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Schulküche statt Schulbibliothek

Die Curie-Grundschule in Bautzen/Sachsen hat einen Schwerpunkt im praxisbezogenen Lernen mit allen Sinnen. Das wird ihr zum Verhängnis:

Die bei der Modernisierung der Schule eingeplante Bibliothek wird nämlich jetzt gestrichen. Stattdessen soll die Schulküche in den Raum kommen. Laut Schulverwaltungsamt kann die Schule auf eine zentrale Bibliothek verzichten. Für sie wäre sowieso kein Personal da. Die Klassen bekämen „altersgerecht und fachspezifisch Leseecken“. So beschloss es denn auch der Bautzener Stadtrat. Der Beschluss erfolgte einstimmig, bei einer Enthaltung.

Ein Stadtrat, dem eine Schulbibliothek unverzichtbar erscheint, schlug vor, sie im Keller unterzubringen. Die Mehrkosten von 25.000 € für die Küche werden durch Einsparungen an anderer Stelle erwirtschaftet.

(Quelle: Sächsische Zeitung v. 28.5.16)

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Erfolgsgeschichte Schulbibliothek. Ein Beispiel

Hier ist ein Bericht, wie ich ihn liebe: knapp, übersichtlich und anregend. Er zeigt genau das, was ich mir unter einer Schulbibliothek vorstelle und das, was ich seit Jahren, nein schon viel länger, propagiere:

Die Schulbibliothek als Lernort, als das moderne Klassenzimmer. Man kann das auch gerne Lernwerkstatt, Lernatelier, Wissenszentrum, meinetwegen auch LIZ, KOZ oder so ähnlich nennen.

In der Big Walnut Middle School in Sunbury, Ohio, hat man die Schulbibliothek komplett reorganisiert. Was mich vor allem beeindruckt: Man hat nicht, wie das in USA so oft geschah, einen Makerspace daraus gemacht. Statt 10 Schüler wie in der alten Schulbibliothek kommen jetzt 100 am Tag.

Der Bericht (in Englisch, mehrere Fotos)

Nebenbei: Ein Foto zeigt einen Projektor, der Whiteboards alt (und teuer) aussehen lässt. Basedow1764 hatte zuletzt 2012 darüber berichtet. Hallo Landratsamt Barnim! Was hat die Aktion „Ein Whiteboard in jedes Klassenzimmer“ gekostet?

 

Die Bibel: Raus aus der Schulbibliothek?

Der US-amerikainische Bibliotheksverband veröffentlicht regelmäßig die Liste der zehn Bücher, über die es die meisten Beschwerden in Bibliotheken gab: the most-challenged books .

Erstmals ist 2015 darauf die Bibel verzeichnet. Sie liegt auf Platz 6.

Beschwerdegrund ist, dass Staat und Religion auseinander gehalten werden müssten. Staatliche Einrichtungen wie Bibliotheken und Schulen dürften dafür kein Geld ausgeben.

Das ist erstaunlich für einen Staat wie die USA, deren Gesellschaft viel religiöser ist als die deutsche.

Lernatelier: Zukunft oder Vergangenheit?

Die Internetrecherche der Schüler/-innen soll stets auf der Webseite der Schulbibliothek beginnen, der Recherche-Plattform der Schulbibliothek des Johann-Schöner-Gymnasiums in Karlstadt am Main:

lernatelier

Die Idee ist inzwischen preisgekrönt: Die Schulbibliothek wurde Deutschlands „Bibliothek des Jahres“,  erreichte beim Wettbewerb einer Würzburger Bank einen dritten Platz und findet in Südtiroler Schulbibliotheken laut der Würzburger Main-Post großen Anklang.

Die Arbeit in dieser Schulbibliothek ist, soweit man dies im Internet verfolgen kann, beeindruckend.

Bei der Fokussierung auf die Rechercheeinstiegsseite habe ich Einwände. Möglicherweise sind sie unberechtigt, da ich nicht weiß, wie man damit arbeitet. Hier ist meine Einschätzung von Rechercheportalen in Schulbibliotheken:

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Potsdam bietet schulbibliothekarischen Lieferdienst für Schulen

Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam (ZLB) bietet einen Hol- und Bringdienst für Grundschulen.

Geliefert werden Bücher für das Klassenzimmer und Austauschbestände für verschiedene Klassenstufen, die Bereitstellung von Klassensätzen für den Unterricht, die Unterstützung schulischer Leseförderprojekte und auch Autorenlesungen werden angeboten. Die zuständige Mitarbeiterin ist telefonisch unter 0331/289 66 30 zu erreichen.

Die Lieferung auch für Schulbibliotheken wird nicht erwähnt. Wie schon früher berichtet, werden Schulbibliotheken in der SLB eher als Konkurrenz empfunden. Betont wird, dass sich das Angebot an Grundschulen richtet, weil deren Schüler meist noch nicht alleine in die Hauptbibliothek gehen dürfen.

Die einzige Potsdamer kombinierte Stadtteil- und Schulbibliothek im Babelsberger Goethe-Gymnasium wird dagegen geschlossen. Die Bibliothek musste vor zwei Jahren wegen Sanierung der Schule in einen Ersatzstandort umziehen. Zurück kann sie nicht mehr, da die Schule Klassenräume dringender braucht als eine Bibliothek. Am Ersatzstandort kann sie auch nicht bleiben.

Was ich nicht verstehe, ist, dass weder die Schulleitung noch das kommunale Immobilienmanagement eine Schulbibliothek für wesentlich ansahen und dafür gesorgt haben, dass dies bei der Sanierung berücksichtigt wird.

 

Schulbibliothekarische Qualifizierungsmaßnahmen?

Prof. Nancy Everhart, früher Vorsitzende des US-amerikanischen Schulbibliotheksverbandes AASL, jetzt Schulbibliotheksprofessorin in Florida, erfragt im Rahmen eines Forschungssemesters an der Berliner Humboldt-Universität das Interesse von deutschen Bibliothekswissenschaftlern, schulbibliothekarische Qualifizierungsprogramme anzubieten.

Ziel der Studie ist es, herauszufinden, welche Einstellungen, insbesondere welche Vorbehalte, es gegenüber solchen Programmen gibt.

Ihr Fragebogen erfordert ca. 15 Minuten Zeit.