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Jugendbuchblogs

Das Börsenblatt nimmt Jugendbuchblogs und Youtuber, die über Jugendbücher reden, unter die Lupe.

Reine Jungen- und Mädchenbücher scheinen sexistisch zu sein

In Groß-Britannien gibt es eine Online-Petition, die Verlage, Buchhandlung und Medien auffordert, gender-orientierte Kinder- und Jugendbücher nicht zu verlegen, nicht zu besprechen und zu verkaufen. Sie bleibt nicht ohne Erfolg, wie der Independant berichtet, ebenso der Guardian. Die erstere Zeitung geht mit gutem Beispiel voran und verzichtet zukünftig auf die Rezension von Kinder- und Jugendbüchern, die als Zielgruppe jeweils nur ein Geschlecht haben. Das erniedrige Kinder und Jugendliche, wie in der Überschrift des Artikels festgestellt wird.

Eine kalifornische Soziologieprofessorin hat 6.000 zwischen 1900 und 2000 veröffentlichte Kinder- und Jugendbücher untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass 57% einen männlichen Protagonisten haben, nur 31 % eine Protagonistin, auch bei Tiergeschichten sei die Dominanz männlicher Tiere dreimal so hoch. Diese fortwährende Ungleichheit, so die Professorin,  sei eine subtile symbolische Auslöschung der Frau mit Hilfe von Tiergeschichten.

Erwachsene scheinen von der Petition nicht betroffen. Die Abschaffung von Frauenliteraturpreisen und Frauenbüchern wird nicht gefordert.

Die Gendertheorie besagt, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, abgesehen von der biologischen Beschaffenheit, anerzogen werden. Dass z. B. Jungen mit Baukästen und Autos spielen und Mädchen lieber mit Puppen und am liebsten Pferdebücher lesen, sei keineswegs naturgegeben. Jungen bekämen nur keine Chance, mit Puppen zu spielen oder Pferdebücher zu lesen. In Norwegen hat man die Erfahrung gemacht, dass das mit den Puppen und Pferdebüchern bei Jungen sich leider nicht durchsetzt. Jetzt stoppt man die Förderung von Genderlehrstühlen.

In Frankfurt/M haben die drei männlichen Stadtverordneten der „Römerfraktion“ ( wohl als Scherz?) beantragt, dass die Stadtverwaltung zukünftig von Bürger- und Bürgerinnensteig“ spreche, statt die vermännlichende Form „Bürgersteig“ zu benutzen. Der Magistrat lehnte ab. Aber auch in Frankfurt ist der „Fußgänger“ abgeschafft zu Gunsten der „zu Fuß Gehenden“. Das neue gendergerechte Wort für „Fußgängerampel“ wurde noch nicht bekannt gegeben.

Jungen kaufen Bücher!

Tilman Spreckelsen zitiert in der FAZ v. 29.10. eine Studie des Börsenvereins und der Jugendbuchverleger. Im Kinder- und Jugendbuchmarkt gelten die Eltern, Tanten und Gro0eltern als Käufer. Aber der Anteil der Jugendlichen, die ihre Lektüre selbst kauften, habe zugenommen. Die 10- bis 19jährigen machen 15% der Kunden aus, eine höhere Zahl als je zuvor. Das liege vor allem daran, dass die Jungen mehr selbst kaufen. Bei den 11- bis 15jährigen kauften sie fast so viele Bücher wie Mädchen. Sie gingen in die Buchhandlungen, stöberten, ließen sich beraten und kauften.

25% (2009: 20%) der Kinder- und Jugendbücher würden für den eigenen Bedarf gekauft.

Spreckelsen führt den gestiegenen Anteil der Jungen darauf zurück, dass es inzwischen ein breites Angebot für sie gäbe, z. B. die Reihe „Gregs Tagebuch“ oder – meine Ergänzung – die Superman- und Batman-Reihen des Fischer-Verlages.

Kurztrip zur Frankfurter Buchmesse 2012

Warum ich nach einer Pause doch wieder einmal von Potsdam zur Frankfurter Buchmesse fuhr, lag wohl in der Hauptsache daran, dass ich testen wollte, ob ich die lange Strecke auch mit meinem neuen Kleinwagen bewältigen kann.

Nicht nur das geht in Ordnung. auch der Besuch der Messe hat nicht geschadet. Die Verleihung des Jugendliteraturpreises ist immer wieder schön anzuschauen. Man lernt die Staatssekretäre des Bundesfamilienministeriums kennen. (Es kann nicht immer die Ministerin teilnehmen.) Der diesjährige hielt eine Rede, in der man ihm die wesentlichen Aspekte des Kinder- und Jugendbuchmarktes angesprochen wurden. So hätte sich Herr Boos von der Buchmesse-AG eigentlich wieder auf die von seinen Fans hoffnungsvoll erwartete neue Lieferung eines Leseerlebnisses aus Kindheit und Jugend konzentrieren können. Diese Hoffnung enttäuschte er zwar, dafür plädierte er leidenschaftlich für mehr Engagement von Vätern in der Leseförderung. Angesichts des überwiegendst weiblichen Publikums ein dringlicher Appell. Die Chefin der Kritikerjury, Dr. Susanne H. Becker, erwies dem in München ansässigen Arbeitskreis für Jugendliteraur ihre Reverenz dadurch, dass sie ein elegantes Dirndl trug.

Es gab Jahre, da war das Auditorium sehr begrenzt und die Einlasskarten Bückware. Dann folgte der überfällige Wechsel in den großen Saal Harmonie. Inzwischen werden zusätzlich zu den 1000 Sitzplätzen Stehplatzkarten vergeben. Man redet von der größten Veranstaltung der Buchmesse und Herr Boos betonte die Bedeutung der KJL für diese. Warum baut man dann das Auditorium nicht so um (was m. E. technisch möglich ist), dass die Stehplatzinhaberinnen und Treppensitzerinnen ordentliche Sitze bekommen?

Für die Auswahl gilt meine Bemerkung von 2009 und 2010 (s. u.): KJL zum Fall der Mauer, zur „Wende“ oder zur SED-Diktatur sind chancenlos. Zweiter Weltkrieg und Holocaust sind dagegen eine sichere Bank. (Um Missverständnissen vorzubeugen, liebe taz, liebe Antifa: Es geht mir weder um Leugnung noch um Relativierung.) Wenn ich nicht wüsste, dass sich Jugendliche dafür interessieren, dass es – vor allem im Osten – in den Schulen zu kurz kommt, dass – ebenfalls dort und keineswegs nur vereinzelt – eine DDR erinnert wird, die es so nie gab, und dass es nicht zuletzt diese Literatur gibt, würde ich nichts sagen. Zuletzt gab es 2003 von der Jugendbuchjury(!) einen Preis für „Krokodil im Nacken“ von Klaus Kordon.

Nun ist der Preis nicht unabhängig von den Interessen des Marktes. Es scheint also für Verlage uninteressant zu sein, von der DDR zu erzählen.

Dann erzählt mir ein ehemaliger Verlagsleiter, dass er schon in den 90ern eine Autorin ermuntert hatte, darüber ein Kinderbuch zu schreiben. („Ich kenne es!“ konnte ich rufen.) Leider habe man im Verlag ein langweiliges Cover und einen ebensolchen Titel gewählt.

Siehe Deutscher Jugendliteraturpreis im Basedow1764: 2009 und 2010.
Meine (sehr) unvollständige Liste von Jugendbüchern zur DDR