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Anne Fine, Bills neues Kleid

In vorgenderistischen Zeiten ein wunderbares Buch. Ein Junge wacht, warum auch immer, als Mädchen auf, muss ein rosa Kleid anziehen und verbringt einen qualvollen Tag als Mädchen, lernt aber auch einiges.

Für Genderisten systemstabilisierend, daher abzulehnen.

51qgak0wbal-_sx374_bo1204203200_ Anne Fine, Bills neues Kleid, 1987, deutsch 1993 (antiquarisch)

Eine Geschlechtertauschgeschichte aus der Zeit, als es noch nicht üblich war, postmodern von heterosexueller Dominanz der weißen Rassisten, ihren milchweißen Frauen und ihrem Sexualneid auf dunkelhäutige Antänzer auf der Kölner Domplatte zu schwadronieren.

NB.: Von Anne Fine lesenswert sind auch Das Baby-Projekt und Der Neue! Alles sehr preiswert im modernen Antiquariat.

Parkplatzgebühr für Lehrer in Köln

Dass Lehrer die Deppen der Nation sind, ist Allgemeinplatz. Sie werden bestens bezahlt, haben lange Ferien, nachmittags meistens frei, bringen, wenn man PISA Glauben schenkt, den Schülern nichts richtig bei, haben von Computer und Internet keine Ahnung und lassen sich früh pensionieren.

Da kann man von ihnen auch noch eine Parkplatzgebühr verlangen. Das tut jetzt die Stadt Köln bei ihren Innenstadtschulen. Die Lehrer könnten doch mit dem Rad oder dem öPNV kommen. Wenn sie zwischen häuslichem Büro und Schule so viel hin und her schleppen müssen, sollten sie sich einen Trolley zulegen. Die städtischen Bediensteten würden schon seit Jahren eine Parkplatzgebühr zahlen.

Da haben wir es wieder. Die sowieso schon privilegierten Lehrkräfte fordern jetzt auch noch einen kostenlosen Parkplatz.

Nachdem ich 15 Jahre lang in der linken Hand eine Schultasche schleppte, in der rechten eine Plastiktüte für den Klassensatz Aufsatz- oder Haushefte, Referatmappen oder private Literaturlexika (eine Schulbibliothek habe ich mir erst später eingerichtet), habe ich auf Anraten des Orthopäden einen Pilotenkofferrolli angeschafft. Für den Rücken war es zu spät.

Ein Raum in der Wohnung war Arbeitszimmer: Regal für Fachbücher, Schreibtisch, Schreibmaschine, Kassettenrecorder (Die in der Schule waren entweder kaputt oder ausgeliehen), Computer, Drucker, dann privater Laptop (hin und her schleppen!). Das kleine Trostpflaster, die steuerliche Absetzbarkeit des Zimmers, wurde langsam aber sicher auf Null zurückgefahren. Wenn man den Lehrern schon anständige Arbeitsplätze in den Schulen verweigert, muss man nicht auch noch ihre häuslichen Arbeitszimmer subventionieren.

Ein Arbeitszimmer in der Schule? Das bekam ich erst als Schulleiter. Wo in der öffentlichen Verwaltung erwartet der Arbeitgeber ein home office und verweigert einen Arbeitsplatz in der Zentrale?

Der Staat New York wagte vor Jahrzehnten einmal das Experiment einer Anwesenheitspflicht in der Schule. Das wurde bald abgeblasen, Bau- bzw. Mietkosten für Arbeitszimmer belasteten den Schuletat. Man kann das für 800000(?) Lehrer/-innen in Deutschland gerne einmal hochrechnen. Es muss noch nicht einmal für jeden ein eigenes Arbeitszimmer sein.

Ein Nebeneffekt war, dass das, was während der angeordneten regulären Arbeitszeit bis 16.45 Uhr nicht erledigt war, liegen blieb. Da begann das System zu knirschen. Es wurde deutlich, was jede Arbeitszeituntersuchung seit Jahrzehnten herausfindet: Die Arbeitszeit bei Lehrern ist nach oben offen. Sie liegt, auch unter Einrechnung des Ferienvorteils, weit über dem üblichen tariflich Vereinbarten. Um Gottes Willen keine Anwesenheitspflicht!

Ein gewitzter Bundesfinanzminister verwies die Lehrer auf die Klassenzimmer. Klar, die sind immer einmal ein Stündchen leer, ab 15 Uhr auch länger, um 15.30 Uhr fährt der Hausmeister die Heizung zurück und die Flurbeleuchtung, zweimal in der Woche lehrt ab 18 Uhr die Volkshochschule darin. Bleiben die Lehrer/-innenzimmer. Inzwischen gibt es welche, in denen fast jede/r einen Schreibtisch hat. Jedes Großraumbüro ist eine Oase der Konzentration im Vergleich zu einem Lehrerzimmer. Am besten man macht sich in der „Freistunde“ unsichtbar. Bevor man den Kaffeeautomaten erreicht, wird schon ein Vertretungslehrer gesucht oder ein Schüler meldet, dass draußen eine Schlägerei wäre.

Habe ich schon vom Essenskostenzuschuss für städtische Bedienstete geredet? Wenn ich wegen Nachmittagsunterricht oder der ständigen Konferenzen dableiben musste, zahlte ich voll, falls eine Gaststätte in der Kleinstadt um 14 Uhr noch warme Küche hatte. (Die Zeiten gab es mal!). Nebenan erhoben sich gerade zwei Sachgebietsleiterinnen der Stadtverwaltung und überreichten dem Wirt ihr Essensmärkchen.

Den Kölner Innenstadtlehrern kann man nur einen Versetzungsantrag empfehlen.

Eine Mayersche-Filiale in Köln schließt

Wie bei kommunizierenden Röhren: Der E-Book-Umsatz steigt, Buchhandlungen schließen.

Nicht nur Hugendubel, auch die Mayersche Kette ist betroffen. Zuerst bezog ich die Meldung auf die Filiale am Kölner Neumarkt, aber es ist der Laden in der Schildergasse. Die Neumarkt-Filiale war eine meiner Lieblings-Buchhandlungen als ich noch im Rhein-Main-Gebiet wohnte. Ein- bis zweimal im Jahr schnell nach Köln, zwei dicke Tüten mit Büchern, der Zigarrenladen mit dem begehbaren Humidor und noch eine Ausstellung in Bonn. Ein wunderbarer Samstag und am Sonntag wieder Klassenarbeiten korrigieren. Hugendubel in Frankfurt/M konnte mit der Meyerschen nicht mithalten.

Update 22.6.12: Auch Melcher in Potsdam verlässt der hohen Miete wegen das Karstadtpalais und schließt in Brandenburg/Havel ganz