auf Schulbibliotheken in Europa übertragen werden kann.

Dabei geht sie sehr gründlich vor. Sie setzt sich mit dem Einzug der ICT in den Schulen seit 1960 auseinander und der erziehungswissenschaftlichen Diskussion zu veränderten Lernformen. Die Sichtung der Literatur in beiden Bereichen ist umfassend. Sie beginnt mit der niederländischen Forschung und referiert dann die internationale.

Einen Nachweis, dass ICT zur Verbesserung des Lernens und höheren Schülerleistungen beigetragen hat, kann auch sie nicht führen. Ausgaben für und Ausstattung mit Computern stehen in keinem messbaren Zusammenhang mit den Ergebnissen internationaler Schulleistungsstudien (p. 219). Sie verschweigt nicht, dass es in den Niederlanden Kritik an der Überbewertung des Lernens mit digitalen Medien gibt und zitiert einen versöhnlichen Satz: „Research in the Netherlands indicates that if teaching and learning is to be effective, it needs to be ‘in balance’ – a combination of traditional plus new forms of teaching and learning (p 67f).

Eine schier unglaubliche Leistung versteckt sie im Anhang: Dr. Boelens hat Daten von 61 europäischen Staaten (darunter alle GUS-Staaten, aber auch Malta, Zypern und Monaco) zusammengetragen und schafft so die erste Gesamtschau des europäischen Schulbibliothekswesens. Für die Zusammenarbeit in ENSIL, dem europäischen Schulbibliotheksverbund. eine großartige Datenbank.

Auch wenn es wenig verlässliche Daten über die Zahl der Schulbibliotheken und das, was man darunter versteht, gibt. Es ist ein erster Rahmen geschaffen, eine Matrix, die nach und nach präziser  werden kann. Man erfährt von Schulbibliotheken in Staaten, wo man es bisher nicht wusste. (Karsten Schuldt wird sich bestätigt sehen. Er konnte keinen Zusammenhang zwischen gutem PISA-Ranking und vielen Schulbibliotheken erkennen.) Die Datenlage zu Schulbibliotheken bei den internationalen Schulleistungstests, das ist bekannt, ist unbefriedigend. Warum Dr. Boelens die PIRLS-Ergebnisse deutscher Schüler/-innen als schwach sieht (immerhin Platz 6 von 30), verstehe ich nicht.

Der Deutschland-Abschnitt (p 317 f) liefert für den fachkundigen Leser nichts Neues. Das war ja auch nicht die Aufgabe.

Die Zahl der Schulen ist viel zu hoch. (Die Grundschulen sind noch gar nicht mitgezählt). Es ist der Wert, der in bibliothekarischen Kreisen gerne verwendet wird – Guckt denn keiner einmal ins Statistische Jahrbuch? – und die berühmten 15% gibt es auch. Warum Helen Boelens so intensiv nach DDR-Schulbibliotheken fragt, erschließt sich mir nicht. Sie setzt einen neuen DDR-Mythos in die Welt: Möglicherweise habe es an jeder Schule eine Schulbibliothek gegeben. (Sie wurden Anfang der 70er Jahre, so weit es sie gab, aufgelöst. Meinen Befragungen von DDR-Lehrern und deren negativen Antworten traute sie wohl nicht. Es gibt außerdem ein untrügliches Indiz: Wenn es sie bis 1989 gegeben hätte, würde man im Osten darüber reden, wie über alles, was in der DDR – angeblich – gut war.)

Amüsant am Rande: Sie wundert sich, dass ein ehemaliger Schulbibliotheksexperte des dbv, den sie interviewt, ein Bibliotheksdirektor, immer von der öffentlichen Bibliothek spricht, wenn sie ihn zum Thema Schulbibliotheken befragt.

Die Forscherin erkennt: „Das Thema Schulbibliotheken in Deutschland ist ein schwieriges Thema.

Für Deutschland ist das, was Helen Boelens erörtert, Lichtjahre entfernt, von Ausnahmen abgesehen. Solange Bibliothekarinnen noch überrascht sind, dass man in Schulbibliotheken Unterricht macht, in Schulbibliotheken eine Konkurrenz sehen, oder die Kooperation der Schule mit der öffentlichen Bibliothek das Hauptanliegen ist, wird sich das nicht ändern.

Die hessischen Schulbibliotheken des Jahres 2011

In drei Bundesländern findet 2011 der Wettbewerb um die kreativste Schulbibliothek statt: Hessen, Berlin und Brandenburg. Die Absicht ist, auf Schulbibliotheken und ihr Potential für gute Schule und besseren Unterricht aufmerksam zu machen.

Schulbibliotheksmenschen fördern nahezu täglich das Lesen. Wenn das Tivoli der prominenten Leseförderer, für die die Scheinwerfer angehen und der rote Teppich ausgerollt wird, längst wieder geschlossen ist, gehen die Aktionen in den Schulbibliotheken weiter: Antolin, Vorlesewettbewerb, Lesepatenschaften, Buchvorstellungen, Lesungen, Lesenächte, freie Lesezeit, Lesetagebücher, Leseportfolios, Recherchetraining, Hausaufgabenbetreuung.

Die Wettbewerbsbeiträge der hessischen Schulen aus den Jahren 2009 und 2011 zeigen, was alles stattfindet, wie viel Arbeit darin steckt. Sie lassen aber auch den Spaß an der Produktion der Präsentation erahnen und am Ende das Staunen darüber, was man alles zu bieten hat!

Die Botschaft des Wettbewerbs kommt an: Die Schulbibliotheken, Schulmediotheken, Informationszentren stehen jetzt auf der Schulhomepage. Der Wettbewerbsbeitrag macht die Bibliothek in der Schulgemeinde sichtbarer.

Hier eine Auswahl besonderer Akti­vitäten von hessischen Wettbewerbsschulen:

  • Lesepaten Oberstufe – Grundschule
  • Harry-Potter-Nacht
  • Das Kollegium liest vor, der Schulleiter liest vor
  • Die „Leseoase“ ist aufgeteilt in Fantasie-, Denker-, Konzentrations- und Wissensecke
  • Lesestelen auf dem Schulhof (Säulen mit Displays)
  • Lesemarathon
  • Lesefrühstück
  • Vorlesen im Krankenhaus
  • Monatsrätsel
  • Kuchen in Buchform backen
  • Internetauftritt wird von einer 6. Klasse gestaltet
  • Abitur-Regal
  • „Sofasektor“
  • Individuelle Beratung für Leser/-innen
  • 10. Schuljahr organisiert eine Autorenlesung
  • Zeitungswand
  • Intensive Kooperation mit der Stadtbücherei
  • „Schubi“ auf dem Schulhof
  • Feste tägliche Lesezeiten in den Klassen
  • Inszenierte Buchvorstellungen, Bücher-Talkshows
  • Bilinguale Lesungen (türkisch, serbisch, italienisch, englisch …)
  • Jugendliterarisches Bistro
  • „Leseband“: Vorlesen an öffentlichen Orten in der Gemeinde

Laptops und Smartboards sind nichts Besonderes mehr, WebOPACs gibt es schon in 80 hessischen Schulen und demnächst einen gemeinsamen Hessen-OPAC.) Auch die Aufgaben­beschreibung im Schulprogramm, im schulischen Lese- oder Förderkonzept wird zur Regel.

Öffentlichkeitsarbeit für Schulbibliotheken

Der Wettbewerb ist Öffentlichkeitsarbeit für Schulbibliotheken, auch innerhalb der Schule. Es geht nicht um Evaluation und Ranking. Daher wird auch kein Kriterienkatalog abgearbeitet und Einzelaspekten ein Prozentanteil zugeordnet. Es wird auch nicht nach Schulformen unterschieden, obwohl es Gründe dafür gäbe. Grundschulen entwickeln fanta­sie­volle Leseförderungsprojekte. Gymnasien realisieren anspruchsvolle Literaturprojekte. Erfreulich ist, dass die Teil­nehmer aus verschiedenen Schulformen kommen und das sogar ziemlich ausgewogen.

Beim Wettbewerb um die Schulbibliothek des Jahres sollten sich alle als Gewinner betrach­ten, auch wenn nur eine Schulbibliothek den Preis erhält. Es gewinnen alle Schul­biblio­theken, weil deutlich wird, welchen großartigen Beitrag sie zur Qualität von Schule und Unterricht leisten.

Jetzt ist die Entscheidung über die Preisträger gefallen. Es wurden zwei 1. Preise à 1000 € durch Losentscheid ermittelt.

Bei der hohen Qualität aller Einsendungen schien die Auswahl eines Preisträgers und die Ermittlung einer Rangfolge als nahezu unmöglich. Der LAG-Vorstand müsste abwägen zwischen Schulbibliotheken mit hauptamtlichen Mitarbei­terinnen und den von einer Eltern­gruppe organisierten, zwischen täglichen und gelegentlichen Öffnungszeiten, zwischen einem Bestand von 600 und von 20000 Medien, zwischen einem Gymnasium und einer Grund­schule. Die Meßlatte war, bei Beachtung unterschiedlicher Rahmenbedingungen (Schul­typ, Schulgröße, Kooperationen), was erreicht werden kann und was erreicht wurde. Besonders wichtig dabei war die Integration der Bibliothek in den Schul- und Unterrichts­betrieb. Indikatoren für diese Integration waren auch das Vorhandensein und die Auffind­barkeit der Schulbibliothek auf der Schulhomepage.

Die beiden Gewinner:

Steinwaldschule Neukirchen (IGS): Die Mediathek verfolgt ein ambitioniertes medienpädagogisches Konzept, das nicht nur die Bereitstellung von Medien umfasst, sondern auch Produktion und Präsentation. Ein wichtiges Arbeitsinstrument ist die digitale Schultasche, ein Stick, auf dem jeder Schüler Software findet, mit der er in der Mediathek und am häuslichen Computer arbeiten kann. Daneben wird die klassische Leseförderung nicht vernachlässigt: Es gibt eine Lesepause, in der aus Jugendbüchern vorgelesen wird.

Rudolf-Steiner-Schule Dietzenbach (K-12): Die Schule macht keinen Hehl aus ihren beschränkten Möglich­keiten: Lesen auf dem Flur, die Bücher lagern teilweise in Kisten und Schränken. Bald kann man in einen Anbau umziehen. Die Freude ist den engagierten Eltern anzusehen. Und dann steht ein leibhaftiger Schulleiter in dem leeren Anbau und schildert, was dort zukünftig stattfinden wird. Das alles als mutiger Videoclip.

Zur Preisübergabe lädt die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler am 5.5. ins Kultusministerium ein.

Die beiden Gewinner werden benachrichtigt. Die 12 „zweiten Preisträger“ erhalten als Dankeschön fürs Mitmachen die „Fantasy-Bibliothek“  (Sekundarstufenschulen) oder die „Kinderhörbücher-Kassette“ (Grundschulen) der Süddeutschen Zeitung.

Die Dokumentation des Wettbewerbs (pdf, 500kb)

Update 15.5.11: Es war eine freundliche Geste der Ministerin, selbst den Preis an die beiden Gewinnerschulen zu überreichen. Die Schulbibliotheken werden auf der Arbeitsebene des Ministeriums schon seit Jahrzehnten nicht vernachlässigt, bei aller Betonung der gesetzlichen Nichtzuständigkeit (In Stein gemeißelt ist die ja nun auch nicht gerade.) Aber dass die Ministerin einlädt, ist schon etwas Besonderes.

Basedow1764 gießt aber gleich wieder Wasser in den Wein:

Für die Ministerin ist die Schulbibliothek eine Institution der Leseförderung. Dort werden Bücher ausgeliehen und gelesen. Dass sie darüber hinaus eine Rolle als Lernort haben, als Ort der Vermittlung von Medien- und Recherchekompetenz ist über Fachöffentlichkeit hinaus wenig bekannt. Daran vermochte auch die LAG Hessen, die seit einem Vierteljahrhundert Schulbibliothek als Wissenszentrum, Lernort und pädagogische Werkstatt praktiziert und propagiert, nichts zu ändern. Wenn wir im Kopf eines Ministers waren, war die Legislaturperiode vorbei und ein neuer kam.

Dabei ist gerade die Steinwald-Mediathek ein hervorragendes Beispiel für ein Medien- und Informationzentrum.

Da müssen wir, bei aller Dankbarkeit für die Veranstaltung, noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Materialien der Buchmesse-Schulbibliothek in Leipzig jetzt online

Die Präsentationen und Vorträge aus dem „Stundenplan“ der temporären Schulbibliothek auf der Leipziger Buchmesse 2010 sind jetzt online .

Manual zur Recherchekompetenz

Eine Handreichung für die Nutzung einer Schulbibliothek am Beispiel der Weidigschule Butzbach, verfasst von Andrea Jung-Mack, kann jetzt von hessischen Lehrkräften und Schulen kostenlos bestellt werden. (Es ist die 11. Publikation, die die LAG den Mitgliedern zur Verfügung stellt.)

Es geht um das Recherchieren im LITTERA WebOPAC und in Lexika und Sachbüchern.

Die Broschüre enthält Aufgabenstellungen für die Jahrgangsstufen 5 – 9, Arbeitsblätter, Lösungsblätter sowie Linktipps zum Thema „Informationen aus dem Internet“.

Die Teilnehmer/-innen des 20. Hessischen Schulbibliothekstages erhielten das Manual mit ihren Tagungsunterlagen.

Hier geht es zum pdf des Manuals!

Leseleistung und Schulbibliotheksnutzung. Eine Black Box?

Im Zusammenhang mit der Arbeit der britischen Schulbibliothekskommission, über die ich kürzlich berichtet habe, ist eine Umfrage über die Nutzung von Schulbibliotheken entstanden:

Christina Clark (2010)  Linking School Libraries and Literacy : Young people’s reading habits and attitudes to their school library, and an exploration of the relationship between school library use and school attainment. National Literacy Trust http://www.literacytrust.org.uk/assets/0000/5760/Linking_school_libraries_and_literacy_2010.pdf

17000 Schüler/-innen in 112 Schulen wurden Ende 2009 befragt. Heraus kam, dass Mädchen die Schulbibliothek mehr benutzen als Jungen, Jüngere mehr als Ältere, Kinder mit asiatischem Migrationshintergrund mehr als Weiße und Schwarze. Die Nutzung sei nicht schichtspezifisch.

Ergebnisse
Fast 70% der Befragten nutzen die Schulbibliothek. Die Gründe sind: Sie hat interessante Bücher. Sie hat nicht nur Bücher, sondern auch andere Medien. Sie hat Computer. Es hilft ihnen im Unterricht. Die Freunde gehen hin. Es ist ein angenehmer Ort.

Alles nicht sonderlich überraschend, das meiste evident. Auch die Zweidrittelnutzung kommt in den meisten Umfragen vor. (Hatte ich auch bei einer Umfrage unter sechs Schülerjahrgängen in meiner Schule.)

Was mir am meisten imponiert ist die Tatsache, dass es solche Umfragen gibt.  (Frau Schavan hat mir gerade mitteilen lassen, dass sie meinen Vorschlag, Schulbibliotheksforschung durch ihr Haus zu finanzieren, interessant findet, aber in den nächsten acht Jahren liefe erst einmal ein Leseförderprojekt mit Arztpraxen und öffentlichen Bibliotheken.

Etwas aber fällt mir auf: Herausgefunden wurde in der Studie, dass die Schulbibliotheksbenutzer ihre Lesekompetenz  doppelt so hoch einschätzen wie die Nichtnutzer. Auch in weiteren Items zu  Lesen (Lesefreude, -häufigkeit u. a. m.) unterscheiden sich Nutzer und Nichtnutzer erheblich.

Die Verfasserin der Studie weist darauf hin, dass sie einen Zusammenhang von Schulbibliotheksnutzung und Leseleistung (reading attainment) beobachtet hat, dass sie aber nicht sagen kann, ob die gute Leseleistung zur Nutzung motiviert oder die Schulbibliotheksnutzung die Ursache guter Leseleistung ist.

(Womit ich wieder bei meiner Skepsis gegenüber empirischer Bildungsforschung bin.)

Kann jemand mal eine Umfrage designen, in der gefragt wird, warum jemand zum Leser geworden ist? Oder kann man Schüler/-innen beobachten, die mehrere Jahre eine gute Schulbibliothek benutzen (dürfen/müssen)?

Nachtrag: Irritierend finde ich , dass zur gleichen Zeit eine Umfrage derselben Institution zur Nutzung der öffentlichen Bibliotheken unter denselben (?) 17000 Schüler/-innen zu denselben Antworten führt, nur dass diesmal die öffentliche Bibliothek gemeint ist.

Die Schlagzeile, mit der der Bericht aufgemacht ist, lautet genau wie ein Befund der Schulbibliotheksumfrage:

„Children who use the library are twice as likely to be above average readers“.

Ist das Ressourcenoptimierung? Oder liegt es an meiner nicht optimierten Informationskompetenz?

Australien: Studenten sind eifrige Nutzer der UB

Was erwarten Studenten von einer Hochschulbibliothek und was machen sie eigentlich dort? Diese Fragen bewegten australische Bibliothekswissenschaftler. Die Bibliothek der Universität von Queensland hat Letzteres detailliert erfragt.

  • Die Mehrheit arbeitet individuell im Rahmen des Studiums.
  • Aber auch Arbeitsgruppen treffen sich dort.
  • Für die Mehrheit war wichtig, dass die Bibliothek günstig gelegen ist, dass sie finden, was sie suchen und Platz sowie eine anregende Atmosphäre vorfinden. (Das alles hat Vorrang vor sozialen Aspekten wie Gruppenarbeit.)
  • Man kam von zu Hause oder nach der Vorlesung.
  • Die Bibliothek wird regelmäßig benutzt.
  • Die meiste Zeit wurde am Computer verbracht und in Stillarbeit (Ca. 4,5 Std in der Woche mit Printmedien, mehr als 11 Stunden mit digitalen Medien).
  • Es wurde auch gechattet, eMails wurden versandt und Facebook geöffnet.
  • Meist wurde weniger geschafft, als man sich vorgenommen hatte, aber dafür mehr andere Dinge erledigt.
  • Gewünscht wurden mehr Computer und mehr Platz für Stillarbeit.

Die Forscher waren erstaunt, welch wichtige Rolle die Universitätsbibliothek spielt. 60% der Befragten besuchen sie täglich. Die Hälfte etwa 30 Minuten, ein Viertel sogar mehr als zwei Stunden. (Zu fragen wäre, wie die Arbeitsmöglichkeiten in den Studentenbuden und Wohnheimen sind.)

Der UB-Direktor und Verfasser des Artikels, Prof. Keith Webster, hat in einem Design-Workshop außerdem mit Studenten erarbeitet, welche Einrichtungen erwünscht sind, wenn es um Gruppenarbeit, individuelle Semesterarbeiten und Examensvorbereitung geht:

  • Räume mit Smartboards oder Beamern und anderer Ausstattung, die Teamarbeit erleichtert.
  • Abschließbare, schalldichte(!) Arbeitsplätze, an denen man seine Sachen, inklusive Laptop, liegen lassen kann, wenn man die Arbeit unterbricht.
  • W-LAN, viele Stecker,
  • die Möglichkeit, Präsentationen üben und Medien produzieren zu können.
  • Für die Examensvorbereitung waren die Wünsche ähnlich, dazu kamen aber noch „Erholungszentren“ mit Sitzmöbeln und Getränken.

Die Bilanz: Die Studenten schätzen die Bibliothek als Lernort. Sie haben konkrete Erwartungen an den Raum und sie nutzen vorrangig digitale Ressourcen.

Die Erkenntnisse aus der o. a. Studie sind auch für die Schulbibliotheksentwicklung hilfreich. Ich  sehe Schulbibliotheken näher bei Hochschulbibliotheken als bei Stadtbibliotheken. Schulbibliotheken sind Einrichtungen, die den Zielen der Schulen verpflichtet sind, die organisatorisch in deren Struktur eingebunden sind und die den Interessen und Bedürfnissen der Lehrer und Schüler dienen.

Ich fühle mich in dem bestätigt, was ich kürzlich den Südtiroler Freunden vortragen durfte: Auch in den angelsächsischen Schulbibliotheken wird der Raum mehr als optimal ausgestatteter Lernort gesehen denn als Büchermagazin. Und die Schulbibliothekare werden zu Experten für digitales Lernen.

„The Library Space as Learning Space”, in: EDUCAUSE Review, vol. 45, no. 6 (November/Dezember 2010), URL: http://www.educause.edu/EDUCAUSE+Review/EDUCAUSEReviewMagazineVolume45/TheLibrarySpaceasLearningSpace/218705 (angesehen 23.12.10)

Den Hinweis auf den Aufsatz verdanke ich Prof. Hobohm, FHP Potsdam

Schulbibliothekare für das 21. Jahrhundert

Auf dem Bibliotheksforum Südtirol in Bozen Ende November 2010 durfte ich den Einführungsvortrag halten . Man feierte man den 20. Geburtstag des Südtiroler Schulbibliotheksgesetzes:
Mit dem letzten Button rechts auf der Unterkante kann der Text auf Bildschirmgröße gestellt werden.
Hier ein Auszug:
Gesucht wird von einem College in Sydney, Klassen 5 – 12, ein:
Abteilungsleiter digitales Lernen und Informationsdienstleistungen
Aufgabe:
  • Leitung der Collegebibliothek und der Mitarbeiter/innen im Bereich Informationsdienstleistungen. Beide Bereiche (also Bibliothek und Information) sind für pädagogische, fachliche und digitale Dienstleistungen  zuständig.
  • Zusammenarbeit mit dem Abteilungsleiter EDV beim Auswählen, Entwerfen, Entwickeln von digitalen Lernprogrammen.
  • Zusammenarbeit mit Fachbereichsleitern beim digitalen Lernen
  • Sicherstellen, dass Schüler und Lehrer digitale Ressourcen zur Verfügung haben und beim Medieneinsatz kompetente Unterstützung finden,
  • … dass die Bibliothek auf die Bedürfnisse der Lehrenden und Lernenden zugeschnitten ist…
  • Die Unterrichtsverpflichtung beträgt 20% der Arbeitszeit.
Voraussetzungen:
  • Ausbildung als teacher-librarian,
  • Unterrichtspraxis (classroom teacher),
  • Erfahrung im Bereich digitales Lernen
Erwünscht:
  • Qualifikation in EDV und Lehrplanentwicklung
Eigenschaften:
Das muss man in Englisch lesen! 🙂  Innovative, excellent communication skills, leadership, excellent management skills. Der Abteilungsleiter untersteht (direkt) dem Schulleiter. Wie alle Collegemitarbeiter/innen wird der Abteilungsleiter regelmäßig beurteilt.
Zur  Quelle

Kaum bin ich aus Bozen zurück, finde ich bei Joyce Velenza das „Handbuch“ für meine Vision des Schulbibliothekars des 21. Jahrhunderts.