Schlagwort-Archive: Sachsen

Nach 50 Jahren wieder eine Schulbibliothek

Die Weinhold-Oberschule im sächsischen Vogtland hat nach 50 Jahren wieder eine Bibliothek.

Ein Artikel in der Freien Presse mit interessanten Details.

Kopiergeld müssen in Sachsen die Kommunen und nicht mehr die Eltern zahlen

Spiegel online meldet ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bautzen. Eine Schülermutter hatte gegen das Einsammeln von 34 € geklagt. Sie wollte das Geld vom Schulträger erstattet bekommen. Schließlich stünde Lehrmittelfreiheit im Schulgesetz. Die sächsischen Kommunen befürchten ein Ansteigen ihrer Schulden.

Es knirscht im Bildungsland Sachsen

Das angeblich führende Bildungsland Sachsen hat die demographische Entwicklung vernachlässigt: Immer mehr Lehrer/-innen erreichen das Pensionsalter und es gibt mehr Schüler/-innen als erwartet. Jetzt herrscht Lehrer/-innenmangel. Vor allem den Grundschulen fehlen Lehrer, in der Sekundarstufe fallen ganze Fächer aus.

Kultusminister Wöller hatte über die Jahre Lehrer neu eingestellt, es reicht aber nicht. Die Landesregierung will außerdem 70000 Stellen in der Landesverwaltung abbauen, dazu sollte eigentlich auch die Lehrerschaft als größte Berufsgruppe beitragen. Um dennoch mehr Stellen zu finanzieren, wollte Wöller die Sportförderung in seinem Haus kürzen. Damit ging er zu weit: Der Ministerpräsident entzog ihm die Zuständigkeit für Sport und tauschte seinen Staatssekretär aus. Daraufhin trat der Kultusminister zurück.

Brandneu: Soziale Herkunft und Schulerfolg hängen irgendwie zusammen

In einem Interview wird der Bildungsökonom und Nobelpreisträger James Heckman gefragt: „Manche sagen, vor allem brauchen arme Familien mehr Geld.“ „Nein, so geht es nicht…“ „Worum geht es dann?“ „Das sehen Sie hier in Chicago: Hier gibt es ein Wohnungsprojekt in einer armen Gegend, in denen (sic!) Kinder unter miserablen äußeren Bedingungen aufwachsen. Aber die Mütter … haben auf ihre Kinder geachtet. Sie haben sie vor der Umgebung geschützt, sie in die Schule geschickt und ihnen geholfen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Kinder haben sehr viel erreicht, obwohl sie unter schlechten Bedingungen aufgewachsen sind.“

Das ganze Interview „Die Eltern müssen in die Schule“ in: Frankf. Allg. Sonntagszeitung, 18.3.2012, p. 35

So viel zum „Chancenspiegel“ der Bertelsmann-Stiftung, in dem Altbekanntes in neuen Diagrammen gezeigt wird. Doch, das Folgende kann ich mir nicht verkneifen:

Brandenburg hat in den Diagrammen einen bundesdeutschen Spitzenplatz bei der Abiturientenquote und den Leseschwachen im 9. Schuljahr. Und einen Spitzenplatz wegen der niedrigen Sitzenbleiberquote. Wie das alles korreliert, wurde nicht untersucht. Könnte dies ein Hinweis sein?: „Benachteiligte Jugendliche im 9. Jahrgang erreichen 48 Kompetenzpunkte weniger als privilegierte Jugendliche (Bundesdurchschnitt: 67 Kompetenzpunkte Unterschied). Ländervergleich: Spitzengruppe (Geringster Abstand im Vergleich der 16 Bundesländer).

Sachsen hat extrem wenig ausländische Mitbürger/-innen (3%), überdurchschnittlich viele Förderschüler und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. (Siehe dazu auch schon meine PISA-Anmerkungen!) Wegen seiner vielen Ganztagsschulen schneidet es in der sogenannten Kategorie „Integrationskraft“ aber gut ab. Die Quote der Abgänger ohne Abschluss ist höher als in Baden-Württemberg, das eine geringere Förderschülerquote und überdurchschnittlich viele Zuwanderer hat.

Als ich 1964 Abitur machte, gehörte ich zu den privilegierten 6% des Schülerjahrgangs. Ausweislich des Bertelsmann-Chancenspiegels liegt der Bundesdurchschnitt 2011 bei fast 50% eines Jahrgangs. Ist das eine zu wenig gewürdigte bildungspolitische Leistung? Man könnte wie in Frankreich ein berufliches Abitur vergeben, 12 Jahre gehen auch Berufsschüler in die Schule, nicht nur Gymnasiasten. So schafft Frankreich 70% Abiturienten. Hamburg schafft das Sitzenbleiben ab. Das sichert dem Bundesland einen Spitzenplatz in zukünftigen Rankingtabellen der Bildungsforscher/-innen.

Die Bertelsmann-Studie will festgestellt haben, dass die Spitzengruppe der Leistungsstarken zwischen 2006 und 2009 von 9.9.% auf 7,6%, also um mehr als 23%  gesunken ist.

Siehe u. a. auch:

Sächsisches Bibliotheksgesetz. Das einäugige unter den blinden

Die Grünen legen in Sachsen einen Gesetzentwurf vor.

Man sich informiert und weiß von der amerikanischen Schulbibliothekswirkungsforschung. So kommt ein Paragraph zustande, der dem dbv zeigt, wie man es macht.

Es fehlt erfreulicherweise die Lyrik von Leseförderung, Berufsberatung und Medienerziehung und die wechselhafte Definition von Schulbibliothek aus dem HesBiblG.

Dennoch, wieder dasselbe Spiel: Der Schulträger ist verantwortlich, nicht der Freistaat. Da wird der Landtag beschließen, was längst beschlossen ist. Das ist nicht der Sinn eines Gesetzes.

Die Zusammenarbeit Bibliothek und Schule, die im Entwurf kaum vorkommt, wird als Artikelgesetz im Schulgesetz institutionalisiert: Ein dbv-Vertreter soll im Landesbildungsrat sitzen.

Die Grünen deuten an, dass 6 Mio. € Zuschüsse des Landes an die Träger der Bibliotheken fällig werden. Nach Maßgabe der dem Land zur Verfügung stehenden Mittel natürlich. Davon sollen 20% der Personal und 20% der Kosten jährlichen Bestandserneuerung übernommen werden sowie die Kosten der zu schaffenden digitalen Bibliothek des Landes.

Von der Systematik des Gesetzes her gilt die vorgeschlagene Finanzierung nur für öffentliche Bibliotheken. Was nachvollziehbar ist, denn schon eine Überschlagsrechnung, die von halben Stellen in den Schulen ausgeht, überschreitet die 6-Millionen-Grenze.

Ich bleibe bei dem Slogan: Schulbibliotheken statt Bibliotheksgesetze!