Schlagwort-Archive: Ländervergleich

Der Osten überholt den Westen

Wenn Erich Honecker das noch erlebt hätte! (Wenigstens seiner Frau, der Volksbildungsministerin, ist es vergönnt.)

Der Ländervergleichstest 2012 in Mathematik und Naturwissenschaften besagt, dass alle ostdeutschen Bundesländer zur Spitzengruppe gehören. Nur Bayern könne noch mithalten.

Wie kommt´s? Weiterlesen

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Grundschulländervergleich (3)

Die Ökonomen Berthold Wigger und Georg-Benedict Fischer haben die Daten der IQB-Studie neu sortiert und konstatieren einen Zusammenhang von Lesefähigkeit und Migrationshintergrund. Aber einen spezifischen: Sie bilden Gruppen von Migranten (z. B.  Ost- und Südosteuropa, EU) und stellen fest, dass die Gruppe „Türkei, Nah- und Mittelost sowie Afrika“ die schlechtesten Leseleistungen aufweist.

Gerechnet werden konnte nur mit westdeutschen und Berliner Zahlen, da die Zahlen für Migranten in Ostdeutschland nicht bekannt bzw. verschwindend gering sind. Es zeigte sich, dass die o. a. Problemgruppe in Bremen einen Bevölkerungsanteil von 11,7 % umfasst, in Bayern dagegen nur 5%. Dem möglichen Einwand, dass Korrelation den Zusammenhang nicht erklärt, begegnen sie mit dem süffisanten Satz, dass es natürlich auch sein könne, dass diese Migrantengruppe sich dort niedergelassen haben könnte, wo es schon leseschwache Grundschüler gab.

Im Sprachgebrauch von taz und Berliner Grünen wäre die Studie von Wigger und Fischer wohl rassistisch.
(Nach einem Artikel in der FAZ v.17.10.12: „Zuwanderung macht die Differenz“)

Grundschul-Länderranking 2011: Zugang zur Bibliothek flächendeckend gewährleistet

„Der  Zugang  zu  Bibliotheken  oder  Klassenbüchereien…  scheint  in
fast  allen  Ländern  nahezu  flächendeckend  gewährleistet  zu  sein. … zu  dieser Art des Angebots haben alle Schülerinnen und Schüler weitgehend unabhängig  von  den  im  Fach  Deutsch  erreichten  Kompetenzniveaus  in  ähnlichem  Maße Zugang. (IQB-Studie, S. 260)

Post-edit: Dies herauszubekommen lag nicht im Forschungsinteresse der Forscher/-innen, denn sonst hätten sie sich nicht mit dem Anschein begnügt, sondern erforscht, ob es so sei.

Die Forscher/-innen haben die Schüler/-innen in Stufen der erreichten Kompetenz eingeteilt und nach Zugang zu speziellen Kursen und Programmen gefragt sowie nach Schulbibliothek, Klassenbücherei, Kooperation mit einer öB (innerhalb dieser Gruppe „Bücherei“ wurde nicht weiter unterschieden). Der/die Schulleiter/in setzte ein Häkchen oder keins. Immerhin gab es einige wenige, die ehrlich waren und zugaben, dass ihre Schüler keinen Zugang zu einer Bücherei haben.

Die höheren (KS III) und niedrigeren (KS II) Kompetenzstufen wurden in je einer Tabelle zusammengefasst und veröffentlicht (s. u.). Der Unterschied beim Zugang zu Büchereien (im oben erklärten Sinne) zwischen lesekompetenteren und weniger kompetenteren Schülern ist im Bundesdurchschnitt minimal: 92,8 zu 94,6%.

Interessanter wird es beim Ländervergleich: Sachsen hat neben Bayern die lesekompetentesten Schüler Deutschlands. Beim Zugang zu Büchereien haben die sächsischen Schüler der KS III und höher aber den drittschlechtesten Wert unter den Bundesländern. Sachen-Anhalts Schüler lesen praktisch genauso gut wie die sächsischen. Sie haben dagegen einen hervorragenden Wert beim Zugang zu Büchereien. Es ist wie immer: Korrelationen sind keine Kausalitäten!

Was sagt uns das?

Bei den internationalen Studien TIMMS/IGLU wurden die Schulleiter noch nach „Schulbibliothek“ gefragt. Kaum sind deutsche Erziehungswissenschaftler/-innen allein zuständig, wird sie zusammengerührt mit Kooperationsverträgen des Deutschen Bibliotheksverbandes.

Wir fiebern den Ergebnissen der gerade laufenden Ländervergleichserhebung 2012 entgegen. Sie werden im Herbst 2013 veröffentlicht werden.

  • „Zugang“ kann dann allerdings wie im Falle der Grundschule meines Sohnes auch heißen, dass lediglich ca. alle 4-6 Wochen ein Bücherbus in die Schule kommt! (Kommentar von Frau Dietrich aus Hessen)

Brandneu: Soziale Herkunft und Schulerfolg hängen irgendwie zusammen

In einem Interview wird der Bildungsökonom und Nobelpreisträger James Heckman gefragt: „Manche sagen, vor allem brauchen arme Familien mehr Geld.“ „Nein, so geht es nicht…“ „Worum geht es dann?“ „Das sehen Sie hier in Chicago: Hier gibt es ein Wohnungsprojekt in einer armen Gegend, in denen (sic!) Kinder unter miserablen äußeren Bedingungen aufwachsen. Aber die Mütter … haben auf ihre Kinder geachtet. Sie haben sie vor der Umgebung geschützt, sie in die Schule geschickt und ihnen geholfen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Kinder haben sehr viel erreicht, obwohl sie unter schlechten Bedingungen aufgewachsen sind.“

Das ganze Interview „Die Eltern müssen in die Schule“ in: Frankf. Allg. Sonntagszeitung, 18.3.2012, p. 35

So viel zum „Chancenspiegel“ der Bertelsmann-Stiftung, in dem Altbekanntes in neuen Diagrammen gezeigt wird. Doch, das Folgende kann ich mir nicht verkneifen:

Brandenburg hat in den Diagrammen einen bundesdeutschen Spitzenplatz bei der Abiturientenquote und den Leseschwachen im 9. Schuljahr. Und einen Spitzenplatz wegen der niedrigen Sitzenbleiberquote. Wie das alles korreliert, wurde nicht untersucht. Könnte dies ein Hinweis sein?: „Benachteiligte Jugendliche im 9. Jahrgang erreichen 48 Kompetenzpunkte weniger als privilegierte Jugendliche (Bundesdurchschnitt: 67 Kompetenzpunkte Unterschied). Ländervergleich: Spitzengruppe (Geringster Abstand im Vergleich der 16 Bundesländer).

Sachsen hat extrem wenig ausländische Mitbürger/-innen (3%), überdurchschnittlich viele Förderschüler und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. (Siehe dazu auch schon meine PISA-Anmerkungen!) Wegen seiner vielen Ganztagsschulen schneidet es in der sogenannten Kategorie „Integrationskraft“ aber gut ab. Die Quote der Abgänger ohne Abschluss ist höher als in Baden-Württemberg, das eine geringere Förderschülerquote und überdurchschnittlich viele Zuwanderer hat.

Als ich 1964 Abitur machte, gehörte ich zu den privilegierten 6% des Schülerjahrgangs. Ausweislich des Bertelsmann-Chancenspiegels liegt der Bundesdurchschnitt 2011 bei fast 50% eines Jahrgangs. Ist das eine zu wenig gewürdigte bildungspolitische Leistung? Man könnte wie in Frankreich ein berufliches Abitur vergeben, 12 Jahre gehen auch Berufsschüler in die Schule, nicht nur Gymnasiasten. So schafft Frankreich 70% Abiturienten. Hamburg schafft das Sitzenbleiben ab. Das sichert dem Bundesland einen Spitzenplatz in zukünftigen Rankingtabellen der Bildungsforscher/-innen.

Die Bertelsmann-Studie will festgestellt haben, dass die Spitzengruppe der Leistungsstarken zwischen 2006 und 2009 von 9.9.% auf 7,6%, also um mehr als 23%  gesunken ist.

Siehe u. a. auch:

Leselust Brandenburger Schüler

aus: Bildungskommission der Länder Berlin und Brandenburg (Hrsg.), Bildung und Schule in Berlin und Brandenburg – Herausforderungen und gemeinsame Entwicklungsperspektiven (2003), pp 120 -122

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler in Brandenburg unter den 15-Jährigen, deren Leseleistungen ein elementares Niveau nicht überschreiten, ist auch im Vergleich der Länder der Bundesrepublik Deutschland ungewöhnlich hoch – obwohl Brandenburg durch Arbeitsmigration nur geringfügig betroffen ist. Rund 28 Prozent der 15-Jährigen muss man nach den PISA-E-Befunden als potenzielle Risikopersonen betrachten, für die allein aufgrund geringer Lesekompetenz Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in die berufliche Erstausbildung prognostizierbar sind.

 

 

In Brandenburg ist auch der Anteil der Jugendlichen, die angeben, niemals zum Vergnügen zu lesen, mit 43 Prozent sehr hoch (zum Vergleich: In Bayern beträgt dieser Anteil 33 %, in Tirol allerdings 64%). Nach eigenen Angaben lesen in Brandenburg 70 Prozent der schwachen Leser niemals zum Vergnügen; Die Kommission hält es für dringend erforderlich, der Schlüsselqualifikation „Lese- und Sprachkompetenz“ erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Dies gilt für das Handeln in den Sekundarschulen ebenso wie für die politisch-administrative Entscheidungsebene.

Die Sicherung von Lesekompetenz auf einem ausreichenden Niveau für die gesamte nachwachsende Generation sollte eine Aufgabe höchster Priorität sein. Diese Prioritätensetzung sollte sich auch in der Ressourcenallokation widerspiegeln.

Die Kommission sieht Handlungsbedarf vor allem auf der Ebene der einzelnen Schulen. Lesekompetenz ist das Musterbeispiel für eine fächerübergreifende Schlüsselqualifikation, für deren Aneignung in der Phase des Schriftspracherwerbs die Hauptverantwortung zunächst beim Deutschunterricht liegt, die dieser aber mit zunehmender Schulbesuchsdauer mehr und mehr mit allen anderen Unterrichtsfächern teilt. Spätestens in der Sekundarstufe I muss die Entwicklung des Leseverständnisses Sache aller Unterrichtsfächer sein.

Die Schulen müssen in die Lage versetzt werden, auf diagnostizierten Förderungsbedarf auch mit zusätzlichem Unterricht an Nachmittagen und sogar an Samstagen reagieren zu können.

Es handelt sich um einen sieben Jahre alten Text, nicht um eine aktuelle Studie!