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Sind Schulbibliotheksmenschen nicht clever genug?

In Brandenburg ist Landtagswahl“kampf“. Kaum ein Baum oder ein Laternenpfahl, an dem kein Wahlplakat aufgehängt ist. Ich wundere mich, dass es auf den Straßen nicht zu Zusammenstößen von schwarzen Fünflitermercedeslimousinen kommt, so viele Minister/-innen sind auf „Sommerreise“ und verteilen Lottogelder in Alters- oder Tierheimen, an Aktivist/-innen vielfältiger zivilgesellschaftlicher Anliegen. Oder die örtliche Feuerwehr bekommt ein neues Fahrzeug und die Polizeibeamten Zulagen.

Dass die Minister-/innen – sogar der Staatskanzleichef muss helfen, Schecks zu überreichen – einer Schulbibliothek Geld gespendet hätten, habe ich in der Zeitung nicht gelesen.

Das sei alles transparent, erklärt der Finanzminister, der gerade auf einer – wie er sagt – dienstlichen „Sommerreise“ durch das Land ist, die bis kurz vor den Wahltag andauert. Anträge auf Lottomittel würden jederzeit entgegengenommen und an das zuständige Ministerium weiter geleitet.

Kombi-Bibliotheken in Hessen: Ein Jahrtausendprojekt

Das hessische Wissenschaftsministerium zahlt öffentlichen Bibliotheken jährlich Zuschüsse im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs. Dieser besagt, dass die Kommunen einen Teil der dem Land zur Verfügung stehenden Steuereinnahmen erhalten und dass dabei auf einen Ausgleich zwischen finanzstarken und finanzschwachen Kommunen geachtet werden muss.

Vor mir liegt die Pressemitteilung, in der das Wissenschaftsministerium die Verteilung der für öffentliche Bibliotheken gedachten Mittel für 2012 verkündet. 1.250.000 € sind es.

Unterstützung erhalten auch Kommunen im Hochtaunuskreis, an der Bergstraße und im Main-Tunus-Kreis. Finanzstarke Kommunen scheint es in Hessen nicht mehr zu geben. Ich erinnere mich, dass mir – vor Jahrzehnten – gesagt wurde, gefördert würden vor allem kleinere öffentliche Bibliotheken draußen im Lande. In der Liste 2012 stehen auch Großstädte, etwa Frankfurt am Main.

Wer nachforscht, findet auch die Liste der Projekte: Ca. 200.000 € aus diesem Topf dienen der Förderung der Kooperation der öffentlichen Bibliotheken mit Schulen: Die Bibliotheken erweitern ihren Bestand an Lernhilfen und KJL, kaufen Notebooks für Schüler, kaufen für 8.000 €(!) einen WebOPAC. Ein Bibliotheksverbund in Mittelhessen bezahlt mit 24.000 € den Zugang zu der kostenpflichtigen Datenbank Munzinger-Archiv, wo man Biographien, Gedenktage, den Duden und den Brockhaus findet. Das soll von Schulen mitbenutzt werden dürfen. Wohlgemerkt: Bei den Beträgen handelt es sich nur um die Landeszuschüsse!

Es sind, großzügig gerechnet, ca. 15 Unterstützungsfälle, bei denen Schulkooperation genannt wird. Es ist nicht immer eindeutig zu erkennen, wem es nützt. Wie viele Schulen haben einen Nutzen? Weiterlesen

Zur Einrichtung von Schulbibliotheken 23: Holt Euch die Staatsknete!

Der LAG Schulbibliotheken  in Hessen e. V. war es Anfang der 90er Jahre gelungen, bei den Fraktionen  im Hessischen Landtag Mittel für Schulbibliotheken im Haushalt des Kultusministeriums anzuregen. Seit dieser Zeit weisen wir regelmäßig darauf hin, dass Schulen Zuschüsse aus diesem Etat für ihre Schulbibliothek beantragen können.

Das läuft so ab, dass die Schule beim KM einen Zuschuss zu einem Vorhaben beantragt, dieses beschreibt und nachweist, dass sie Mittel dafür vom Schulträger oder vom Förderverein bekommt. Das Ministerium finanziert anteilig, nicht vollständig!

Das Schreiben geht an das Ministerium: „Sehr geehrte Frau Ministerin!…“ Es kommt schon zur richtigen Sachbearbeiterin.

Eigentlich war das nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Mit den Schulbibliothekshaushaltsmitteln sollte das Schulbibliothekswesen in Hessen gefördert werden. Eine paternalistische Mittelvergabe an einzelne Schulen („Ich weise Ihnen einmalig einen Zuschuss von … zu“) war nicht das, was wir wollten. Aber da das KM für Schulbibliotheken eigentlich überhaupt nicht zuständig ist, war das besser als gar nichts.

Die List der Vernunft sagte uns auch, dass, je mehr Anträge auf Zuschüsse beim KM eingehen, desto größer die Einsicht wäre, dass hier Bedarf besteht. (Für Dialektiker: Die Quantität schlägt irgendwann einmal in Qualität um.)

Möglicherweise eine Folge der Antragsflut war, dass eine Kultusministerin einmal eine Pressemitteilung verfassen ließ, in der sie darauf hinwies, dass Schulbibliotheken vom Land finanziell unterstützt würden. Gemeint war, dass sie (auch) den jedem Minister zustehenden Reptilienfonds Lottomittel für Schulbibliothekszwecke nutzte.

Wie schon früher also auch 2011 wieder die Aufforderung: Schreibt Anträge auf Zuschüsse! 500 €, 1000 € oder auch mehr, wenn am Jahresende noch etwas übrig ist, sind drin.

(Man kann auch an andere Minister schreiben. Alle haben Zugriff auf Lottomittel: Der Wirschaftsminster kann z. B. Wirtschaftsbücher bezuschussen, der Sportminister (Innenressort) Fußballbücher, der Justizminister rechtskundliche Literatur. Der Umweltminister … Wenn Sie glauben, das sei ein Witz: Ihre Nachbarschule kommt damit ins Fernsehen.)