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Kulturmobil ade

Die derzeitige Ministerin hat das Kulturmobil der  Musikschule Frankfurt/M geschenkt.

Zur Erinnerung: Nachdem 1992 die Idee der schulbibliothekarischen Arbeitsstellen in jedem hessischen Schulamtsbezirk gescheitert war, schob die LAG Schulbibliotheken den Vorschlag eines zentralen Beratungs- und Fortbildungsfahrzeugs nach.  Der Kultusminister fand Gefallen an der Idee. Realisieren ließ sie sich allerdings nur als Fahrzeug für Kulturelle Praxis. Dazu gehörten die  Musik-, Theater- und Medienpädagogen.

Nach zwei Jahren  verließen die Schulbibliotheksleute das Team. Ihre Veranstaltungen brachten nicht die Teilnehmerzahlen der künstlerischen Angebote.

Der Eklat bei der Vorstellung des Fahrzeugs 1995 war das Menetekel: Der Kultusminister brachte die LAGs durcheinander und bedankte sich bei der LAG Darstellendes Spiel (den Theaterpädagogen) für die Idee und nicht bei der LAG Schulbibliotheken. Dem Ministerialbeamten, der ihn zu korrigieren wagte, fuhr er in der Pressekonferenz über den Mund.

Spannend war auf jeden Fall die Bauphase: Wo hatte es das schon gegeben? Ein Ministerium baut einen Sattelschlepper für die Lehrerfortbildung.

 

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Schulbibliotheksreferat des HKM soll auch zukünftig erhalten bleiben

In der LAG Schulbibliotheken machte man sich Sorgen, dass das Schulbibliotheksreferat im Hessischen Kultusministerium im Zuge von organisatorischen Änderungen in naher Zukunft verschwinden könnte. Es war 1992 in Folge der Aufnahme des Schulbibliotheksthemas in den Koalitionsvertrag von Rot-Grün entstanden und ein Baustein der Erfolgsstory des hessischen Schulbibliothekswesens geworden.

Nach Abschluss des Kooperationsvertrages zur „Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule“ 2005 ging die bisher in der hessischen Lehrerfortbildung angesiedelte Schulbibliotheksfortbildung an die Hessische Landesbibliothek über. (Was durchaus sinnvoll war, weil die klassische hessische Lehrerfortbildung mitsamt dem Arbeitsbereich Schulbibliotheken im Zuge der Modernisierung des hessischen Bildungswesens aufgelöst wurde. Die Nachfolge des Arbeitsbereichs trat, so könnten man sagen, die Schulbibliotheksberatung in der Hessischen Landesbibliothek an, die u. a. dafür zwei halbe Lehrerstellen vom Ministerium bekam. Leider haben beide Teilzeitabgeordneten nicht Schulbibliotheken als Arbeitsschwerpunkt, sondern Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule, insbesondere Leseförderung.

Die Landesbibliothek bestritt anfänglich die Zuständigkeit des ministeriellen „Projektbüros Schulbibliotheken“ für ganz Hessen, ein Streit, der nach einem Machtwort des KM beigelegt wurde.

Die Landesbibliothek möchte natürlich nicht nur die beiden Lehrerstellen behalten, sondern jetzt auch die Kosten ihrer Organisation von Schulbibliotheksfortbildung vom KM bezahlt haben.

Der Schulbibliotheksreferent selbst betonte in einem Grußwort auf dem Schulbibliothekstag 2009 die Bedeutung der Landesbibliothek und des Kooperationsvertrages für das hessische Schulbibliothekswesen. Es sah also alles danach aus, dass seine Tätigkeit entbehrlich werden würde.

Das dem „sicherlich“ nicht so sein wird, hat das Ministerium inzwischen dem Landesvorsitzenden der LAG, Hans Günther Brée, geschrieben.

Update Februar 2012: Einen Nachfolger für den Schulbibliotheksreferenten gibt es nach bisher neun Monaten nicht.

Was die hessischen Schulbibliotheksreferenten bewirkt haben:

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Ein Medienbus

Ich wollte keinen Bücherbus, sondern einen Truck.

1994 durfte ich ihn bauen. Nach dem Scheitern der Pläne für schulbibliothekarische Arbeitsstellen in allen Landkreisen war der Truck ein Rettungsversuch: Eine mobile Beratungs- und Fortbildungseinrichtung für Schulbibliotheken und Leseförderung, das „Lesemobil“. Ich kannte den niedersächsischen Lesebus und hielt dessen Raumaufteilung für wenig originell und untauglich für Fortbildung. Die gebrauchten Busse, die wir uns bei Mercedes in Frankfurt am Main ansahen, hatten gigantische Kilometerzahlen auf dem Tacho und waren immer noch recht teuer. Auch Doppelstockbusse erwiesen sich als untauglich. Wenn ich auf meinen Sohn gehört hätte, wäre es von Anfang ein Truck geworden. Ein Sattelschlepper mit ausfahrbarer Kabine (Idee: Büro Prof. Turkali Architekten) als Seminarraum wurde es dann. Eine zünftige Zugmaschine sollte es auch sein. Wenn die auf den Schulhof führe, würden alle Schülerinnen und Schüler zu Leserinnen und Lesern.

Aber es waren „Kröten“ zu schlucken: Wir mussten das Fahrzeug mit den Theater-, Musik-, Kunstpädagogen und den Videofilmern teilen. Außerdem reichte das Geld nicht für einen klassischen US-Truck a la Mack oder Kenworth. Es wurde ein untermotorisierter MAN-Sattelschlepper, der die eine Mini-Schulbibliothek, eine mobile Theaterbühne, das Beleuchtungsset und die Videokoffer mit Mühe über die Hügel des Hintertaunus zog. Das Handy für den Fahrer und den Windabweiser auf dem Kabinendach musste ich wieder abbestellen, das Ministerium sparte an jeder Ecke.

Das Fahrzeug, Kulturmobil genannt, fährt die Schulen noch heute an und bietet Fortbildung in den genannten künstlerischen Bereichen. (Nachtrag: Das Projekt wurde 2010 beendet.) Die „grauen Mäuse“ des Schulbibliothekswesens waren schon nach zwei Jahren nicht mehr dabei. Sie erfüllten die Quoten nicht. Zu ihren Veranstaltungen kamen 5 oder 7 Lehrer/-innen, zu den Musik- oder Theaterkursen 18 oder 25. Das Wort Schulbibliothek auf der Außenhaut wurde überpinselt.

Ich erinnere mich daran, weil ich gerade Fotos von einem digitalen Büchertruck der Bibliothek von Charlotte und Mecklenburg County, NC, USA, sehe:

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